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Nr. 28.
Donnerstag den 3. Februar
Bekanntmachungen Königl- LanSrathsamts.
Nach Beschluß des Bundesraths vom 24. April 1882 findet auch für das Jahr 1886 eine Ermittelung des Ernteertrages statt. Dieselbe ist auf die im Erhebungsformulare B. bezeichneten wichtigeren feldmäßig gebauten Fruchtarten beschränkt und in der zweiten Hälfte des Monats Februar d. I. vorzunehmen.
Den Herren Ortsvorständen des Kreises habe ich daher je 2 Exemplare des genannten zur Erhebung des Ernteertrags vienenven Formulars B., welche die im Königlich statistischen Bureau handschriftlich eingetragenen Erndteertragsziffern pro 1885 sowie die bei der Erndteermittelung vom Jahr 1885 und der Bodenbenutzung im Jahre 1883 für die betreffenden Fruchtarten ermittelten Anbauflächen enthalten, zugesandt, um in denselben unter genauer Beachtung der dem Formulare vorgedruckten Anleitung den Ernteertrag im Jahre 1886 einzutragen.
Hierbei mache ich besonders darauf aufmerksam, daß die einzusetzen- den Ertragsangaben, wie in dem Vordrucke im Kopfe des Formulars angegeben ist, Kilogramm auf 1 Hektar bedeuten und durchaus zu unterlassen ist, sich auf andere Gewichts- bezw. Flächeneinheiten zu beziehen. Ebenso ist nicht zu übersetzen, daß für alle in dem Erhebungsformulare angegebenen Früchte, für welche in dem Formulare A. zur Ermittelung der landwirthschaftlichen Bodenbenutzung im Laufe des Herbstes 1883 Areal angegeben worden ist, auch Erndteerträge pro Hektar angegeben werden müssen.
Da, wo Hagelschlag vorgekommen ist, sind für jeden einzelnen Fall die in dem Anfänge auf Seite 3 des Erhebungsformulars B. verlangten nähere Angaben zu machen und zwar unter Benutzung der im Februar v. J. bereits zugestellten Notizblätter. Bis spätestens zum 1. März d. I. ist mir das eine Exemplare des richtig und deutlich auszufüllenden und sauber zu haltenden Formulars B. mit Datum und Unterschrift versehen, wieder einzureichen, während das andere ebenfalls auszufüllende Exemplar in der Gemeinde-Repositur aufzubewahren ist.
Zur vorläufigen Notirung der im Jahre 1887 etwa eintretenden Hagelwetter habe ich den Herren Ortsvorständen gleichzeitig je ein Exemplar des betreffenden Notizblattes übersandt.
Dieses Notizblatt ist aufzubewahren und die in dasselbe etwa im Laufe des Jahres zu verzeichnenden Angaben sind demnächst bei Ermittelung des Ernteertrags pro 1887 zu benutzen.
Hanau am 27. Januar 1887.
Der Königliche Landrath.
V. 330. J. V.: L. v. Deines.
Nachdem wahrgenommen ist, daß von Branntwein-Großhändlern einerseits Gebinde unter einem halben Anker (17,175 Liter) verkauft werfen und anderseits mit dem Branntwein förmlicher Hausirhandel betrieben wird, mache ich darauf aufmerksam, daß die Handlungen durch die bestehenden Gesetze und Vorschriften verboten und unter Strafe gestellt sind.
Die Polizeibehörden und Königliche Gendarmerie werden ausgefordert, diesem Handel mit Branntwein ihre besondere Aufmerksamkeit zuzu- wenden, damit Ueberschreitungen der bestehenden Vorschriften nach Möglichkeit verhindert werden.
Die Beschlagnahme der zum Gewerbebetriebe im Umherziehen mitgeführten Gegenstände ist gestattet, soweit sie zur Sicherstellung der Steuer, Strafe und Kosten, oder auch zum Beweise der strafbaren Handlung erforderlich ist.
Hanau am 22. Januar 1887.
Der Königliche Landrath.
St. 95. . J. V.: L. v. Deines.
Verloren: Ein kleiner goldener Ohrring mit weißem Stein.
Gefunden: Ein Paar hellblaue Kinderhandschuhe. Ein schwarzer Handschuh (rechter). Eine große Schneiderscheere. Ein Packet Slearin- Lichrer. Eine schwarze lederne Tasche, zur Aufnahme von Briefen. Eine gedruckte Schürze. Eine Kabenmutze.
Hanau am 3. Februar 1887
Aus Königl. Landrathsamt.
1887.
