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Hanauer Anzeiger.

Jugteich AmittcHes @>rgan für Stcröt- und LcrnöKveis Kcrncru.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit Belletristischer Beilage.

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Nr. 36.

Samstag den 12 Februar

1887.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Jeder Landbriefträger führt ein Annahmebuch, in welches er die angenommenen Sendungen mit Werthangabe, die Einschreibsendungen, die Postanweisungen und gewöhnlichen Packete, sowie die Nachnahmesendungen und die für Zeitungen vorausbezahlten Beträge einzutragen hat. Will der Absender die Eintragung selbst bewirken, so ist diesem das Annahme­buch vorzulegen. Auch kann der Absender die Vorlegung des Buches verlangen, um von der seine Sendung betreffenden Eintragung des Land­briefträgers Kenntniß zu nehmen

Cassel, 3. Februar 1887.

Der Kaiserliche Ober-Postdirektor _______Zur Lin^e._____

BektmMMLaMngen Körngl. Landrathsamts.

Gesunden: Ein Cigarren-Etui mit Cigarren. Ein Zirkel.

Verloren: Ein Portemonnaie mit einigen Pfennigen nebst einer quittirten Rechnung.

Hanau am 12. Februar 1887.

Aus Königl. Landrathsamt.

t Wahlmanöver.

Mit richtigem Blick haben große Wählerkreise alsbald heraus­gefunden, daß die Streitfrage, weshalb der Reichstag aufgelöst worden ist, die Dauer der Militärdienstzeit betrifft." Das ist der Anfang eines Leitartikels der von Eugen Richter begründeten Freisinnigen Zeitung. Nicht also um die Ziffer der auszubildenden Mannschaften, sondern um die Zeit, wie lange die einzelnen Mannschaften bei den Fahnen zu halten sind, handelt es sich einzig und allein." Solche Behauptungen gehören in^das Kapitel der Wahlmittel, welches nach dem Motto gearbeitet sind: Sucht nur die Menge zu verwirren."

Wie die Freisinnigen während der Verhandlungen im Reichstage wiederholt ihre Positionen gewechselt haben, wobei immer der Gedanke maßgebend war, wie bringen wir die Wähler auf unsere Seite, so sehen wir jetzt, daß je nach Zeit und Umständen die Wahlparole gewechseit wird. Das Lockmittel von jedem Mann und jedem Groschen ist zu abgenutzt und hat nicht gezogen. Man versuchte es dann mit der Ver­theidigung derVolksfreiheiten", derverfassungsmäßigen Rechte des Volkes." Aber auch damit war es nichts. Dem Wähler ist das Hemd näher als der Rock, er fragt zuerst nach der Sicherheit des Reichs und der Verständige sieht nicht ein, warum jeder Abgeordnete während der Dauer des Mandats einmal über die Armeestärke beschließen und die Armeebewilligung von dem guten Willen und der politischen und mili­tärischen Einsicht jedes Reichstags abhängen soll; zumal kein Wort davon in der Verfassung steht. Nun also wird die Länge der Dienstzeit wieder auf das Tapet gebracht, und die Freisinnigen kehren damit zu der ersten Position zurück, welche sie sofort nach Bekanntwerden der Militärvorlage eingenommen hatten.

Groß und fett, breit und handgreiflich war die in Baden, am Rhein, im Hannoverschen und in den Reichslanden verbreitete Lüge, Seprennat bedeute soviel als Verlängerung der activen Dienstzeit des Einzelnen von 2 Jahren 4^2 Monat soviel beträgt sie jetzt im Durchschnitt auf 7 Jahre. Dagegen ist freilich die Behauptung, daß der Streitpunkt zwischen Regierung und Parlamentsmehrheit sich emzig darum gedreht habe, wie lange die Mannschaften im Frieden bei den Fahnen zu halten sind, nur ein kümmerlicher Waisenknabe. Es sind lediglich die Freisinnigen und Volksparteiler gewesen, welche die Frage der Dienstzeit aufgeworfen und eine sofortige mehr oder weniger wesent- uche Verkürzung derselben gefordert haben. Das Centrum hat es abge- lehnt, diese Forderung seiner Vasallen zu der seinigen zu machen. Windt- yorü sagte am dritten Tage der zweiten Lesung, das Centrum lehne den Antrag Richter auf Einziehung der Jnfanterierekruten erst im Januar av, weck es diese Sache auf bessere, ruhigere Zeiten verschieben wolle, h H"^ die militärische Autorität des Centrums, erklärte

ven jchlestschen Centrumswählern in Breslau:Ihre Abgeordneten waren oer Anstcht, daß die Frage der Verkürzung der Dienstzeit in diesem

Momente vollständig ausgeschlossen werden müsse; wenn wirklich die Lage des Vaterlandes eine kritische Lage ist, so dürfen wird nicht rütteln an den Einrichtungen der Armee, wie sie zur Zeit bestehen."

