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Mittwoch den 15. Dezember
1886.
Bekünntmüchungen Kömgl. Landrathsamts.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises fordere ich auf, mit allem Eifer auf Beseitigung der Raupennester in ihren Bezirken hinzuwirken.
Es sind nicht allein die Gemeinde-Obstbaumanlagen zu säubern, sondern es müssen auch die Besitzer der in den Gärten und Fluren stehenden Obstbaume angewiesen werden, daß sie die Säuberung der Obstbäume und Hecken von den Raupennestern vornetmen. Dabei ist denselben bekannt zu geben, daß §. 368,2 des Strafgesetzbuches Jeden, welcher das gebotene Raupen unterläßt, mit Geldstrase bis zu 60 Mark oder mit entsprechender Haft bedroht.
Richt blas die leicht erkennbaren weißen Gespinnste der Nestraupe sind mit den Spitzen der Aeste, woran sie kleben zu entfernen, sondern auch, soviel als möglich die steinharten RmgelraupewEier und die Wulste der Schwammraupe aufzusuchen. Letztere finden sich am unteren Theil der Stämme, die Ringe der Ringelraupe aber an jungen Schöffen, wo nur ein geübtes Auge sie erkennt.
Etwaige Unterlassungsfälle sind mir anzuzeigen, damit ich Bestrafung eintreten lassen kann.
Hanau am 13. Dezember 1886.
Der Königliche Landrath
V. 7749. Gf. Bismarck.
Die Herren Standesbeamten, welche die Standesregister pro 1887 binnen 2 Tagen nicht abholen lassen, werden dieselben auf ihre Kosten zugesendet bekommen.
Hanau am 13. Dezember 1886. "
Der Königliche Landrath
A. 1830._________________Gf. Bismarck.________________________
t Amerikanische Eisenbahnzustände.
Die Vossische Zeitung in Berlin enthält einen Auszug aus einem Bortrage, welchen vor einigen Tagen der Regierungs- und Baurath Lange im Architektenverein zu Berlin über amerikanische und deutsche Bauweise gehalten hat. Einige Bemerkungen, welche der Vortragende dabei über die Ei s e nb ah n zu st ände in den Vereinigten Staaten von Amerika gemacht hat, verdienen um so mehr die Beachtung auch weiterer Kreise, als Herr Lange, soviel wir wissen, einige Jahre in Amerika selbst Studien gemacht hat und somit nach eigener Kenntniß und Erfahrung spricht.
Es ist zunächst von den Brücken und zwar besonders den Eisenbahnbrücken die Rede, unter denen die Brücken auf Holzgerüsten, welche noch zahlreich auf den amerikanischen Eisenbahnen vertreten sind, als recht gesährlich erwähnt werden. Der Redner fährt sodann — wir zitiren nach der Vossischen Zeitung — fort: . Es ergiebt sich denn auch, daß nach einer längere Zeit hindurch fortgesetzten Beobachtung in den Vereinigten Staaten jährlich vierzig Brücken unter darüberfahrenden Zügen einstürzen, während in Deutschland alle acht Jahre etwa eine Eisenbahnblücke sich schadhaft erweist, so daß die Unsicherheit bei Berücksichtigung selbst des fünfmal größeren Eisenbahnnetzes in Amerika eine sechzigmal so große ist. Die Amerikaner sassen alle Unglücksfälle mit großem Eleichmuthe auf, ja sie suchen solche Schäden möglichst gelinde darzustellen, um dem kostspieligen Umbau schlechter Brücken aus dem Wege zu gehen. So stürzte die 70 Fuß hohe Missouribrücke bei St. Charles 1879 zum ersten Male, am 8. Dezember 1881 zum zweiten Male ein, ohne daß man sich besonders darum kümmerte; erst 1884 wurde dieselbe umgebaut, aber nur darum, weil das Publikum anfing, die Linie zu meiden. Die Bahnverwaltungen haben überall Agenten, welche bei solchen Unfällen den Verwundeten oder den Erben der Ge- tödteten sofort hohe Summen auszahlen, sobald dieselben auf den Rechtsweg gegen die Gesellschaft Verzicht leisten. Trotz aller Vorkommnisse liest man oft die Behauptung, daß die Sicherheit dort eine ebenso große sei, wie in Europa. Zum Beweis führt die amerikanische , Eisenbahnzeitung" für das Jahr 1880 nur 315 Tödtungen und 372 Verwundungen im Betriebe an; nach einer sorgfältig abgeschlossenen Aufnahme ; darüber waren es aber in Wirklichkeit 2541 Tödtungen und 5620 Ver- I wundungen, im ersteren Falle also acht Mal, im letzteren über zwölf
Mal soviel, wie angegeben. Diese „sorgfältige" Aufstellung erschien leider erst 1884 und fand deshalb bei der großen Menge nicht mehr die geringste Beachtung. — Die Einrichtung der Eisenbahnwagen, die meist stark überheizt werden, ist auch nicht eine besonders rühmenswerthe; so geschieht die Erwärmung noch vielfach durch eisernen Oefen, die bei Zusammenstößen, auch bei sonst ungefährlichen, Umfallen und Brände verursachen. — Was die Fahrgeschwindigkeit anlangt, so ergeben die amtlich festgestellten Zahlen, daß selbst auf den bestgebauten Linien die Züge keine größere Geschwindigkeit als die unserer Eilzüge annehmen, und daß sie auf allen weniger gut angelegten Strecken bedeutend langsamer fahren, ein Umstand, für welchen die Beschaffenheit des Bahnkörpers maßgebend ist."
