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Nr. 99. Freitag den
Bekanntmachungen Königl. LandrallMmts.
Die Herren Bürgermeister, welche mit der Berichterstattung auf meine Verfügung vom 18. d. Mts., V. 1797 (Kreisblatt Nr. 90), die in den Gemeinden vorhandene Krankenpfleger betreffend, noch im Rückstände sind, werden an die alsbaldige Erledigung erinnert.
Hanau am 27. April 1887.
Der Königliche Landrath
V. 1797 Gf. Bismarck.
Gefunden: Eine Leine. Eine Brieftasche mit Taufschein, auf den Namen „Friedrich Carl Kloß aus Hanau" lautend. Ein schwarzer Filzhut (in einem Gasthaus vertauscht). Ein Manschettenknopf mit Monogramm und Mechanik. Eine Milchkanne mit Milch. Eine Scheere.
Hanau am 29. April 1887.
~______________Aus Königl. Landrathsamt.
Tagesschau.
P. Aus den Parlamenten. Berlin, 27. April. Der Reichstag nahm heute in der zweiten Berathung den Gesetzentwurf, betreffend die Errichtung eines Seminars für orientalische Sprachen, in seinen beiden Paragraphen unverändert an und beschäftigte sich dann mit Wahlprüfungen. Die Wahlen der Abgg. Telius, Gottburgsen, Witte, Pfähler; Fürst Radziwill, Feustel und Telbrück wurden für gültig erklärt, bezüglich der Wahl des Abg. Richter (Hagen) hatte die Wahlprüfungskommission eine Resolution zur Erhebung über die behaupteten Unregelmäßigkeiten beantragt, die zu einer längeren Debatte über die Rechtmäßigkeit des Verbots einer sozialdemokratischen Wahlversammlung führte. Ein Antrag, die Erhebungen auch auf dieses Verbot aus zudehnen, wurde indeß abgelehnt und die Resolution angenommen. Nächste Sitzung Donnerstag, 5. Mai.
Das Herrenhaus trat heute den Aenderungen, welche das Abgeordnetenhauses zu der rheinischen Kreisordnung (betr. die Stellung der Ehrenamtmänner) beschlossen, nach längerer Berathung in namentlicher Abstimmung mit 51 gegen 29 Stimmen bä und erledigte dann noch einige Petitionen ohne allgemeines Interesse. Morgen: Einführungsgesetz zum Unfallversicherungsgesetz für ländliche Arbeiter; Novelle zur rheinischen Hypothekenordnung.
Das Abgeordnetenhaus nahm heute in dritter Berathung definitiv die kirchenpolitische Vorlage mit 243 gegen 100 Stimmen unverändert nach den Beschlüssen des Herrenhauses an. (42 Mitglieder, namentlich der freikonservativen, aber auch einige der konservativen sowie der nationalliberalen Partei, enthielten sich der Abstimmung.) Nach definitiver Erledigung zweier kleineren Gesetzentwürfe gelangte schließlich der Gesetzentwurf, betreffend die Gewährung einer staatlichen Subvention an die rheinische Provinzialhilfskasse behufs Hebung des Grundkredits, in zweiter Lesung zur Berathung, doch kam dieselbe heute noch nicht zum Abschluß, namentlich, da sich die Debatte sehr ausführlich über die Lage der Landwirthschaft und über die Mittel zur Abhilfe der Nothlage derselben verbreitete. Morgen Fortsetzung der Berathung.
Berlin, 28. April. Das Herrenhaus genehmigte entsprechend dem Anträge seiner Justiz- bezw. Agrarkommission die Gesetzentwürfe, betreffend Ergänzung des Ausführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze, sowie betr. die Abgrenzung und Organisation der Berufsgenossenschaften in land- und forstwirthschaftlichen Betrieben und endlich betr. das Theilungsverfahren und den gerichtlichen Verkauf von Immobilien im Geltungsbereiche des Rheinischen Rechts. Sonnabend: Kleinere Vorlagen und der vom Abgeordnetenhause veränderte Gesetzentwurf, betreffend die Leistungen für Volksschulen.
Das Abgeordnetenhaus setzte heute zunächst dre Berathung des Gesetzentwurfs, betr. die Gewährung einer staatlichen Subvention an die Rheinische Provinzialhilfskasse behufs Hebung des Grundkredits, fort, doch kam dieselbe auch heute noch nicht zum Abschluß, vielmehr wurde die Vorlage wesentlich in Folge der Erklärung des rheinischen Abgeordneten v. Eynern, daß die Kreartverhältnisse der Rheinprovinz und besonders der genannten Kaste staatliche Hilfsmittel zweifellos entbehrlich erscheinen ließen, an die Kommission zur nochmaligen Prüfung zurüaoer- wiesen. Schließlich gelangte noch eine Petition, betr. die Erziehung schulpflichtiger blinder Kinder, durch Uebergang zur Tagesordnung zur Erledigung. Morgen: Dritte Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Kantongefängniffe in der Rheinprovinz, Petitionen.
