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Nr. 65.
Freitag den 18. März
1887.
Bekanntmachungen König!. LandrathSamts.
Entlaufen: Ein kleiner schwarzer Affenpinscher mit braunen Abzeichen, w. Geschl. Vor Ankauf wird gewarnt.
Gefunden: Ein Portemonnaie mit etwas Geld. Ein leinenes Tuch. 21 leere Säcke. Ein Mützenfutteral.
Zugelaufen: Ein schwarzer Pinscher m. Geschl.
Hanau am 18. März 1887.
Aus Königl. Landrathsamt.__
T K H K 8 s ch K Ä.
Berlin, 17. März. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen gestern Nachmittag 3^4 Uhr den Besuch Sr. Kaiserlich Königlichen Hoheit des Kronprinzen, Erzherzog Rudolf von Oesterreich - Ungarn, im Beisein Sr. Kaiser!. und Königl. Hoheit des Kronprinzen und Sr. Kgl. Hoheit des Prinzen Wilhelm. Sodann hörten Se. Majestät den Vortrag des Reichskanzlers Fürsten Bismarck.
'Im Saufe des heutigen Vormittags nahmen Se. Majestät militärische Melvungen entgegen und arbeiteten mit dem Chef des Militärkabi- nets, General v. Albedyll, sowie mit dem Kriegsminister, Generallieutenant Bronsart v. Schellendorff. Später empfingen Se. Majestät zunächst den Fürsten Fugger-Babenhausen in Audienz und sodann den Besuch Sr. Königl. Hoheit des ErbgroßherzogS von Oldenburg.
Berlin, 16. März. Vor einem halben Jahre ist seitens des Reichspostamts die Anordnung ergangen, daß die Verwendung offener Karten mit der Bezeichnung „Postkarte" als Formulare zu Drucksachen- Sendungen dem Publikum nur noch bis Ende März 1887 gestattet sein solle. Bei dem Herannahen dieses Zeitpunktes wird heute diese Verfügung mit dem Bemerken in Erinnerung gebracht, daß vorerwähnte offene Karten, welche noch im Laufe dieses Monats aufgeliefert werden, aber erst im April ihren Bestimmungsort erreichen, den Empfängern noch zugeführt werden dürfen.
Das Kreuzergeschwader, bestehend aus Sr. Maj. Schiffen Bismarck, Olga, Carola und Sophie, Geschwaderchef Contre-Admiral Knorr, ist am 15. März in Capstadt ein'getroffen.
Die Zahl der beim Reichstage eingegangenen Wahlproteste beträgt nahezu 70, also weniger als meistens in früheren Legislaturperioden.
Weimar, 17. März. In ganz Thüringen herrscht Schneewehen, die Bahnstrecke Großbreitenbach^Jlmenau ist gesperrt.
Tübingen, 16. März. Die allerorts geplanten Freudenfeuer am Vorabend des Geburtsfestes Sr. M. des Kaisers werden auch in größerer Anzahl auf unserer Alb leuchten und zwar auf dem Dreifürstenstein, Farrenberg, Filsenberg, Roßberg und Stöffelesberg, außerdem auf dem Kreuz und der Bismarckhöhe.
Rom, 17. März. Die Regierung hat beschlossen, den General Genö sofort von Massovah zurückzuberufen.
Madrid, 17. März. General Cordova ist nach Berlin abgereist. Derselbe wird dem Kaiser Wilhelm ein Glückwunschschreiben der Königin- Regentin überreichen.
Paris, 17. März. Seit heute früh findet hier Schneefall statt, ebenso in Toulouse, Nimes, Montpellier und in Nordspanien.
Paris, 17. März Kriegsminister Boulanger richtete an den Präsidenten der Armeekommission ein neuerliches Schreiben, worin er seiner Achtung vor den Mitgliedern der nationalen Vertretung und dem Bedauern darüber Ausdruck gibt, daß die Kommission seine Absichten habe mißverstehen können. Er sei einzig und allein bestrebt, die demokratischen Gesinnungen der Kommission zu, unterstützen und hoffe, sein Schreiben werde jedes Mißverständlich beseitigen. (or- )
Paris, 17. März. Die meisten der heutigen Morgenblätter betrachten das Verfahren des Generals Boulanger gegenüber der Armeekommission als inkorrekt. Einige dagegen sagen, daß die Kommission die Wichtigkeit des Zwischenfalles übertreibe und dadurch die Erledigung desselben erschwere. ±
London, 17. März. Der Times wird aus Petersburg gemeldet, daß zuerst die deutsche Polizei von den Vorbereitungen zu einem Mordanschlag Kenntniß hatte und die russische Polizei benachrichtigte. Daraufhin bewog der Stadtkommandant von Petersburg, General Grösser, den Kaiser und die Kaiserin, Petersburg zu verlassen, obgleich die Kaiserin
gern die Fauenzeit in der Hauptstadt verbracht hätte. Von dem vereitelten Anschlag erfuhr die Kaiserin erst, als der Eisenbahnzug sich in Bewegung setzte.
