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Nr. 92.
Donnerstag den 21. April
1887.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Postpacketverkehr mit dem Kongostaat.
Von jetzt ab können Postpackete ohne Werthangabe im Gewichte bis 5 kg nach dem Kongo staat versandt werden.
Ueber die Taxe und die Versendungsbedingungen ertheilen die Postanstalten auf Verlangen Auskunft.
Berlin W. 13. April 1887.
Der Staatssekretair des Reichs-Postamts.
_________________von Stephan.____________________
-ZsE^rmtMachungen Kömgl. LaudrathsamtK.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, nachstehende Bekanntmachung des Vorstandes des landwirthschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden veröffentlichen zu lassen.
Hanau am 21. April 1887.
Der Königliche Landrath.
V. 1867 I. V.: Baabe.
AMdwirthschafUicher Lreis-Verein Hanau.
Nächste Versammlung Samstag den 3 0. April, Nachmittags
2 Uhr, im Gasthaus zum „goldenen Löwen" in Hanau.
Tagesordnung:
1) Geschäftliche Mittheilungen.
2) Vergeben eines Zuchtbullen an eine Gemeinde des Kreises Hanau. Auf den Bullen reflektirende Gemeinden wollen sich vorher bei dem Vorsitzenden des Vereins anmelden.
3) Besprechung über die projektirte Zwangsversicherung des Rind- vieh's gegen Perl- und Lungensucht. Referent: Kreisthierarzt Collmann.
Nach Schluß der Versammlung wird der landwirthschaftliche Consum- Verein der Kreise Hanau eine Versammlung abhalten.
_______________Der Vorstand.
Tages schau.
P. Aus dem Reichstage. Berlin, 20. April. Der Reichstag hielt heute Nachmittag eine nur kurze Sitzung. In derselben wurde Die Novelle zum Reichsbeamtengesetz ohne Debatte in dritter Berathung definitiv genehmigt, der Bericht der Reichsschuldenkommission der Rechnungskommission überwiesen und das Mandat des Abg. Gröber (bisher Staatsanwalt) durch seine Ernennung zum Landrichter für nicht erloschen erklärt. Schließlich wurde auf Antrag des Abg. Klemm (deutsch- kony) der Gesetzentwurf, belr. die Errichtung eines Seminars für orien- tali che Sprachen, der Budgetkommission überwiesen, und an Stelle des Grafen v. Adelmann, welcher sein Amt als Schriftführer niedergelegt hat, der Abg. Dr. Porsch (Centrum) zum Schriftführer gewählt. Freitag: Erste Lesung des Gesetzentwurfs, betr. Abänderungen des Gerichtskostengesetzes und der Gebührenordnung für Rechtsanwälte.
Berlin, 20. April. Se. Majestät der Kaiser und König hörten gestern noch den Vortrag des Polizeipräsidenten Frhrn. v. Richthofen und ertheilten heute dem als Unterstaatssekretär nach Straßburg i. E. versetzten bisherigen Regierungspräsidenten Studt eine Audienz. Von 11 Uhr ab hielt der Chef des Civilkabine^ Sr. Majestät Vortrag.
Berlin, 20. April. Der Kaiserliche Botschafter Graf zu Münster hat einen ihm Allerhöchst bewilligten kurzen Urlaub angetreten. Für die Dauer der Abwesenheit desselben von Paris fungirt Der Botschaftsrath Gras v. Letzten als interimistischer Geschäftsträger.
Berlin, 19. April. Bezeichnend für die Stimmung im Centrum ist ein weitverbreitetes Gerücht, daß der Abg. Windthorst sein parlamentarisches Mandat niederlegen wolle. Das Gerücht ist ohne allen Zweifel unbegründet, aber Anlaß zu diesem Entschlüsse hätte der Centrumssührer sicherlich nach seiner glorreichen Führung in der Septennatsfrage und dem Feldzuge gegen die vom Papste gutgeheißcne Kirchenvorlage. Seine Zeit als Beherrscher des Parlaments ist "auf alle Fälle vorüber. (Rh. K.)
Das Schreiben des Papstes an den Erzbischof von Köln, den Obmann des preußischen Episkopats, ist nunmehr erschienen. Des langen Schreibens kurzer Sinn ist, daß Leo XIII. mit dem von der Regierung dem preußischen Landtag vorgelegten kirchenpolitischen Gesetz zufrieden ist. Ob auch an das Centrum ein päpstliches Schreiben ergangen ist, scheint noch nicht ganz sicher; in dem veröffentlichten Schreiben wird des Centrums mit keinem Wort erwähnt, das ganze Schreiben des Papstes ist aber für das Centrum, wenn auch nur indirekt, eine Weisung, für das Gesetz zu stimmen. (Dfz.)
i’ Hamburg, 20. April. (K. Z.) Gutem Vernehmen nach kaufte Prinz Heinrich von Preußen das benachbarte Gut des Grafen Schimmel- mann-Ahrensberg an.
