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JugteicH AmtticHes Krgcrn für Staöt- und Lanökvers Kcrncru.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristtscher Bellage.

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Nr. 272.

Samstag den 20. November

1886.

Amtliches.

Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung der Königlichen Regie­rung, Abtheilung des Innern, vom 13. Februar 1880 (Amtsbl. 1880, Stück 16, S. 70) wird hierdurch zur Kenntniß der Kreis- und Ortsbe­hörden gebracht, daß die daselbst erwähnte Schrift über „das Feuerlösch­wesen im Regierungsbezirk! Cassel" neuerdings in zweiter Austage des reformirten Waisenhauses hierselbst erschienen ist.

Cassel am 8. November 1886.

Der Regierungs-Präsident.

J. V.

____________________gez.: Schwarzenberg._____________

Die Kirchenbuchführung in den erledigten Pfarreien Hanau und Großenbach ist den mit der Hülfsseelsorge in denselben Beauftragten, Kaplan Wilhelm Rhiel zu Hanau und Cooperator Rhaban Gutmann zu Großenbach, vom 1. November d. I. an übertragen worden.

Gesuche um Ertheilung von Kirchenbuchs - Auszügen und Attesten sind daher an dieselben zu richten.

Cassel am 10. November 1886.

_______________________Der Regierungs-Präsident.______________________

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher benachrichtige ich ergebenst, daß ich heute die den einzelnen Gemeinde- und Gutsbezirken von der dem Landkreise Hanau aus den landwirthschasten Kornzöllen pro 1885/86 überwiesenen Summe zufallenden Einzelbeträge an die , betreffenden Herren Vorsteher abgesandt habe. Der Maßstab der Ver- theilung ist der im § 4,3 des Gesetzes vom 14. Mai 1885 vorge­schriebene. Der Berechnungsplan liegt im Bureau des Unterzeichneten zur Einsicht offen.

Hanau, am 18. November 1886.

A. 1573. Der Königliche Landrath

Gf. Bismarck.

Anläßlich der Zusammenlegung in der Gemarkung Langendiebach ist der sogenannte Wiesendammweg, am Fußpfad von Langendiebach nach Rückingen, hinfällig geworden und soll längs der Gemarkung Langendie­bach als öffentlicher Weg eingezogen worden. Einsprüche hiergegen sind bei Vermeidung des Ausschlusses innerhalb 4 Wochen bei dem Unterzeich­neten anzubringen.

Hanau am 16. November 1886.

Der Königliche Landrath

A. 1588. Gf. Bismarck.

G efunden: Ein dreiteiliges Charivari. In einem hiesigen La­den stehen geblieben: ein seidener Regenschirm.

Hanau am 20. November 1886.

______________________Aus Königl. Landrathsamt.

TKgesscha«.

Berlin, 19. November. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen im Laufe des gestrigen Nachmittags den Vize-Präsidenten des , Staatsministeriums, Minister des Innern, v. Puttkamer, sowie Allerhöchst- ihren Flügel-Adjutanten, den Oberst-Lieutenant v. Villaume, bisher kom- mandirt als Militär -Attachä bei der Botschaft in Paris, welcher als Militär-Bevollmächtigter nach St. Petersburg versetzt ist. Später em- ' pfingen Ee. Majestät den Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Grafen Herbert Bismarck, zum Vortrage.

Im Laufe des heutigen Vormittags empfingen Se. Majestät den General-Adjutanten Freiherr« v. Steinäcker sowie den Fürsten Anton Rad- ziwill, nahmen militärische Meldungen entgegen, konferirten mit dem mit der Leitung der General-Intendantur der Königlichen Schauspiele beauf­tragten Grafen Hochberg und empfingen den Staatsminister v. Boetticher zum Vortrage.

Berlin, 19. Novbr. Se. Königliche Hoheit der Prinz Ludwig von Bayern,ist gestern Abend nach München zurückgereist.

Berlin, 18. November. In dem ordentlichen Etat des preußischen Contingknles werden nach den „F. N." folgende größere Neubauten durch , Einstellung erster Raten oder des vollen Bedarfs verlangt: eine Garnison­

