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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 303.

Dienstag den 28. Dezember

1886.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Post-Dampsschiffverbindung zwischen Dänemark, den Faröer und Island.

Nach einer Mittheilung der Königlich Dänischen Postverwaltung wird die Post-Dampsschiffverbindung zwischen Kopenhagen und Reykjavik auf Island über Granton (Schottland) und Thorshavn (Faröer) wäh­rend des Jahres 1887 sich, wie folgt, gestalten:

aus Kopenhagen 15. Januar, 1. März, 19. April, 6. Mai, 28. Mai, 14. Juni, 1. Juli, 17. Juli, 2. August, 28. Au­gust, 27. September, 6. November;

in Reykjavik 26. Januar, 14 März, 30. April, 27. Mai, 7. Juni, 25. Juni, 25. Juli, 28. Juli, 21. August, 16. Sep­tember, 10. Oktober, 20 November;

ails Reykjavik 3. Februar, 22. März, 7. Mai, 3. Juni, 29. Juni, 1. Juli, 31. Juli, 5. August, 28. August, 24. Sep­tember, 16. Oktober, 29. November;

in Kopenhagen 15. Februar, 6. April, 19. Mai, 24. Juni, 11.

Juli, 24. Juli, 21. August, 27. August, 19. September, 14.

Oktober, 28. Oktober, 12. Dezember.

Berlin W., 21. Dezember 1886.

Der Staatssecretair des Reichs-Postamts.

In Vertretung:

__________________Sachse. __________

Bekanntmachungen Königl. LandraLhskmts.

Die mit der Einsendung der Verzeichniffe des Pferde- und Rind­viehbestandes pro 2. November 1886 noch im Rückstand befindlichen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher werden an baldigste Erledigung erinnert, damit die Feststellung der Verzeichniffe hier erfolgen kann.

Hanau, am 23. Dezember 1886.

Der Königliche Landrath

V. 7980. J. V.: L. v. Deines.

Gefunden: In einem hiesigen Laden: ein Geldstück. Ein grau­brauner Damen-Pelzkragen. Ein Pelzkragen.

Verloren: Eine blaue Brille.

Entlaufen: Zu Großauheim: Zwei Gänse (eine weiße und eine grauweiße).

Entflogen: Eine englische Taube; dem Wiederbringer eine Be­lohnung.

Hanau am 28. Dezember 1886.

_____Aus Königl. Landrathsamt.___________________

Tagesscha«.

Berlin, 27. Dezember. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute einen längeren Vortrag des Chefs des Civilkabinets, Wirk­lichen Geheimen Raths von Wilmowski entgegen.

Seit einiger Zeit kursirt in Berlin ein Wort des Kaisers, welches in den Tagen stärkster politischer Spannung gefallen sein soll. Als eine hohe amtliche Persönlichkeit sich beim Kaiser verabschiedete, um eine Reise nach Paris anzutreten, richtete sich der greife Herrscher im Laufe des Gesprächs stramm empor, schlug an die linke Seite, wo der Degen sitzt, und sagte:Sie haben mich gesehen. Sagen Sie in Paris jedem, den es interessirt, wie Sie mich gesehen haben; rüstig genug und entschlossen, wenn es nöthig ist, jeden Augenblick wieder an die Spitze eines deutschen ausmarschirenden Heeres zu treten." (Rh. K.)

Kaiser Wilhelm ist wohl auf der ganzen Erde bekannt. Aber daß selbst ein Hottentottenjüngling in dem englischen Süd-Afrika ihn unsern Kaiser Wilhelm" nennt, sollte man doch nicht vermuthen. V. Wangemann, der Director der Berliner Missio«, befand sich auf seiner Reise 1884 in Stellenbosch, wo die deutschen Freunde von der Rheinischen Mission dem lieben Gast zur Ehre den Gesangverein ihrer Hottentotten­gemeinde singen ließen. Prächtig, glockenrein klangen die vierstimmigen Lieder durch die stille Nacht. Hernach unterhielt sich der Director mit den jungen Leuten in holländischer Sprache. Da fragte einer von ihnen:

Was macht unser Kaiser Wilhelm?" Verwundert bemerkte D. Wange mann, daß im Kaplande doch Königin Victoria die Landesherrin sei. Das thut nichts", entgegnete der gelbbraune Bursche,von Deutschland sind die Missionare gekommen, durch die wir Christen geworden sind. Darum ist Wilhelm auch unser Kaiser." Auch von Bismarck ließen sich die jungen Leute erzählen. Es waren ihrer etwa 50, die einen frischen, gesunden Eindruck machten und in deren Gemeinschaft sich der Director wohl fühlte. (R.- u. St.-A.)