Man sieht aus alle dem, daß unsere heimischen Eisenbahnen den Vergleich mit denen der Vereinigten Staaten nicht zu scheuen haben.
Tsgesschs«.
P. Aus dem Reichstage. Berlin, 13. Dezember. Der Reichstag berieth in seiner heutigen Sitzung den Antrag des Abg. Dr. Reichensperper (Zentrum), welcher in seinem ersten Theile die Erwartung ausspricht, daß die verbündeten Regierungen dem immer weiter um sich greifenden Duellunwesen mit entsprechendem Nachdruck sowohl auf autoriativem Wege, als durch disziplinaire und strafgerichtliche Repression entgegenwirken werden, und welcher im zweiten Theil eine besondere Strafbestimmung für das sogenannte amerikanische Duell in einem neuen § 210a. des Reichsstrafgesetzbuchs herbeiführen will. Dem Wunsche des Antragstellers, seinen Antrag einer besonderen Kommission von 14 Mitgliedern zur näheren Berathung zu überweisen, wurde von keiner Seite widersprochen, und demgemäß auch beschlossen. JmUebrigen wurde einerseits von verschiedenen Seiten die Existenz des amerikanischen Duells überhaupt bestritten, andererseits gingen die Meiningen über die Bedeutung des Duells an sich doch weit auseinander, so sehr man sonst auch in der Verurtheilung der Auswüchse desselben übereinstimmte. Es sprachen außer dem Antragsteller von Mitgliedern des Hauses die Abgg. Dr. Möller (deutschfr.), Klemm (deutschkons.), Dirichlet (deutschfr.), Dr. Roß- Hirt (Zentrum), v. Reinbaben (Reichspartei) und Langwerth v. Simmern (fraktionslos). Von Seiten des Bundesraths nahm allein der preußische Bundesbevollmächtigte, Vizepräsident des Staatsministeriums, Minister des Innern v. Puttkamer, das Wort, um, ohne auf prinzipielle Bedeutung des Antrages selbst einzugehen, die Ausführungen des Abg. Dirichlet in Bezug auf das Verhalten eines ostpreußischen Landraths einem Kreistags- mitgliede gegenüber ihres sensationellen Charakters zu entkleiden, und um dabei zugleich zu betonen, daß die von ihm in der Angelegenheit etwa zu treffenden Maßnahmen sich in jedem Falle der Kontrolle des Reichstags entzögen. — Nächste Plenarsitzung Mittwoch 15. Dezember, Nachmittags 1 Uhr. (Sozialdemokratische Anträge auf Abänderung der Gewerbeordnung, bezw. des Art. 31 der Reichsverfassung.)
Berlin, 14. Dezember. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute den Polizei-Präsidenten, Freiherrn v. Richthofen, nahmen die Meldungen zahlreicher Offiziere entgegen, hörten .ben Vortrag des Chefs der Admiralität und arbeiteten demnächst mit dem Chef des Mili- tärkabinets.
Berlin, 14. Dezember. Die Budgetcommission des Reichstags erledigte das Extraordinarium des Etats des Reichsamts des Innern; sie bewilligte die für den Nordostseecanal geforderten 19 Millionen, sowie 200,000 Mark als erste Baurate für das Dienstgebäude des Patentamts. Zu dem Etatsposten für eine physikalisch-technische Reichsanstalt wurde unter Ablehnung der Regierungsforderungen für Errichtung eines Gebäudes und für die erste Ausrüstung mit Instrumenten, sowie für Besoldungen ein Antrag des Abg. Hammacher mit 12 gegen 10 Stimmen angenommen, wonach zu Besoldungen ein Pauschale von 60,000 und zur Ausrüstung 100,000 Mark bewilligt werden.
Berlin, 14. Dezbr. S. M. Kanonenboot „Cpclop", Kommandant Kapitän-Lieutenant v. Halfern, ist am 10. Dezember cr. in Gabon eingetroffin und beabsichtigt am 14. desselben Monats wieder in See zu gehen.
In einem „Parteidoktrin und Verantwortlichkeit" überschriebenen Artikel sagt das „Aachener Tageblatt":