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Nr. 85.

Mittwoch den 13. April

Bekanntmachungen Königl. LandrathsamtS.

Die Katharine Seidel zu Hochstadt ist für die genannte Gemeinde als Hebamme bestellt und in dieser Eigenschaft verpflichtet worden.

Hanau am 12. April 1887.

Der Königliche Landrath.

A. 947 I. V.: Baabe.

Der Bürgermeister Köhler in Rüdigheim ist zum Standesbeamten- Stellvertreter für den Standesamtsbezirk Rüdigheim, bestehend aus den Gemeinden Rüdigheim, Oberissigheim und aus dem Gutsbezirk Rüdig- heimerhof, bestellt und in dieser Eigenschaft verpflichtet worden.

Hanau am 12. April 1887.

Der Königliche Landrath.

I. V.: Baabe.

Nach Nr. 6 der Anweisung zur Gewerbeordnung (Amtsblatt de 1869 Seite 295) steht den Ortspolizeibehörden das Recht zu, vor dem Beginne des Betriebes einer jeden der Genehmigung bedürfenden gewerb­lichen Anlage sich durch eine Revision von der geschehenen Ausführung der bei der Genehmigung ertheilten Bedingungen zu überzeugen. Damit die Ortspolizeibehörden von diesem Rechte regelmäßig Gebrauch zu machen in der Lage sind, werde ich denselben, sobald von dem Kreisausschusse eine solche gewerbliche Concession ertheilt wird, oder sobald mir von der Ertheilung einer solchen Concession durch den Bezirksausschuß Nachricht zugeht, von dieser Concessionsertheilung Kenntniß geben. Den Ortspoli­zeibehörden liegt sodann die Pflicht ob, den Zeitpunkt, wo die gewerbliche Anlage betriebsmäßig fertig gestellt wird, zu ermitteln. Sollte in einzelnen Fällen, z. B. bei der Errichtung größerer Anlagen, eine Untersuchung oder Revision durch einen Techniker nach der Ansicht der Ortspolizeibe­hörde erforderlich erscheinen, so hat sich letztere an den Herrn Regierungs- Präsidenten zu wenden, welcher erforderlichen Falls einen technischen Be­amten mit der Revision beauftragen wird.

Hanau am 12. April 1887.

Der Königliche Landrath.

A. 945 I. V.: Baabe.

t Unsere Handelspolitik.

Die Angriffe, welche die freisinnig-freihändlerische Preffe auf die gegenwärtige Handelspolitik Deutschlands zu richten nicht müde wird, nehmen sich außerordentlich seltsam aus gegenüber den thatsächlichen wach­senden Erfolgen derselben, über welche sich fremde Nationen neidisch und eifersüchtig beklagen.

In Frankreich macht sich die Erstarkung der deutschen Industrie immer fühlbarer; man weiß, daß man dort sich alle Mühe gibt, die Concurrenz Deutschlands zu erschweren; die gesetzgeberischen Projekte nach dieser Richtung hin sind freilich noch nicht zur Ausführung gelangt. Frankreich hat im Jahre 1885 für etwa 252 Millionen Mark deutscher Produkte ausgenommen gegen eine Ausfuhr französischer Waaren nach Deutschland im Werthe von 231 Millionen Mark. Besonders stark war die Einfuhr nach Frankreich aus Deutschland in Brennstoffen (15,8 Mil­lionen), Waaren der Textilindustrie (78,7), der chemischen Industrie (13,6), der Thon- und Glasindustrie (9), der Metallindustrie (22 Millionen), der Holz- und Flechtindustrie (13,8), der Lederindustrie (20), der Papier­industrie (7), gegohrenen Getränken (11,4), Zucker (5), Kurzwaaren (8). Die Ausfuhr aus Frankreich hielt bei den meisten dieser Zweige zwar der Einfuhr Stand, in einigen sogar wie Textilindustrie und chemischen Industrie übertraf sie dieselbe, sie war aber wesentlich geringer in der Thon- und Glasindustrie (sie betrug nur 3,8 Millionen), in der Holz- und Flechlindustrie (5), in der Lederindustrie (15), an Kurzwaaren 3 Millionen. Was das besagen will, wird derjenige ermessen, welcher sich erinnert, welche herrschende Stellung die französische Industrie früher und speziell auf dem deutschen Markte einnahm. In den überseeischen Ländern haben französische Vertreter wiederholt anerkannt, daß Deutschland im Begriff stehe, Frankreich weit zu überflügeln und selbst England den Rang abzulaufen.

In England verfolgt man aufmerksam die Fortschritte Deutsch­lands auf diesem Gebiete. Die Handelsberichte der englischen Consuln,

1887.