Es ist also erfunden, daß die Streitfrage die Dauer der Militär­dienstzeit betrifft. Eine erdrückende Majorität des Reichstages war in diesem Punkte mit der Regierung einverstanden. Die sogen, deutsch- freisinnige Partei hat vor ihrem Lehnsherrn, dem Centrum, den traurigen Ruhm voraus, in kritischen Zeiten des Vaterlandes an den Einrichtungen der Armee zu rütteln. Die Vermehrung unserer Kriegsstärke kann uns nichts helfen, wenn wir gleichzeitig an der Güte des Heeres Einbuße erleiden sollen. Der freisinnige Zweck ist ja klar: man will diearmen Jungens" und deren Anverwandte mit der Verkürzung der Dienstzeit ködern, man spricht von Schonung der Bauern, Handwerker und Arbeiter. Deren allerhöchstes Interesse ist jedoch, von feindlichen Einfällen verschont zu bleiben und Haus und Herd geschützt zu sehen. So lange aber unsere militärischen Autoritäten der Meinung sind, daß wir auch in Bezug auf die Dienstzeit, von welcher die Schlagfertigkeit wesentlich ab- hängt, nicht hinter unseren Nachbarn zurückbleiben dürfen die fran­zösischen Rekruten mußten bisher viel länger bei den Fahnen bleiben, als die deutschen so lange werden sich auch die Wählermaffen von den freisinnigen Civilmoltke's keinen Wind vormachen lassen. Auch dieses Lockmittel kann nur abstoßend wirken. Eine technisch-militärische Frage zur Kampf- und Machtfrage zwischen 'Krone und Parlament machen zu wollen, sie in Wahlversammlungen hineinzutragen, dafür muß jedem deutschen Patrioten das Verständniß vollkommen fehlen.

T K 8 e sich« «.

P. Aus dem Landtage. Berlin 11. Febr. Das Abg eord- ordnetenhaus erledigte den Etat der Berg-, Hütten- und Salinen- verwaltung. Es wurde anerkannt, daß der Etat mit Vorsicht aufgestellt und eine Mindereinnahme vorgesehen sei, da die inzwischen theilweise eingetretenen besseren Conjuncturen sich nicht als stichhaltig erweisen möchten. In der Hauptsache kamen aber Klagen zum Ausdruck über die Nothlage, namentlich der westfälischen Kohlenindustrie. Es wurde gewünscht, daß durch eine Tarifermäßigung dieser Kalamität abgeholfen werde, da nur auf diese Weise das Absatzgebiet für die Kohlenindustrie erweitert werden könnte. Andererseits wurde die Nothlage auf eine mangelnde Consolidation des Kohlenindustriebetriebes zurückgeführt. Aus der ganzen Debatte ging hervor, daß die Regierung, soweit es die allge­meinen Staatsinteressen zulassen, thunlichst allen Wünschen entgegenkommt, daß sie sich aber nicht berechtigt hält, auf Kosten der Steuerzahler zum Vortheil eines einzigen Industriezweiges eine Tarifermäßigung soweit eintreten zu lassen, daß nicht einmal die Kosten des Transportes gedeckt werden würden. Außerdem wurde die Frage der Einschränkung der Production zur Verbesserung der Lage der Kohlenindustrie erörtert. Es kam dann noch eine Reihe von Einzelfragen zur Erörterung, von denen namentlich die bezüglich der materiellen Besserstellung der technischen Unterbeamten ein allgemeines Interesse hat. Der Minister sagte ein wohlwollendes Entgegenkommen zu. Im klebrigen wurde der Etat im Ordinarium und Extraordinarium unverändert genebmigt. In dem letzteren wurde speciell als neu eine Position von 350,000 Mark zur Herstellung einer Auflösungsstation für Karnallitsalze beim Achenbach- schacht des Salzwerks zu Staßfurt bewilligt, dabei aber eine bezügliche Petition der Staatsregierung in der Richtung zur Erwägung überwiesen, daß bei der Errichtung der Lösestation die Interessen der betreffenden Chlorkaliumfabriken nach Möglichkeit geschont werden. Morgen: Erste Berathung der beiden Eisenbahnvorlagen.

Berlin, 11. Februar. Se. Majestät der Kaiser und König hörten gestern Nachmittag noch den Vortrag des Reichskanzlers, Fürsten Bismarck. Heute nahmen Se. Majestät militärische Meldungen entgegen und sprachen den Oberst-Kämmerer Grafen zu Stolberg - Wernigerode so­wie den mit Geschäften des General Intendanten betrauten Grafen Hoch­berg.

Ueber den neulichen Besuch des Fürsten Bismarck auf der englischen Botjchaft, der übrigens in jedem Jahre einmal erfolgt, gehen