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Nr. 44.
c Dienstag den 22. Februar
1887.
Amtliches.
BekKNntWachungen auf Grvnd des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.
Auf Grund des § 11 der Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Socialdemokratie vom 21. Oktober 1878 werden durch die unterzeichnete Behörde als zuständige Landes-Polizeibehörde hiermit verboten:
1) das Flugblatt: „An die Wähler des 1. Braun- schweigischen Wahlkreises", beginnend mit den Worten: „Wähler! Der Tag der Reichstagswahl" — und endigend mit den Worten: „Wilh. Blos, Schriftsteller in Stuttgart", Verlag von E. Kühnel in Braunschweig, — Druck von A. Vogel u. Co. in Braunschweig;
2) das Flugblatt: „An die Wähler des 2. Braun- schweigisch en Wahlkreises", beginnend mit den Worten: „Wähler! der Reichstag ist aufgelöst" — und unterschrieben: „Das ArbeitemWahl- comitd", Verlag von E. Kühnel in Braunschweig, Druck von A. Vogel u. Co. in Braunschweig, und
3) das Flugblatt: „An die Wähler des 13. Hannover- schen Wahlkreises! (Go ß lar-Herzberg)", beginnend mit den Worten: „Wähler! Immer näher heran", — unterschrieben: „Die wachehaltenden Arbeiter des Harzes" und mit einem „Wählerlied der Harzer Bergleute" als Nachtrag, Verlag von G. Vollrath in Lauter- berg a. H. — Druck von A. Vogel u. Co. in Braunschweig.
Braunschweig, den 13. Februar 1887.
Herzogliche Polizei-Direction.
_________________________R. Pockels.______________________
BeLanntmüchungen König!. Landrsthsamts.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht nachstehende Bekanntmachung des Vorstandes des landwirthschaftllchen Kreisvereins in ihren Gemeinden veröffentlichen zu lassen.
Hanau am 21. Februar 1887.
Der Königliche Landrath
V. 813. Gf. Bismarck.
LündlmrthschafüichLr Lreis-Verein Hanau.
Nächste Versammlung Samstag den 2 6. Februar 1887, Nachmittags 2 Uhr, im Gasthaus zum „goldenen Löwen" in Hanau.
Tagesordnung:
1) Geschäftliche Mittheilungen.
2) Vortrag des Herrn Dr. R. Hesse aus Marburg „über die durch ungünstige Boden- und Witternngsverhältnisse^ hervorgerufenen Krankheiten der Kulturgewächse." Am Schlüsse des Vor- trags wird Herr Dr. R. Hesse über die Anwendung und den Bezug von künstlichem Dünger, bonders des Thomas- schlackenmehles sprechen.
Der Vorstand.
Joseph Una von hier, geboren am 26. Mai 1868, hat sich zu Brüssel niedergelassen und um Entlassung aus dem Preußischen Staatsverband nachgesucht.
Hanau am 11. Februar 1887.
Der Oberbürgermeister Rauch.
T a g § 8 f ch s u.
Berlin, 21. Febr. Dem Kaiserlichen Gesandten, Freiherrn Schenck Zu Schweinsberg zu Teheran (Persien) ist aus Grund des §. 1 des Gesetzes vom 4. Mai 1870 für seinen Amtsbezirk die Ermächtigung ertheilt worden, bürgerlich gültige Eheschließungen von Reichsangehörigen vorzu- nehmen und die Geburten, Heirathen und Sterbesälle derselben zu beurkunden.
Berlin, 20. Februar. Die Genesung des Kaisers macht die erfreulichsten Fortschritte. Schlaf und Appetit des Monarchen lassen nichts zu wünschen, die Heiserkeit ist wesentlich verringert und die übrigen Erkältungserscheinungen sind gehoben. Heute Mittag empfing der Kaiser
den deutschen Gesandten in Bukarest, Dr. Busch (ftüher Unterstaats- secretär im Auswärtigen Amt), in längerer Audienz. Der Gesandte erfreute sich in seiner früheren Thätigkeit der besonderen Gunst und herzlichen Wohlwollens des Kaisers und des Kronprinzen und hat dies auch bei seinem jetzigen Aufenhalt ersehen, dessen Anlaß das Ableben seines Schwagers, des berühmten Frauenarztes Professor Karl Schröder war. Außerdem berieth der Kaiser heute mit dem Staatssecretär Grafen Herbert Bismarck und empfing den Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin und Gemahlin, der sich bis zum 20. März an den Petersburger Hof begeben wird, sowie endlich die Offiziere des Husarenregiments der Kronprinzessin, welche zu den Hofbällen hierher geladen worden waren.
