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Mittwoch den 4. Mai
Nr. 103
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Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Für den am 18. Oktober 1862 zu Linz (in Oesterreich) geborenen und zu Dörnigheim ortsangehörigen Christian Vinzens Fritz ist um Entlastung aus dem Preußischen Unterthanen-Verbande behufs dauernder Niederlassung in Oesterreich nachgesucht worden.
Hanau am 28. April 1887.
Der Königliche Landrath
V. 2040 Gf. Bismarck.
Die Herrn Bürgermeister, welche meine Verfügung vom 1. v. Mts., V. 1492, — Kreisbl. Nr. 80 —, betreffend die im laufenden Jahre anzukörenden Zuchtbullen, noch nicht beantwortet haben, werden an die Erledigung innerhalb 8 Tagen hiermit erinnert.
Hanau am 3. Mai 1887.
Der Königliche Landrath
V. 1492 Gf. Bismarck.
NR. Der Fall Schnäbele.
Schon bei der Betrachtung über die militärischen Mehrausgaben, welche in dem Nachtragsetat für das Reich vorgesehen sind, war auf den wesentlich friedenerhaltenden Zweck dieser Maßnahmen und die nichts weniger als kriegerischen Absichten, welchen diese Vorsichtsmaßregeln zu Grunde liegen, hingewiesen. Einen neuen sprechenden Beweis von dem friedliebenden Charakter der deutschen auswärtigen Politik liefert die Erledigung des Falls Schnäbele. Ein französischer Beamter, gegen den die auf mehr als zureichendes Beweismaterial gestützte Beschuldigung vorliegt, mit der Organisation eines umfassenden Spionirsystems in den Reichslanden befaßt zu sein, wird auf deutschem Boden verhaftet und trotzdem wieder freigegeben, weil er behufs Besprechung mit einem deutschen Beamten und auf besten Anregung das deutsche Gebiet betreten hatte. Trotz der Gefährlichkeit der Schnäbelschen Pläne und obwohl das formelle Recht ohne Zweifel auf Seiten Deutschlands war, hat Se. Majestät auf Vorschlag des Fürsten Bismarck die Freigebung des Verhafteten im Interesse des ungestörten Grenzverkehrs genehmigt: ein Verfahren, durch welches nicht allein den Befürchtungen internationaler Verwickelungen, welche an den Zwischenfall sich knüpfen könnten, mit einem Male ein Ende gemacht, sondern auch dem Auslande, dem befreundeten, wie dem minder geneigten, der unwiderlegbare Beweis geliefert ist, daß die Erhaltung des Friedens nach wie vor unverrückt den Leitstern der deutschen Politik bildet.
Dieser Charakter der letzteren tritt um so wirksamer hervor, wenn man ihn mit dem Verhalten unserer Nachbarn und insbesondere der Franzosen vergleicht. Denn dort sieht man die von der Zentralstelle ausgehende Absicht, unter Benutzung der ordentlichen Organe der Grenzver- waltung Deutschlands benachbarte Theile mit einem vollständigen Netze von Spionage zu überziehen; somit Akte vorzunehmen, welche eine feindliche Absicht verrathen und zu deren Durchführung auf die mit Recht als am meisten verwerflich angesehenen Mittel zurückgreifen. Man wird nach so großmüthiger Erledigung des Falls Schnäbele auch wohl nicht verfehlen, den Franzosen klar zu machen, daß gewisse Praktiken auch von dem Friedlievendsten nicht geduldet werden können und aufgegeben werden , müssen, wenn anders der Friede erhalten bleiben soll.
T a g e s s ch a u.
Berlin, 3. Mai. Se. Majestät der Kaiser und König begaben Sich heute Vormittag 11 Uhr zur Besichtigung des 1. Garde-Regiments । }• F. mittels Extrazuges nach Potsdam.
Berlin, 3. Mai. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" publi- zirt eine weitere Reihe diplomatischer Schriftstücke aus dem Anfänge und Ende des vatikanischen Konzils (vom 23. März bis 6. Mai 1870 reichend), um nachzuweisen, daß innerhalb dieser beiden Grenzpunkte die Auffassung des Reichskanzlers, daß Deutschland von dem Konzil keine Beunruhigung zu fürchten habe, sich gleickgeblieben sei. Dem Gesandten von Arnim wird wiederholt Reserve und Mäßigung empfohlen; gegenüber seinem Drängen zu energischem Vorgehen wird aufs neue eingeschärft, daß er in zweiter Linie bleiben, bei seinen Schritten sich stets des Einverneh- rnens mit den preußischen Bischöfen versichern solle; die Note, welche v. Arnim eigenmächtig im Anschlüsse an die französische Vorstellung wegen
1887.
der Konzilsberathungen an den Staatssekretär Antonelli richtete, wird von seinem Vorgesetzten getadelt. Die „Nordd. Allg. Ztg." bemerkt hierzu: „Angesichts dieser dokumentarisch bewiesenen Thatsachen ist die zur Abwehr eigener Schuld in der Zentrumspresse verbreitete Behauptung, der preußische Kulturkampf habe im vatikanischen Konzil seinen Ausgang genommen, in das Gebiet der Geschichtsfälschungen zu verweisen."
