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Nr. 298.
Dienstag den 21. Dezember
1886.
Amtliches.
Bekanntmachungen auf Grund deS Reichsgesehrs vom 21. Oktober 1878.
Auf Grund der §. 11 des Reichsgesetzes vom 21. Oktober 1878 wird verfüg::
Das von dem Gr. Bezirksamt Mannheim unterm 3. d. M. mit Beschlag belegte Flugblatt des sozialdemokratischen Wahlcomitd's mit der Neberschiist: „Mitbürger! Wähler!" wird verboten.
Mannheim den 5. Dezember 1886.
Der Großherzoglich badische Landeskommissär für die Kreise Mannheim, Heidelberg und Mosbach.
Frech.
Auf Grund des §. 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die vom 20. November 1886 datirte Nr. 2 der in London erscheinenden periodischen Druckschrift: „Die Autonomie. Anarchistisch - communistisches Organ." Gedruckt und herausgegeben von R. Gunderson, 96, Wardour - Street, Soho Square, London W., — nach §. 11 des gedachten Gesetzes durch den Unterzeichneten von Landespolizeiwegen verboten worden ist.
Berlin den 9. Dezember 1886.
Der Königliche Polizei-Präsident.
Freiherr von Richthofen.
Die in Druck der schweizerischen Genossenschaftsbuchdruckerei und Verlag des Aktions-Comitö's des schweizerischen Arbeitertages in Hottingen- Zürich erschienene Druckschrift, überschrieben: „Nationale und internationale Arbeits- oder Fabrikgesetzgebung, oder: Wie kommt die bessere Zeit? Von C. Conzett", wird auf Grund der §§. 11 und 12 des Reichsgesetzes om 21. Oktober 1878 verboten.
Karlsruhe den 11. Dezember 1886.
Der Großherzoglich badische Lan d eskom m issär für die Kreise Karlsruhe und Baden.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Bekanntmachung.
Belohnung bis 1500 Mark.
Eintausend und fünfhundert Mark.
In der Nacht vom 30. November zum 1. Dezember d. I. ist zu Frankfurt a. M. aus dem Hause Bockenheimer Landstraße 114 unter erschwerenden Umständen eine eiserne Kassette, etwa 26 cm lang, 12 cm hoch und 16 cm breit, enthaltend eine größere Geldsumme in Münzen und Papier (erstere in kleinem gelben Lederbeutelchen), eine Metallmarke mit der Inschrift: „Unions-Club" und Briefschaften gestohlen worden.
Alle Diejenigen, welche über den Diebstahl oder den Verbleib der gestohlenen Gegenstände Auskunft geben können, werden ersucht, der unterzeichneten Staatsanwaltschaft oder der nächsten Polizeibehörde ungesäumt davon Mittheilung zu machen.
Seitens des Bestohlenen ist auf die Ermittelung des Diebes eine Belohnung bis zu 1000 Mark und auf die Herbeischaffung der Briefschaften eine weitere Belohnung bis zu 500 Mark ausgesetzt worden.
Frankfurt a. M.,.den 9. Dezember 1886.
Königliche Staatsanwaltschaft. 11617
Wird veröffentlicht.
Hanau am 11. Dezember 1886.
Der Königliche Landrath
P. 6401. Gf. Bismarck.
G esunden: Eine Peitsche. Eine Stickerei. Eine Kuhdecke. Ein goldener Ring mit Stein. Ein Portemonnaie mit einem Theaterbillet
und weiterem Inhalt. Eine IKattun - Frauenjacke. Eine kurze und eine längere Spannkette; Empfangnahme bei Gutsbesitzer S p a m e r zu Kinzig- heimerhof. Ein Ortskrankenkassenbuch I für Goldarbeiter Paul Schiefer.
Zugelaufen: Ein junger schwarzer Dachs mit gelben Abzeichen.
Entlaufen: Ein schwarzer Spitz.
Hanau am 21. Dezember 1886.
Aus Königl. Landrathsamt.
TageSscha«.
AMk" Die heute fällige Berliner Post war bis zum Schlüsse der Redaktion unseres Blattes noch nicht eingetroffen.
