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Mittwoch den 25. Mai

93

Nr. 120.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Nachdem es das seitherige Verfahren, daß die Gemeinderechner die Mahnungen zur Zahlung rückständiger Posten nicht selbst bewirken, sondern die Mahnzettel behufs Zustellung den Königlichen Steuerkassen übersenden, sich als ungeeignet ergeben hat, mache ich die Herren Bürger­meister in Abänderung der pos. 7 meiner Verfügung vom 21. Oktober 1886 Kreisblatt Nr. 253 aufmerksam auf Artikel 12 u. 13 der Anweisung vom 15. September 1879 (Extrabeilage zum Amtsblatt Nr. 83 Seite 512). Danach sind die Mahnzettel von der Erhebestelle, also von den Gemeinde-Rechnern unmittelbar behändigen zu lassen. Etwa entgegenstehende Bedenken sind mir anzuzeigen und die Rechnungsführer entsprechend zu belehren.

Hanau am 20. Mai 1887.

Der Königliche Landralh

A. 382 Gf. Bismarck.

Jmpfordnung

für die diesjährigen Impfungen in den nachstehenden Gemeinden: Grotzauheim: Erstimpfung den 1. Juni c., Nachmittags 4 Uhr; Revision am 8. dess. M., 4

Wiederimpfung am 8. dess. M., 5

Revision am 15. dess. M. zu derselben Stunde;

Grotzkrotzenburg: Erstimpfung am 3. Juni c, Nachmittags 4 Uhr; Revision am 10. dess. M. zu derselben Zeit; Wiederimpfung am 10. Juni, Nachmittags 5 Uhr; Revision am 17. dess. Mts. zu derselben Zeit.

Die Herren Bürgermeister der vorstehend genannten Orte mache ich aufmerksam auf die genaue Befolgung der Vorschriften, insbesondere des §. 3, für die Ortspolizeibehörden bei der Ausübung des Jmpfgeschäfts.

Hanau am 20. Mai 1887.

Der Königliche Landrath

A. 1163 Gf. Bismarck.

Die Herren Bürgermeister, welche mit der Erledigung meiner durch das Kreisblatt ergangenen Verfügung vom 2. d. M. noch im Rückstände sind, werben an umgehende Einreichung der Uebersichten über die zur Zwangsvollstreckung überwiesenen Rückstänve an Communal- und Schul- abgaben resp. Erstattung von Vacal-Anzeigen wiederholt dringend erinnert.

Hanau am 24. Mai 1887.

Der Königliche Landrath

A, 1080.________________Gf. Bismarck.

Tagesschau.

P. Aus dem Reichstage. Berlin, 24. Mai. Der Reichstag erledigte zunächst Rechnungssachen und dann in verhältniß- mäßig kurzer Zeit die zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die U n- fallv ersi ch erung der bei Bauten beschäftigten Personen. Der Referent Abg. Struckmann (nat.-lib.) betonte, daß im Einverständniß mit der Regierung die Kommission bemüht gewesen sei, das Gesetz praktisch zu gestalten, und auch der Staatssekretair des Innern, Staatsminister v. Boetticher, sprach seinen Dank für die rasche und zweckmäßige Erledigung der Vorlage seitens der Kommission aus. Nur die freisinnigen Abgeord­neten hielten bei § 4 (Träger der Versicherung) ihre Gegnerschaft gegen die ganze Organisation der Unfallversicherung, wie bei früheren ähnlichen Vorlagen, aufrecht. Eine Debatte knüpfte sich dann nur noch an den § 10, in welchem die Kommission statt des Umlageverfahrens der Regie­rungsvorlage das Deckungsverfahren vorschlägt. Der Staatssekretair des Innern, Staatsminister v. Boetticher, hielt zwar daran fest, daß durch die Vorschläge der Regierung der Zweck des Gesetzes sich auch hätte er­reichen lassen, erkannte aber auch die Gründe an welche für die Kom­missionsbeschlüsse maßgebend gewesen, und erklärte sich bereit, eventuell die Anträge der Kommission im Bundesrathe zu befürworten. Er be­fürchte dabei den Vorwurf der Inkonsequenz nicht, denn es handele sich hier darum, praktische Gesetze zu schaffen. Es wurden im klebrigen durch­weg die Kommissionsbeschlüsse angenommen. Morgen: Erste Berathung der Zuckersteuervorlage. Nach Schluß der Sitzung wird morgen die Vertagung des Reichstages bis zum 7. Juni erfolgen.

1887.

Berlin, 24. Mai. Se. Majestät der Kaiser haben Allergnädigst geruht den bisherigen Gesandten in Madrid, Wirklichen Geheimen Rath Grafen zu Solms-Sonnewalde, von diesem Posten zu anderweiter dienst­licher Verwendung abzuberufen.

