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I Nr. 292. Dienstag den
' Amtliches.
L Bekanntmachung.
Die Weihnachtssendungen betreffend.
Das Reichs-Postamt richtet auch in diesem Jahre an das Publikum das Ersuchen, mit den Weihnachtsversendungen bald zu beginnen, damit die Packetmafsen sich nicht in den letzten Tagen vor dem ( Feste zu sehr zusammendrängen, wodurch die Pünktlichkeit in der Beförderung ' leidet.
Die Packete sind dauerhaft zu verpacken. Dünne Pappkasten, schwache Schachteln, Cigarrenkisten rc. sind nicht zu benutzen. Die Auf- schrift der Packete muß deutlich, vollständig und haltbar hergestellt sein. Kann die Aufschrift nicht in deutlicher Weise auf das Packet gesetzt werden, so empfiehlt sich die Verwendung eines Blattes weißen Papiers, welches der ganzen Fläche nach fest aufgeklebt werden muß. Am zweckmäßigsten sind gedruckte Aufschriften auf weißem Papier. Dagegen dürfen Formulare zu Post-Packetadrefsen für Packetaufschriften nicht verwendet werden. Der Name des Bestimmungsorts muß stets recht groß und kräftig gedruckt oder geschrieben sein. Die Packetaufschrift muß sämmtliche Angaben der Begleitadreffe enthalten, zu- treffendensalls also den Frankovermerk, den Nachnahmebetrag nebst Namen und Wohnung des Absenders, den Vermerk der Eilbestellung u. s. w., damit im Falle des Verlustes der Begleitadreffe das Packet auch ohne dieselbe dem Empfänger ausgehändigt werden kann. Auf Packeten nach - größeren Orten ist die Wohnung des Empfängers, auf Packeten nach Berlin auch der Buchstabe des Postbezirks (C., W., SO. u. s. w.) anzu- geben. Zur Beschleunigung des Betriebes trägt es wesentlich bei, wenn die Packete frankirt aufgeliefert werden. Das Porto für Packete ohne , angegebenen Werth nach Orten des Deutschen Reichs-Postgebiets beträgt ' bis zum Gewicht von 5 Kilogramm: 25 Pf. auf Entfernungen bis 10 i Meilen, 50 Pf. auf weitere Entfernungen.
Berlin W., 2. Dezember 1886.
Der Staatssekretär des Reichs-Postamts.
J. V.: Sachse.
Bekanntmachung.
Post- und Eisenbahnkarte des Deutschen Reichs.
Im Kursbureau des Reichspostamts wird gegenwärtig eine neue Post- und Eisenbahnkarte des deutschen Reichs in 20 Blättern (Maßstab 1 : 450,000) auf Grund der Generalstabskarten bearbeitet. Auf der neuen Karte werden sämmtliche Post- und Telegraphen-Anstalten, die Eisenbahnstationen, die bestehenden Postverbindungen und Eisenbahnlinien sowie alle Kunststraßen und diejenigen nicht kunstmäßig ausgebauten Landstraßen, welche jederzeit fahrbar sind, unter Angabe der Entfernungen zwischen den einzelnen in Betracht kommenden Orten, enthalten sein.
Von der neuen Karte sind jetzt die Blätter III, IV, IX und XIV fertiggestellt.
Es umfaßt:
das Blatt III den nordöstlichen Theil von Mecklenburg und den nordwestlichen Theil von Pommern (von Rostock bis Colberg), das Blatt IV den nordöstlichen Theil von Pommern und den nordwestlichen Theil von Westpreußen (von Cöslin bis Elbing),
das Blatt IX den größte n Theil der Provinz Posen nebst Theilen der angrenzen den Provinzen (von Glockau bis Marienwerder),
das Blatt XIV die Provinz Schlesien mit Ausnahme des nordwestlichen Theils.
Der Verlag der Karte ist dem Berliner Lithographischen Institut von Julius Moser (Berlin W. Potsdamer Straße 110) übertragen, von welchem die Karte zum Preise von 2 Mk. für das unausgemahlte Blatt und von 2 Mk. 25 Pf. für jedes Blatt mit farbiger Angabe der Grenzen ; lm Wege des Buchhandels zu beziehen ist.
