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Nr. 262. Dienstag den 9. November 1886.

Bekanntmachungen Königl. LandrathsamtS.

Gefunden: Eine Grammatik (deutsche Sprachschule). Ein Messer. Ein Köcher. Ein Spazierstock. Ein Mützenfutteral. Ein Regenschirm. Ein kleines Lineal.

Aufgefangen: Ein gelber Stallhase.

Verloren: Ein Portemonnaie mit 12 Mark. Ein Lotterie-Loos

Nr. 179 611. Ein Trauring. Ein Portemonnaie mit Geld.

Entlaufen: Zwei Enten.

Abhanden gekommen: Eine Milchkanne.

Hanau am 8. November 1886.

____________________Aus Königl. Landrathsamt.______

Diejenigen Herren Aerzte, welche im laufenden Jahre Impfungen vorgenommen haben, werden unter Hinweis auf § 20 des Reglements zur Ausführung des Reichs-Jmpfgesetzes ersucht, die Listen baldmöglichst hierher einzureichen.

Hanau am 8. November 1886.

Der Oberbürgermeister Rauch.

t Zur Finanzlage des Reichs.

Die bisher bekannt gewordenen noch unvollständigen Ziffern aus dem Reichshaushaltsetate für 1887/88 lassen ein zutreffendes Urtheil über die Finanzlage des Reichs noch nicht zu. Trotzdem haben es frei­sinnige Blätter bereits unternommen, auf Grundlage derselben ein Bild zu entwerfen, welches wie nicht anders zu erwarten grau in grau gemalt ist. Da wird einDeficit" von 15 Millionen Mark berechnet und weiter noch eine Vergrößerung desselben aus den Mehrbedürfnissen für Militär, Marine und Civilverwaltung in Aussicht gestellt. Zweck dieser vorzeitigen Berechnungen und Schilderungen der Finanzlage geht aus den daran geknüpften Mahnungen und Warnungen hervor, daßdie sorgfältigste und strengste Prüfung aller Mehrausgaben, insbesondere auch bei der Militär- und Marineverwaltung, in diesem Jahre durchaus ge­boten erscheint" und daßjede Erhöhung der Friedenspräsenzstärke bei Ablauf des Septennats eine vollständige Verwirrung in die Finanzlage tragen muß." Mit anderen Worten: es wird, ohne daß das dazu nöthige Material vorhanden ist, alles zusammengetragen, um einen Wider­stand gegen etwaige Mehrforderungen für Heer und Marine vorzubereiten und die Meinung zu verbreiten, daß jene Mehrforderungen mit Rücksicht auf die Finanzlage unmöglich bewilligt werden können.

Wie es mit den angeführten Ziffern steht, können wir auf sich be­ruhen lassen; ein getreues Bild werden wir uns von der Finanzlage erst nach Vorlegung sämmtlicher Specialetats und nach den erläuternden Be­merkungen machen können, mit denen die Einbringung des Etats im Reichstage begleitet zu werden pflegt. Aber schon jetzt ist die entschiedenste Verwahrung einzulegen gegen die Art und Weise, wie hier der Versuch gemacht wird, die öffentliche Meinung ohne genügende Unterlage vorweg in einer bestimmten Richtung zu beeinflussen.

Wie hinlänglich bekannt sein dürfte, existirt für das Reich ein eigentlichesDeficit" nicht; hiervor ist das Reich durch Artikel 70 der Verfassung geschützt, welcher vorschreibt, daß die gemeinschaftlichen Aus­gaben, soweit sie nicht durch gemeinschaftliche Einnahmen gedeckt werden, durch Beiträge der einzelnen Bundesstaaten nach Maßgabe ihrer Be­völkerung aufzubringen sind. Bringen also die Reichseinnahmen Zölle, Steuern u. s. w. nicht so viel ein, um die Bedürfnisse zu decken, dann müssen die Matricularbeiträge den Ausfall decken. Hieraus folgt, daß ein Zurückbleiben der Reichseinnahmen hinter dem erwarteten Betrage an sich nicht als Grund für die Ablehnung als wirklich nothwendig erkannter Ausgaben angegeben werden kann. Zu bestreiten ist allerdings nicht, daß es in hohem Maße wünschenswerth wäre, wenn die dem Reiche zugänglichen Steuerquellen ergiebiger flössen: aber daraus, daß z. B. die Zuckersteuer in dem neuen Etatsjahre noch nicht so viel bringen wird, wie bei dem Erlaß des letzten Gesetzes erwartet wurde, daß ferner die Einnahmen aus der Börsensteuer und den neuen Zöllen überschätzt wurden, daß aus dem Vorjahr noch ein Ausfall aus den Einnahmen des neuen Etatsjahrs zu decken sein wird, lassen sich ebenso wenig Gründe gegen dre Befriedigung wichtiger Bedürfnisse herleiten, wie aus dem Scheitern

aller jener Versuche, höhere Einnahmen zn erzielen, welche sowohl das Reich wie Staat und Gemeinde in eine bessere Lage gebracht haben würden.

