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Nr. 283.

Freitag den 3. Dezember

1886.

Amtliches.

Bekanntmachung. Die Weihnachtssendungen betreffend.

Das Reichs-Postamt richtet auch in diesem Jahre an das Publikum das Ersuchen, mit den Weihnachtsversendungen bald zu be­ginnen, damit die Packetmassen sich nicht in den letzten Tagen vor dem Feste zu sehr zusammendrängen, wodurch die Pünktlichkeit in der Beförderung leidet.

Die Packete sind dauerhaft zu verpacken. Dünne Pappkasten, schwache Schachteln, Cigarrenkisten rc. sind nicht zu benutzen. Die Auf­schrift der Packete muß deutlich, vollständig und haltbar her­gestellt sein. Kann die Aufschrift nicht in deutlicher Weise auf das Packet gesetzt werden, so empfiehlt sich die Verwendung eines Blattes weißen Papiers, welches der ganzen Fläche nach fest aufgeklebt werden muß. Am zweckmäßigsten sind gedruckte Aufschriften auf weißem Papier. Dagegen dürfen Formulare zu Post-Packetadressen für Packetaufschriften nicht verwendet werden. Der Name des Bestimmungsorts muß stets recht groß und kräftig gedruckt oder geschrieben sein. Die Packetaufschrift muß sämmtliche Angaben der Begleitadresse enthalten, zu­treffendenfalls also den Frankovermerk, den Nachnahmebetrag nebst Namen und Wohnung des Absenders, den Vermerk der Eilbestellung u. s. w., damit im Falle des Verlustes der Begleitadresse das Packet auch ohne dieselbe dem Empfänger ausgehändigt werden kann. Auf Packeten nach größeren Orten ist die Wohnung des Empfängers, auf Packeten nach Berlin auch der Buchstabe des Postbezirks (C., W., SO. u. s. w.) anzu- geben. Zur Beschleunigung des Betriebes trägt es wesentlich bei, wenn die Packete frankirt aufgeliefert werden. Das Porto für Packete ohne angegebenen Werth nach Orten des Teutschen Reichs-Postgebiets beträgt * bis zum Gewicht von 5 Kilogramm: 25 Pf. auf Entfernungen bis 10

> Meilen, 50 Pf. auf weitere Entfernungen.

Berlin W., 2. Dezember 1886.'

Der Staatssekretär des Reichs-Postamls.

J. V.: Sachse.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsawts.

Die Herren Bürgermeister werden hierdurch veranlaßt, innerhalb 8 Tagen anzuzeigen, welcher Erlös an Gemeinde - Obst im Jahre 1886 in die Gemeindekasse gefloffen ist.

Hanau am 1. Dezember 1886.

Der Königliche Landrath

V. 7488. Gf. Bismarck.

Verloren: Eine Granat -Broche. Eine silberne Cylinder-Uhr mit Kapsel; dem Wiederbringer eine gute Belohnung.

Gefunden: Ein rothes Taschentuch. Ein Taschenmesser. Ein Contobuch (Octavformat).

Hanau am 3. Dezember 1886.

____________________Aus Königl. Landrathsamt.____________________

Tagesschau.

Berlin, 2. Dezember. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute die Meldungen der General-Lieutenants v. Unger und Frhr. v. Gemmingen sowie mehrerer anderer Offiziere entgegen. Demnächst hörten Se. Majestät einen längeren Vortrag der Landes - Vertheidigungs­Kommission, von welcher, unter dem Vorsitz Sr. Kaiserlichen und König- - lichen Hoheit des Kronprinzen, der Kriegsminister, der Chef des General­stabes der Armee, mit dem General - Quartiermeister, sowie her Chef des Ingenieur-Corps und der Festungen zugegen waren. Sodann arbeiteten Ee. Majestät mit dem Kriegsminister und dem Chef des Militärkabinets und hörten am Nachmittag den Vortrag des Vizepräsidenten des Staats- Ministeriums, v. Puttkamer.

Berlin, 2. Dezember. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin sind gestern Abend von Koblenz hierher zurückgekehrt.

Berlin, 2. Dezbr. 5. Plenarsitzung des Reichstages, Freitag, den ~ .^rnber 1886, Nachmittags 1 Uhr. Tagesordnung: Erste Berathung icc^ee ^ der Reichs-Ausgaben und Einnahmen für das Etatsjahr ^^0.86. Erste Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die Hrredens-Präsenzstärke des deutschen Heeres.

seit einiger Zeit hatte sich das Gerücht verbellet, vom ostasiati- schen Geschwader wären seit mehreren Wochen keine Nachrichten ein­gegangen ; und in Uebereinstimmung damit meldete eine Kieler Correspon- denz derVoss. Ztg." gestern, seit acht Tagen habe man nichts von dem ostasiatischen Geschwader mehr gehört. Wie jedoch verlautet, sind an amtlichen Stellen regelmäßig Mittheilungen eingetroffen, und man ist dort vollständig darüber unterrichtet, wo sich das Geschwader jetzt in Ostasien befindet. Dem Anscheine nach sind aus bestimmten Gründen keine Nach­richten veröffentlicht worden, doch dürften, wie verlautet, binnen kurzem Mittheilungen über das ostasiatifche Geschwader bekannt gegeben werden.