Berlin, 21. Februar. Se. Majestät der Kaiser und König arbeiteten heute längere Zeit mit dem Chef des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Rath v. Wilmowski, und empfingen sodann den evangelischen Feldprovst der Armee, D. Richter, in Audienz.
Berlin, 20. Februar. Ein neuer Brief aus dem Vatikan, betr. das Septennat. Nach römischen Meldungen ist ein dritter Brief aus dem Vatikan mit der Aufforderung, den Centrumsführern die Bewilligung des Seplennats einzuschärfen, an den Nuntius in München abgegangen. . (Rh. K.)
Berlin, 21. Februar. (Rh. K.) Die Nachricht, daß die belgische Regierung eine Note an die Großmächte wegen der Neuordnung ihrer Neutralität erlassen habe, wird von der hiesigen belgischen Gesandtschaft als falsch bezeichnet.
Berlin, 21. Februar. -Jm 1. Wahlkreis Stichwahl zwischen Klotz (deutsch freist), welcher 7882 Stimmen erhielt, und v. Zedlitz - Neukirch (kons.), auf den sich 7008 Stimmen vereinigten. Im 2. Wahlkreis Stichwahl zwischen Virchow (16 439 Stimmen)' und Wolff (19 108 St.). Im 3. Wahlkreis Stichwahl zwischen Munkel (deutsch-freist) mit 10 400 und Christensen (Sozialdem.) mit 9080 Stimmen. Im 4. Wahlkreis scheint die Wahl Singer's gesichert. Im 5. Wahlkreis zwischen Baumbach mit 10 076 Stimmen gegen Blum mit 7009 Stimmen. Im 6. Wahlkreis Hasenclever gewählt. (Fr. N.)
Berlin, 2 k. Februar. Die kirchenpolitische Vorlage ist heute dem Herrenhause zugegangen. Aeußerem Vernehmen nach ist sie ein Gesetz von nur kurzem Umfang. Näheres wird erst im Laufe des morgenden Tages bekannt werden. Die Commission des Herrenhauses beginnt schon in den nächsten Tagen die Vorberathung.
Der neue Deutsche Parlaments-Almanach wird so bald als nur irgend möglich nach den Stichwahlen erscheinen. Die neu gewählten Reichstagsmitglieder wollen ihre kurzen biographischen Notizen mit möglichster Beschleunigung an den Herausgeber des Almanachs, Herrn Dr. Georg Hirth in München, einsenden.
Stuttgart, 21. Februar. Aufgefordert, die Namen der hervorragenden katholischen Geistlichen, die ihm beipflichten, zu nennen, veröffentlicht Professor Jlg (Ravensburg) einen Brief des Professors Himpel (Tübingen) mit dessen Erlaubniß. Darin heißt es: „Deine Erklärung ist unanfechtbar, dieselbe hat mich sehr gefreut. Windthorst hat sich verhauen. Haß und Uebermuth vor dem Fall. Sie hatten den Bogen zu straff gespannt. Das Centrum hat so wie so verspielt. Auf den Ausfall der Wahl kommt es jetzt nicht mehr an." (K. Z.)
Karlsruhe, 20. Februar. Professor Birnbaum vom Polytechnikum ist gestorben.
London, 21. Februar. Zwischen den Besitzern von zwei großen Kohlenbergwerken in Canarkshire und den Grubenarbeitern, welche die Arbeit niedergelegt hatten, hat eine Verständigung stattgefunden, nachdem die Besitzer Zugeständnisse gemacht hatten.
London, 21. Februar. Die meisten Morgenblätter bringen Leitartikel über die deutschen Reichstagewahlen. Der „Standard" sagt, man könne im Interesse Deutschlands nur hoffen, die Regierung werde siegreich aus dem Kampfe hervorgehen. Die übrigen Blätter sprechen dieselbe Hoffnung aus, weil sie sich von dem Siege der Regierung die Erhaltung des Friedens versprechen. " (Rh. K.)
London, 20. Febr. Wie dem „Reuter'schen Bureau" aus Mo- zambique gemeldet wird, hat der General-Gouverneur von Mozambique, welcher zur Besetzung von Tungi abgegangen war, einen vom Sultan