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Dienstag den 12. April
Nr. 84.
BMnALmachungen Königl- LandrMhsamts.
Gefunden: Auf der Straße von Bruchköbel nach Langendiebach ein brauner Spazierstock; Empfangnahme beim Bürgermeister in Bruchköbel. Ein Quantum Gurt nebst 2 eisernen Rollen und Schrauben. Eine Zange. Eine Kriegsdenkmünze von 1870/71. Ein Schiebekarren mit Weißbinderkasten. Ein silbernes Armband. Ein weißes Armband (unächt). Ein Portemonnaie mit einigen Pfennigen. Ein Messer. Eine schwarze Schürze.
Verloren: Ein Portemonnaie mit 9 Mark. Eine goldene Brache mit Perlen und Türkisen.
Entlaufen: Ein Mopshund.
Hanau am 12. April 1887.
Aus Königl. Landrathsamt.
t Die Conservativen und die Kirchenpolitik.
Die „Conservative Correspondenz" stellte neulich bei Besprechung der vom Herrenhaus beschlossenen kirchenpolitischen Vorlage gewisse Bedingungen für die Zustimmung zu derselben seitens der Conservativen im Abgeordnetenhause auf, Bedingungen, welche in der Forderung gipfelten, daß die Centrumspartei, ihre Presse und ihr Zusammenarbeiten mit der Demokratie in einer klaren, scharfen und authentischen Erklärung durch den Papst verleugnet werde.
Wir haben demgegenüber ausgeführt, daß eine Zeitung nicht das Recht habe, von der Abgabe einer solchen, von der Regierung nicht für nöthig erachteten und zu der ganzen politischen Lage gar nicht passenden Erklärung die Zustimmung einer Partei zu dem kirchenpolitischen Gesetz abhängig zu machen, und daß für die Zustimmung zu dem Gesetz ein entscheidender Grund vorhanden sei, nämlich der politische Zweck desselben, die Einheit der deutschen Nation zu fördern und den Streit aus der Welt zu schaffen, der die Kraft des Reichs lähmt und in Stunden der Gefahr sich in höchstem Maße nachtheilig erweisen könnte. Gerade dieser Gesichtspunkt muß für die Conservativen bei der Stellungnahme zu dem Gesetz vor allen anderen in's Gewicht fallen.
Während nun in verschiedenen Blättern — vielleicht gerade auf Grund jener Kundgebung der „Conservativen Correspondenz" — fortgesetzt von der Abneigung eines großen Theils der Conservativen, dem Entwürfe zuzustimmen, gefabelt und der Anschein zu erwecken versucht wird, als ob die Conservativen entschlossen seien, das Gesetz zu Falle zu bringen, bringt die „Conservative Correspondenz" einen Artikel, in welchem sie erfreulicherweise ihre Bedenken und Bedingungen fallen läßt und es für zweifellos erklärt, „daß zum Mindesten die weit überwiegende Mehrheit der deutschconservativen Fraktion des Abgeordnetenhauses die kirchen- politische Vorlage an nehmen wird." Es wird darin ausgeführt, daß die Conservativen seit Jahren die Beendigung des Culturkampfes wünschen und daß sie auch stets zu Zugeständnissen bereit gewesen seien. Das Verhalten des Centrums, welches sich immer mehr mit der Demokratie verbündete, habe freilich bei ihnen eine gewisse Enttäuschung hervorgerufen, und deshalb habe die Frage entstehen müssen, ob die Conservativen sich jetzt reservirt und schwierig stellen oder im Gegentheil durch Erledigung aller irgend berechtigten kirchlichen Wünsche der katholischen Mitbürger den Ultramontanen die gefährlichsten, zur Verstärkung ihrer politischen Oppositionsstellung gemißbrauchten Waffen aus der Haud schlagen sollten. Schon bei der letzten kirchenpolitischen Novelle habe man vor einer solchen Frage gestanden. Die mit der Entschlußfassung verbundene Verantwortung sei so groß gewesen, daß sich schon damals die Blicke der Conservativen bestimmter auf die königliche Regierung richteten und von ihr die Abgrenzung des erforderlichen Maßes von Zugeständnissen an die katholische Kirche erwarteten. Wie sich die Zweifel damals zu einer Vertrauensfrage für die Regierung auflösten, so handele es sich auch jetzt wieder darum, daß die Conservativen der Regierung Vertrauen entgegenbrächten, zumal Fürst Bismarck entschiedenen Werth auf die Vorlage lege und ihre Bedeutung für die auswärtige Politik betont habe.
Diesen Ausführungen können wir unsererseits um so mehr beitreten, als wir schon neulich dieselben Gesichtspunkte in den Vordergrund gestellt haben. Wir freuen uns, daß die „Conservative Correspondenz" ihre oben bezeichneten gegentheiligen Anschauungen nicht aufrecht erhalten hat, sondern mit zutreffenden Gründen für die Annahme des Gesetzes eintritt.
