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Die aipalt. geile 20 Psg.
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30 Psg
Nr. 24.
Samstag den 29. Januar
1887.
Bekanntmachungen Mnigl. Lanörarhsamw.
Aus Grund der Vorschriften im § 9,2 des Gesetzes über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden vom 13. Februar 1875 ist der Betrag der für die Marschverpflegung zu gewährenden Vergütung für das Jahr 1887 wie in dem Vorjahre dahin festgestellt worden, daß an Vergütung für Mann und Tag zu gewähren ist:
mit Brot
ohne Brot
a) für die
volle Tageskost — 80 Pf.
65 Ps.
b) für die
Mittagskost = 40 „
35 „
c) für die
Abendkost = 25 „
20 „
d) für die
Morgenkost = 15 „
10 „
Hanau am 28. Januar 1887.
Der Königliche Landrath.
M. 282. J. V.: L. v. Deines.
Zugelaufen: Am 19. d Mts.: Ein gelber schwarzgestreister Epitzhund m. Geschl. mit langer Ruthe und ledernem Halsband; Empfangnahme bei Valentin Roß zu Kilianstädten. Am 24. d. Mts.: Ein brauner Jagdhund mit weißer Brust, an drei Pfoten etwas weiß, m. Geschl.; Empfangnahme bei Philipp Mahler zu Oberdorfelden.
Gefunden: Ein Paar graue Kinderhandschuhe. Ein brauner Kinderhandschuh (rechter). Ein seidener Regenschirm (in einem hiesigen Laden stehen geblieben). Ein schwarzer Glacehandschuh. Ein Portemonnaie mit etwas Geld Eine stählerne Häkelnadel.
Entlaufen: Am 24. d. M. zu Langendiebach ein schwarz und weiß gefleckter Jagdhund, m. Geschl.; dem Wiederbringer eine Belohnung.
Verloren: Eine silberne Cylinder-Uhr.
Hanau am 29. Januar 1886
_____________________Aus Königl. Landrathsamt._____________________
tt Herr Windthorst
hat in der Montagssitzung des Abgeordnetenhauses mit einem gewissen Grauen von der Möglichkeit neuer Conflicte gesprochen und gesagt, er bitte Gott, daß er das Land davor bewahre; er könne keine Conflicte machen und wenn er es könne, würde er es nicht thun. Wer erinnert sich hierbei nicht an die bekannte Fabel vom Reinecke, der sich „fromm stellte", Klausner geworden war" und doch „die alten Tücken nicht lassen konnte". Wenn wir zu einem Conflicte gelangen sollten, so ist Herr Windthorst allein der schuldige Theil. Aber wie Reinecke, als sein Kopf in der Schlinge stak, verurtheilt von dem Rathe des Königs, doch noch Muth fand, seine Unschuld zu betheuern und seine Thaten und Verdienste zu preisen, so Herr Windthorst.
Er macht sich zum Hüter der Verfassung. In Wahrheit ist er es mit seiner Gefolgschaft, der die Verfassung gefährdet, indem er auf das vermeintliche Recht drei- oder einjähriger Feststellung der Heeresstärke durch das Parlament pocht, das Heer in größere Abhängigkeit vom Parlamente bringen und dem Reichstage die Entscheidung über den Bestand des Heeres zuerkannt wissen will.
Er wirft sich als Hüter des Reichs aus! In Wahrheit ist seine ganze Politik auf die Erschütterung des Reiches gerichtet. Als Weise, der die Wiederherstellung des Königreichs Hannover zum Ziele hat, kann er auch gar keine andere Politik verfolgen, als die des inneren Unfriedens, der Lockerung des Bandes, welches die Bundesstaaten umschließt, der Enlkrästung des Reichs turch Vorenthaliung dessen, was zum Bestände desselben nothwendig, der Sammlung aller Unzufriedenen, denen eine starke Regierung ein Dorn im Auge ist.
Er fürchtet für den „Bestand und die Sicherheit der Throne." In Wahrheit ist er es, der die monarchischen Grundlagen erschüttert, indem er sie Krone zum Aufgeben ihrer Rechte drängt und den Einfluß des Parlaments auf Kosten jener zu verstärken sucht, indem er, wie tec Kanzler sagte, „in die bestehenden Autoritäten Dresche legt" und seine Glaubensgenosstn immer von Neuem znm Kampse auffordert, indem er endlich turch seinen Ei: fluß bewirkt hat, daß der heutige Reichstag durch : seinen Beschluß in der Militärfraze ein directes Mißtrauensvotum gegen den Kaiser richtete. I
Er warnt vor der socialen Gefahr eines Conflicts. Die Kirche
freilich kann eine Hüterin und Vertheidigerin der Gesellschaft sein, niemals aber der welfische Ultramontanismus, der die Socialdemokratie sich zur Bundesgenossin macht, sie auf alle Weise zu fördern und zu pflegen sucht und die Waffen zu ihrer Bekämpfung bisher stets verweigert oder abzu- stumpfen gesucht hat.
