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Donnerstag den 20, Januar
Nr. 16.
v Amtliches.
Bekanntmachung.
Nachdem durch Kaiserliche Verordnung vom 14. d. Mts. bestimmt worden ist, daß die Neuwahlen für den Reichstag am 21. Februar d. J. vorzunehmen sind, setze ich auf Grund des § 2 des Reglements vom 28. Mai 1870 (Bundesgesetz-Blatt Seite 278) den Tag, an welchem die Auslegung der Wählerlisten zu beginnen hat,
aus den 24. Jannar d. Js.
hierdurch fest.
Berlin, den 16. Januar 1887.
Der Minister des Innern, gez. vo n Puttkamer.
Auf Grund des §. 2 des Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes vom 26. Februar 1870, bezw. auf Grund des §. 107 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 wird hierdurch der Schluß der Jagd auf Hasen, Auer-, Birk- und Fasanen-Hennen, Haselwild und Wachteln auf den 24. d. Mts. Abends festgesetzt.
Caffel am 12. Januar 1887.
Namens des Bezirks-Ausschusses Der Vorsitzende.
I. V.: Viehmann.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Bekanntmachung.
Gemäß § 23 der Ersatz-Ordnung vom 28. September 1875 — Amtsblatt Nr. 46, S. 269 — sowie der Instruktion vom 16. Mai 1876, die Führung der Stammrolle betreffend (Amtsblatt S. 109) haben die Herren Ortsvorstände unverzüglich nachstehende Bekanntmachung viermal zu erlassen.
Alle Militärpflichtige vom Jahrgang 1867 und ältere, welchen eine endgültige Entscheidung von den Ersatz-Behörden noch nicht ertheilt ist, haben sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. I. bei dem Ortsvorstande, bei Meidung der im Gesetze angedrohten Strafen und Nachtheile, zur Rekrutirungs-Stammrolle zu melden.
Dienstboten, Haus- und Wirthschaftsbeamte, Handlungsdiener und Lehrlinge, Handwerksgesellen, Fabrikarbeiter und andere in ähnlichen Verhältnissen stehende Militärpflichtige, sowie ferner Gymnasiasten und Zöglinge anderer Lehranstalten haben sich an demjenigen Orte zur Stammrolle zu melden, woselbst sie in Lehre oder Arbeit stehen, bezw. wo sich die Lehranstalt befindet.
Die in das militärpflichtige Alter tretenden, zum einjährig-freiwilligen Dienste Berechtigten haben, insofern sie nicht bereits in den activen Dienst eingetreten sind, unter Vorlage des Berechtigungsscheines beim Unterzeichneten ihre Zurückstellung mündlich oder schriftlich zu beantragen.
Für solche Militärpflichtige, welche ohne an einem anderen Orte im deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- oder Fabriksherrn die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei Meldung der im Gesetze angedrohten Strafe.
Jeden angemeldeten Militärpflichtigen resp, deren Anmelder haben die Herren Ortsvorstände auf die Bestimmung der pos. 8 des § 23 der Ersatz-Ordnung ausdrücklich aufmerksam zu machen.
Diese lautet:
Militärpflichtige, welche nach Anmeldung zur Stammrolle im Laufe eines ihrer Militärpflichtjahre ihren dauernden Aufenthalt oder Wohnsitz nach einem anderen Aushebungsbezirk oder Musterungsbezirk verlegen, haben dieses behufs Berichtigung der Stammrolle, sowohl beim Abgänge der Behöroe oder Person, welche sie in die Stammrolle ausgenommen hat, als auch nach der Ankunft an dem neuen Orte derjenigen, welche daselbst die Stammrolle führt, spätestens innerhalb dreier Tage zu melden.
In der Stammrolle sind nicht blos die angemeldeten Militärpflichtigen einzutragen, sondern auch alle sich im Orte aufhaltenden Militär- pflicylige zu ermitteln.
1887.
In Betreff der Anlegung und Führung der Rekrutirungs-Stammrollen werden die Herren Orts- und Gutsvorstände auf die Eingangs beregte Instruktion besonders aufmerksam gemacht.
Die Stammrollen der Jahrgänge 1864, 1865, 1866 und 1867 nebst Belägen sind bis zum 15. Februar d. I. einzureichen.
Hanau den 3. Januar 1887.
D-r Eivil-Vorsitzende des Aushebungs Bezirkes Hanau.
