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Nr. 305.
Donnerstag den 30. Dezember
1886.
BekknntMachungen Kömgl. Landrathskmls.
Bei der heute in Gegenwart eines Notars öffentlich bewirkten 12. Verloosung von Schuldverschreibungen der vierprozentigen Staatsanleihe von 1868 A sind die in der Anlage verzeichneten Nummern gezogen worden.
Dieselben werden den Besitzern mit der Aufforderung gekündigt, die in den ausgeloosten Nummern verschriebenen Kapitalbeträge vom 1. Juli 1887 ab gegen Quittung und Rückgabe der Schuldverschreibungen und der nach dem 1. Juli L I. fällig werdenden Zinsscheine Reihe V Nr. 8 nebst Anweisungen zur Reihe VI bei der Staatsschulden - Tilgungskaffe Hierselbst, Taubenstraße Nr. 29, zu erheben.
Die Zahlung erfolgt von 9 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Nachmittags, mit Ausschluß der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäftstage jeden Monats.
Die Einlösung geschieht auch bei den Regierungs- Hauptkassen und in Frankfurt a. M. bei der Kreiskasie.
Zu diesem Zwecke können die Schuldverschreibungen nebst Zinsscheinen und Zinsscheinanweisungen einer dieser Kassen schon vom 1. Juni k. I. ab eingereicht werden, welche sie der Staatsschulden-Tilgungskasse zur Prüfung vorzulegen hat und nach erfolgter Feststellung die Auszahlung vom 1. Juli 1887 ab bewirkt.
Der Betrag der etwa fehlenden Zinsscheine wird vom Kapitale zurückdehalten.
Mit dem 1. Juli 1887 hört die Verzinsung der ver- loosten Schuldverschreibungen auf.
Zugleich werden die bereits früher ausgeloosten, auf der Anlage verzeichneten, noch rückständigen Schuldverschreibungen wiederholt und mit dem Bemerken aufgerufen, daß die Verzinsung derselben mit dem Tage ihrer Kündigung aufgehört hat.
Die Staasschulben-Tilgungskasse kann sich in einen Schriftwechsel mit den Inhabern der Schuldverschreibungen über die Zahlungsleistung nicht einlassen.
Formulare zu den Quittungen werden von den obengedachten Kassen unentgeltlich verabfolgt.
Berlin den 1. Dezember 1886.
Hauptverwaltung der Staatsschulden.
Wird hierdurch veröffentlicht mit dem Hinzufügen, daß die vorstehend erwähnte Nummerliste dahier eingesehen werden kann, anch in den Geschäftslokalen der Königlichen Steuerkaffen offen liegt.
Hanau am 28. Dezember 1886.
Der Königliche Landrath.
V. 8056. J. V.: B aab e.
Tages fchsL.
Berlin, 28. Dezbr. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz nahm gestern Vormittag 111 2 Uhr militärische Meldungen entgegen und ertheilte darauf dem Königlich sächsischen Geheimen Regierungs Rath Dr. Hasset eine Audienz. Abends wohnten die Kronprinz- lichen Herrschaften der Vorstellung im Deutschen Theater bei.
Die Feier des achtzigjährigen Militärdienstjubiläums des Kaisers am 1. Januar beschränkt sich auf die Gratulation der commandirenden Generale. Auch Prinz Georg von Sachsen trifft hierzu ein. (F-N.)
Berlin, 28. Dez. Alan erwartet, so wird der „Nat.-Ztg " geschrieben, die Einberufung des preußischen Landtages für den 13. Januar. Der Haushaltsetat mit allem Zubehör wird dem Landtage sofort bei seinem Zusammentritt vorgelegt werden. Auch ist Aussicht vorhanden, daß ein großer, wenn nicht der größte Theil des sonstigen Arbeitsmaterials dem Landtage gleich nach der Eröffnung vorliegen wird. Zweifel daran, daß in der bevorstehenden Session eine kirchenpolitische Vorlage eingebracht wird, sind völlig ausgeschlossen; doch ist über den Zeitpunkt des Erscheinens jetzt noch keine Angabe zu machen.
Berlin, 29. Dezember. Die erste Sitzung der Mckitärcommission ist von dem Vorsitzenden Grafen Ballestrem auf den 5. Januar anbe- raumt worden.
Der deutsche Militärbevollmächtigte in Petersburg, Major von Villaume, über den die bekannten Gerüchte circuliren, hat an
feine Angehörigen in Potsdam depeschirt, daß er sich durchaus wohl befinde.
