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erfolgt. DerStaaS-Anzeiger für Württemberg" veröffentlicht die Ein­berufung der Ständeversammlung auf den 25. d. M.

Wien, 9. November. In einem Petersburger Briefe der Polit. Corr. wird versichert, Rußland verlange keineswegs, daß in Bulgarien an die Spitze der Ministerien der Auswärtigen, des Krieges, der Zölle russische Beamte gesetzt würden, auch erstrebe man keine Verfassungs­änderung oder etwas ähnliches, man wolle lediglich den Einfluß, einiger­maßen entsprechend den gebrachten Opfern, wieder herstellen.

Pest, 9. Novbr. (K. Z.) Der Finanzminister Graf Szapary wird nach Beendigung der Budgetverhandlungen zurücktreten.

Niederlande. Die in letzter Zeit zur Prüfung der Arbeiter­frage in allen ihren Details eingesetzte Kommission des Parlaments hat ein Zirkular an die Arbeiter- und Jndustriellen-Vereine gerichtet, worin sie eine Reihe von Fragen aufstellt. Die Kommission verlangt Infor­mation über das Resultat der Gesetze und Dekrete, welche den im zartem Alter stehenden Kindern die Arbeiten in den Fabriken und Werkstätten untersagen, über die Natur der Arbeiter im Allgemeinen, und die Ent­lohnung der Arbeiter und Arbeiterinnen, sowie über den physischen, moralischen und intellektuellen Zustand derselben; endlich über den Stand der Fabriken und Werkstätten mit Bezug auf Sicherheit, Gesundheit und Wohlsein der Arbeiter.

Brüftel, 9. Novbr. Die heutige Thronrede bei der Eröffnung der Kammern kündigt Gesetzentwürfe über wichtige Reformen für die Arbeiter an, namentlich die Begünstigung der Bildung freier Berufs­gruppen, die Herstellung von Verbindungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern durch die Bildung von Schieds- und Einigungsämtern, die Regelung der Frauen- und Kinderarbeit, die Beseitigung der Mißbräuche der Lohnzahlungen, Einrichtungen für die Wohlfahrt und Unterstützung der Arbeiter, insbesondere durch Versicherungen und Altersversorgungen, Bekämpfung der Trunksucht und Unmoralität, endlich durch wirksame Maßnahmen gegen die Lebensmittelfälschungen. Der König werde von dem ihm zustehenden Begnadigungsrechte der wegen der Ausschreitungen in Lüttich und Eharleroi Verurtheilten den weitesten Gebrauch machen.,

Brüssel, 9. Novbr. Vor der Kammereröffnung nahm der König, vom Grafen von Flandern und dem Grafen von Hainaut begleitet, zu Pferde eine Revue über die Bürgergarde ab, wobei sympathische Zurufe ertönten. Der Passus der Thronrede über die Begnadigungen wurde von der Linken wie von der Rechten beifällig ausgenommen. Die Frauen von Eharleroi Übergaben dem Bürgermeister Buls die Petition, welche um die Amnesie der verurtheilten Arbeiter bittet. Im Senat bringt Crocq eine Vorlage ein, betreffend die Bewilligung der Amnestie aller wegen der Theilnahme an den Unruhen in Eharleroi Verurtheilten. Die Rechte scheint den Antrag abzulehnen und sich mit den in der Thronrede angekündigten Begnadigungen begnügen zu wollen. (Fr. N.)

Paris, 8. Novbr. Während seines gewöhnlichen Spazierrittes im Boulogner Holze stürzte heute der deutsche Botschafter über den Kopf seines Pferdes, das mit dem Vorderfuß in ein Loch gerathen war; er hatte aber Kaltblütigkeit genug, sofort wieder die Zügel zu ergreifen und sich in den Sattel zu schwingen, obgleich er eine starke Quetschung an der rechten Schulter erhalten hatte.

Paris, 9. Novbr. Der Zustand des Grafen Münster ist nicht bedenklich, doch zwingt eine ziemlich starke Quetschung den Grafen das Zimmer zu hüten und niemanden zu empfangen.