Petersburg, 17. März. Bei dem am Dienstag bei dem Großfürsten Wladimir abgehaltenen Rout fiel die ruhige, heitere Haltung des Kaisers auf; letzterer unterhielt sich lange mit dem deutschen Botschafter.
Petersburg, 17. März. Der Mordanschlag auf den Zaren ist nur durch die jetzige vorzügliche Polizei verhindert worden. Es war der Polizei lange bekannt, daß ein solcher geplant wurde, doch wollte man absichtlich den Verschwörern Zeit lassen, um sie dann alle auf einmal zu fassen. Es sind bis jetzt 48 Verhaftungen erfolgt, neun Nihilisten trugen Bomben in Form von Büchern oder Früchten. Die Mehrzahl der Verhafteten sind Studenten, ferner sind einige Officiere und mehrere Frauen festgenommen. (K. Z.)
Zanzibar, 14. März. Hier von Uganda eingetroffene, vom 24. Januar datirte Nachrichten melden, daß die Junker'sche Karawane wohlbehalten zu Emin gestoßen ist. Der Bote brächte Elfenbein mit. Emin Pascha befindet sich wohl.
Hamburg, 16. März. Der Postdampfer „Moravia" von der Hamburg - Amerikanischen Packetfahrts - Aktiengesellschaft ist heute Morgen in New-Iork eingetroffen.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Kaiserfeier. Daß der seitens des Comitö's an unsere geehrten Mitbürger gerichtete Aufruf: den 90. Geburtstag unseres allverehrten Kaisers in Hanau zu einer allgemeinen Feier gestalten zu helfen, kein vergeblicher sei, dieser Ueberzeugung gab man sich von vornherein hin, und jetzt schon sind Zeichen zur Genüge dafür vorhanden, daß die Einwohnerschaft H anau's derjenigen anderer Städte nicht nachstehen wird, wenn es gilt der Liebe und Verehrung zu unserem greisen Heldenkaiser Ausdruck zu geben.
Wir erwähnten in unserer gestrigen Nummer des geplanten möglichst großartigen Fackel- und Lampionzuges und bemerken hierzu weiter: Sobald derselbe nach Durchziehen der Straßen auf dem Marktplatze angekommen ist findet dortselbst ein Festakt in folgender Weise statt: eine große Anzahl Sänger sämmtlicher hiesiger Gesangvereine werden nach Beendigung eines Stückes der Regimentskapelle den prachtvollen Beelhoven- schen Chor „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" zum Vortrag bringen, worauf Herr Oberbürgermeister Rauch vom Balkon des reich illumi- nirten Rathhauses (das Rathhaus wird nämlich an beiden Abenden illu- ■ minirt) die mit einem Hoch auf unseren geliebten Kaiser endigende Ansprache halten wird. Diesem weihevollen Akt folgt das Absingen der Na- tionalhymne unter dem feierlichen Geläute der Glocken.
Mit dem im Saale sowie in den unteren Räumen der „Centralhalle" abzuhaltenden Festcommers schließt die Vorfeier zum 90. Geburtstage des hohen Gefeierten.
Knnftinduftrie-Verei«. Rauschender Beifall, zumal von schönen Händen, kennzeichnete gestern den Abschluß der Vorträge dieses Winters als einen überaus glücklichen, und die Anerkennung war eine wohl verdiente; denn, was der Redner des Abends, Professor Bernhard Kugler aus Tübingen, seinen Zuhörern von Maria Stuart sagte, war eine Meisterleistung nach allen Seiten. Es gibt Räthsel, an deren Lösung die geschichtliche Forschung und das Menschenherz zu arbeiten nie ermüden, nie ermüden werden. Zu ihnen gehört — wie Wallen stein's Verrath, die Persönlichkeit des Manns mit der eisernen Maske, der Rasiadter Gesandtenmord, Kaspar Häuser u. A. — die Frage über Schuld oder Unschuld der schönen Schottenkönigin an dem Tod ihres Gatten H. Darnley, an Babington's Verschwörung gegen Elisabeth von England. Eine gewaltige Zeit mit einer Fülle scharf profilirter Gestalten, mit dem Wirrsal der höchsten, sich kreuzenden Interessen auf dem politischen und dynastischen, wie religiösen Gebiet gibt den großartigen Hintergrund, von dem sich das Bild Maria Stuart's in seinem Jeden bestrickenden Reiz abhebt. Einen so überreichen Stoff bewältigte des Redners Kunst in weiser Oekonomie zu voller Klarheit der Darstellung, und ebenso musterhaft gab derselbe, sich sortleuend an dem Faden der Biographie, die psychologische Zeichnung seiner Heldin und ihrer Gegnerin, wie die Entwicklung des großen Drama's, dessen traurigen Abschluß nicht Maria's weibliche Schwächen und Fehler, nicht ihre unbesonnenen Leidenschaften,