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Beilage zu Nr. 13 des Hanauer Anzeiger.

Lagesschau.

P. Aus dem Landtage. Berlin 15. Jan. Der Land­tag wurde heute im Auftrage Sr. Majestät durch den Vizepräsidenten des Staatsministeriums, Minister des Innern u. Puttkamer, eröffnet. Der Feierlichkeit wohnten wie immer, vorzugsweise Mitglieder des Herren­hauses bei. In das um Schlüsse der Eröffnungsrede von dem Präsiden­ten des Herreuhauses, Herzog von Ratibor, auf Seine Majestät den Kaiser und König ausgebrachte Hoch stimmte die Versammlung dreimal begeistert ein. Bald nach der Eröffnung hielten beide Häuser des Land­tages ihre ersten Sitzungen. Das Herrenhaus wählte nach erfolgten: Namensaufruf, der die Beschlußfähigkeit des Hauses ergab, das bisherige Präsidium wieder, und wird seine nächste Sitzung am kommenden Mon­tag abhalten. Auf der Tagesordnung steht allein der von dem Freiherrn v. Solemacher-Antweiler eingebrachte Adreßentwurf an Se. Majestät den Kaiser und König. - Das Abgeordnetenhaus dessen Beschluß­fähigkeit gleichfalls konstatirt wurde, wird seine nächste Plenarsitzung am Montag zur Wahl der Präsidenten und Schriftführer abhalten. In beiden hohen Körperschaften waren die Verhandlungen im Uebrigen mit einem von den Präsidenten ausgebrachten Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und König Wilhelm eingeleitet.

Berlin, 14. Januar. DieKöln. Ztq." schreibt: Soeben ist die Komödie, deren Regie die Herren Windthorst und Richter so klug und weise besorgt haben, abgespielt; Der Reichskanzler hat im Reichstage, unmittelbar nach der Verkündigung, daß der § 1 nach dem Antrag Stauffenberg mit 183 gegen 154 Stimmen angenommen worden, die kaiserliche Botschaft, wonach die verbündeten Regierungen mit Zustimmung des Kaisers den Reichstag für aufgelöst erklären, verlesen. Der Präsident brächte vor dem Auseinandergehen des gewesenen Reichstags ein dreifaches Hoch unter stürmischem Widerhall der Versammlung auf den Kaiser aus, und gleich darauf rollte der Wagen des Reichskanzlers unter dröhnenden Hurrahs, welche sich in die Leipzigerstraße fortsetzten, dem Kanzlerpalaste zu. Die Schutzmannschaft konnte, obwohl sie mit großer Strenge gegen jede Menschenansammlung einzuschreiten suchte, doch nicht hindern, daß eine dichte Menge den Wagen des Fürsten umringte, als er aus dem Thorweg des Reichstages einbog, und daß sie unter fortgesetzten Hochrufen den Wagen, der nur langsam von der Stelle fomnmLJEniinlehis__^MiiLjih>i4>ÄfiMi^^i,.^^^.___m^n ^ Feldmarschall Graf Moltke kurz zuvor den Reichstag verließ, brächte ihm das Publikum laute Hochrufe dar. Daran, daß jetzt die Führer der Mehrheit, Freiherr v. Stauffenberg, Dr. Windthorst und Eugen Richter, zur Neubildung einer Regierung berufen werden, ist wohl vorerst nicht zu denken. Das deutsche Volk, die Wählerschaften sind verfassungs- mäßiger Weise in die Lage gebracht, sich den Fall noch einmal zu über­legen. Gestern wurde noch vielfach hin und her erörtert, ob die Auf­lösung nicht etwa verzögert würde, bis in dritter Lesung die Reichstags­mehrheit ihr formell letz: es Wort gesprochen; allein alles in allem ge­nommen entspricht die möglichst rasche Entscheidung der Wichtigkeit und Dringlichkeit ver in Frage stehenden nachhaltigen militärischen Sicherung. Wenn wirklich im Centrum eine Richtung bestand, welche in der dritten Berathung sich von der wölfischen Kette losgeriffen und für das Septennat gestimmt hätte, so haben diese Herren die Kunst des Verschweigens zur Vollendung gebracht. Jedenfalls hat Dr. Windthorst, als Parteiführer und Partei-Einpeitscher Großes geleistet, während bei den Deutschfrei­sinnigen die Programmklauberei die Einzelnen zu Marionetten machte. Bei der Abstimmung kamen dem Centrum und den Deutschfreisinnigen die Polen zu Hilfe, und damit ist die Mehrheit für das Amendement Stauffenberg größer geworden, als man anfangs berechnete. Es ist wohl anzunehmen, daß bei der Gesammtabstimmung über die Vorlage die polnischen Stimmen wieder in Wegfall gekommen wären; vielleicht auch die der Handvoll Volksparteiler, aber jene hätte die Liebe zum Centrum,