Berlin, 3. Mai. Dem Vernehmen nach beabsichtigt die Staatsregierung im Interesse der Entwickelung der Hochseefischerei einen Fischereihafen bei Saßnitz, sowie einen Sicherheits- und Schutzhafen bei Norderney nebst einem Hafen zur Ueberführung der Fische auf die Bahn bei Norddeich anzulegen. Die betreffenden Vorlagen dürften dem Abgeordnetenhause in der nächsten Session zugehen. (Fr. N.)
Berlin, 3. Mai. Zum Vizepräsidenten des Reichsbankdirektoriums ist der Geheime Oberfinanzrath Koch ernannt.
Wilhelmshaven, 30. April. Die auf der hiesigen Werft in Ausbesserung befindlichen Schiffe des Schulgeschwaders, Stein und Prinz Adalbert, verlassen im nächsten Monat den Hafen. Briessendungen für das Geschwader sind wie folgt zu richten: 1) für den Geschwaderchef, Commodore Capitän z. S. v. Kall bis auf weiteres nach Kiel; 2) für Stein bis zum 6. Mai nach Wilhelmshaven, vom 7. Mai ab nach Kiel; 3) für Gneisenau bis zum 19. Mai nach Kiel, bis 22. Juni nach Swine- münde, bis 13. Juli nach Zoppot, später nach Kiel; 4) für Prinz Adalbert bis zum 3. Mai nach Wilhelmshaven, bis 1. Juni nach Eckernförde, bis 11. Juni nach Kiel, bis 31. Juli nach Zoppot, sodann nach Kiel;
5) für Moltke bis zum 11. Mai nach Kiel, bis 24. Juli nach Swine- münde, sodann nach Kiel. Poststation für das Flottenschiff Aviso Blitz und die Torpedoboote 8 25, 26, 27, 28, 29 und 30 ist bis auf weiteres Kiel, für S. M. Torpedodivisionsboot D 1 und Torpedoboote 8 1, 2, 3, 4, 5 und 6 bis auf weiteres Wilhelmshaven, Briefsendungen für das Vermessungsfahrzeug Drache sind vom 1. bis 3. Mai nach Wpk auf Führ, bis 7. Mai nach Tönning, bis 12. Mai nach Cuxhaven, bis 17. Mai nach Wilhelmshaven zu richten.
In der Nähe der kgl. Saline bei Erfurt fand ein Erdsall statt; ein Bergmonn, welcher sich an einem Seil in die circa 60 Raummeter breite Oeffnung hinabließ, fand keinen Grund.
Kiel, 3. Mai. Die Panzerschiffe „Kaiser" und „Oldenburg" wurden heute in Dienst gestellt.
Bern, 3. Mai. Professor Bernhard Studes, bekannt als Verfasser geologischer Werke über die Alpen und Präsident der schweizerischen geologischen Commission, ist gestern im Alter von 93 Jahren gestorben.
Rom, 3. Mai. Ein der Kammer gestern vorgelegter Gesetzentwurf bezweckt die Bildung von 24 Feld-Artillerie-Regimentern aus den gegenwärtigen 12 Regimentern. Das Regiment soll künftig zu acht Bat- terieen mit sechs Geschützen formirt werden. Ferner sollen zwei neue Kavallerie-Regimenter und acht Compagnieen Festungs- und Küsten-Ar- tillerie, sowie ein Regiment mit neun Gebirgs-Batterieen gebildet, die Genietruppen sollen um 12 Compagnieen vermehrt werden. Der Minister verlangt einen außerordentlichen Kredit von 12^2 Millionen für Ausrüstungszwecke und 2^2 Millionen für Beschaffung von Pferden. In Caserta wird eine Schule für die zu Offizieren aspirirenden Unteroffiziere, sowie eine Central-Artillerieschule eingerichtet.
Florenz, 3. Mai. Die Leiche Rossini's, welche bisher auf dem Pore Lackaise in Paris beigesetzt war, ist hier eingetroffen und von den hiesigen Regierungs und Gemeindebehörden, Vertretern der französischen Kolonie, sowie von hervorragenden Persönlichkeiten auf dem Gebiete der Musik in Empfang genommen worden. Die Leiche wird heute feierlich in das Pantheon übergeführt werden.
Paris, 3. Mai. Der Temps schreibt: „Es ist keineswegs, wie englische Blätter behaupten, eine Verhandlung zwischen Frankreich und Deutschland im Gange, um ähnlichen Zwischenfällen, wie der in Pagny war, vorzubeugen." (K. 3 )
Paris, 3. Mai. (K. 3 ) Bei Berathung der Ersparnisse in dem Budget für 1888 gelangte der Ministerrath zu dem Schlüsse, daß die Gesammtersparnisse 12 Millionen nicht überschreiten können, worunter 8 bis 9 Millionen auf das Knegsministerium und 2 Millionen auf die Finanzverwaltung kommen. Der Marineminister erklärte, in seiner Verwaltung feien Ersparnisse unmöglich. Ecblet theilte mit, er werde Schnä-