1887.
Tagesschau.
Berlin, 9. Avril Der „R. u. St.-A." Nr. 84 veröffentlicht: Gesetz, betreffend die weitere Herstellung neuer Eisenbahnlinien für Rechnung des Staates und sonstige Bauausführungen auf den Staatseisenbahnen, sowie betreffend Veräußerungen in der Staatseisenbahn - Verwaltung vom 1. April 1887.
Berlin, 9. April. Dem zum Vize- und Deputy'Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika in Aachen ernannten Kaufmann Franz Bertram ist das Exequatur Namens des Reichs ertheilt worden.
Berlin, 9. April. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute den Obersten und Flügel-Adjutanten, Grafen Wedel und den Botschafter v. Schweinitz, welcher sich, auf Urlaub befindlich, auf der Durchreise nach Wiesbaden hier aufhält. Sodann arbeiteten Se. Majestät mit dem Chef des Militärkabinets, General v. Albedyll, und empfingen eine Anzahl von Offizieren zur Meldung.
Köln, 9. April. Ein an der Probsteigaffe wohnender Inhaber einer Wirthschaft, welcher kürzlich von Uerdingen hierher zog, ist vorgestern Abend in Folge einer Blutvergiftung gestorben. Der Unglückliche, welcher eine Frau mit 4 Kindern hinterläßt, hatte am Finger eine kleine Wunde erhalten, die er für ungefährlich hielt und weiter nicht beachtete, bis die Hand bedenklich anschwoll. Dem herbeigerufenen Arzte war eine Rettung nicht mehr möglich, da auch der Arm und andere Körpertheile von der Vergiftung ergriffen waren. Wieder eine ernste Mahnung, auch scheinbar geringfügige Verletzungen nicht gleichgültig zu behandeln.
Hildesheim, 6. April. Ein 17jähriger Gymnasiast hat sich in der Wohnung seiner Pfiegeeltern hierselbst erschossen, weil er nicht in eine höhere Klasse versetzt worden war.
Gotha, 7. April. Ein verheiratheter Einwohner des Dorfes Körner, der im letzten Feldzug gegen die Franzosen durch eine Chaffepot- kugel verwundet wurde, trug dieselbe bis vor Kurzem mit sich herum, obwohl im Lauf der Jahre durch vier operative Einschnitte nach dem Sitz der Kugel geforscht worden war. Erst bei der ohnlängst vorgenommenen 5. Operation fand man die in die Brust eingedrungene Kugel im Rücken, zwischen den Schulterplättern sitzend, und schnitt sie heraus; gleichwohl aber starb der Operirte am letzten Sonntag.
Wien, 8. April. Die rumänische Regierung hat die Polizei angewiesen, nur solchen Bulgaren den Aufenthalt in Rumänien zu gestatten, welche nachwei'en, daß sie daselbst einem bestimmten Berufe nachgehen. Die rumänischen Zollunterhändler sind heute früh nach Bukarest abgereist.
Rom, 8. April. Das amtliche Blatt veröffentlicht einen Königlichen Erlaß, betreffend die Erweiterung und Abgrenzung der Zollzone entlang der Landesgrenze gegen Oesterreich - Ungarn in den Provinzen Bergamo, Brescia, Mantua, Verona, Vicenza und Padua.
Belgrad, 8. April. Der König empfing gestern den englischen Gesandten Wyndham, welcher ein Antwortschreiben der Königin auf das Abberufungsschreiben des früheren serbischen Gesandten Mijatovic überreichte.
Sofia, 8. April. Fürst Alexander dankte telegraphisch dem Cen- trakomite der patriotischen Verbände für die Begrüßung zu seinem Geburtstage, räth, mit Geduld und Vorsicht den günstigen Augenblick für die Thronfrage abzuwarten, und meint, Dank der Haltung Europas sei die äußerliche Lage Bulgariens ausgezeichnet.
Petersburg, 7. April. Der deutsche Botschafter v. Schweinitz hat heute seine Urlaubsreife nach Deutschland angetreten.
Washington, 5. April. Das den Handel zwischen den Staaten regelnde Gesetz (Jnter-State-Commerce-Bill) trat heute in Kraft.
Bremen, 8. April. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Eins" ist in New-Aork eingetroffen.
Hamburg, 8 April. Der Postdampfer „Saxonia" von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrts - Aktiengesellschaft ist in VeraCruz eingetroffen.
New-Uork, 8. April. Der Dampfer „England" von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Messing'sche Linie) ist hier ange- fonnnen.
Spezial-Telegramme des „Deutschen Montags-Blatt."
Rom, 10. April, 9 Uhr 50 Min. Der fränzösische Konsul in