diese das Freundschaftsbündniß mit den Deutschfreisinnigen doch wohl daran gehindert, gegen den Gesetzentwurf ausdrücklich zu stimmen. Wäre beides geschehen, so würde allerdings denkbar gewesen sein, daß die au sich angewiesenen Fractionen des Centrums und der Deutsch freisinnigen bei der Gesammtabstimmung in der Minderheit geblieben und gar nichts zu Stande gekommen. Auch dann hätte die Auflösung vor sich gehen müssen, und daß sich in der regierungsfeindlichen Mehrheit jetzt auch die Polen befinden, wird den deutschen Wählerschaften das unwürdige Schau­spiel der vorigen Session lebhaft genug ins Gedächtniß rufen. Jene ' Berechnung für eine etwaige dritte Lesung sollte nur darthun, auf wie schwachen Füßen die deutschfreisinnige Berühmung steht, daß für eine dreijährige Bewilligung eine feste Grundlage gegeben war. Es hatte nicht den Anschein, als ob die Sieger von heute eine besondere Freude an ihrem Erfolge hätten. Man mußte sich bei dieser Gelegenheit lebhaft wieder der stolzen Worte erinnern, womit ein Führer der Freisinnigen, soweit man neben Herrn Richter von Führern dort reden kann, beim Beginn der Session erklärte, die Regierung muß annehmen, was wir ihr geben. Auch diese schöne Hoffnung ist zu Wasser geworden, während die Regierungen und die drei in dieser Lebensfrage der Ration treu zu ihr und zu einander haltenden Parteien des Reichstages mit Muth und Zuversicht in den Wahlkampf treten. Ihre Sache ist die des Vater­landes und sie wird gegen Parteifanalismus und persönlichen Haß sicher den Sieg davontragen.

Aus Stadt, Provmz und Umgegend.

Klein-Attheim, 14. Januar. Gegenwärtig ist man in unserer Gemarkung eifrig mit Vorbereitungsarbeiten zur Ausführung des, nach einer Verfügung des Ministeriums des Innern an Großh. Kreisamt Offenbach, in der Gemarkung zu erbauenden Maindammes beschäftigt Bei günstigem Wetter soll der Bau des Dammes bereits im Februar begonnen werden. K )

Frankfurt a. M., 15. Januar. Der Central-Ausschuß' für das IX. Deutsche Bundesschießen beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung eingehend mit der Wirthschaftsfrage und wurde nach längerer Berathung beschloffen, auf dem Festplatze sechs Frankfurter Bierhallen mit Ausschank von einheimischen Bieren, eine Bayerische Bierhalle, eine Aepfelweinhalle und einen Cafö-Salon mit Conditorei zu errichten; außer-

Theater-Repertoire zu Frankfurt a. M.

Opernhaus. Dienstag, 18. Januar:Die Afrikanerin". Mittwoch, 19., Nachmittags 3^/- Uhr:Schneewittchen". Donnerstag, 20., zum ersten Male:Die Perlenfischer", Oper in 3 Acten von G. Bizet. Freitag, 21.: Geschloffen. Samstag, 22., Nachmittags 3Vr Uhr: Schneewittchen". Abends 7 Uhr, zum ersten Male wiederholt:Die Perlenfischer". Sonntag, 23 , Nachmittags 3^2 U^r:Schneewittchen". Abends 7 Uhr:Troubadour". Montag, 24., zum Besten des Chor- Pensionsfonds:Mignon".

Schauspielhaus. Dienstag, 18. Januar:Der schwarze Schleier". Mittwoch, 19.:Der Richter von Zalamöa". Don- . nerstag, 20.: Geschlossen. Freitag, 21.:Die Sternschnuppe". Sumstag, 22., zu Lessing's Geburtstag, neu einstudirt:Minna von Barnhelm". Sonntag, 23.:Die Sternschnuppe". Montag, 24., neu einstudirt:Torquata Taffo".

Mainz. Die Notiz, daß auf Anordnung der Genie-Direction in Mainz die eisernen Thore, welche in einem Kriegsfalle dazn bestimmt sind, die Zugänge zu der neuen großen Rheinbrücke abzusperren, ange­schlagen werden, macht jetzt die Runde durch die Presse und wird selbst in österreichischen Blättern der Mittheilung für werth befunden, als hinge diese Einrichtung mit Kriegsaussichten zusammen; damit hat sie aber, Gottlob, vorerst gar nichts zu thun.____________________________________

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