London, 9. Novbr. Die Behörden trafen Vorsichtsmaßregeln, um etwaigen Ruhestörungen durch Sozialdemokraten anläßlich der Lord- mayors-Prozession vorzubeugen. Starke Poltzei-Abtheilungen wurden an den Eingängen zum Trafalgarsquare (wo die sozialistische Massenver­sammlung abgehalten werden soll), zum Ludgatecirkus, auf dem Themse­quai und an anderen Punkten des Weges, welchen die Lordmayors-Pro- zession nimmt, sowie an verschiedenen Stellen im Osten der Stadt stationirt. Die Garde-Infanterie und die Kavallerie ist angewiesen, sich für den Nothfall bereit zu halten, um der Polizei Hülfe zu leisten. Die Thüren und Fenster der Bankhäuser, der Läden und der öffentlichen Gebäude in den Straßen, welche die Prozession berührt, smvie in mehreren anderen Straßen in den östlichen Stadttheilen, wurden durch starke Holzverschläge geschützt. Die Lordmayors-Prozession verlief ohne jede Ruhestörung. Große Volsmengen füllten die Straßen, doch sind nirgends Unordnungen vorgekommen. (Fr. N.)

Belgrad, 8. Nov. DieNeue freie Presse" meldet: Der türki­sche Gesandte Zia Bey habe eine Protestnote gegen die Anerkennung Dr. Stransky's als Vertreter Bulgariens bei der serbischen Regierung über­reicht und dabei sich auf die der Pforte über Bulgarien zustehenden Suzeränetätsrechte berufen.

Tirnowa, 8. November. Die Sobranje vertagte die Fürstenwahl auf nächsten Mittwoch. Man hält nach der Vornahme der Wahl noch immer eine 'Modifikation der Regierung für wahrscheinlich, da mehrere Mitglieder des Cabinets das Programm der Regentschaft mit der Fürsten­wahl für erledigt betrachten.

Hambnrg, 8. November. Der PostdampferSilesia" der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrts - Aktiengesellschaft ist heute in St. Thomas eingetroffen.

Trieft, 9. November. Der LloyddampserAurora" ist mit der ostindischen Post heute aus Alexandrien hier eingeroffen.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

ls. Stadttheater.Krieg im Fri eden" hat am letzten Sonntag wieder einmal seine volle Schuldigkeit gethan und glaubte man faktisch das Stück sei hier überhaupt noch nicht gegeben, so herzlich wurde gelacht. Allerdings wurde der lustige Schwank aber auch mit einer Vir­tuosität gespielt, daß es eine wahre Freude war und möchten wir diese Vorstellung als die flotteste der ganzen Saison bezeichnen; wir können deshalb auch nicht umhin unserer Regie heute ein ganz besonderes Compli- ment zu machen, für die wirklich brillante Jnscenirung dieses schwierigen Stückes. Die Darsteller waren alle bei ausgezeichnetem Humor und hatten das Publikum bald in die animirteste Stimmung gebracht. Es machten sich besonders verdient Herr P o r tz (Reiflingen) und Fräul. Lenau(JIka), ferner die Damen v. Kannöe und Frey, die Herren Meixner (Fol­gen) und Liebig (Henkel). Stets erheiternd wirkte das Auftreten des schüchternen Apothekers (Herr Wacker) und der Gegenstand seines Her­zens hätte uns auch gefallen können. Ein Pollacke vom reinsten Wasser war Herr Brodeck. Wenn wir von den bedeutenderen Rollen noch den General des Herrn Hecken nennen, so haben wir für heute unserer Re­ferentenpflicht genügt und soll es uns freuen, recht bald wieder über solch' einen famosen Abend berichten zu können.

