Lißt. Herr Roth sah sich veranlaßt in Folge des stürmischen Beifalls noch eine Nummer zuzugeben.
Die gemischten Chöre sämmtlich mit Begleitung kamen unter der vorzüglichen Leitung des Herrn Direktor Fleisch recht gut zur Geltung und zeichneten sich insbesondere durch Frische und Lebendigkeit aus. Nur hätten wir gerne einen gemischten Chor „a capalla“ singen gehört. Wir wünschen dem Oratorien-Verein unter der umsichtsvollen energischen Leitung auch für die Folge Blühen und Gedeihen.
Unsere spezielle Anerkennung noch dem Orchester für die anstrengende Arbeit und die wirklich recht gute Leistung!
Auszeichnungen. Mit recht erfreulichen Auszeichnungen wurden drei hiesige junge Damen, Schülerinnen unserer Königl. Zeichenakademie, für ihre zur Kunststickerei-Ausstellung in Amsterdam eingelieferten Arbeiten bedacht, und zwar Fräul. Helene O h l mit einer silbernen Medaille, Fräul. Lili Leiß mit einer bronzenen Medaille und schriftlicher Belobung und Fräul. Sophie Nöttelberg mit schriftlicher Belobung.
Mehr Licht! Es muß bestätigt werden, daß in den letzten Jahren auf möglichst ausgiebige Beleuchtung unserer Stadt große Sorgfalt verwendet wurde und Hanau in dieser Beziehung anderen, und zwar größeren Städten nicht nachsteht. Immerhin findet sich hier und da noch ein Punkt, wo „mehr Licht" aus gewissen Gründen nur erwünscht sein könnte. Für heute wollen wir bei demnächstiger Aufstellung des Etats nur um Berücksichtigung des s. g. Töpfermarktes bitten, der, wovon sich Jedermann überzeugen kann, jetzt einer der düstersten Plätze in unserer Stadt ist.
Collekte. Der Herr Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau hat genehmigt, daß der Vorstand des Hessischen Diakonissenhauses bei Cassel sür die Anstaltszwecke auch während der Jahre 1887, 1888 und 1889 alljährlich eine einmalige Sammlung im Reg.-Bezirk Cassel durch polizeilich zu legitimirende Collektanten oder unmittelbar durch die Ortsgeistlichen veranstalten darf.
Rundreisen. Die schöne Zeit der billigen Rundreisen dürfte mit dem Jahre 1889 ihr Ende finden. Mehr als ein Zehntel aller im Verein deutscher Eisenbahn-Verwaltungen vorhandenen Stimmen hat sich gegen die Einrichtung erklärt und das genügt leider, um einer Einrichtung den Garaus zu machen, die für das Publikum viel Verlockendes hatte, obschon auch die Rundreisebillets ihre Schattenseiten hatten.
Freude der Kinder. Zur Weihnachtszeit wandert unsere liebe Kinderwelt mit Vorliebe zu den Auslageerkern der Conditoreien, weil sie weiß, daß dorten fast jedesmal ein Mährchen unserer berühmten Landsleute, der Brüder Grimm, oder eines anderen Dichters sich verkörpert vorfindet. Die drei Conditoreien (Herren Hofconditor Pannot und Mor- hardt, sowie Herr Mätschl) haben diesmal „Hansel und Gretel", wie sie sich am Zuckerhäuschen gütlich thun, von der alten Hexe aber in ihrer angenehmen Beschäftigung gestört werden, neben anderen beliebten Sächel- chen ausgestellt; bei Morhardt finden sich überdies noch die „Sieben Zwerge" vor. — Mögen nun die Kleinen ihr unbefangenes Urtheil selbst abgeben, was ihnen am besten gefällt. ■
Versteigerungs- und Verpachtungs- re. Kalender
für Donnerstag den 16. Dezember.
Nachm. 3 Uhr hält Herr Gerichtstaxator M. Ullrich im Gasthaus „zur großen Krone" hier ersten Termin ,ab zum Verkauf des den Erben des verstorbenen Privatiers Herrn Ernst Kitterle gehörenden, Stein- heimerstraße Nr. 23 gelegenen Wohnhauses.