I. V.: L. v. Deines.
t Kaiser Wilhelm
hat am Sonntag das Präsidium des Herrenhauses empfangen und demselben gegenüber Gelegenheit genommen, sein schmerzliches Bedauern darüber auszudrücken, daß Er solche Vorgänge wie diejenigen, welche die Militärvorlage betreffen, noch habe erleben müssen. Im Herrenhause bekundete am Montag der liberale Vizepräsident Beseler, daß er noch unter dem Eindrücke der Worte stehe, welche Seine Majestät an das Präsidium gerichtet, Worte, die den tiefen patriotischen Schmerz des Kaisers über die Vorgänge der letzten Tage zum Ausdruck brachten, Worte, welche in dem Redner so recht das Gefühl hervorgerufen haben, daß der beste Deutsche doch der Kaiser ist. Die Herren vom Präsidium empfingen, wie die Post meldet, einen tiefen Eindruck von der schmerzlichen Erregung, in welcher sich Kaiser Wilhelm durch die Vorgänge im Reichstage befinde; der Kaiser ließ keinen Zweifel darüber, wie tiefernst Ihm die Lage erscheine.
Wir zweifeln nicht daran, daß diese Mittheilung auf alle patriotischen Herzen den tiefsten Eindruck machen wird. Mit Genugthuung wird es erfüllen, daß das Herrenhaus von dem gleichen Gefühle geleitet, fast einstimmig auf den Antrag des katholischen Mitgliedes Freiherr» v. Solemacher an den Kaiser und König eine Adresse zu richten beschloßen hat, welche ihm Kenntniß geben soll von der Treue und Liebe seines Landes, wie von der Opferbereitschaft desselben für die Sicherstellung der Wehrkraft. Herr v. Solemacher wird allen Patrioten und namentlich auch seinen Glaubensgenossen aus der Seele gesprochen haben, wenn er seinen Antrag in warmer, patriotischer Weise mit den Worten begründete, daß „in ernsten Zeiten sich der Blick jedes patriotischen Preußen in erster Linie auf den Thron, auf den Heldenkaiser richte, der in achtzigjähriger Dienstzeit nur dem Wohle des Vaterlandes und der Nation gelebt und gewirkt hat und so Großes und Herrliches zum Heile Deutsch- schlands, zum Heile Preußens erreicht hat!" Daß ein katholisches Mitglied, über dessen kirchliche Treue kein Zweifel möglich ist, die Adresse angeregt hat, bildet einen wohlthuenden Gegensatz zu der Haltung und Führerschaft des Herrn Windthorst in dieser Frage.
Das Vorgehen des Herrenhauses wird im ganzen Lande dankbare Anerkennung finden: dasselbe spricht allen guten Preußen aus dem Herzen, die mit ihm den Wunsch theilen, daß unser greiser Kaiser an der Treue und Liebe seines Volkes nicht irre werde und bald einen vollgültigen Beweis von der Dankbarkeit erhalte, von welcher das gesammte preußische und deutsche Volk gegen ihn erfüllt ist.
T a F e A s ch & m. ’
Berlin, 19. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen gestern Nachmittag noch den Vortrag des Staatssekretärs Grafen Bismarck entgegen. Heute empfingen Se. Majestät militärische Meldungen und arbeiteten mit dem Chef des Civilkabinets.
Berlin, 18. Januar. Der Adreßentwurf des Herrenhauses sagt: „Ew. Majestät sind der Schöpfer des preußischen Heeres in seiner gegenwärtigen Gestalt, durch dessen und unserer Bundesgenossen Heldenmuth Ew. Majestät das deutsche Reich in seiner Macht und Herrlichkeit wieder- hergestellt und den Frieden Europas während langer Jahre erhalten haben. Gegenwärtig sind die staatlichen Beziehungen der Völker Europas mannigfach gespannt, die Gefahr ist nicht ausgeschlossen, auch das deutsche Reich unerwartet in Krieg verwickelt zu sehen. Das Herrenhaus ist tief bewegt, daß Ew. Majestät der Schmerz nicht erspart geblieben ist, daß die Bewilligung der Mittel zur vollen Wehrhaftigkeit der deutschen Armee an eine unannehmbare Einschränkung geknüpft wurde, welche dem auf wiederholten Compromiffen beruhenden Herkommen entgegen war und