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Hanmer Anzeiger.

Arrgesich ArnLkic^ss ärgern Mv Stcröt- und Landkreis Kcrncru.

Erscheint täglich mit AvMshme der ta> und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 94.

Samstag den 23. April

1887.

Amtliches.

Bekanntmachung.

In dem gegenwärtig zum Landbestellbezirke des Postamts in Frank­furt (Main) - Bornheim gehörigen Orte S e ck b a ch tritt am 25. April eine Postagentur in Wirksamkeit.

Frankfurt (Main), 16. April 1887.

Der Kaiserliche Ober-Postdirektor

In Vertretung: Rehan.

Ausschreiben.

Heute Morgen wurde dahier im Woog die Leiche einer unbekannten Frauensperson gelandet. Die Verlebte ist etwa 2028 Jahre alt, von kräftiger Statur, 1,60 m groß, hellblonde Haare, volles Gesicht, blaue Augen, breite dicke Unterlippen, bekleidet mit blauem halbwollenen Kleid mit feinen weißen Längsstreifen, bestehend aus Rock, Tunike und Taille. Die letztere hat einen Brusteinsatz von schwarzem Sammet und ebensolche Aufschläge. An dem unteren Theile der Taille befindet sich eine runde, verzierte vernickelte Schnalle.

Die Verlebte dürfte im Gesindedienst gestanden haben.

Man ersucht ergebenst um schleunige Recherchen nach Name und Heimath der Verstorbenen und Mittheilung von einem etwaigen Resultat.

Darmstadt, den 21. April 1887.

Großherzvgl. Polizeiamt.

Wird veröffentlicht.

Hanau am 22. April 1887.

Der Königliche Landrath.

P. 2360 J. V.: Baabe.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, nachstehende Bekannt­machung des Vorstandes des landwirthschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden veröffentlichen zu lassen.

Hanau am 21. April 1887.

Der Königliche Landrath.

V. 1867 I. V.: Baabe.

Landwirthschastücher Kreis-Verein Hanau.

Nächste Versammlung Samstag den 30. April, Nachmittags

2 Uhr, im Gasthaus zumgoldenen Löwen" in Hanau.

Tagesordnung:

1) Geschäftliche Mittheilungen.

2) Vergeben eines Zuchtbullen an eine Gemeinde des Kreises Hanau. Auf den Bullen reflektirende Gemeinden wollen sich vorher bei dem Vorsitzenden des Vereins anmelden.

3) Besprechung über die projektirte Zwangsversicherung des Rind- vieh's gegen Perl- und Lungensucht. Referent: Kreisthierarzt Collmann.

Nach Schluß der Versammlung wird der landwirthschaftliche Consum- Verein der Kreise Hanau eine Versammlung abhalten.

Der Vorstand.

Für Ludwig Philipp Reinhard Houp, geboren dahier am 29. April 1865, ist um Entlassung aus dem Preußischen Staatsverband be­hufs Auswanderung nach Australien nachgesucht.

Hanau am 22. April 1887.

Der Oberbürgermeister

____Rauch.__________

Tagesschau.

P. Aus dem Landtage. Berlin, 15. April. Im Abge­ordnetenhause begann heute unter großem Andrangs des Publikums im Beisein des Ministerpräsidenten, Reichskanzlers Fürsten v. Bismarck, die erste Berathung der kirchenpolitischen Vorlage. Nachdem der erste Redner gegen die Vorlage, Abg. Dr. Gneist (nat.-lib), nach längerem Rückblick über den Gang, welchen die Revision der Maigesetze im Ver­

