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Mittwoch den 12. Januar
Scr. 9.
Amtliches.
Caspar Amand Adalbert Steltmann von hier, geboren am 16. April 1861, derzeit in Amsterdam, hat um Entlassung aus dem Preußischen Staatsverband nachgesucht.
Hanau am 11. Januar 1887.
Der Oberbürgemeister Rauch.
Deutschlands, Frankreichs nnd Rußlands Kriegsmacht.
Eine Vergleichung der Kriegsmacht des Teutschen Reiches, Frankreichs und Rußlands am Ende des Jahres 1886 ergibt folgende Zahlen:
Infanterie: Deutsches Reich 503 Bataillone, Frankreich 649 Bat., Rußland 814 Bat.
Cavallerie: Deutsches Reich 466 Eskadronen, Frankreich 395 Esk, Rußland 610 Esk.
Artillerie (Feld-): Deutsches Reich 340 Batterien, Frankreich 446 Batt., Rußland 395 Batt. Deutsches Reich 1404 bespannte Geschütze, Frankreich 1856 besp. Gesch., Rußland 1736 besp. Gesch. Deutsches Reich 0 bespannte Munitionswagen, Frankreich 851 besp. Munitionswagen, Rußland 160 besp. Munitionsw.
Friedens st ärke: Deutsches Reich 427,274 Mann, Frankreich 523,283 M., Rußland 990,000 M.
Das Kriegsbudget beträgt von den Gesammt - Staatsausgaben in Procenten: Teutsches Reich 26,04, Frankreich 40,46, Rußland 40,00.
Von den Landgrenzen liegen offen: Deutsches Reich 42 Proc., Frankreich 14 Proc. Rußland kann hier, wegen seiner ausgedehnten asiatischen Grenze, nicht in Vergleich gestellt werden.
Marine: Deutsches Reich 98 Schiffe, worunter 27 Panzerfahrzeuge ; Frankreich 410 Schiffe, worunter 53 Panzerfahrzeuge; Rußland 391 Schiffe, worunter 39 Panzerfahrzeuge.(Dfz.)
T K F e s s ch a n.
P. Aus dem Reichstage. Berlin, 11. Januar. Der Reichstag trat vor gut besetztem Hause und dicht besetzten Tribünen in die zweite Berathung der Militärvorlage ein. Nachdem der Referent für die Beschlüsse der Commission sowie der Spezialreferent für die Petitionen sich kurz ihrer Aufgaben erledigt hatten, trat alsbald der Abgeordnete Graf v. Moltke (deutschkons.) mit einer ebenso kurzen, als vollwichtigen Rede für die unveränderte Annahme der Regierungsvorlage ein, wobei er unter merklicher Bewegung des Hauses betonte, daß die Ablehnung die Beschleunigung eines Krieges bedeuten würde. Nachdem sodann der Abg. Frhr v. Stauffenberg die deutschsreisinnigen Anträge vertheidigt, nahm der Reichskanzler Fürst v. Bismarck Veranlassung, in einer bedeutsamen Rede auch seinerseits die Nothwendigkeit der Vorlage durch die politische Weltlage zu begründen und zu betonen, daß niemals aus ! der Armee des Kaisers sich eine Parlamentsarmee entwickeln dürfe. Ebenso I veranlaßten die Ausführungen des Referenten Abg. Frhrn v. Huene den Herrn Reichskanzler zu einer kurzen Erwiderung. Der Ab. Hobrecht sprach Namens der Nationalliberalen für die Regierungsvorlage. Nach ihm nahm der Reichskanzler noch einmal Gelegenheit, seine vorhergegangenen Ausführungen über die politische Lage und unsere Beziehungen zu Oesterreich, Rußland und namentlich zu Frankreich zu ergänzen, und als darauf zum Schluß Abg. Dr. Windthorst die Stellung des Zentrums und der Opposition überhaupt als eine durchaus loyale und patriotische darzustellen versucht hatte, ging der Reichskanzler noch einmal auf eine nähere Begründung der Regierungsvorlage nach der politischen, wie auch nach der finanziellen Seite ein. Um 5 Uhr wurden die Verhandlungen, welchen auch die Zuhörer auf den Tribünen mit gespanntester Aufmerksamkeit bis zum Schlüsse gefolgt waren, bis morgen 12 Uhr vertagt. Zu einer Abstimmung kam es heute also noch nicht.
Berlin, 11. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute militärische Meldungen entgegen und hörten die Vorträge des Polizeipräsidenten sowie des Chefs des Militärkabinets.
Berlin, 11. Januar. Die Commission zur Vorberathung der Grundzüge für ein einheitliches Betonnungssystem für die deutschen Küsten hat gestern ihre Berathungen beendet. Sie ist überall zu einstimmigen
1887.
