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Irrgkeich AmMcHes §)rgan für Stcröt- und Lanökvers Kcrncru.
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Nr. 23.
Freitag den 28. Januar
1887.
Amtliches.
Gekanntmachunge« auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878.
Gemäß §. 12, 2 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird hierdurch bekannt gemacht, daß von der unterzeichneten Landes - Polizeibehörde auf Grund §.11 desselben Gesetzes ein in deutscher Sprache abgefaßtes, nicht periodisches Flugblatt mit der Ueberschrift:
„Socia liste n - Ma rs ch" beginnend mit den Worten: Schon dämmert in der Ferne das Morgenroth" : Druck: Hottingen-Zürich, Schweizer Per eins-Buchdruckerei, — verboten worden ist.
Köln den 8. Jauuar 1887.
Königliche Regierung, Abtheilung des Innern, von Guionneau.
Auf Grund des §. 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Flugblatt mit der Ueberschrift: „N e u j a h r s - G r u ß!" „Arbeiter Berlins!" und den Eingangsworten: „Das vergangene Jahr war für die Berliner Sozial- demokratie ein Jahr der Sammlung u. s. w." und den Schlußworten: »Hoch die internationale revolutionäre Sozialdemokratie!" Druck und Verlag der Schweizerischen Genoffenschafts-Druckerei in Hottingen-Zürich nach §.11 des gedachten Gesetzes durch den Unterzeichneten von Landes- polizeiwegen verboten worden ist.
Berlin den 16. Januar 1887.
Der Königliche Polizei-Präsident.
Freiherr von Richthofen.
GetsNNtmuchungen KönigL. Landrathsamts.
Nachstehende Bestimmungen, betreffend die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienste, werden hierdurch wiederholt be- I annt gemacht.
Die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienste darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahre nachgesucht werden. Der Nachweis derselben ist bei Verlust des Anrechtes spätestens bis zum 1. April des ersten Militairpflichtjahres zu erbringen.
Wer die Berechtigung nachsuchen will, hat sich bei der PrüfungsCommission, in deren Bezirk der Wehrpflichtige gestellungspflichtig ist, spätestens bis zum 1. Februar des ersten Militairpflichtjahres schriftlich zu melden.
Alljährlich finden zwei Prüfungen statt, die eine im Frühjahr, die andere im Herbst.
Das Gesuch um Zulassung zur Prüfung muß für die Frühjahrsprüfung spätestens bis zum 1. Februar, für die Herbstprüfung spätestens bis zum 1. August angebracht werden.
Hanau am 3. Januar 1887.
Der Königliche Landrath.
M. 46. J. V.: L. v. Deines.
I M H ’ man.
P. Aus dem Landtage. Berlin 27. Jan. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurden zunächst die Etats der Domänen- und Forstverwaltung erledigt und dabei einige Wünsche aus dem Hause laut, namentlich aber der Forstverwaltung die verdiente Anerkennung für ihre auch finanziell erfolgreichen Leistungen ausgesprochen und die weitere Erhöhung der Gehälter für die Oberförster und Revierbeamten bereitwilligst genehmigt Bei dem Etat der direkten Steuern wurde das Verlangen nach Beschleunigung der Grundsteuerentschädigung in Schleswig-Holstein wiederholt und bei der Klassensteuer einerseits der Wunsch nach größerer Gleichmäßigkeit in der Veranla mng ausgesprochen und andererseits über die strenge Einschätzung der Arbecker in den Jn- dustriebezirken geklagt. Demgegenüber wurde von Seiten der Regierung nachgewiesen, daß das Gesetz feit Jahren nach Anweisung des Finanz
Ministers mit Milde gehandhabt werde; und daß man bei der Veranlagung nicht fiskalische Interessen in den Vordergrund stelle, ergebe sich schon aus dem Umstände, daß im vorigen Jahre von 112 000 Reklamationen deren 58 000 für begründet erachtet worden. Morgen wird die Berathung des Etats fortgesetzt.
Berlin, 27. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen im Laufe des heutigen Vormittags die Meldung einer größeren Anzahl höherer Offiziere entgegen und arbeiteten darauf längere Zeit mit dem Kriegsminister und dem Chef des Militärkabinets.