laufe der letzten Jahre genommen, ausführlich die Gründe dargelegt, welche seine politischen Freunde bestimmten, die gegenwärtige Vorlage zu bekämpfen, verlas Abg. Dr. Windthorst eine von der gesammten Zen­trumsfraktion vereinbarte, dahin gehende Erklärung, daß sie getreu dem Standpunkte, den sie während des ganzen kirchenpolitischen Streites ein­genommen, der Aufforderung des heiligen Vaters nachkommen und für die Vorlage nach den Beschlüssen des Herrenhauses stimmen werde; bei einer eventuellen Abänderung der Vorlage zu Ungunsten der Herrenhaus­beschlüsse würden seine politischen Freunde indeß gegen das ganze Gesetz stimmen. Abg. Richter (deutschfr.) erklärte sich gegen die Vorlage wesent­lich mit Rücksicht auf das in derselben in verschärfter Form statuirte staatliche Einspruchsrecht, das eine allgemeine politische Bedeutung habe. Zu einer längeren Ausführung nahm sodann der Ministerpräsident, Reichskanzler Fürst v. Bismarck das Wort, um unter Widerlegung der Einwendungen der Vorredner den Standpunkt der Regierung in dieser Frage des Näheren darzulegen, wobei er besonders betonte, daß die Mai­gesetzgebung stets nur als ein Kampfesmittel betrachtet worden sei, um damit zum Frieden zu gelangen. Nachdem durch langwierige Verhand­lungen mit der Kurie dieser Kampf seinem Abschlüsse entgegengeführt worden, müsse er aber an die ihm am nächsten stehenden nationalen Par­teien die dringende Bitte richten, ihm auf dem betretenen Wege zu fol­gen, da er sonst nicht in der Lage sein würde, am preußischen Staats­wesen noch länger mitzuwirken. Abg. Graf v. Schwerin (kons.) er­klärte sich ebenfalls für unveränderte Annahme der Vorlage, die er als ein Kompromiß bezeichnete, das durch eine etwaige Aenderung der Vor­lage in Frage gestellt werden könnte. Abg Dr. Virchow (deutschfreis.), der im klebrigen den Standpunkt seines Fraktionsgenoffcn Richter vertrat, betonte, daß er namentlich deshalb die Regierung in dem Kulturkämpfe unterstützt habe, weil er eine allgemeine materielle Regelung der Kirchen- frage von derselben erhofft, daß aber die Regierung plötzlich andere Wege eingeschlagen habe. In seiner Entgegnung stellte der Herr Minister­präsident auf das Entschiedenste in Abrede, daß er über den Charak­ter der Maigesetze jemals einen Zweifel gelassen habe, und wiederholte, daß sein Bestreben stets darauf gerichtet sein werde, die friedliebenden ka­tholischen Mitbürger hinsichtlich ihrer konfessionellen Bedürfnisse zufrieden zu stellen. Die Katholiken dauernd zu vergewaltigen, dazu müsse er seine Mitwirkung versagen. Nachdem sodann noch Abg. v. Gerlach (kons.) sich für die unveränderte Annahine der Vorlage erklärt und der Erwartung Ausdruck gegeben, daß das Ende des Kulturkampfes auch die katholischen Konservativen der Regierung wieder näher bringen werde, wurde die Be­rathung abgebrochen und auf Freitag 11 Uhr vertagt.

P. Aus dem Reichstage. Berlin, 22. April. Der Reichstag beschäftigte sich heute mit dem Gesetzentwürfe, betreffend die Abänderung von Bestimmungen des Gerichtskostengeses und der Gebühren­ordnung für Rechtsanwälte. Die Vorlage wurde schließlich einer beson­deren Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Nächste Sitzung: Montag, 25. April. (Nachtragsetat, Anleihegesetz 2c.)

Berlin, 22. April. Se. Majestät der Kaiser und König em­pfingen im Laufe des heutigen Vormittags den Commandeur des 2. Garde-Regiments z F., Obersten und Flügel Adjutanten Grafen Finck v. Finckenstein, sowie den Chef des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Rath v. Wilmowski, und nahmen den Vortrag des Oberst-Kämmerers Grafen zu Stolberg-Wernigerode entgegen.

Berlin, 22. April. Der Vundesrath genehmigte in der am 21. ds. P ts. unter dem Vorsitz des Staatsministers, Staatssekretairs des Innern, von Bötticher abgehaltenen Plenarsitzung die Gesetzentwürfe, betreffend die Feststellung eines Nachtrages zum Reichshaushalts-Etat für das Etatsjahr 1887/88, und, betreffend die Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltung des Neichsheeres und für die Vervollständigung des deutschen Eisenbahnnetzes im Jntereste der Landesvertheidigung, mit den von den Ausschüssen für das Lanoesheer und die Festungen, für Eisenbahnen, Post und Telgraphen und für Rechnungswesen" vorge­schlagenen Abänderungen. Die Vorla e wegen Abänderung des amtlichen Waarenverzeichnisses zum Zolltarif mit Beziehung auf Cigarrenkistenbretter wurde den Ausschüssen für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und