Der Preis der ganzen Karte beträgt 35 Mk. für das unausge- Malte und 40 Mk. für das ausgemalte Exemplar.
14. Dezember 1886.
Die besonderen Kartenfelder, welche von einzelnen Gegenden wegen erheblicher Dichtigkeit der Verkehrsanstalten rc. in größerem Maßstabe angefertigt worden sind, werden den betreffenden Hauptblättern der Karte ohne Preiserhöhung beigegeben.
Berlin W., 10. Dezember 1886.
Der Staatsfekretär des Reichs-Postamts. von Stephan.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Bekanntmachung.
Belohnung bis 1500 Mark.
Gintausend und fünfhundert Mark.
In der Nacht vom 30. November zum 1. Dezember d. I. ist zu Frankfurt a. M. aus dem Hause Bockenheimer Landstraße 114 unter erschwerenden Umständen eine eiserne Kassette, etwa 26 cm lang, 12 cm hoch und 16 cm breit, enthaltend eine größere Geldsumme in Münzen und Papier (erstere in kleinem gelben Lederbeutelchen), eine Metallmarke mit der Inschrift: „Unions-Club" und Briefschaften gestohlen worden.
Alle Diejenigen, welche über den Diebstahl oder den Verbleib der gestohlenen Gegenstände Auskunft geben können, werden ersucht, der unterzeichneten Staatsanwaltschaft oder der nächsten Polizeibehörde ungesäumt davon Mittheilung zu machen.
Seitens des Bestohlenen ist auf die Ermittelung des Diebes eine Belohnung bis zu 1000 Mark und auf die Herbeischaffung der Briefschaften eine weitere Belohnung bis zu 500 Mark ausgesetzt worden.
Frankfurt a. M., den 9. Dezember 1886.
Königliche Staatsanwaltschaft.
Wird veröffentlicht.
Hanau am 11. Dezember 1886.
Der Königliche Landrath
P. 6401. Gf. Bismarck.
Verloren: Eine goldene Brille. Ein Portemannaie mit ca. 10 Mark und anderem Inhalt.
Hanau am 14. Dezember 1886.
Aus Königl. Landrathsamt.
t Soll Deutschland abrüsten?
Bei den bisherigen Verhandlungen über die Frage der Verstärkung der Wehrkraft ist — wenn man von den Socialdemokraten absieht — von allen Seiten die Aufrechterhaltung der bestehenden Friedenspräsenzstärke als ganz etwas Selbstverständliches behandelt worden; der Führer des Centrums erklärte sogar ausdrücklich, daß er an der gegenwärtigen Heeresstärke nicht rütteln wolle. In Frage stand nur, ob die Erhöhung der Friedenspräsenzstärke nothwendig sei oder nicht, und hierüber wird gegenwärtig in der Militärcommission des Reichstags verhandelt. Herrn Bamberger war es, wie aus den Berichten verschiedener Blätter übereinstimmend hervorgeht, vorbehalten, in der Commission den Vorschlag einer Verminderung der Friedenspräsenzstärke zu machen. Zu diesem Vorschläge gelangte er merkwürdiger Weise auf Grund der Rede, welche Feldmarschall Graf Moltke bei der ersten Berathung im Plenum gehalten hat. Graf Moltke hatte davon gesprochen, daß „ganz Europa in Waffen starrt", daß „unsere Nachbarn in voller Rüstung seien, in einer Rüstung, welche selbst ein reiches Land aus die Dauer schwer nur ertragen könne". Während Graf Moltke hieraus folgerte, daß dies mit Naturnothwendigkeit zu baldigen Entscheidungen dränge, meint Herr Bamberger, daß dieser allgemeinen Angriffsgefahr gegenüber sich eher eine allgemeine Abrüstung der europäischen Mächte empfehle, und um die Sache in Fluß zu bringen, müsse Deutschland als mächtigste Nation mit gutem Beispiel vorangehen und mit der Abrüstung den Anfang machen!
Dex Abrüstungsvorschlag des Herrn Bamberger erinnert uns an den Vorgang in der Sitzung vom 21. Oktober 1869 im Abgeordnetenhause, wo sein Parteigenoffe Herr Virchow den berüchtigten Antrag stellte,