Berlin, 27. Jan. Prinz Wilhelm feierte heute in Potsdam seinen 28. Geburtstag. Zu seinen Ehren waren sowohl in Berlin wie in Potsdam die öffentlichen Gebäude wie zahlreiche Privatwohnungen beflaggt. In Potsdam empfing er die Glückwünsche seiner Gemahlin, seiner Söhne, die sich prächtig entwickeln, seines Hofstaates, seiner Adjutanten sowie der ihm persönlich näher stehenden Herren. Der Sängerchor der Leibcompagnie sowie das Musikkorps des 1. Garderegiments zu Fuß brachten ihm am frühen Morgen ein Ständchen, während zum Frühstück das Musikkorps seines Regiments (Garde Husaren) die Tafelmusik stellte. Aus Berlin war die gesammte kronprinzliche Familie, die jetzt vollzählig vereint ist, sammt der Erbprinzessin von Meiningen und deren kleiner Tochter herübergekommen um ihre Glückwünsche abzustatten, und bald nach 4 Uhr fuhr der Prinz nach Berlin, um hier die Glückwünsche des Kaisers und der Kaiserin entgegenzunehmen und sich ihnen mit den übrigen preußischen Prinzen und Prinzessinnen bei der heutigen großen Cour und dem Hofconcert im königlichen Schlosse anzuschließen.
Berlin, 27. Jan. S. M. Kreuzer-Korvette „Luise", Kommandant Korvettenkapitän Junge, ist mit den abgelösten Besatzungen S. M. Kreuzers „Habicht" und S. M. Kanonenboots „Cyclop", am 26. Januar cr. in Wilhelmshaven eingetroffen.
Zu den Wahlen schreibt die „Berliner Börsen-Zeitnng^r Fürst Jsenburg-Birstein, der bei den Reichstagswahlen als Führer der Katholiken des Wahlkreises Hanau Gelnhausen aufzutrelen pflegte, hat im Herrenhause die Adresse mitunterzeichnet. Dadurch hat er sich, wie die ultramontane „Köln. Volksztg." voller Ingrimm bemerkt, in direkten Gegensatz zur Centrumspartei gesetzt. Daß auch in anderen ultramontanen Kreisen sich die Opposition gegen die „Führung" des Abg. Windthorst regt, ist an anderen Vorgängen in der Rheinprovinz bereits gezeigt worden.
An die deutschen Wähler wendet sich jetzt, wie der „RH. K." schreibt, auch die internationale Friedens- und Freiheitsliga, die in Genf ihren Sitz hat und seit Jahren mit ihren Abrüstungsvorschlägen notorisch im französischen Interesse und für die Loslösung Elsaß-Lothringens vom deutschen Reich arbeitet. Das hat der Reichstagsmehrheit wirklich gerade noch gefehlt, daß ihr diese Gesellschaft Zustimmung und Beifall ausspricht!
Zu der gestern aus München telegraphisch gemeldeten Nachricht, daß der Papst sich über die Stellung des Centrums in dem gegenwärtigen Wahlkampfe geäußert habe, liegt heute in der „Straßb. Post" ein die gestrige Meldung zum Theil bestätigendes Telegramm aus Rom vor, welches lautet: „Es hat schon alsbald nach der Auflösung des Reichstages — wenn nicht schon kurz vor demselben — ein brieflicher Meinungsaustausch zwischen dem Papste und einem hochgestellten Centrumsmit- gliede stattgefunden, wonach der Papst persönlich aufs entschiedenste die Haltung des Centrums unter Windthorst gegenüber der Heeresvorlage mißbilligt. Von dieser Kundgebung hatte sich der Papst die Wirkung versprochen, daß sie den Widerstand Windthorsts gegen die Vorlage zu brechen im Stande sei, darum war eine weitere Veröffentlichung nicht gewünscht worden. Es ist möglich, daß diese Veröffentlichung nunmehr erfolgt. Jedenfalls mißbilligt der Papst die Haltung des Centrums gegenüber dem Septennat durchaus." Eine weitere Bestätigung findet jene Nachricht in einem Telegramm, welches der klerikale Pariser „Gaulois ' aus München erhalten hat und worin es heißt, daß der Nuntius in München vom Papste die Instruktion bekommen habe, dahin zu wirken, daß diejenigen Geistlichen, welche bisher Abgeordnete waren, kein Mandat mehr annehmen. Die meisten Geistlichen seien entschlossen, diesem Ansinnen nachzukommen (Rh. K.)