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Erscheint täglich mit Ausnahme der Ssun- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 30.

Samstag den 5. Februar

1887.

höher stehen als die Interessen des Vaterlandes. Mögen sie es verant­worten, wenn sie können. Aber darüber ist schon jetzt kein Zweifel möglich, daß sie allein durch das Scheitern der Militärvorlage die Be­unruhigungen der gegenwärtigen Lage auf dem Gewissen haben. Sie sind schon jetzt dafür verantwortlich, daß die Kriegsgerüchte dem Volke in Handel und Verkehr einen nach Millionen zu schätzenden Schaden verursacht haben.

Aufmerksam beobachtet Frankreich die Vorgänge in Deutschland. Wie es durch das Scheitern der Militärvorlage zu den Vorkehrungen ermuthigt wurde, welche die Kriegsbefürchtungen der letzten Tage hervor­riefen, so wird es in einem Sieg der regierungsfeindlichen Parteien in Deutschland gewiß eine neue Ermuthigung finden, auf die Ausführung seiner alten Rachepläne zu sinnen. Denn ein innerer Conflict, die Un­möglichkeit, zu einer Einigung über die Verstärkung der Wehrkraft zu gelangen, eine Majorität, welche entschlossen ist, die Waffe des Heeres durch Verkürzung der Dienstzeit oder unzulängliche Bewilligungen abzu- stumpfen, das Alles wird auf die kriegslustige Partei Frankreichs zweifel­los nicht in beruhigendem und mäßigendem Sinne wirken, es wird viel­mehr in Frankreich ebenso das Selbstgefühl erhöhen, wie es nothwen­diger Weise in Deutschland das Selbstbewußtsein herabdrücken muß.

In des deutschen Volkes Hand ist jetzt das Schicksal des Reiches gelegt. Das Volk hat es in der Hand, jetzt vor aller Welt zu zeigen, daß es, mit der Regierung des Kaisers einig, zu allen Opfern für die Erhaltung des Friedens und alles dessen bereit ist, was es vor sechzehn Jahren auf den blutgetränkten Schlachtfeldern Frankreichs errungen. Eine solche Volkskundgebung allein, die nicht deutungsfähig ist, kann den gewünschten Eindruck machen und uns das nöthige Ansehen geben. Eine solche Kundgebung zu machen, wäre schon die Pflicht des vorigen Reichs­tages gewesen. Er hat nicht auf die warnenden Stimmen gehört, die Folgen hiervon sind nicht ausgeblieben. Des Volkes Sache ist es nun, das wieder gut zu machen, was der Reichstag versäumt, und solche Männer zu wählen, welche ohne Zögern die schwer gefährdete Ehre Deutschlands wieder herstellen und die Scharte auswetzen, welche Deutschland den Ultramontanen, Freisinnigen, Socialdemokraten, Polen, Welsen u. s. w.

I verdankt.

Das möge Jeder bei den bevorstehenden Wahlen bedenken: ein Reichstag, welcher das Septennat ablehnt, macht den Ausbruch des Krieges nach dem Urtheil unserer höchsten Autoritäten unvermeidlich, ein Reichstag, der die Verstärkung der Wehrkraft auf sieben Jahre be­dingungslos bewilligt, macht den Ausbruch des Krieges unwahrscheinlicher. Wer den Frieden erhalten will, der kann nicht freisinnig, ultramontan oder socialdemokratisch wählen wollen!

T K D e 8 s ch K h.

Berlin, 4. Febr. Gestern Abend fand im Weißen Saale des Königlichen Schlosses der erste diesjährige Hofball statt, zu welchem über 1600 Einladungen ergangen waren. Se. Majestät der Kaiser und König versagten es Sich, auf dem Feste zu erscheinen. Dagegen verweilten Ihre Majestät die Kaiserin und Königin bis gegen 11 Uhr in der Bildergalerie und ließen insbesondere die Herren und Damen des diplomatischen Corps zu Sich entbieten.

Prinz Heinrich, der zweite Sohn des deutschen Kronprinzen, wird in diesem Frühjahr wieder eine längere Seereise antreten unv, wie es heißt, zum ersten Mal selbstständig das Kommando eines Kriegsschiffes übernehmen.

Von der Mischmasch-Partei ist's bei den Gegnern ganz still geworden, seit Freisinnige, Ultramontane, Socialdemokraten, Polen, Dänen und Elsasser Französlinge gemeinsam gegen das Septennat gestimmt haben und vielfach bei den Wahlen zusammengehen. (Dfz.)

