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Nr. 20.
Dienstag den 25. Januar
1887.
Amtliches.
Nachdem durch die Bekanntmachungen des Königlich preußischen Polizei-Präsidenten zu Berlin vom 27. November und 9. Dezember v. I. („Reichs-Anzeiger" Nr. 281 und 291) die Nummern 1 und 2 des ersten Jahrganges der zuLondon erscheinenden periotischen Druckschrift: „Die Autonomie. Anarchistisch-kommunistisches Organ", verboten worden sind, wird auf Grund der §§11 unb 12 des Gesetzes gegen die gemeingefählichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 (Reichs-Gesetzblatt S. 351) auch die fernere Verbreitung des Blattes „Die Autonomie. Anarchistisch-kommunistisches Organ", im Reichsgebiet hierdurch verboten.
Berlin den 10. Januar 1887.
Der Reichskanzler. J. V.: von Boetticher.
Die von der „Socialistic Publishing Society“ in Chicago herausgegebene nichtperiodische Druckschrift:
„Die moderne Gesellschaft, gekennzeichnet durch die Reden der verurtheilten Chicagoer Anarchisten A. R. Parsons, August Spies, Sam. Fielden, Oskar Neebe, M. Schweb, L. Liegg, A. Fischer, G. Engel, in dem Großen Tendenzprozeß vor Richter Gary am 7., 8. und 9. Oktober 1886. Gründe, warum das Urtheil nicht vollzogen werden sollte,"
wird auf Grund der §§11 und 12 des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878 hiermit verboten.
Konstanz den 10. Januar 1887.
Der Gr. badische Landeskommissär für die Kreise Konstanz, Villingen und Waldshut. Engelhorn.
Die unterfertigte Stelle hat durch Beschluß vom heutigen die Nummer 1 vom 16. September 1886 der in Prostejove (Mähren) erscheinenden periodischen Druckschrift: „Hias Li du“ (Volksstimme), ferner die Nummer 34 vom 13. August 1885 der ebendaselbst erscheinenden periodischen Druckschrift: „Duch Casu* (Zeitgeist) auf Grund der M 11 und 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 verboten.
Augsburg den 11. Januar 1887.
Königliche Regierung von Schwaben und Neuburg, Kammer des Innern.
I. Stellvertr.: Dr. von Groh.
Bekanntmachung.
In Gemäßheit Erlasses des Herrn Ministers des Innern vom 16. d. Mts. werden die Wählerlisten zu den durch Kaiserliche Verordnung vom 14. d. Mts. angeordneten Reichstagswahlen vom
2 4. Januar dieses Jahres an
8 Tage lang auf dem Neustädter Rathhaus (Lokal der Steuerkommission, 1 Treppe hoch rechts) zu Jedermanns Einsicht ausgelegt sein, und zwar während der Wochentage in den üblichen Büreaustunden, dagegen Sonntag den 30. Januar cr. von Vormittags 11 Uhr bis Nachmittags 1 Uhr.
Einsprachen sind binnen 8 Tagen nach Beginn der Auslegung der dem Stadtvorstande anzubringen.
Nur Diejenigen sind zur Theilnahme an der Wahl berechtigt, welche in die Wählerliste ausgenommen sind.
Die Abgrenzung der acht Wahlbezirke hiesiger Stadt wird demnächst im Näheren veröffentlicht werden.
Hanau am 19. Januar 1887.
Der Oberbürgermeister
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Tages schau.
Berlin, 24, Januar. Der „Reichsanzeiger" meldet: Kaiser Wilhelm ernannte Professor Treitschke, Dr. Gustav Freptag und Johannes Brahms nach stattgehabter Wahl zu stimmfähigen Rittern des Ordens pour le mörite für Wissenschaften und Künste und Gniseppe Verdi zum auswärtigen Ritter des Ordens.
Berlin, 24. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König hörten heute den Vortrag des Wirklichen Geheimen Raths v. Wilmowski.
Berlin, 24. Januar. Kaiser Wilhelm wurde gestern während des Ordensfestes von einem leichten Unwohlsein befallen, so daß er nur die Vorstellung der neuen Ritter entgegennehmen, dagegen weder dem Gottesdienste noch der Tafel beiwohnen konnte. Das Unwohlsein gab aber zu Befürchtungen keinen Anlaß, so daß sowohl die Kaiserin als der Kronprinz sich bis zum Schlüsse des Festes sorglos den Gästen des Kaisers widmen konnten. Nach einer guten Nacht ist der Kaiser heut« wieder hergestellt und er konnte bereits heute Mittag von einer großen Menschenmenge lange Zeit beobachtet werden, wie er am Fenster stehend Vorträge entgegennahm und Berichte las.