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die jüngst veröffentlicht worden find, bekunden übereinstimmend, wie sehr der deutsche Handel und die deutsche Industrie anfangen, den Engländern selbst in Positionen, wo diese bisher fest zu sein glaubten, das Leben schwer zu machen. Ueberall findet sich im Auslande, wie in den Berichten konstatirt wird, der Engländer dem allgegenwärtigen Deutschen gegenüber, in Rußland, in Marokko, in Japan, in Tunis; der Deutsche verkauft billiger, angeblich schlechter, aber jedenfalls zweckentsprechender, und ist zur Stelle, wo er nöthig ist. Der englische Csnsul in Tokio klagt über die Zunahme der deutschen Flanelleinfuhr in Japan. In den letzten sechs Jahren nahm der Flanellverbrauch dort um das Zehnfache zu, während die deutsche Einfuhr um das Vierzehnfache, die englische nur um das Fünffache wuchs. Der Grund liegt in der Billigkeit des deutsche« Artikels. Die Engländer halten an ihren alten Mustern fest und schlagen anderseits an Ort und Stelle noch 16 Procent zu dem Lieferungspreise hinzu, während der deutsche Zwischenhändler sich mit 4 Procent begnügt. Jahrelang weigerten stch — wie der Csnsul in Taganrog bemerkt — die englischen Fabrikanten, einen den russischen Wünschen entsprechenden Pflug herzustellen, und als sie schließlich darauf eingingen, war der Preis so hoch, daß wieder die Deutschen und Schweden ihnen das Pfluggeschäft vor der Nase vollständig wegschnappten. Und ähnlich verhält es sich mit Messerschmiedewaaren, Werkzeugen, Feilen, Zapfen, Heugabeln, Rechen und Sicheln, welche von Deutschland, Oesterreich, Schweden und Amerika billiger geliefert werden. Die Findigkeit der Deutschen ging so weit, daß sie — wie der Petersburger Consul schreibt — zur Vermeidung der hohen Zölle Baumwollfabriken in Russisch Polen errichteten und dadurch sogar ihren Moskauer Mitbewerbern gefährlich wurden. In Tunis wett­eifern die Deutschen mit Belgiern, Franzosen und Italienern, in Marokko überbieten die Deutschen die Engländer in Tuchen.

Wir könnten diese Mittheilungen noch weiter vervollständigen; die bisherige« werden indeß genügen, um die freisinnigen Klagen über die verderblichen Wirkungen der deutschen Handelspolitik ins Lächerliche zu ziehen. Was ist dieser Handelspolitik nicht alles prophezeit worden! Thatsächlich hat sie den Anstrengungen der deutschen Industrie und des deutschen Handels nicht nur keine Hindernisse bereitet, sondern die Wege geebnet und den Unternehmungsgeist gefördert. Von der Thatkraft der Unternehmer hängt allerdings zum größten Theil die Entfaltung deutsche» Handels und deutscher Industrie ab. Diese aber würde sich nicht so fruchtbar bemerkbar machen, wenn sie nicht durch die Handelspolitik we­sentlich gestützt und ermuthigt werden würde. Wie in den englischen Berichten wiederholt betont wird, arbeiten auch die deutschen Consuln wesentlich im Dienste des deutschen Handels: „das deutsche Reich steht hinter dem deutschen Handel", das ist es, was dem letzteren die weitere Entfaltung erleichtert und unserem Gewerbefleiß neue Absatzmärkte ver­schafft______________________

Tagesschau

Berlin, 11. April. Der „R. u. St.-A." Nr. 85 veröffentlicht: Verordnung, betreffend die Einfuhr bewurzelter Gewächse aus den bei der internationalen Reblauskonvention nicht betheiligten Staaten, vom 7. April 1887.

Berlin, 12. April. Se. Majestät der Kaiser und König nah­men am zweiten Osterfeiertage den Vortrag des Reichskanzlers Fürsten v. Bismarck und die Meldung des Generals a la suite Grafen Alten entgegen. Heute Vormittag empfingen Se. Majestät vor den Verträgen der Chefs des Militärkabinets und der Admiralität militärische Meldun­gen und ließen Sich Nachmittags von dem Finanzminister Dr. v. Scholz Vortrag halten. Um IPA Uhr hatten Ihre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten die Kronprinzlichen Herrschaften aus Anlaß des Geburtstages Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Victoria Sr. Majestät einen Be­such abgestattet. '

Berlin, 12. April. Das Amtsblatt des Reichs - Postamts ver­öffentlicht folgendes an den Staatssekretär des Reichs-Postamts, Wirklichen Geheimen Rath Dr. v. Stephan, gerichtete Allerhöchste Handschreiben.: „Ich habe aus Ihrem Berichte vom 21. d. M. ersehen, daß Mein Geburtstag, an dem Ich mit Gottes Hülfe das neunzigste Lebensjahr vollendet habe, den Anlaß dazu geboten hat, unter den Angehörigen der Reichs.Pest- und Telegraphenverwaltung eine Sammlung zu dem Zwecke zu verunstalten.