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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 303.
Freitag den 31. Dezember
1886.
Bekanntmachungen Künigl. LandrathsüMts.
Gefunden: Ein Quittungsbuch der Central - Kranken - Unter- stützungskasse für Heinrich Bernges, ein desgl. sür Wilhelm Bern g es. Eine Cigarrenspitze (in einer Wirthschaft liegen geblieben). Ein schwarzer einzelner Handschuh sowie ein Paar graue Damenhandschuhe (auf der hiesigen Eradtkämmerei liegen geblieben). Ein schwarzes Armband. Ein schwarzer Kindermuff.
Vom Wasenmeister am 30. cr. ein gefangen: Ein gelb und weißer Jagdhund m. Geschlechts.
Zugelaufen: Ein grauer Hund.
Hanau am 31. Dezember 1886.
Aus Königl. Landrathsamt.__
Die Herren Bürgermeffter werden ersucht, nachstehende Bekanntmachung des Vorstandes des landwirthschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden veröffentlichen zu lassen.
Hanau am 30. Dezember 1886.
Der Königliche Landrath.
I. V.: B a a b e.
Landwirtschaftlicher Lreis-Verein Hanau.
Nächste Versammlung Samstag den 8. Januar 1887, Nachmittags 2 Uhr, im Gasthaus zum „goldenen Löwen" in Hanau.
Tagesordnung:
1) Die Obstbaumzucht.
2) Die Kreis-Pserdeverficherung.
Am Schluß der Versammlung wird der landwirthschaftliche Consum- Verein eine Generalversammlung abhalten.Der Vorstand.
t Deutschland im Jahre 1886.
Blicken wir am Ausgang des Jahres zurück auf das, was wir im Laufe desselben erlebt und durchgemacht haben, so treten uns aus der Fülle der Ereignisse auf dem Gebiete der inneren Politik einige wichtige Momente entgegen, in denen sich eine Fortentwickelung unserer inneren Geschichte unschwer erkennen läßt.
Das Jahr begann mit einer herzerquickenden großartigen Kundgebung für Kaiser Wilhelm, der sein fünfundzwanzigjähriges Regierungsjubiläum feierte und an diesem Tage von Seiten der deutschen Fürsten wie der deutschen Stämme und insbesondere des preußischen Volkes neue Beweise der Treue, Verehrung und Dankbarkeit erhielt. Das war eine nationale und zugleich monarchische Kundgebung, welche Zeugniß davon ablegte, wie fest verbunden Kaiser, Fürsten unv Volk sind. An einem anderen Ereigniß, welches alle Deutschen aus's Tiefste erschütterte, offenbarte sich dieselbe Erscheinung: das Hinscheiden des Königs Ludwig von Bayern hatte in ganz Deutschland aufrichtige Trauer verbreitet, und als die ersten Eindrücke der traurigen Katastrophe am Starnberger See vorüber waren und die Bedürfnisse der realen Politik wieder in ihre Rechte traten, begrüßte das gesammte deutsche Volk mit Begeisterung die ersten Regierungshandlungen des Prinzregenten Luitpold, dessen echt deutscher und bundestreuer Sinn sich am Schluß des Jahres nicht minder in der Reise nach Berlin, wie in der Mahnung an seine Unterthanen im Reichstage, der Militärvorlage keine Schwierigkeiten zu bereiten, offenbarte. Das Jahr 1886 wird von bleibender Bedeutung sein für die Kräftigung und Befestigung der nationalen Eintracht.
Von nicht geringerer Bedeutung ist das Jahr für die preußische Kirchenpolitik gewesen. An Versuchen, zum kirchlichen Frieden zu gelangen, hatte es auch vorher nicht gefehlt, und es war auch in der That schon viel mit Bezug auf die amtlichen Beziehungen zum heiligen Stuhl, auf die Personenfragen, auf die Wiederherstellung einer geordneten Verwaltung der Diöcesen und der Seelsorge geschehen. Das scheidende Jahr brächte uns aber einen bedeutenden Schritt in der Verständigung mit der Curie näher, indem es gelang, dieselbe zur Anerkennung der Anzeige- pflicht zu bewegen, nachdem die Bestimmungen über die Vorbildung der Geistlichen und über die kirchliche Disciplinargewalt im Einverständniß mit der Curie den Bedürfnissen der katholischen Bevölkerung entsprechend abgeändert worden waren. Das Herrenhaus und die aufopfernde, von den Männern des Centrums freilich nur mißgünstig betrachtete Thätigkeit des Bischofs Kopp von Fulda wußten die vielen in der Sache liegenden Schwierigkeiten zu überwinden, so daß schließlich der Papst selbst für
das Einigungswerk eintrat und das Centrum im Abgeordnetenhause seine Zustimmung ertheilte. Zu diesem glücklichen Ausgang hat nicht wenig das Vertrauen beigetragen, welches Fürst Bismarck dem Papste in der Carolinenfrage erwiesen und welches den Papst von den friedlichen, versöhnlichen Gesinnungen des Leiters der deutschen Politik überzeugte, dem er den Christusorden und ein bedeutungsvolles Dankschreiben überreichen ließ. Die Ernennung eines deutschen Katholiken zum Erzbischof von Posen bezeugte zugleich die Aufrichtigkeit der Versöhnlichkeit des Papstes.