Berlin, 27. Dezember. Die Nachricht über eine angebliche Meinungsverschiedenheit zwischen dem deutschen Generalkonsul in Zanzibar und dem Chef des gegenwärtig dort befindlichen deutschen Geschwaders ist schon deshalb unbegründet, weil die Vertretung der politischen Interessen ausschließlich dem ersteren obliegt und die Aufgabe des Admirals davon gänzlich unberührt ist. Uebrigens nehmen die Verhandlungen mit dem Sultan von Zanzibar einen befriedigenden Fortgang.

Breslau, 26. Dezbr. DieKöln. Ztg." schreibt: In Folge des Todes beS Fürstbischofs Dr. Herzog ist (heute das Domcapitel zusammen­getreten. Der nach längerem Siechthum entschlafene Dr. Herzog war im Jahre 1823 geboren, wurde 1848 Priester, 1870 Probst an St. Hedwig in Berlin und endlich 1882 Fürstbischof von Breslau. Die Hoffnungen, die man auf ein Wirken im Geiste der Versöhnung an die Ernennung des Dr. Herzog geknüpft hatte, wurden bekanntlich arg enttäuscht. Es ist heute kein Geheimniß mehr, daß die Schuld daran nicht so sehr in dem guten Willen als in den schwachen Kräften des Fürstbischofs zu suchen war. Energievolle Männer wußten ihm die Leitung der Diöcese aus den Händen zu schmeicheln und ihn auf Bahnen zu drängen, die er früher nie entschlossen war zu betreten. Zuletzt widmete er sich der Leitung und Erbauung von Bruder- und Schwesterschaften, zog sich in persönliche Ascese zurück und überließ die Leitung der Diöcese der berufenen und der cingedrungenen Priesterschaft, genau wie es anderwärts sehr wider Erwarten gegangen ist. Wie wenig Wahres an den vor einigen Wochen nach Rom geschmuggelten Meldungen war, wonach Fürstbischof Robert nicht so krank sei, daß ein Coadjutor nöthig wäre, weiß man jetzt. Den Zweck aber hat man mit jenem Schmuggel erreicht: Bischof Kopp ist nicht Coadjutor geworden; ob er Fürstbischof wird, steht dahin.

Willen, 24. Dezbr In einer unter dem Vorsitze des Bürger­meister Bürkner gestern Abend abgehaltenen Versammlung wurde ein Verein gegen Wucher in Mitten und Umgegend" gegründet, nachdem Dr. Beumer einen Satzungsentwurf vorgelegt, der einstimmige Annahme fand. Nach demselben ist der Zweck des Vereins: 1. der Schutz des wirthschaftlich unerfahrenen Theiles der Bevölkerung gegen Ausbeutung durch Wucher oder Uebervortheilung bei Darlehen und Handelsgeschäften, 2. die Beschaffung der Gelegenheit zu solider und billiger Befriedigung des Creditbedürfniffes der geringer bemittelten Bevölkerung, 3 die An­bahnung planmäßiger und allmähliger Entlastung von bestehenden Schulden.

Der Verein stellt sich zur Erreichung dieses Zweckes die Aufgabe 1. in allen Fällen, wo Ausbeutung der Unerfahrenheit behufs Erzielung hohen Gewinnes vermuthet wird, den Betroffenen mit Rath und That zur Seite zu stehen: 2. öffentlich vor wucherischer Ausbeutung, wie solche von unsoliden Geschäftsleuten z. B. bei Gewährung von Darlehen auf Wechsel, bei Vertrieb von Uhren, Loosen, Nähmaschinen, beim Ankauf oder Um­tausch von Vieh, Feldfrüchten u. f. w. oft mit Erfolg versucht wird, zu warnen oder Vorkommnisse dieser Art bei den Behörden zur Anzeige zu bringen; 3. solide und billige Creditanstalten zu empfehlen, auch Dar­lehensanträge an diese zu vermitteln, das Borgen bei gewerbsmäßigen Verleihern nach Möglichkeit zu verhindern und 4. den in Schulden ge­rathenen Personen Beistand zu leisten und eine regelmäßige und allmähliche Schuldentilgung zu ermöglichen. Der Vorstand besteht aus 15 Personen und kann durch Zumahl von Vertrauensmännern verstärkt werden.

Landeshauptmann v. Schleinitz hat Gold auf Neuguinea ge­funden. Es sind jetzt Proben des Gesteins in Berlin eingetroffen, welche augenblicklich auf ihren Goldgehalt geprüft werden. Die Gewinnung des Gesteins ist verhältnißmäßig leicht, da dasselbe zu Tage liegt.

Karlsruhe, 27. Dezbr. Der unter Verdacht des Landesverraths verhaftete französische Lieutenant Letellier ist gestern in Freiheit gesetzt worden.