Kiel, 1. Dezember. Briefsendungen an S. M. Schiffsjungen­schulschiff Nixe sind vom 1. bis 14. Dezember nach Dominica (West­indien), von da ab bis 11. Januar nach St. Thomas und vom 12. bis 25. Januar nach La Guayra (Venezuela) zu richten.

Köln, 2. Dezember. Der Photographenlehrling, welcher gestern auf der Post verhaftet wurde, war vor mehreren Monaten nach Ver- Übung verschiedener Betrügereien von hier entflohen und hatte Dienst auf einem Seeschiffe genommen. Von einer Reise nach Amerika zurückgekehrt, fand er Stelle auf einem Schiffe in der Nähe von Hamburg; auf diesem hat er seinen Dienstherrn, den Schiffer, zu Anfang vorigen Monats erschlagen und beraubt. Der Verbrecher, der die That gestanden, ist erst 17 Jahre alt und heißt Vikus. (K. Z.)

Bremen, 2. Dezbr. Die Rettungsstation Cuxhaven telegraphirt: Am 1. Dezember von der Norweger BarkValborg", Kapitän Jversen, gestrandet auf Frischenfand, zwei Personen gerettet durch das Rettungs­boot des zweiten Elb-Feuerschiffes. Sturm aus West-Nord-West mit Ha­gel. Rettungsboot 34 Stunden unterwegs.

Lübeck, 2. Dezember. Der Senat wählte Dr. Behn zum regie­renden Bürgermeister für 18871888.

Das WienerArmeeblatt^ erhält aus Sofia vom 16. v. M. die nachfolgende Mittheilung:Die bulgarische Regierung, welche vor Monaten neue Bestellungen an Artillerie Material in Deutschland gemacht hat, harrt gegenwärtig der Durchfuhrs-Bewilligung durch Oesterreich- Ungarn. Bestellt wurden: 1. Bei Krupp 3 Gebirgsbatterien zu 8 Ge­schützen sammt Requisiten; 2. 50 Stück Feldgeschütze, 8- und 9-Centimeter;

3. 30,000 Kilogramm Pulver bei der Pulverfabrik Rottweil (Hamburg);

4. 500,000 Stück Cartouchen für das Berdan-Gewehr bei Lorenz in Karlsruhe; 5. 10,000 Stück Granaten bei Gruson in Buckau (Magde­burg). Dieser ganze Transport harrt gegenwärtig seiner Weiterbe­förderung in Wien.

Paris, 2. Dezember. Im heutigen Ministerrathe theilte Herr v. Freycinet mit, daß nach Depeschen aus Hanoi Piraten in der Nähe von dort den der Abgrenzungs-Commission zugetheilten Dolmetscher, dessen Secretär und fünf Chasseurs ermordeten.

Paris, 2. Dezember. Es verlautet, die englisch - französischen Unterhandlungen bezüglich des Suez-Canals und der egyptischen Ange­legenheiten nehmen befriedigenden Fortgang.

Paris, 2. Dezbr. (K. Z.) Eine algerische Depesche meldet, jedoch nur als Gerücht, daß der Dampfer Chandernagor, der 1200 Mann der Fremdenlegion an Bord hatte, in einem Wirbelsturm mit Menschen und Gütern untergegangen sei.

London, 2. Dezember. In der Kohlengrube Elemare bei Aurham fand eine Entzündung schlagender Wetter statt. In der Grube waren vierzig Arbeiter, wovon drei getödtet wurden. Zwölf bis vierzehn sind noch verschüttet, die übrigen gerettet.

Petersburg, 2. Dezbr. General von Kaulbars, welcher gestern hier eingetroffen ist, begab sich im Laufe des Nachmittags nach Gatschina.

DiePolit. Corr." meldet aus Petersburg, daß der Gesund­heitszustand des Thronfolgers vollständig befriedigend sei; die geplante Reise der Kaiserin und des Thronfolgers nach dem Süden sei zweifelhaft, die Kaiserin wünsche dieselbe lehhast, der Kaiser aber wolle bloß im Falle absoluter Nothwendigkeit zustimmen.

Aus Petersburg meldet der Correspondent desStandard" unterm 29. November:Der Prinz von Mingrelien hat sich nicht ge­weigert, den Thron von Bulgarien anzunehmen, aber seine Wahl bleibt noch immer ungewiß. Man weiß, daß bis jetzt seine Candidatur keine Sympathie in Bulgarien hervorgerufen hat. Ich kann meine frühere Meldung vollständig bestätigen, daß, wenn sämmtliche Mächte in der Unterstützung seiner Candidatur einig sind und die jetzige Sobranje den