Berlin, 24. Mai. Se. Majestät der Kaiser und König em­pfingen heute Vormittag den Polizeipräsidenten Freiherrn v. Richthofen, besichtigten sodann auf dem Tempelhofer Felde die 2. Garde - Infanterie- Brigade und nahmen Nachmittags die Vorträge des Chefs des Militär- kabinets, Generals v. Albedyll, und des Chefs der Admiralität, General- Lieutenants v. Caprivi, entgegen. Vor der Besichtigung hatte der Kriegs- Minister Sr. Majestät die neuen Train-Fahrzeuge für die Infanterie vor­gestellt.

Berlin, 24. Mai. (K. Z.) Die gründliche Untersuchung des Halsleidens des Kronprinzen seitens der hervorragendsten Aerzte hat er­geben, daß eine Operation unnöthig ist.

Berlin, 24. Mai. S. M. KreuzerNautilus", Kommandant Kapitän-Lieutenant v. Hoven, ist am 23. Mai cr. in Manila eingetroffen und beabsichtigt am 24. dess. Mts. wieder in See zu gehen. S. M. FahrzeugLohreley", Kommandant Kapitän-Lieutenant Frhr. v. Lyncker, ist am 23. Mai cr. in Konstantinopel eingetroffen.

Köln, 24. Mai. DieKöln. Volksztg." meldet aus Rom, die Breslauer Bischofsfrage werde binnen vierzehn Tagen erledigt und höchst wahrscheinlich Bischof Kopp ernannt werden. Bischof Klein (Limburg) sei noch nicht ganz außer Frage. Wegen der Neubesetzung des Fuldaer Stuhls würden bereits Unterhandlungen geführt.

Stratzburg, 24. Mai. (K. Z.) Der Steindrucker Klausinger vom Bezirkspräsidium, der unter dem Verdacht, an dem Landesverrath des Botenmeisters Brückner und des Kanzlisten Cabannes betheiligt zu sein, verhaftet werden sollte, hat sich mit Scheidewasser vergiftet und liegt schwer krank.

Hamburg, 23. Mai. Fürst Bismarck hat auf die Einladung des Senats, bei Gelegenheit der Eröffnung des Baues des Nord-Ostsee- Kanals auf dem Rückwege Hamburg zu besuchen, in einem überaus ver­bindlichen Schreiben erwidert, daß er sich besonders freuen würde, einmal einen Tag mit seinen HamburgerMitbürgern" zu verleben (der Fürst ist bekanntlich Hamburger Ehrenbürger), jedoch sei es noch zweifelhaft, ob seine Gesundheit ihm gestatten werde, der Feier in Kiel beizuwohnen, und er behalte sich deßhalb seine schließliche Antwort vor.

Hamburg, 24. Mai. (K. Z.) Heute früh 534 Uhr stürzte unter dem Drucke des Hochwassers ein Theil der frühern Chaussee nach Harburg auf dem jenseitigen Elbufer, welcher jetzt vorläufig als Damm für die neuen Hafendauten verwandt wird, ein. Sämmtliche umfang­reichen Baugruben sind mit Wasser angefüllt; der Damm zeigt noch mehrfache Risse, die ein weiteres Einstürzen besorgen laffen. Ein Verlust von Menschenleben hat nicht stattgefunden.

Stuttgart, 24. Mai. Prälat Karl Schmid, ein bekannter Pä­dagog und Herausgeber der Pädagogischen Encyclopädie, ist, 83 Jahre alt, hier gestorben.

Wien, 24. Mai. Das neue türkische Rundschreiben in der bul­garischen Frage ist jetzt hier amtlich übergeben worden. Es wird darin dringend gebeten, daß die Mächte sich über den Vorschlag eines oder zweier Candidaten für den bulgarischen Thron endlich einigen möchten.

Temesbar, 23. Mai. Die Gegend zwischen Paracz und Ccebza ist gänzlich überfluthet, Pctromary ist vollständig überschwemmt; viele Häuser sind eingestürzt, die Einwohner geflüchtet. Der Ort Mazedonia hat stark gelitten, das Torf Ccebza ist gänzlich vernichtet.

Bern, 24. Mai. Die Bundesversammlung ist auf den 6. Juni Unberufen worden. Der Bundesrath sucht einen Kredit von 840 000 Franks nach zur Anschaffung einer größeren Anzahl von 8,4 Centimeter- Ringgeschützen.

Paris, 24. Mai. Grauet, Lockroy, Boulanger und Berthelot konseriren gegenwärtig mit Floquet wegen der Neubildung des Kabinets. Gutem Vernehmen nach beabsichtigt Floquet, diejenigen Mitglieder des bisherigen Kabinets, welche es wünschen, in das neue Kabinet eintreten zu lassen. Parlamentskreise nehmen an, Tevelle, Goblet und Dauphin würden definitiv zurücktreten. Ueber die Zusammensetzung des neuen Ka­binets verlautet, daß Floquet das Ministerium des Innern übernehmen