Für heute. Hanauer Stadttheater: ,,W all e nstein's Tod", Trauerspiel in 6 Auszügen von Friedr. v. Schiller; Anfang 7 Uhr. — Kriegerverein: Abends 9 Uhr Monatsversammtung; Tagesordnung: Verschiedenes. — Ebenfalls Abends 9 Uhr.: Spritze Nr. 1 im „goldnen Herz"; Steiger-Corps bei Beck; Männerabtheilung der Turngemeinde: Turnen. ,- c v
Bockenheim, 14. Dezbr. Bei dem am Sonntag Mittag statt- gehabten starken Sturme wurde in der Sandgasse dahier eine Frau derart wieder eine Mauer geschleudert, daß sie sich von einem benachbarten Barbier am Kopse verbinden lassen mußte.
Cassel, 13. Dezbr. An der Kriegsschule wird der diesjährige Kursus am 16. b. Ä. mit dem Schlüßexamen, dem sich sämmtliche Zöglinge, einige 60 Herren, zu unterziehen haben, beendigt werden. Am Abend des 16. und am 17. b. Ä. reisen sämmtliche Kriegsschüler nach ihren Garnisonstädten zurück.
Neuhof, 14. Dezbr. Gestern Abend gegen 11 Uhr erscholl das Feuersignal durch die stille und dunkle Nacht. In Kahlberg, Gemeinde Ellers, "sind bei dem Hüttper Methodius Kräh Scheune und Etallung ab- gebrannt. Durch das thätige Eingreifen der Neuhöfer Feuerwehr wurde das Wohnhaus gerettet. Krah ist nicht gegen Brandschaden versichert. Entstehung des Brandes unbekannt. Zwei Handwerksleute, welche bei der Löschmannschaft thätig waren, fielen vom Gebäude herab und zogen sich bedeutende Verützungen zu. (F. Z.)
Geisa, 13. Dez. Gestern Nachmittag wurde in Ketten der ledige 58jährige Jos. Müller dortselbst beim Holzfällen einer Kiefer, welche durch einen Windstoß beim Fallen eine nicht vorherzufehende Richtung genom
men, erschlagen. Außer einem Schädelbruch, welcher den sofortigen Tod des Unglücklichen zur Folge hatte, war auch das linke Bein gebrochen.
Frankfurt a. M., 15. Dezember. Eine theuere Geige — sie war für 7500 Mark gekauft worden — beschäftigte gestern das hiesige königliche Landgericht. Der Käufer behauptete, sie sei ihm als eine echte Guarneri verkauft worden, rühre aber nicht von diesem berühmten Geigenbauer her, er sei also angeführt worden. Der Gerichtshof beschloß, Sachverständige zu vernehmen. Da nun die Parteien Sachverständige in Frankfurt nicht anzugeben wußten, soll die Geige zunächst in England, dann in Paris und schließlich in Italien auf ihre Echtheit geprüft werden. — Vorgestern fand eine seltene Verlobungsfeier statt. Einer hiesigen Familie wurde vor einiger Zeit ein Sohn geboren und einer ihr befreundeten Familie eine Tochter. Die Väter der Kinder hatten erklärt, daß die beiden Kinder sich dermaleinst heirathen müßten, und damit dies keine leere Redensart bleibe, beschloß man, die beiden Kleinen sofort zu verloben. Die Heirathsbedingungen wurden von den Vätern sofort festgesetzt, so daß nur durch unwiderstehliche Abneigung die Heirath dermaleinst illusorisch gemacht werden könnte. Beide Väter deponirten bei einer Bank je 25,000 Mark, welche mit Zinses-Zins am Tag nach der Hochzeit erhoben werden sollen. Die Kleinen wurden zu ihrem Verlobungsfest reichlich beschenkt. (F. N.)
Cronberg, 15. Dezember. In dem benachbarten Falkenstein stürzte in voriger Woche der bei den Bauarbeiten in der Heilanstalt beschäftigte Zimmermann Andreas Pfaff von dorten 36 Fuß von einer Leiter, an deren Sprossen sich Glatteis angesetzt, herab und verletzte sich schwer am Unterleibe. In das Krankenhaus nach Frankfurt gebracht, ist derselbe daselbst am Donnerstag gestorben. Pfaff war 52 Jahre alt, verheirathet und Vater von 5 Kindern. (Rh. K.)