Der wunde Punkt Deutschlands, das Parteiunwesen innerhalb und außerhalb des Parlaments hat sich dahingegen leider noch in nichts verbessert: es blühte vielmehr in seiner ganzen Größe in der unnatürlichen Verbindung zwischen Ultramontanismus und Freisinn. Diese Verbindung versuchte im Januar im Reichstage eine Demonstration in der Polenfrage, wie sie auch im Dezember wieder sich leider nur zu wirksam in der Militärfrage erwies. Gegen die Polenkundgebung im Reichstage erhob das neugewählte Abgeordnetenhaus, in welchem die nationalliberalen Parteien das Uebergewicht haben, einen energischen Protest und diesem entsprechend unterstützte es auch die auf die Förderung des Deutschthums in den köstlichen Provinzen gerichtete positive Politik, welche — Dank dieser Unterstützung — alsbald in Angriff genommen werden konnte. Nicht Stand hielt die ultramontanffreisinnige Bereinigung bei der Frage der Verlängerung der Gültigkeitsdauer des Socialistengesetzes, die — wenn auch nur auf zwei statt auf fünf Jahre — mit Hülfe des größeren Theils des Centrums von den nationalen Parteien beschlossen wurde. Auch die weitere Förderung der Social- reform durch Ausdehnung des Unfallgesetzes1 auf die land- und forst- wirthschaftlichen Arbeiter, der Bau des Nordostseekanals, das Projekt eines Kanals durch Westfalen nach der Nordsee (letzteres im preußischen Landtage) haben unter jener Vereinigung nicht zu leiden gehabt.
Das Parteiunwesen hat sich aber besonders in der Frage der Steuerreform hinderlich erwiesen: von einer mäßigen Erhöhung der Besteuerung der Zuckerrüben abgesehen, ist der Reichstag vollständig unfruchtbar gewesen, indem er nicht nur das Branntweinmonopol, sondern auch zwei Branntweinconsumsteuergesetze kurzer Hand beseitigte. Gerade die Erfahrungen auf diesem Gebiete haben gegen Ende des Jahres in den nationalen Parteien die Erkenntniß reifen lassen, daß sie mit aller Kraft nach einem ehrlichen Zusammengehen aller nationalen Elemente streben und darauf hinarbeiten müssen, daß auch der Reichstag wieder von einer solchen Mehrheit beherrscht wird, wie das preußische Abgeordnetenhaus. Sowohl in der Steuer- wie in der Militärfrage wollen sie diesen ihren Entschluß bethätigen. Ob dies in dem gegenwärtigen Reichstage von Erfolg sein wird, das ist die große Frage, welche das alte Jahr ungelöst dem neuen überläßt. Aber das ist keine Frage, daß — sollte das Centrum in der Militärvorlage fortfahren, Schwierigkeiten zu machen — die Bevölkerung erkennen würde, daß in den unseligen Parteiverhältnissen Wandel geschafft werden muß. Ein Centrum, welches trotz des kirchlichen Friedens in Presse und Parlament in der wichtigsten Frage des Reichs die Hülfe versagt, würde das Vertrauen der katholischen Bevölkerung verscherzen; Anzeichen einer solchen Wendung haben bereits wahrgenommen werden können. So dürfen wir denn hoffen, daß die unnatürliche Parteiverbindung, unter der die Interessen des Reiches nun schon zu lange leiden, endlich im neuen Jahre so oder so aufhören wird. Mit wie viel Befriedigung dürften wir auf den Gang der inneren Politik im alten Jahre zurückblicken, wenn nicht die Parteiverhältnisse im Reichstage störend und hindernd dazwischen getreten wären! Daraus ergibt sich die Hauptaufgabe für das neue Jahr: mit aller Kraft darauf hinzuarbeiten, daß die Herrschaft der Opposition in der deutschen Volksvertretung gebrochen wird. Die Militärfrage wird hoffentlich ein Weg zu diesem Ziele sein, ohne dessen Erreichung die günstige Entwickelung der inneren Verhältnisse Deutschlands wesentlich beeinträchtigt wird.__
T k s, e s s ch L u.
Berlin, 30. Dezember. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute den diesseitigen Militär-Bevollmächtigten in Wien, Flügel- Adjutanten Oberst-Lieutenant Grafen v. Wedel, und nahmen später militärische Meldungen sowie demnächst den Vortrag des Generals v. Albedyll entgegen.