Berlin, 24. Januar. Der „Kreuzztg." zufolge hätte Graf Moltke das Reichstagsmandat für den zweiten Berliner Wahlkreis abgelehnt.
Berlin, 24. Jan. S. M. Kreuzer-Korvette „Luise", Kommandant Korvettten-Kapitän Junge, mit den abgelösten Besatzungen S. M. Kreuzers „Habicht" und S. M. Kanonenboots „Cyclop", ist am 21. Januar er. in Plymouth eingetroffen und beabsichtigt am 23. deff. Mts. nach Wilhelmshaven in See zu gehen.
In Danzig ist folgender von 18 angesehenen Mitgliedern der liberalen Partei unterzeichneten Aufruf in dem dortigen Jntelligenzblatt veröffentlicht worden:
„Die unterzeichneten liberalen Wähler des Danziger Stadtkreises sind nicht damit einverstanden, daß die Heeresvorlage der verbündeten Regierungen nur auf drei Jahre bewilligt worden ist. Wir haben früher die Bewilligung auf längere Zeit, welcher Zustimmung auch mehrere Mitglieder der jetzigen freisinnigen Partei zustimmten, für eine glückliche Lösung der zwischen der Reichsregierung und dem Reichstage obwaltenden Meinungsverschiedenheit gehalten, und sind auch heute der Ansicht, daß die Bewilligung auf sieben Jahre den Vorzug verdiene. Wir glauben, daß es weder für den äußeren Frieden, noch für den inneren von Vortheil sei, wenn vor den Augen Europas alle drei Jahre Betrachtungen über die Stärke des eigenen und Vergleiche mit den Heeren der Nachbarn angestellt werden, und wenn der Bestand der Armee bei den dreijährigen Wahlen in den Bereich der Agitation gezogen wird. Eingedenk der Erfahrungen des Jahres 1866 scheint uns die Heeresstärke kein geeigneter Gegenstand, an welchem der Reichstag eine Machtprobe gegenüber der Regierung ablegen soll, denn in militärischen Fragen wird unser Volk der Autorität des Kaisers, Moltkes und Bismarcks, deren umsichtiger Fürsorge wir den Segen eines sechzehnjährigen Friedens verdanken, immer die gebührende Rücksicht zollen müssen. Wir bedauern es, daß in einem in der Entwickelung begriffenen Staate, wie dem unsrigen, die Fackel der Zwietracht in einer Frage entzündet ist, die für jeden Vaterlandsfreund hoch über der Partei stehen müßte, und wünschen aus diesem Grunde nicht einen Konflikt, in welchem auf Jahre die Kraft des Volkes, die für andere nützlichere Aufgaben dringend gebraucht wird, sich erschöpfe. Wir befürchten dadurch eine ernstliche Schädigung der liberalen Partei, für welche wir die Zukunft erhoffen. Deshalb sind wir, unseren liberalen Grundsätzen getreu bleibend, zu dem Entschlüsse gelangt, bei der bevorstehenden Reichstagswahl nur einem solchen Kandidaten unsere Stimme zu geben, der voll und ganz für die Vorlage der Regierung hinsichtlich der Heeresstärke eintritt. Wir fordern Gesinnungsgenossen auf, sich uns anzuschließen, und werden uns erlauben, dieselben auf diesem Wege von den weiteren Schritten, die wir zur Erreichung unseres Zweckes ergreifen in Kenntniß zu setzen. (Folgen 18 Unterschriften.)
Zu gleicher Zeit haben die Unterzerchner, wie der Natronal-Zertung mitgetheilt wird, sich schriftlich an den Vorstand des liberalen Wahl- Comitees mit der Anfrage gewandt, ob dasselbe geneigt wäre, mit ihnen wegen Aufstellung eines Kandidaten in Verhandlung zu treten, der auf liberalen Boden stehend, für die Militärvorlage stimmen wird.
Bonn, im Januar. Als Frhr. von Solemacher-Antweiler von Berlin hierher zurückkehrte, erklärte ihm seine Putzfrau, daß sie ihm den Dienst kündige. Um die Ursache befragt, erwiderte die biedere Frau, weil der Herr gegen die Religion gestimmt habe. Daß die Putzfrau die