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Nr. 46.
Donnerstag den 24. Februar
1887.
Betsnntmachungen Königl. Landrathsamts.
Unter Hinweis auf meine Bekanntmachung vom 24. Oktober 1885, wonach August Berg hier als Ortsschätzer (Taxator) für die Stadt Ha- nau bestellt ist, wird hiermit veröffentlicht, daß derselbe auch als Auktionator, vorbehaltlich jederzeitigen Widerrufs, von mir eidlich verpflichtet worden ist.
Derselbe ist mit Dienstanweisung versehen, welche er dem Auftraggeber auf Verlange« vorzuzeigen hat.
Hanau am 23. Februar 1887.
Der Königlicher Landrath Gf. Bismarck.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht nachstehende Bekanntmachung des Vorstandes des landwirthschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden veröffentlichen zu lassen.
Hanau am 21. Februar 1887.
Der Königliche Landrath
V. 813. . Gf. Bismarck.
Landwirthschastlicher Lreis-Verein Hanau.
Nächste Versammlung Samstag den 2 6. Februar 1887, Nachmittags 2 Uhr, im Gasthaus zum „goldenen Löwen" in Hanau.
Tagesordnung:
1) Geschäftliche Mittheilunge«.
2) Vortrag des Herrn Dr. R. Hesse aus .Marburg „über die durch ungünstige Boden- und Witterungsverhältniffe hervorgerufenen Krankheiten der Kulturgewächse." Am Schlüsse des Vor- trags wird Herr Dr. R. Hesse über die Anwendung und den Bezug von künstlichem Dünger, bonders des Thomas- schlackenmehles sprechen.
Der Vorstand.
Gefunden: Ein kleines Portemonnaie mit Geld. Ein brauner Kinderhandschuh. Ein Cigarren-Etui.
Zugelaufen: Ein kleiner grauer Hund, w. Geschl.
Verloren: Ein Portemonnaie mit 2 Mk. 65 Pf.
Entlaufen: Ein brauner Jagdhund (Bastard) mit weißen Abzeigen, w. Geschl., mit gestumpften Ohren, auf den Namen „Küras" hörend.
Hanau am 24. Februar 1887.
_____________________Aus Königl. Landrathsamt.
Bruchwiesenverpachtung.
Nach ausgeführter Zusammenlegung sollen bie 4 0 ha 92 a 68 gw haltenden dom ainensiskalischen Bruchwiesenpläne der Gemarkung vonHanau in 94 wirthschaftlichen Parzellen — von 1/4 bis Vj ha und mehr Flächengehält — vom laufenden Jahre ab auf elfJahre, mithin bis zum 1.Januar 1 898, öffentlich auf das Meistgebot verpachtet werden.
Termin hierzu ist auf
Donnerstag, den 3. März d. Js., von Mittags 1 Uhr ab, in den kleinen Saal der Gastwirlhsch aft zur „Central- Halle" in Hanau anberaumt. Pachtreflectanten werden hierzu mit dem Bemerken eingeladen, daß die Kartenzeichnungen über die Pachtstücke im Termin zur Einsicht aufgegelegt werden und daß auf angemessene Gebote der Pachtzuschlag ohne Abhaltung eines weiteren Termins erfolgen wird.
Der Verpachtung vorausgehend findet an demselben Tage Vormittags, unter Mitwirkung des Herrn Landmessers Köhler, die Vorzeigung und eingehende örtliche Besichtigung der Pachtobjekte statt. Die dieserhalbige Zusammenkunft ist um 8 Uhr auf der Hanau-Windecker Landstraße bei der sog. „Patrontasche". Den Pachtbewerbern wird empfohlen, zu dieser Besichtigung sich pünktlich einfinden zu wollen.
Hanau, am 23. Februar 1887.
Der Königliche Domainen-Rentmeister
1805 Bell.
Tagesschau.
Berlin, 23. Februar. Se. Majestät der Kaiser und König hörten gestern Nachmittag den Vortrag des Vizepräsidenten des Staatsministeriums, Ministers des Innern, v. Puttkamer. Heute empfingen Se. Majestät militärische Meldungen und nahmen darauf den Vortrag des Chefs des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths von Wilmowski entgegen.
Berlin, 23. Februar. Eine kaiserliche Verordnung beruft den Reichstag auf den 3. März ein.