Personenstands-Ausnahme. Anläßlich der im Laufe dieser Woche stattfindenden Personenstands - Aufnahme für die nächstjährige Klassensteuerveranlagung sei auf die Gesetzesvorschriften hingewiesen, denen zufolge jeder Eigenthümer eines bewohnten Grundstücks oder dessen Stell­vertreter der Behörde, welche das Verzeichniß der steuerpflichtigen Haus­haltungen und Einzelsteuernden aufnimmt, für die richtige Angabe seiner Angehörigen und aller zu seinem Hausstande gehörigen steuerpflichtigen Personen verantwortlich ist und jede bei der Aufnahme des Verzeichnisses oder auf sonstige desfallsige Anfrage der Steuerbehörde im Laufe des Jahres unterlassene Anzeige einer steuerpflichtigen Person außer der Nach­zahlung der rückständigen Steuer mit einer Geldbuße bis zum neunfachen Jahresbetrage derselben belegt wird.

Einjährig-Freiwillige. Die Verfügung von 1868, wonach den Einjährig - Freiwilligen im Falle einer ferneren Capitulation bei der Berechnung ihrer Dienstzeit das Freiwilligen-Jahr nur als ein Jahr an­gerechnet wird, besteht in Kraft; die gegentheilige Nachricht ist falsch.

n. Werkmeister-Verband. Die am Sonntag den 7. ds. einberufene Versammlung hiesiger Werkmeister verlief in überraschend groß­artiger Weise; es hatten sich ca. 80 Herren eingefunden, welche dem Vor- trage des Herrn L. Ungeheuer, Vorsitzender in Offenbach, mit großem Interesse folgten. Derselbe verbreitete sich in feuriger schwungvoller Rede, welche oftmals von dem Beifall der Hörer unterbrochen wurde, über die Ziele des Verbandes und legte die Vortheile dem Verbände anzugehören in so klarer Weise dar, daß sich nach Schluß der Rede der größere Theil der Anwesenden in die Mitgliederlisten einschreiben ließ, und somit zählt Hanau jetzt einen Verein mehr und zwar einen Verein, welcher sich jeder Einmischung in konfessionelle, kommunale oder politische Dinge fern hält, um seine ganze ungetheilte Kraft seinen schönen Zielen widmen zu können; wahrlich ein Verein, welcher es sich zur Aufgaben macht den Armen zu helfen, den Wittwen und Waisen ein Vater zu sein und seinen Mitgliedern in jeder Lebenslage Schutz bietet, ist in unserer dem krassesten Egoismus huldigenden Zeit eine Erscheinung, welche nicht verkannt und unbeachtet vorübergehen sollte zum Heile des Einzelnen, zum Heile des Ganzen!

Postnhr. Seit gestern ist die durch die baulichen Veränderungen still gestellte, schwer vermißte Postuhr wieder im Gange.

Rohheit. Heute Morgen fand man den Brunnentrog an der Schwedenpumpe von seiner Stelle gerückt und aus dem Sockel der Brunnen­bekleidung einen großen Stein herausgeschlagen. Wenn der oder die zerstö- rungslustigen Nachtschwärmer jetzt ihre Kraft probiren wollen, so finden sie beim s. g.Kraftseppel" auf der Messe ja die beste Gelegenheit hierzu und brauchen nicht gemeinschädlich zu werden.

Kanonenkngel. Auf einem Acker im Rohr, unweit der Körner- schen Holzschneide-Fabrik, wurde beim Bearbeiten desselben eine sechspfün- dige Kanonenkugel zu Tage gefördert, die aller Wahrscheinlichkeit nach noch aus der Schlacht bei Hanau herrührt.

Sängergesellschasten. Das gestern Abend in derGroßen Krone" stattgefundene Concert der Tiroler SängergesellschaftEdelweiß" hatte sich eines sehr zahlreichen Besuches zu erfreuen. Sämmtliche Piecen wurden mit voller Präcision ausgeführt und ernteten die Vortragenden reichen Beifall. Heute Abend concertirt dieselbe Gesellschaft wieder in demselben Vocale.

Die Rheinische Concert-Gesellschaft, bestehend aus der Altistin Frl. Wilms, dem Tenoristen Forst, Komiker Heyden und einem Harmonium­spieler, erfreuten sich bei ihrem Auftreten imDeutschen Haus" lebhaften Beifalls. Die Stimmmittel der Vortragenden sind gut und die Komik des Herrn Heyden ist eine packende. Heute Abend concertirt die Gesell­schaft in der Brauerei Orschler.