Mainz, 13. Dezember. Aus dem Hospital wird heute dieAppol- lonia Wetzel, welche bekanntlich vor einigen Wochen von ihrem Geliebten in die Brust geschossen worden war, wieder entlassen worden, nachdem die Heilung derselben soweit gediehen ist, daß ihr längerer Aufenthalt daselbst keinen Zweck mehr hat. Die Kugel freilich hat bis jetzt noch nicht aus der Wunde entfernt werden können, da sie für die Operation zu ungünstig sitzt, und wird man abwarten müssen, bis sie sich vielleicht von selbst an eine zugängliche Stelle senkt, wie dies in ähnlichen Fällen nicht selten vorkommt.
Mainz, 14.. Dezember. Der Spätzug Frankfurt-Köln ist gestern Abend kurz nach der Abfahrt aus Bahnhof Frankfurt an der Mainbrücke entgleist. Zwei Personenwagen, und der Postwagen kamen aus den Schienen, ein ernstlicher Unfall fand aber nicht statt. Hier kam der Zug mit 3/t Stunden Verspätung an, mußte umrangirt werden und andere Postwagen erhalten. Die Ursache der Entgleisung war bis heute früh nicht ermittelt. (Rh. K.)
Berloosunge«.
Berlin, 14. Dezbr. Preußische Klassenlotterie. (Ohne Gewähr.) Bei der heute angefangenen Ziehung der 3. Klasse 175. Königl. preußischer Klassenlotterie fielen in der Vormittags-Ziehung:
1 Gewinn von 1500 Mk. auf Nr. 185260.
4 Gewinne von 500 Mk. auf Nr. 36107 45053 58597 141865.
12 Gewinne von 300 Mk. auf 33811 53330 70667 72'277 85359 89210 106615 129382 130540 153420 157348 180461.
Ueber Obstbauerträge au öffentlichen Straßen.
(Ein Mahnwort an die Gemeindevorstände.)
In manchen Gegenden hält es ungeheuer schwer, unsere Landwirthe von dem großen Werthe der Anpflanzung von Obstbäumen an öffentlichen Straßen und auf öffentlichen Plätzen zu überzeugen. „Es wird doch Alles gestohlen" werfen die Einen ein, die Ändern behaupten: „die Bäume kommen doch nicht fort" und wieder andere resümiren kurz und bündig: „eZ kommt doch nichts dabei heraus." Wir wollen uns für Heute das Vergnügen schenken, diesen Leuten mit Worten den rechten Weg zu weisen, wir können denselben aber diesmal mit Zahlen aufwarten. Und da nach Göthe „Zahlen beweisen", so werden sich, so hoffen wir, auch manche Gegner der Anpflanzung von Obstbäumen an öffentlichen Straßen den Argumenten fügen, welche wir unten vorführen wollen.
Wie manchem unserer Leser vielleicht bekannt sein dürste, wird .in Württemberg der Obstbau in sehr ausgedehntem Maße betrieben. So ist es auch einem energischen, „von oben herunter" betriebenen Drängen zu verdanken, daß schon vor einem Menschenalter die Straßen und Ge- meinde-Ehauffeen, sowie die Gemeindeplätze mit Obstbäumen angepflanzt wurden. Diese Gemeinde-Anpflanzungen nun haben sich namentlich in der jetzigen Zeit, wo die ländlichen Gemeinden durch die gesteigerten Schul- und Armenlasten oft beinahe erdrückt worden, nebst den Gemeinde- Waldungen oft als die einzigen Rettungs-Anker bewährt. „Der Schulmeister muß durch die Aepfel bezahlt werden", diese Forderung wurde an vielen Orten des schönen Schwabenlandes ausgestellt und glücklicherweise auch manchmal realisirt. Gemeindebaumschulen wurden in Verbindung mit den Schulgärten gegründet, jedes Schulkind wurde in der