Beschlüssen gelangt; diese haben auch in allen Punkten die Zustimmung der an den Verhandlungen betheiligten Vertreter der Kaiserlichen Admiralität gefunden. Man darf nunmehr erwarten, daß in naher Zeit die Zwecke, welche mit der Ausdehnung der Competenz des Reichs auf die Schifffahrtszeichen, wenn auch nicht im Wege der Reichsgesetzgebung, sondern durch bundesfreundliche Verständigung unter den betheiligten Bundesstaaten erreicht werden. Es dürfte dieser Fall daher wiederum ein Beispiel dafür liefern, wie viel weiter man häufig in Bezug auf die Förderung der materiellen Einheit durch das bundesfreundliche Entgegen- i kommen der Bundesstaaten als durch ein formales Eingreifen des Reichs gelangt.
Berlin, 11. Januar. Der deutsch-freisinnige Reichstags- und Landtagsabgeordnete Walter Arnold Abraham Dirichlet ist gestorben. Derselbe vertrat im Reichstag den 7. Wahlkreis des Regierungsbezirks Gumbinnen, Sensburg Ortelsburg; im preußischen Landtag die Stadt Breslau. Er war, nachdem er eine zeitlang Rechtswissenschaft studirt hatte, Besitzer des Gutes Klein-Bretschkehmen in Ostpreußen und widmete sich, von feiner parlamentarischen Thätigkeit abgesehen, nur der Landwirthschaft. Dirichlet ist im 54. Lebensjahre gestorben. Im Parlament trat er sehr häufig als Redner auf, that sich aber meist mit mehr Heftigkeit als Glück hervor.
Die „Köln. Ztg " schreibt: Die Nachricht von dem angeblichen Abkommen zwischen Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden gegen sozialistische Umtriebe haben wir schon zurückgewiesen. Die Berl. Polit.Nachr." führen dieselbe auf eine falscheAuffassung einer von dem luxemburgischen Generaldirektor der Justiz, Dr. Eyschen, abgegebenen Erklärung zurück. Auf eine Anfrage in der Kammer, ob bei Unruhen innerhalb der Arbeiterbevölkerung genügende Sicherheilsmannschaften im Lande vorhanden seien, um etwaigen Störungen der öffentlichen Ordnung entgegen- zutreten, gab derselbe die Antwort, daß einerseits gefährliche Personen, von denen man Anstiftung von Unruhen befürchten könnte, im Lande selbst überwacht würden, und daß sich anderseits die Grenzbehörden mit den gleichen Behörden der angrenzenden Staaten zu bem gleichen Zwecke verständigt hätten, sodaß gewisse gefährliche Menschen zum Besten der gemeinsamen Sicherheit auf beiden Seiten der Grenzen beaufsichtigt würden. Von einem internationalen Abkommen war dabei auch nicht die geringste Andeutung gefallen. Die von Dr. Eyschen bezeichneten Maßregeln fallen unter den Gesichtspunkt rein thatsächlicher Verständigung der Grenzbehörden, wie sie beispielsweise sehr häufig auf dem Gebiete der Sicherheitspolizei oder der Maßregeln gegen den Schmuggel getroffen werden, sodaß nicht einmal die Centralbehörden der betreffenden Staaten um derlei Verständigungen ihrer untern Organe sich bekümmern.
Göttingen, 11. Jan. Im hiesigen Stadttheater (Privateigen- thum) brach in vergangener Nacht gegen 12 Uhr, 2 Stunden nach einer daselbst stattgehabten Vorstellung, eine Feuersbrunst aus, durch welche dasselbe vollständig in Asche gelegt wurde. Ein Verlust an Menschenleben ist nicht zu beklagen.
Schwerin, 10. Jan. In Ludwigslust hat vorgestern den Großherzoglichen Oberforstmeister Carl von Lübbe auf einer Schlittenfahrt, indem durch Scheuwerden der Pferde der Schlitten umschlug und der Unglückliche auf den harten Boden fiel, ein jäher Tod ereilt.
Aus Dessan wird berichtet, daß der „deutschfreisinnige" Kandidat jenes Wahlkreises bei der Reichstagswahl 1884, Herr Roesicke, von dem man übrigens annimmt, daß er auch bei der nächst bevorstehenden Reichstagswahl als Kandidat werde aufgestellt werden, in einer Zuschrift an das „Anhalt. Tagebl." zur Militärvorlage öffentlich Stellung nimmt, und zwar dahin, daß er sich mit der Vorlage der verbündeten Regierungen in Uebereinstimmung befindlich erklärt.
Aus Bayern wird geschrieben: „Der katholische Pfarrer Einoegg zu Rettenberg, Amtsgerichtsbezirkes Sonthofen im Algäu, hat eine Erklärung veröffentlicht, welche gegen die Annahme, daß der ganze katholische Klerus Windthorst's Stellung zur Militärvorlage billige, entschiedenen Protest erhebt. Pfarrer Einoegg sagt: ihm imponire das übereinstimmende Urtheil des Deutschen Kaisers, des Prinz - Regenten von Bayern und des Feldmarschalls Grafen Moltke mehr als das Gerede der Opposition."
In einem Stück sind die Deutschen weiterobernd: im Bier. Sogar die Italiener, die doch gute Weine aller Sorten haben, kommen