Berlin, 20. Dezember. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute die Vorträge Perponchers und Wilmowskis entgegen, empfingen Nachmittags den Besuch des Prinzen Wilhelm und konferirten später mit dem Minister v. Puttkamer.
Kaiser Wilhelm hat zu dem in Southport gebildeten Fonds zum Besten der Hinterbliebenen der Besatzung der beiden Rettungsboote, welche bei der Rettung der Hamburger Bark Mexiko untergingen, die Summe von 5000 Mark beigesteuert.
Berlin, 20. Dezbr. Die „K. Z." schreibt: Die drei Herren der bulgarischen Abordnung sprechen sich über den Empfang, den sie gestern beim Grafen Herbert Bismarck gefunden haben, sehr befriedigt aus. Am Schlüsse des Artikels heißt es: Graf Bismarck, der die Herren mit großer Aufmerksamkeit angehört, beschränkte sich, wie dies auch erwartet wurde, darauf, zu betonen, daß Deutschland keine direkten Interessen in Bulgarien besitze, daß es aber dringend wünsche, den Frieden bewahrt zu sehen; der einzig mögliche Weg, der dahin führe, sei aber der einer direkten Verständigung zwischen Rußland und Bulgarien, die zu erzielen er den Herren warm ans Herz legte. — Am Nachmittag fuhr die Abordnung bei den hiesigen Botschaften und ausländischen Gesandtschaften vor. Mit Rücksicht auf den Sonntag und die späte Besuchstunde trafen sie aber nur den türkischen Botschafter Tewfik Bey zu Hause, der sie in längerer Unterredung, in der er die Grundzüge der Politik der hohen Pforte in dieser Frage darlegte, sehr freundlich und sympathisch empfing. Die drei Herren beabsichtigen, vielleicht schon heute Abend Berlin zu verlassen und sich zunächst nach London zu begeben.
Berlin, 19. Dezember. Die ziemlich lange Anwesenheit des Kriegsministers Bronsart von Schellendorff in der russischen Botschaft am Sonntag Nachmittag hat im Laufe des Tags zu allerhand Gesprächen und mannigfachen Combinationen Veranlassung gegeben. Man will wissen, daß das Erscheinen des Kriegsministers keinem gewöhnlichen Besuche gegolten hat, sondern daß hinter verschlossenen Thüren sehr ernste Dinge verhandelt worden sind. „Wird es Krieg oder nicht?" Das ist das Thema, um das sich augenblicklich das Tagesgespräch dreht. In Officierskreisen hört man vielfach die Aeußerung, daß alles zur Mobilmachung fertig ist und daß die Koffer zum Packen bereit stehen. Auffallend ist es ferner, daß die im Herbst eingestellten Rekruten jetzt schon nach so kurzer Dienstzeit zu den Felddienstübungen mit herangezogen werden, um nöthigenfalls sofort in Reih und Glied zu treten. (RH. K.)
Berlin, 20. Dezbr. S. M. Kreuzer „Nautilus", Kommandant Kapitän-Lieutenant v. Hoven, ist gestern in Nagasaki eingetroffen.
Berlin, 19. Dezember. An Stelle des zum Botschaftsrath in Paris ernannten, gestern daselbst eingetroffenen Grafen Leyden ist Herr v. Below von hier zum Legationssecretär in Athen ernannt.
Berlin, 20. Dezember. Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet es als erfreulich, aus der letzten Mittheilung des russischen „Regierungsboten" entnehmen zu können, daß das Petersburger Cabinet die Insinuationen der Blätter, wonach Deutschlands geheime Einwirkung die Ursache der bulgarischen Schwierigkeiten sei, entschieden zurückweist als eine gründliche, bedauerliche Abschweifung. Auch könne nur mit Befriedigung bemerkt werden, daß der „Regierungsbote" auf die zahlreichen gemeinsamen, Deutschland und Rußland verbindenden Lebensinteressen Hinweise, die schon wiederholt ihre Probe bestanden haben. Die europäischen Blätter, mit Einschluß der deutschen, für deren politische Richtung die