Herr Windthorst als Hüter der Verfassung, des Reichs, der Throne, der Gesellschaft — wer im deutschen Vaterlande möchte ihm alle diese Güter in die Hand geben? Wäre er um die Wahrung derselben wirklich besorgt, dann würde er zurückschrecken vor einem Verhalten, welches alle Feinde und Gegner des Staates, des Reichs, der Monarchie und der gesellschaftlichen Ordnung an seine Seite gerufen hat, dann würde er es nicht gewagt haben, in der gegenwärtigen Weltlage den Bestand des Heeres in Frage zu stellen, welches der oberste Hort und Hüter unserer staatlichen, nationalen und gesellschaftlichen Existenz ist. Aber das deutsche Volk ist gewitzigt: Herrn Windthorst wird es nicht wie Reinecke gelingen, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
TKgesscha«.
Berlin, 28. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König hörten im Laufe des gestrigen Nachmittags noch den Staatssekretär Grafen v. Bismarck und nahmen Abends im Königlichen Schlosse die alljährlich bei Beginn des Carnevals daselbst stattfindende Cour ab. Am heutigen Vormittag wurden Sr. Majestät im Königlichen Palais diejenigen Kadetten der Haupt'Kadettenanstalt zu Groß-Lichterfelde vorgestellt, welche in diesem Frühjahr nach absolvirtem Examen in die Armee übertreten.
Berlin, 28. Jan. Das Schulgeschwader, bestehend aus S. M. Schiffen „Stein" (Flaggschiff), „Moltke" und „Prinz Adalbert", Geschwader-Chef Kapitän zur See und Kommodore v. Kali, ist am 26. Januar er. in St. Croix (West-Indien) eingetroffen.
Berlin, 28. Jan (K. Z.) Da schon in allernächster Zeit alle Regimenter mit dem neuen Repetirgewehr ausgerüstet sein werden, so sollen jetzt auch die Reserven zu einer Schießübung mit diesen Gewehren eingezogen werden. Wie mir zuverlässig mitgetheilt wird, hat der Kaiser einigen höheren Offizieren bei der gestrigen Hofcour mitgetheilt, daß diese Schießübungen jetzt alsbald stattfinden und daß dazu 71 000 Mann aus der Reserve eingezogen werden sollen. Es bedarf wohl keines Hinweises, daß diese Maßregel nicht mit den jetzigen Kriegsgerüchten zusammenhängt, es geschieht vielmehr nur das, was stets geschehen muß> und geschehen ist, sobald ein neues Gewehrsystem zur Einführung gelangt.
Prag, 27. Jan. Die Handelskammer wählte das biserige Präsidium wieder. Die Deutschen enthielten sich unter Berufung auf ihre Erklärung bei dem Eintritt in die Kammer der Abstimmung. Das Gutachten der Kammer über die Erneuerung der Handelsverträge mit Deutschland und Italien, welches die Beibehaltung des selbstständigen Tarifs unter Einwirkung der Meistbegünstigung für die österreichische Ausfuhr empfiehlt, wurde einstimmig angenommen.
Pctcrsbnrg, 28. Januar. Herzog Georg V. Leuchtenberg reiste gestern ins Ausland. Bezüglich seiner event. Candidatur für den bulgarischen Thron sagt die „Neue Zeit", die russische Regierung dürfte ihre Ansicht erst dann äußern, sobald sie überzeugt sei, daß die übrigen Mächte dieselbe billigten.
Melbourne, 26. Jan. Das Komitee für die Weltausstellung in Melbourne beschloß heute, daß dieselbe am 1. August des nächsten Jahres eröffnet werden soll. Die Dauer der Ausstellung ist auf 6 Monate bemessen, und sollen sowohl fertige Artikel, wie Fabrikationsmethoden zur Anschauung gebracht werden. Der Raum wird unter Genehmigung des Komitees gratis gewährt. Die Ausstellung wird Abends geöffnet und elektrisch beleuchtet sein.
Ncw-Uork, 26. Januar. Zweihundert Kisten Dynamit explo- birten wählend des Transports auf der Missouri Pacific-Eisenbahn unweit Fert Skon. Die Waggons des Zuges wurden zertrümmert uns die Fenster der Häuser in der Nähe zerschmettert. Eine Person wurde gctödiet
Washington, 26. Jan. Der Senat verwarf das Amendement zur Konstitution, welches das Frauen-Wahlrecht vorschlägt, mit 34 geg'y