Dem „Schwäbischen Merkur" wird aus Heilbronn, 26. Dezember, berichtet: Die Haltung der Reichstagskommission für das Militärgesetz hat auch hier großen Unwillen hervorgerufen. Wenn man auch überzeugt ist, daß der Reichstag selbst ihren Beschlüffen nicht folgen wird, so fühlt man sich doch in seinem nationalen Gefühl verletzt und vor dem Auslande bloßgestellt. Die deutsche Partei wird daher auf Montag, 3. Januar, eine Versammlung einberufen, die gegen die Annahme Zeugniß geben wird, als ob eine demokratische Versammlung, die kürzlich hier stattfand, der Ausdruck der hiesigen Bürgerschaft gewesen sei. Nur darüber könnte Meinungsverschiedenheit sein, ob die Kundgebung in einer Petition an den Reichstag, dessen Mehrheit für nationationale Regungen des Volkes verschlossen ist, bestehen soll, oder in einem Beschlusie, von dem dann allerdings auch dem Reichstage Kenntniß zu geben wäre. Der erstere Weg wird wohl eingeschlagen werden.
Breslau, 28. Dez. Die durch das Ableben des Fürstbischofs Dr. Herzog nothwendig werdende Neuwahl wird dem Gesetze gemäß von dem Domkapitel vorgenommen, welches drei annehm- bare Personen der Staatsregierung zur Auswahl vorzuschlagen hat. Wird keine annehmbare Persönlichkeit (persona regi grata, wie es in der Bulle de salute animarum heißt) vorgeschlagen, so dürften sich die früheren Vorgänge wiederholen, wonach durch unmittelbare Verständigung der Staatsregierung mit dem Papste der neue Bischof bestellt worden ist. Die Stelle des Fürstbischofs von Breslau ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil Berlin zu seinem Sprengel gehört Der Propst an der St. Hedwigskirche in Berlin ist in der Regel auch fürstbischöflicher Delegat. Ein reicher Theil des Breslauer Sprengels liegt in Oesterreich und der Fürstbischof von Breslau ist geborenes Mitglied des österreichischen Herrenhauses. F. N.
Stettin, 29 Dezember. Der dritte Reichspostdampfer „Sachsen" wurde heute Mittag um 12 Uhr glücklich vom Stapel gelassen. Die Taufe vollzog die Gemahlin des sächsischen Gesandten Grafen von Hohenthal.
Köthen, 28. Dezember. In der Nacht vom 24. zum 25. d. M. wurde in Drosa die 56 Jahre alte Wittwe Thiele in ihrer Wohnung ermordet.
München, 28. Dez. Der Deutsche Kronprinz hat als Weihnachtsgeschenk und zugleich als Erinnerung an die jüngst in Berlin verlebten Tage dem Prinzen Ludwig (ältesten Sohne des Prinzregenten) einen prächtigen Ehrendegen übersandt. Derselbe führt auf der Klinge folgende Widmung: „Friedrich Wilhelm, Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen, seinem lieben Freunde Ludwig, Prinz von Bayern."
Stuttgart, 28. Dezbr. Wie der „St.-A. f. W." vernimmt, wird sich der kommandirende General von Alvensleben am 30. d. Mts. nach Berlin begeben, um am 1. Januar 1887 Sr. Majestät dem Kaiser die Glückwünsche des Armee-Corps zu Allerhöchstdesien 80jährigem Militär- Tienstjubiläum darzubringen.
Karlsruhe, 28. Dezember. Gutem Vernehmen nach beabsichtigen der Großherzog und die Großherzogin mit dem Prinzen Ludwig Wilhelm sich auf Neujahr nach Berlin zu begeben, um der Feier des 80jährigen Dienstjubiläums des Kaisers anzuwohnen. Der Aufenthalt wird voraussichtlich nur wenige Tage dauern.
Der Austritt sämmtlicher Deutschen aus dem böhmischen Landtag in Prag bestätigt sich und ist augenblicklich das wichtigste Er- eigniß in Oesterreich. Ihre äußerst gemäßigten und gerechtfertigten Anträge zum Schutz der deutschen Nationalität und Sprache wurden gar nicht angehört, sondern in schroffster Weise abgelehnt. Da traten f(e Mann für Mann aus, um die deutsche und zugleich die Mannesehre zu wahren. Wie bösartigen Querulanten war ihnen die Thür gewiesen worden. Das Schmählichste dabei ist, daß ein deutscher Apostat, der Fürst Schwarzenberg, der Abkömmling eines alten fränkischen Adelsgeschlechtes, ein Nachkomme des einstigen Feldmarschalls und Siegers von Leipzig, ein durch und durch feudaler Herr und Führer der Jungtschechen, ihnen in höhnischen Worten die Thür wies. „Man muß," sagte er, „alles Deutsche zertreten, wie einen Skorpion." (Dfz.)