Die Herren Bürgermeister mache ich unter Bezugnahme auf die Verfügung vom 21. Januar v. I. in Nr. 24 des Kreisblatts aufmerksam, daß unfehlbar bis zum 1 5. d. Mts. die Uebersichten über die pro IV. Quartal des Kalenderjahres 1886 zur Zwangsvollstreckung überwie- senen Rückstände an Kommunal- uud Schulabgaben (nach Formular) bei mir eingereicht sein müssen.
Hanau am 1. Februar 1887.
Der Königliche Landrath.
A. 360. I. V.: Baabe.
T K 8 s s s ch 8 a.
— Berlin, 2. Februar. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen gestern Nachmittag um 3^4 Uhr das Präsidium des Hauses der Abgeordneten und sodann den Vizepräsidenten des Staatsministeriums, v. Putikamer. Heute nahmen Se. Majestät den Vortrag des Geheimen Civilkabinets entgegen und gewährten demnächst dem mexikanischen Minister-Residenten, General Mena, behufs Ueberreichung seines Abberufungsschreibens, eine Audienz, welcher der Staatssekretär Graf Bismarck beiwohnte.
Berlin, 2. Februar. Von gut unterrichteter Seite wird bestätigt, daß in der kirchenpolitischen Frage zwischen Preußen und dem Vatikan völliges Einvernehmen herrscht und daß die Verhandlungen zu einer Vereinbarung führten, deren Inhalt den freundschaftlichen Beziehungen zwischen der preußischen Regierung und der päpstlichen Curie durchaus entspricht. (F. N.)
Berlin, 2. Februar. Die „Nordd. Allg. Ztg." bringt längere Mittheilungen über die Pariser Anarchisten, deren verschiedene Gruppen unter Scheidung der einzelnen Kategorien sie aufzählt und deren Leben und Treiben sie eingehend schildert.
Ueber Bismarck ist ein treffendes Wort verbreitet: was er gethan hat, wird gepriesen und angestaunt, was er thut, wird bemäkelt und verdächtigt.
Die „Pos. Ztg." meldet: In Sachen der Geistlichen Dr. v. Jazdzewski und Dr. Wartenberg ist, wie die Orendownik erfährt, in Rom im Sinne des Oberpräsidenten entschieden worden. Bekanntlich war von Erzbischof Dr. Dinder der erstere zum Propst von Brelsche, letzterer zum Propst von Gostpn ernannt worden; doch hatte der Oberpräsident, Graf v. Zedlitz, gegen beide Ernennungen Einspruch erhoben.
Der „National - Zeitung" wird aus Paris, unter dem 31. Januar, telegraphier: Gestern hat ein internationales Meeting unter dem Borfitz Felix Pyat's stattgefunden. Hauptredner waren Louise Michel und verschiedene bekannte Anarchisten, das Thema die Verbrüderung der Elen- ven aller Nationen zum gemeinschaftlichen Kampfe gegen die Besitzenden. Ppat feierte die 28 deutschen sozialistischen Abgeordneten als wahre Franzosen und forderte die Versammelten auf, denselben ihre Glückwünsche zu votiren und Beiträge zu senden.
Aus Westprentzen. Die Ansiedelungs-Commission hat nun auch im Strasburger Kreise ihre Thätigkeit entwickelt. Zwei größere polnische Güter, Niewierz 450 Heciar und Bodrowo 950 Hectar, sind bereits erworben und zwar für 269,500 M. und 600,000 M.
Rudolstadt, 1. Februar. Ein junger Mann aus einem unserer Nachbarorte stand als Dragoner in einer unserer westlichen Grenzgarni- sonen. Derselbe kam, wie Die „Rudolst. Ztg." als „verbürgt" meldet, auf irgend eine Weise öfter mit einem französischen Officier zusammen und trat schließlich mit demselben in Briefwechsel, dessen Inhalt auf die Absicht, dem Officier ein Repetirgewehr zu verschaffen, schließen ließ. Das wurde entdeckt, der Dragoner ergriff die Flucht, wurde aber an der Grenze ungehalten und an die Militärbehörde abgeliefert. Seine Verurteilung zu einer längeren — wie es heißt zehnjährigen — Festungsstrafe war die Folge seiner verräterischen That.
Karlsruhe, 1. Febr. Wie die „N. Bad. L.-Z." vernimmt wird der Landtag demnächst zu einer außerordentlichen Session zusammenberufen werden, deren Dauer auf etwa 8 Tagen bemessen wird. Der Ausbau der badrschen Eisenbahn aus strategischen Gründen soll Gegenstand der Vorlage sein. Hauptsächlich soll es sich um die strategische Linie Lörrach-Wehr (an der badisch-schweizerischen Grenze handeln.