Düsseldorf, 4. Februar. Eine Anzahl angesehener Wähler aus allen Kreisen, darunter die bekannten Maler Achenbach und Hünten, Graf Heißel, Freiherr Schell, sowie Beamte und Gutsbesitzer veröffent­lichen imDüsseldorfer Anzeiger" einen Aufruf, worin sie erklären, daß sie bei dem Ernst bei politischen Lage und der Nothwendigkeit, die Wehr­kraft Deutschlands nachhaltig und wirksam zu verstärken, nur für das Septennat eintretende Candidaten wählen und deshalb für den Fürsten

Amtliches.

Nach Beschluß des Bundesraths findet, wie in den letzten Jahren, in der 2ten Hälfte des Monats Februar 1887 eine Ermittelung des Ernteertrages für 1886 statt, welche den Zweck verfolgt, durch directe Umfrage möglichst zuverlässige Angaben über die 1886 wirklich geerntete Menge an Bodenproduction zu gewinnen. Die bei den gleichen Auf­nahmen in den jüngst versoffenen Jahren ausgesprochene Hoffnung, daß sachkundige Männer, namentlich Mitglieder der landwirthschaftlichen Vereine sich bereit finden würden, durch ihre Erfahrungen und Orts­kenntnisse die angeordneten Ermittelungen nach Kräften zu fördern und auf einen möglichst hohen Grad der Zuverlässigkeit zu erheben, ist er­freulicherweise nicht getäuscht worden und berechtigt mich zu der Erwar­tung, daß auch bei den Ermittelungen der diesjährigen Ernte-Ergebnisse sowohl Mitglieder der gedachten Vereine, als sonstige sachkundige und erfahrene Männer wie Landwirthe und ansässige Ortseinwohner ihre thatkräftige Mitwirkung in Den bezüglichen Schätzungs-Commissionen nicht versagen werden.

Caffel, den 7. Januar 1887.

Der Regierungs-Präsident.

Im Auftr.: Althaus.

Bekmmtmachungen Königl. Landrathsamts.

Uebersicht

über die Wirksamkeit der Natural - Verpflegungs- und Arbeits - Stationen im Landkreise Hanau während des Monats Januar 1887.

1) Windecken: Zahl der Unterstützten 25. An diese wurden verabreicht: 4 Portionen Mittagessen, 21 desgl. Abendessen, 21 desgl. Frühstück und 21 Nachtquartiere, zusammen in einem Geld­werthe von 13 Mk. 56 Pf.

2) Langenselbold: Zahl der Unterstützten 187. An dieselben wur­den verabreicht: 2 Portionen Brod, 97 Portionen Mittagessen, 88 desgl. Abendessen, 88 desgl. Frühstück und 88 Nachtquartiere, zu­sammen im Geldwerthe von 76 Mk. 26 Pf.

Hanau am 4. Februar 1887.

Der Königliche Landrath.

A. 380. Gf. Bi smarck.

Entlaufen: Am 1. d. Mts. in Eichen: ein dunkelgrauer lang- hariger Neufundländer (Zughund) mit langer Ruthe auf den Namen Leo" hörend.

Gefunden: Ein Namensschild mit der AufschriftJohs. Mohn Hr in Langenselbold. Ein kleines Taschenmesser.

Hanau am 5. Februar 1887.

Aus Königl. Landrathsamt.

t Was auf dem Spiel steht.

Die fortgesetzt bedrohlichen Nachrichten aus Frankreich haben in der ganzen Well große Unruhe hervorgerufen. Der englische Minister­präsident Lord Salisburp erklärte jüngst die Aussichten auf dem Fest­lande für ungünstig unv trübe. Oesterreich-Ungarn setzt seine Landwehr und seinen Landsturm in Bereitschaft, um für den Fall, daß der Friede gestört werden könnte, seine Interessen wahrnehmen zu können. Deutsch­land hat sich genöthigt gesehen, der weiteren Ausfuhr von Pferden vor- zubeugen. Rußland hat soeben dieselbe Vorsichtsmaßregel getroffen und für Oesterreich-Ungarn steht gleichfalls ein Pserdeausiuhrverbot bevor. Nur die deutschen freisinnigen und ultramonianen glatter wollen den Wald vor Bäumen nicht sehen, erklären die ungünstigsten Nachrichten für Erfindungen, die im Interesse der Wahlen gemacht seien, und werfen sich zu Vertheidigern des Generals Boulanger auf, der nach ihrer Mei­nung kein Wässerchen trüben könne.

Es gehört ein außerordentlich hoher Grad von Unverfrorenheit dazu, das Volk angesichts offenkundiger Thatsachen in eine solche Sicher­heit wiegen zu wollen, wie es die freisinnigen und ultramonianen Blatter gegenwärtig thun. Auch hierin zeigt sich, ebenso wie bei der Abstimmung der Reichstagsmajorität über die Militärvorlage, daß jenen Parteien die eigenen Interessen und ganz besonders die Parteiinteressen bei den Wahlen