bäckerei in Darmstadt, Erweiterung der Diensträume für das Kriegs­ministerium, Kavallerie-Kasernen in Potsdam, Riesenburg, Posen, Gleiwitz, Düsseldorf, Darmstadt und Schwetzingen, Jnfanteriekasernen in Gumbinnen, Spandau, Sondershausen und Minden, Artilleriekasernen in Magdeburg und Hannover, Trainkaserne in Alt-Damm, Dienstwohngebäude für einen Divisions-Commandeur in Bromberg, Garnison-Waschanstalten daselbst und in Thorn, Straßennetz auf Fort Preußen in Stettin, Reitbahn in Erfurt, Umbau des Garnisons-Lazareth in Cassel zu einer Artillerie- Kaserne, Arresthaus daselbst, Umbau der Kavallerie-Kaserne in Castel bei Mainz zu einer Infanterie-Kaserne, neue Exercierplätze in Posen, Hannover und Mainz, Garnisonslazareth in Potsdam, ein neuer Turn- und Exer- eierplatz für die Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde, Kadettenhaus in Kulm, Festungsgefängniß in Königsberg i. Pr. Für eine Anzahl der vorgenannten Titel sind nur kleinere Raten zur Entwurfsbearbeitung ge­fordert. Im außerordentlichen Etat find erstmalig, abgesehen von den Reichslanden, in Ansatz gebracht Summen für eine Artilleriekaserne in Allenstein, Wohnkaserne für Train in Alt-Damm, Neubau von Wohn- räumen für Kavallerie in Schloß Gottorp bei Schleswig.

Berlin, 19. November. Das soeben erschienene Centralblatt der Bauverwaltung veröffentlicht einen gemeinsamen Erlaß der Minister der öffentlichen Arbeiten, des Innern und der Finanzen, durch welchen die erwarteten Ausführungsbestimmungen für die praktische Ausbildung der Negierungsbauführer getroffen werden. Danach zerfällt die auf drei Jahre bemessene praktische Thätigkeit der Bauführer in einen ein­jährigen Vorbereitungsdienst, einen achtzehnmonatlichen Dienst bei Bau­leitungen, einen dreimonatlichen Dienst bei einer Regierung, einer Strom­bauverwaltung oder einer Staatseisenbahn-Direction.

Berlin, 18 Novbr. Am 4. Dezember d I. wird der Ausschuß des Vereins zur Wahrung der wirthschaftlichen Interessen von Handel und Gewerbe hier in Berlin zu einer Sitzung zusammentreten, an welche I sich sodann diesjährige Generalversammlung des Vereins anschließen wird.

Die Versammlung der Direktoren preußischer Oberreal- schnlen, welche auf Anregung des Direktors Gallenkamp in Berlin statt- findet, wird hauptsächlich die Frage behandeln, was zu thun sei, um die Oberrealschulen den Gymnasien und Realschulen erster Ordnung gegenüber lebensfähig zu erhalten. In den letzten Jahren sind den Oberrealschulen verschiedene werthvolle Berechtigungen entzogen worden; besonders ein­schneidend hat der letzte Erlaß gewirkt, der den Abiturienten der Ober­realschulen von 1888 an den Zutritt zum höhern Baufach verschließt. Es ist nun wahrscheinlich, daß die Versammlung sich mit der Frage be­schäftigen wird, wie das Lateinische in den Lehrplan der Oberrealschulen auszunehmen sei, ohne daß der Organisation der Anstalten zu nahe ge­treten werde.

Die „Norddensche Allgemeine Zeitung" schreibt zum 17. November: Mit der Wiederkehr des heutigen Tages ist ein Lustrum ver­gangen, seitdem im Auftrage Sr. Majestät des Kaisers — welcher wider Erwarten durch Unwohlsein verhindert war, Allerhöchstselbst die erste Session der V. Legislaturperiode des Reichstages zu eröffnen — der Reichskanzler Fürst von Bismarck im Weißen Saale des Königlichen Schlosses unter der höchstgespannten Ausmerksamkeit aller Anwesenden jene bedeutungsvolle Botschaft verlas, in welcher der ruhmgekrönte Heldenkaiser die Heilung der sozialen Schäden im Wege der positiven Gesetzgebung als die Aufgabe Seines Lebensabends dem deutschen Volke verkündet.

Heute möchte es daher wohl angezeigt erscheinen, jene oft genannte Kaiserliche Botschaft wenigstens in dem Theile nach ihrem vollen Wort­laute in Erinnerung zu bringen, welcher sich auf die sozialen Aufgaben des Reichs bezieht. . . .

Was inzwischen in dem für die Entwickelung staatlicher Verhältnisse immerhin kurzen Zeitraume von fünf Jahren auf dem Gebiete der sozialen Gesetzgebung bereits erreicht worden,ist notorisch; es bedarf jedenfalls für unsere Leser einer besonderen Aufzählung nicht. Und daß die großen Ziele der sozialen Reformen mit Eifer und Ernst auch ferner unablässig weiter werden verfolgt werden, darüber ist jeder begründete Zweifel ausgeschlossen!

Diejenigen aber, die in Verkennung der großen Schwierigkeiten, welche der Durchführung der sozialen Gesetzgebung entgegenstehen, mit dem angeblich langsamen Gang derselben sich nicht zufriedenst eilen, sollten sich gegenwärtig halten, daß jene Allerhöchste Botschaft vom 17. November 1881 selbst ausdrücklich das Wcitgreifende und die Schwierigkeit der ge-