Die „Köln. Ztg." schreibt: Die Antwort, welche die national- liberale Partei am 21. Februar auf die Spötteleien über die „Heidelberger" gegeben hat, ist so deutlich, daß wir es uns versagen dürfen, von dem Hochmuth der Gegner, der vor dem Falle gekommen war, einige Proben zu geben. Die Stimmung ist jetzt geradezu in Verzweiflung umgeschlagen; die Centrumsblätter geben kleinlaut den Sieg der Mittelparteien zu, die Freisinnigen knirschen vor Wuth über die Niederlage, die sie sich in langer Arbeit systematisch bereitet haben. Den Conflictshoffnungen der Herren Windthorst und Richter sind zerronnen. Wie das die Herren schmerzt, mag man sich denken. Die Freisinnige Zeitung des Herrn Eugen Richter, welche der Fortschrittspartei die letzten Anhänger entfremdet hat, wagt heute folgendes zu schreiben:
„Es unterliegt keinem Zweifel mehr, daß für das Septennat eine Mehrheit sich im neuen Reichstage ergeben wird. Durch welche Mittel von Lug und Trug diese Mehrheit zusammengebracht ist, wissen unsere Leser. Lügen haben kurze Beine und die neue Mehrheit des Reichstags wird schwerlich das natürliche Ende der Wahlperiode erleben. Der Krone selbst dürfte sich schon vorher immer lebendiger die Ueberzeugung aufdringen, daß eine derart durch Täuschungen und Wahlbeeinflussungen, wie sie gröber und ärger in Deutschland niemals vorgekommen sind, zusammengebrachte Mehrheit nicht im Stande ist, dem Reiche und seiner Gesetzgebung dasjenige Mast von Autorität zu verleihen, welches in der Jetztzeit mehr als je nach innen und nach außen erforderlich ist."
Aus Württemberg. Der „Schwäb. Merkur" schreibt: Ein Wahlkampf ist zu Ende, wie er in unserem Lande noch nicht erlebt worden ist, auch nicht in den Zeiten der höchsten nationalen Erregung. Niemals hat die Betheiligung an der Wahl solche Ziffern erreicht. Das Volk in seiner Gesammtheit ist an die Wahlurne getreten, im vollen Bewußtsein davon, was heute auf dem Spiele steht. Wie sind doch alle Künste einer „raffinirten Politik" zu nichte geworden an der Herzeuseinfachheit des Volkes, an seiner Vaterlandsliebe, an dem freien Bürgersinne, der nicht länger das Joch duldete, das ihm ehrgeizige, macht- lüsterne Parlamentarier auferlegt hatten. Begeisterter Jubel herrscht, wie in der Hauptstadt, so auf dem Lande, „daß die Schwabenehre glänzend gewahrt und unser Schild, anderen voranleuchtend, wieder blank und rein gefegt ist."
Wien, 23. Februar. Die „Polit. Corresp." berichtigt die Meldung der „Nowoje Wremja" bezüglich der der Spionage verdächtigen österreichischen Offiziere und sagt, daß einem Mitgliede der Offiziersabordnung, welche im Vorjahre den russischen Manövern als Gäste bei- wohnte, im Hotel ein Handkoffer abhanden kam, worin sich Paß, Wörterbuch und Theile einer russischen Karte befanden, welche zur Reise dienten, Niemand berechtigten, den Eigenthümer der Spionage zu verdächtigen.
Amsterdam, 23. Februar. Nachdem seit dem 19. d., dein Geburtstage des Königs, mehrfache Reibereien zwischen der Arbeiterbevölkerung und den Socialdemokraten stattgefunden hatte», kam es in der letzten Nacht zu erheblicheren Ruhestörungen. Anti - socialistische Arbeiter zogen unter dem Rufe: Es lebe der König! nach einem Lokal, wo zahlreiche Socialisten zusammen waren. Hier kam es zu einem Zusammenstoß zwischen den Anhängern beider Parteien, welchen die Polizei mit größter Mühe unterdrückte. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Zahl der Verwundeten, welche noch nicht feststeht, wird auf 23 angegeben; darunter 5 Schwerverwundete, die ins Hospital gebracht wurden.
Paris, 23. Februar. Heute früh zwischen 5 und 8 Uhr wurden mehrere Erdstöße in Tonion, Cannes, Avignon, Nizza, Besseges und anderen Orten der Provence verspürt. In Nizza ist ein Haus eingestürzt, wobei drei Personen verschüttet wurden. Von mehreren Häusern wurden