Für das Reich handelt es sich in erster Linie darum, zu fragen, was unbedingt zu seiner Erhaltung nothwendig ist. Erst dann kommt in Betracht, ob etwaige Mehrbedürfnisse durch Matricularbeiträge oder neue Einnahmen zu decken sind. Wir würden es vollständig verstehen, wenn die verbündeten Regierungen nach den Erfahrungen in der vorigen Session jetzt darauf verzichten, in der letzteren Richtung neue Vorschläge zu machen: wenn der Reichstag sich selbst über etwaige Vorschläge in dieser Richtung einigen kann, um so besser; anderenfalls werden die Matricularbeiträge aushelfen, oder was dasselbe ist, die Herauszahlungen des Reichs an die Einzelstaaten sich verringern müssen. In keinem Falle aber wird mit dem SchreckgespensteDeficit" die Befriedigung wirklicher Bedürfnisse unterdrückt werden können.

t Neue Nickelmünzen zu 20 Pfennigen.

In Gemäßheit des Gesetzes vom 1. April 1886 sind an Stelle der unpraktischen kleinen Silberstücke zu 20 Pfennig Nickelmünzen zu 25 Theilen Nickel und 75 Theilen Kupfer herzustellen. Die Ausschüsse des Bundesraths machen zur Ausführung des Gesetzes folgende Vorschläge: Die Prägung der Nickelmünze zu zwanzig Pfennig erfolgt mit glattem Rand. Auf der Adlerseite wird die Mittelfläche gegen die sie umgebende, nach innen durch einen Perienkreis, nach außen durch eine Schnur­einfassung begrenzte concentrische Randfläche vertieft und wird in der Spiegelmittelfläche der Reichsadler und das Münzzeichen, auf der matten concentrischen Randfläche eine Verzierung von Eichenlaub angebracht. Auf der Schriftseite wird die von einem Perlenkreis umgebene Mittel­fläche durch die gestrichelte Zahl20" ausgeführt, während die con­centrische Randfläche zwischen Perlenkreis und Schnureinfassung mit der UmschriftDeutsches Reich" nebst Jahreszahl und hierunter, durch je einen Stern getrennt, mit der Werthangabe20 Pfennig" zu versehen ist. Das für die Ausprägung der genannten Münze erforderliche Metall ist den Münzstätten in Form von Plättchen zu liefern und ist den Münzstätten für die sämmtlichen Kosten der Prägung aus der Reichskasse eine Prägegebühr von P/s Procent des ausgeprägten Nominalwerthes zu zahlen. Es sind zunächst bis zu 5 Millionen Mark in Nickelmünzen zu zwanzig Pfennig auszuprägen.

Tagesschau.

Berlin, 8. November. Se. Majestät der Kaiser und König hörten heute die Vorträge des Chefs des Civilkabinets und des Vize- Präsidenten des Staatsministeriums, Staatsministers v. Puttkamer. Im Laufe des Nachmittags empfingen Se. Majestät den Prinzen Heinrich, Königliche Hoheit, vor Seiner Rückkehr nach Kiel, sowie demnächst den General-Adjutanten, Botschafter Prinzen Heinrich VI [. Reuß. Von 4 Uhr ab hatte der Staatssekretär Graf Bismarck Vortrag.

Berlin, 8. November. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz ist gestern Abend 8 Uhr 55 Minuten, von Merseburg kommend, auf dem Anhalter Bahnhof hierselbst eingetroffen.

Berlin, 8. Nov. Der Gesandte der Republik Chile am hiesigen Allerhöchsten Hofe, Guillermo Matta, hat einen ihm von seiner Regie­rung bewilligten Urlaub angetreten. Während der Abwesenheit desselben von Berlin fungirt der Legations-Sekretär Antonio E. Varas als interi­mistischer Geschäftsträger.

Berlin, 8. Novbr. S. M. Kreuzer-KorvetteSophie", Komman­dant Korvetten - Kapitän Cochius, ist am 6. November cr. von Lissabon in See gegangen. Das Schulgeschwader, bestehend aus S. M. Schiffen Stein" (Flaggschiff),Moltke" undPrinz Adalbert", Geschwader-Chef Kapitän zur See und Kommodore von Kall, ist am 7. d. M. von Lissa­bon in See gegangen.

Berlin, 8. Novbr. DieNordd. Allg. Ztg." sagt in ihrer Tagesrundschau: Die Pester Kaiserrede komme zu gelegener Zeit, um die Besorgnisse, die sich infolge der neuesten Zwischenfälle hervorgewagt haben, auf ihr richtiges Maß zurückzuführen. Denn wenn die Thronrede auch einräume, daß die bulgarischen Wirren Anlaß zu ernsten Besorgnissen geben, so bestreite sie doch entschieden, daß der Keim dazu in Differenzen zwischen den Mächten enthalten sei, sie deute vielmehr an, daß allseitig