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Nr. 282.

Donnerstag den 2. Dezember

1886.

vereinigtes evnngeiistHes Wnisen^crus

zu Hauau.

Zur Äustkrung an die ßemober non Stadt und fand.

^ M1' as evangelische Waisenhaus zu Hanau, eine landesherrliche Stif- tj | tung edelsinniger Fürsten der Grafschaft Hanau und der $anb= (Cg? grafschaft Hessen, hat sich aus bescheidenen Anfängen im Laufe o seines 150jährigen Bestehens zu einer der wohlthätigsten und wirksaniften Anstalten in dem Hanauer Lande entfaltet.

Unter staatlicher Verwaltung und Aufsicht stehend, dehnt die Anstalt bestimmungsgemäß ihre segensreiche Thätigkeit auf die Stadt und den Kreis Hanau, sowie auf die Kreise Gelnhausen und Schlüchtern aus.

Groß ist die Zahl armer Waisenkinder, die durch das Waisenhaus vor Noth und Entbehrung, vor Verkümmerung und Verderben bewahrt geblieben und zu brauchbaren Gliedern der Gesellschaft herangebildet sind.

Vor 10 Jahren hat die Anstalt auf Antrag der Vorsteher durch Entschließung Königlicher Regierung zu Cassel eine vollständige und, wie sich immer deutlicher zeigt, sehr heilsame Umgestaltung erfahren. Früher wurden die Waisenkinder in dem Anstaltsgebäude selbst unter­halten und erzogen. Vielfache Bedenken erweckte diese abgeschlossene, einförmige und vom frischen Leben abgewandte Erziehungsweise, deren Erfolge in keinem Verhältnisse standen zu dem großen Aufwande von Kosten, welche die Erhaltung der Kinder bei den gesteigerten Preisen des städtischen Lebens erforderlich machte.

Seit dieser Zeit werden die Waisen nicht mehr gemeinsam unter demselben Dache gepflegt und in einseitigen Formen gebildet, sondern sie werden tüchtigen, zur Erziehung geeigneten Familien zur Pflege und Unterweisung anvertraut. Hier genießen sie den Segen und wohlthätigen Einfluß eines geordneten Familienlebens, hier besitzen sie Pflege-Eltern, hier gelten sie als Angehörige, als Kinder, wie die anderen glücklichen Alters- und Schulgenossen, denen Gott den Vater und die Mutter noch am Leben erhalten hat.

Das Waisenhaus aber ist und bleibt ihre eigentliche Nähr- und Heimstätte: es bestreitet die Pflegekosten, es prüft und überwacht die Pflegeplätze, es behält jedes einzelne Pflegekind unausgesetzt im Auge, es steht zu diesem Zwecke mit den landräthlichen Aemtern, mit den Herren Geistlichen, Bürgermeistern und Lehrern derjenigen Orte in Verbindung, in denen sich die von der Anstalt übernommenen Waisen befinden, kurz es gedenkt aller der Pflichten, die ihm als Mutterhaus obliegen.

Konnten, so lange die Waisen noch im Waisenhause selbst Auf­nahme fanden, etwa 45 Kinder zur Annahme gelangen, so sieht sich jetzt in Folge der besseren natürlichen Verpflegung der Kinder in ausgewählten Familien in Stadt und Land das Hanauer Waisenhaus in die will­kommene Möglichkeit versetzt, über 130 Waisen die Wohlthat einer gedeihlichen Familienerziehung zuzuwenden, und es ist zu hoffen, daß mit Gottes Hülfe diese Zahl zum Wohle mancher verlassenen Waisen schon in der nächsten Zeit noch erhöht werden kann.

^on den gegenwärtigen Pfleglingen gehören allein 33 der Stadtgemeinde Hanan an, für welche ein jährliches Kost­geld von zusammen Mk. 6340 geleistet wird.

Weiter aber ist hervorzuheben, daß früher die von der Waisen- gewährte Pflege mit dem 14. Lebensjahre der Waisen ihren Abichluß fand, daß aber gegenwärtig den Knaben, wenn sie in eine Lehre getreten sind, noch zwei Jahre lang Unterstützungen zufließen, und die -Uaifenmadchen bis zum vollendeten 16. Jahre behufs ihrer weiteren sachgemäßen Ausbildung in Pflege behalten werden.

Hanau, den 29. November 1886.

Untergebracht werden die Waisen in der Regel nur in solchen Orten, welche an Eisenbahnlinien liegen, deshalb behufs wirksamer Ueber- wachung von Hanau aus leicht erreichbar sind und außerdem etwas gehobenere gewerbliche und wirthschaftliche Verhältnisse darbieten, was für das fernere Fortkommen der Kinder nicht ohne günstigen Einfluß bleiben kann.

Aber eine für das Waisenhaus empfindliche Folge hat die vor 10 Jahren vollzogene, an sich so heilsame Neueinrichtung der Familienerziehung mit fich gebracht. Die Theilnahme und thatsächliche Unterstützung, welche die Bevölkerung durch freiwillige Gaben und Schenkungen, durch Vermächtnisse und sonstige Zuwendungen den armen, verlassenen Waisen darbrachte, fie haben gegen früher eine Verminderung erfahren. Seit man in der Stadt die Waisenkinder nicht mehr unmittelbar vor Augen sieht, scheint sich der sonst so rege Wohlthätigkeitssinn voa der Anstalt mehr und mehr abzuwenden. Man sollte aber nicht vergessen, daß so viele arme Kinder der Obhut und Fürsorge des Waisenhauses noch thatsächlich zugehören, welche sich freilich in verschiedenen Orten bei ihren Pflegern befinden, bei deZen sie auch für Herz und Gemüth Nahrung suchen und nicht mehr als eine durch die frühere Waifenhanskleidung gezeichnete besondere Kinderklasse von den anderen abgeschieden einherzugehen brauchen.

An eine solche Abnahme der öffentlichen Wohlthätigkeit hat bei der neuen, wohl überlegten und anderwärts überall bewährt gefundenen Anordnung Niemand denken können. Wenn sich aber eine solche nach- theilige Wirkung geltend macht, so kann dies nur in einer nicht zu­treffenden Auffassung oder ungenügenden Kenntniß des wahren Sach- verhaltes gelegen sein, und es wird die im Vorstehenden gegebene Auf­klärung sicherlich genügen, daß sich die Bethätigung des barmherzigen Sinnes auch den hülfsbedürftigen Waisenkindern der Anstalt bald in dem früheren Umfange wieder zuwenden werde.

Bezüglich seiner regelmäßigen Einnahmen aber ist das Waisenhaus zu Hanau an erster Stelle angewiesen auf den erfolgreichen Betrieb der Waisenhaus-Buchdruckerei und der möglichst allseitigen Unterstützung, welche der in dem Verlage desselben erscheinendeHanauer Anzeiger" bei der Bevölkerung findet. Jede Arbeit und Drucksache, jede Anzeige und Bekanntmachung, die diesem geschäftlichen Zweige der Waisenhaus- Verwaltung zugewiesen werden, sie tragen in ihrem Theile dazu bei, daß armen, bemitleidenswerthen, stets zahlreicher zur Anmeldung gelangenden Waisenkindern in Stadt und Land in ausgedehnterem Maße geholfen werden kann.

Möchten darum Alle, die des göttlichen Wortes eingedenk sind: Was ihr dem geringsten thut unter meinen Brüdern, das habt ihr mir gethan! sich auch ferner in Liebe des Waisenhauses erinnern!

Aas ^Torffe^eramf.

®f* Bismarck. Jnnghenn. L. Limbert. Hahn.