29. April 1887.
Berlin, 28. April. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute Verträge von dem Kriegsminister und dem Chef des Militär- kabinets entgegen und machten eine Spazierfahrt. Am Abend findet im Palais eine größere musikalische Soiree statt.
Berlin, 28. April. Der Budgetausschuß des Reichstags berieth heute in sechsstündiger Sitzung den Nachtragsetat durch, wobei die Kaser- nenbauten, bezüglich deren noch keine Pläne vorlagen, sowie die für Erhöhung der 'Schlagfertigkeit der Armee geforderten fünfzig Millionen, welche für das Artillerie-Retablissement bestimmt sein sollen, ausgeschieden wurden. Die übrigen Positionen wurden unverändert bewilligt. Ueber die Forderungen für strategische Bahnen wird in nächster Sitzung am Sonnabend Beschluß gefaßt. (Fr. N.)
Berlin, 28. April. Nachrichten aus Petersburg zufolge ist die Einführung der projektirten Paßsteuer vorläufig aufgeschoben worden. — Gerüchtweise verlautet, der russische Botschafter in Konstantinopel Nelivoff, sei zum Nachfolger des hiesigen Botschafters Schuwaloff bestimmt. (Rh. K.)
S. M. Kanonenboot Wolf, Commandant Capitänlieutenant Jäschke, ist am 27. April in Nagasaki eingetroffen. .
Wilhelmshaven, 27. April. Briefsendungen für die Torpedoboote 8 31 und 8 32 find bis auf weiteres nach Kiel zu richten.
Coblenz, 28. April. Gestern Nachmittag 4 Uhr stieß das Per- sonendampfschiff Concordia von der Landungsbrücke ab, um bergwärts nach St. Goar zu fahren; dasselbe fuhr, ehe der Brückendurchlaß frei war, gegen ein Brückenschiff von Joch Nr. 1 und beschädigte das Schiff, sodaß es sofort sank. Man ist mit dem Heben des gesunkenen Schiffes beschäftigt. Der Verkehr über die Schiffbrücke wird vor heute Abend nicht hergestellt sein.
Eilenburg, 27. April. Am Sonntag Nachmittag wurde hier in einfacher, aber würdiger Feier am Geburtshause des großen Sanges-- Meisters Franz Abt eine von hiesigen Gesangvereinen gestiftete Gedenktafel feierlichst enthüllt. Dieselbe trägt folgende Inschrift: „Hier wurde der deutsche Liedercomponist Franz Abt am 22. Dezember 1819 geboren. Er starb zu Wiesbaden am 31. März 1885. Zum Andenken gewidmet von den Gesangvereinen Liederhalle, Arion und Tischlerverein zu Eilenburg am 31 März 1887." (K. Z.)
Weimar, 28. April. Der Generalintendant des hiesigen Hoftheaters, Freiherr v. Loen, ist heute Nacht gestorben.
Kopenhagen, 28. April. General Haffner, Mitglied des Landsthings, ist heute Vormittag gestorben.
Paris, 28. A;nil. (K. Z.) Der Ministerrath trat heute Morgen 9 Uhr zusammen. Laut telegraphischer Nachricht aus Berlin hat die Frage Schnäbele eine endgültige gütliche Lösung gefunden.
London, 28. April. Bei der gestrigen Gerichtsverhandlung gegen 13 Socialisten, welche angeklagt waren, vor einiger Zeit in der Nähe des Hyde Parks Ruhestörungen veranlaßt zu haben, verurtheilte das Polizeigericht 7 Angeklagte zu 6 Monaten Zwangsarbeit, einen zu 1 Monat und einen zu 3 Wochen Gefängniß. Drei Angeklagte mußten eine Bürgschaft von 20 L. für zukünftige gute Führung hinterlegen und ein Angeklagter wurde freigesprochen. Drei der Verurtheilten beabsichtigen Berufung einzulegen.
London, 28. April. (K. Z.) Einer Depesche von Lloyds aus Lizard zufolge hat der gecharterte Dampfer „Professor Woermann" der Hamburg-Amerikaniichen Packetfahrt-Aktiengesellschaft, von Westindien kommend, heute früh Lizard mit gebrochenem Schafte passirt. Ein Bug- firdampfer ist zur Hülfe gesandt worden.
London, 28. April. Die Bank von England hat ihren Diskontosatz von 21/» pCt. auf 2 pCt. herabgesetzt.
AM" Fortsetzung der Tagesschau in der Beilage. <>£
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Militärisches. Sec.-Lieut. Vogel vom Drag.- Regiment Prinz Albrecht von Preußen (Litthau.) Nr. 1 ist unter Beförderung zum Prem.- Lieut. in das Rhein. Dragoner - Regiment Nr. 5 versetzt. Prem. - Lieut. Steinkoff vom Jnf.-Regt. Nr. 97, ist zum überzähligen Hauptmann befördert worden.
Militärisches. Durch einen neuerlichen Erlaß der Aufsichtsbehörden sind die Staats- (und wohl auch die Privat-) Bahnen angewiesen worden, alle Hauptbahnhöfe und Kreuzungsstationen mit Eimern und Trinkbechern ausrüstm zu lassen, so daß etwa durchkommende Truppen-