Leipzig, 19. April. Die während der Ostermesse in den Räumen der Leipziger Börsenhalle abzuhaltende Garnbörse nimmt am Freitag, den 22. April, ihren Anfang.
München, 20. April. Heute fand das Begräbniß des Justizministers Fäustle statt, welchem der Generaladjutant Freyschlag im Auftrage des Regenten, sowie sämmtliche Minister, die Spitzen der Behörden und die Generalität beiwohnten. Stiftsdekan Türk hielt die Grabrede. (F. N.)
Wien, 19. April. Der Afrikareisende Lenz hielt heute Mittag in einer Festversammlung -der Geographischen Gesellschaft einen Vortrag über die Ergebnisse seiner Afrikareise, worin Lenz die Kulturfähigkeit der Centralafrikaner hervorhob und die Möglichkeit einer Staatenbildung unter europäischem Patronat zugab. Dem Vortrage wohnten laut „Fr. Ztg." KWnprinz Rudolf, Erzherzog Rainer, mehrere Minister und Chefs der Generalität bei.
Graz, 20. April. Der frühere ägyptische Ministerpräsident Scherif Pascha ist auf der Reise nach Carlsbad hier gestorben.
Rom, 19. April. Bei Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Friedrich Carl von Preußen fand heute Abend ein Diner statt, zu welchem die Mitglieder der deutschen Botschaft geladen waren. An dem morgen stattfindenden Diner wird die preußische Gesandtschaft beim päpstlichen Stuhl theilnehmen.
Paris, 19. April. Der Kriegsminister hat verordnet, daß die Artillerie der Territorialarmee Schießschulen bekommen soll. Die Offiziere, die niedrigern Cadres und die Soldaten sollen während der jährlichen Zusammenberufungszeit in diesen Schulen ein.eübt werden.
Paris, 19. April. Die Gerüchte, daß die Ausstellung von 1889 nicht stattfinden werde, erhalten sich. Jedenfalls ist es sicher, daß bis jetzt noch keine einzige europäische Regierung ihre Absicht sich zu betheiligen, endgültig kundgegeben hat.
Paris, 20. April. Der „Gaulois" veröffentlicht eine Unterredung mit dem neuen Präsidenten der Patriotenliga Sansboeuf, in welcher dieser sagt, daß Däroulöde bereits vor feiner Reise ins Ausland in der Revanchehofsnung stark erschüttert war, doch die Aufnahme in Rußland und die Besprechung mit Katkow hätten ihm wieder Muth gemacht. Als aber hierauf die öffentliche Meinung gegenüber seinen im „Drapeau" veröffentlichten, Deutschland als alleinigen Feind, Rußland als Freund, darstellenden Artikeln gleichgiltig blieb, habe er das wie eine Absage empfunden; daß während der Wahlen im Elsaß die französische Presse und öffentliche Meinung sich der Zurückhaltung befleißigte, sei ihm wie ein Verzicht auf die Wiedergewinnung vorgekommen und habe ihn gebrochen. Sansboeuf theilte folgende Stelle aus Döroulädes Brief mit: , Jetzt ist alles vorbei! Werden wir jemals Krieg wagen? Wird uns Elsaß-Lothringen jenials wiedergegeben werden? Wird unser Bemühen jemals von Erfolg gekrönt werden?" (K. Z.)
Marseille, 20. April. Das englische Packetboot „Chusan" stieß auf der Fahrt nach Ajaccio, wohin es sich begab, um die Schiffbrüchigen der „Tasmania" aufzunehmen, während der Nacht mit der französischen Pacht „Magali" zusammen; letztere wurde entzweigeschnitten und sank. Der Kapitän und 2 Matrosen sind umgekommen, die übrigen Mannschaften wurden vom „Cyusan" ausgenommen.
Madrid, 20. April. Der spanische Dampfer „Vasco" ist bei Gijon aescheilert. Zehn Personen sind ums Leben gekommen.
London, 18. April. Einen Kernschuß gegen die Parnelliten feuerte heute die Times ab ; es ist das große Tagesereigniß heute Abend