Einzelbild herunterladen
 

Äiomtemeei*- Preis:

Jährlich 9 Mark. Halbj.E.SOPfg.

Vierteljährlich

1 Niarl 25 Pfg. Für auswärtige abonnenten mit dem betreffen­den Postausichlag. Sie einzeUte Num­mer 10 Pfg.

Hammer Anuigtr.

Irrgkeich ArntlicHss ^rga« für Stcröt- und Lcrnökveis Kcrncru.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

flwfettiet* Steil:

Sie lipaltige «armondzeile »b. deren Raum M Pfg.

Sie rspalt. Zeile 20 Pfg.

DieSIpaltig-Zeile 30 Psg.

Nr. 260.

Samstag den 6. November

1886.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Mit Wahrnehmung der Hilfsseelsorge in der durch Ableben des seitherigen Inhabers erledigten Pfarrei Hanau ist der bereits fungirende Kaplan Wilhelm N h i e l beauftragt.

Hanau am 3. November 1886.

Der Königliche Landrath

V. 6963. Gf. Bismarck.

t Bange machen gilt nicht!

Wenn die Freisinnigen nicht mehr wissen, was sie sagen und wie sie ihre Gegner bekämpfen sollen, dann nehmen sie stets ihre Zuflucht zum Reactionsgeschrei. Da haben wir nun schon eine lange Reihe von Jahre beobachten können:Reaction" war's, als das Strafgesetzbuch im Sinne einer schärferen Ahndung der gegen Eigenthum und socialen Frieden gerichteten Verbrechen geändert werden sollte;Reaction" hieß es, als den socialdemokratischen Umsturzbestrebungen zu Leibe gegangen werden sollte;Reaction", als der Schutz der nationalen Arbeit auf der Tages­ordnung stand;Reaction", als die weiten Maschen der Gewerbeordnung, welche zu Mißbräuchen der gröblichsten Art in einer das materielle und sitrliche Wohl des Volkes in hohem Maße schädigenden Weise Anlaß gaben, etwas enger gezogen werden sollten;Reaction", als die Ver­mehrung der indirecten Steuern zum Zweck der Ermäßigung der directen Abgaben, wie zur Befriedigung der Bedürfnisse in Reich, Staat und Gemeinde in Angriff genommen wurde;Reaction", als das Reich die Besserung der socialen Lage der arbeitenden Klassen in die Hand nahm, an die Pflichten des praktischen Christenthums erinnerte und zur Erfüllung derselben corporative Gestaltungen ins Leben rief;Reaction" war's, als offenbare Mängel in der Reform der inneren Verwaltung, welche in ge­wissen Beziehungen sich zu sehr von theoretischen Anschauungen, statt von praktischen Bedürfnissen hatte leiten lassen, in einer der letzteren mehr entsprechenden Weise beseitigt werden sollten;Reaction" war's, wenn einmal ein communaler Beamter nicht bestätigt werden sollte;Reaction" war's, als der Staat im Interesse der katholischen Unterthanen und des inneren Friedens gewisse Härten der kirchenpolitischen Gesetze zu mildern unternahm;Reaction" war das Tabakmonopol und das Branntwein­monopol, kurz, Reaction an allen Ecken und Enden, dazu noch ver­brämt mit der Anklage, daß wir tief inmittelalterliche Zustände zurück­geführt" werden sollen.

Man kann sich über die Dauerhaftigkeit dieses Reactionsgeschreis nur wundern, und dies um so mehr, als die Freisinnigen doch nun endlich inne werden sollten, daß dasselbe jede Zugkraft verloren hat. Die letzten Landtags- und Reichstagswahlen sollten sie hierüber belehrt haben. Aber für Einsicht sind sie unzugänglich: trotz der außerordentlichen Fort­schritte unserer Entwickelung im Innern und nach Außen, trotz der überall wahrnehmbaren günstigen Folgen der alsReaction" von ihnen gebrand- markten Roformpolitik, trotz des mächtigen Aufschwunges, den die deutsche Ration zum Neide der anderen Völker genommen hat, trotz der fort­währenden Mißerfolge und Nackenschläge, die sich die Freisinnigen mit ihrer Politik zuziehen, werden sie nicht müde, immer wieder das Volk mit Angstrufen in Bewegung zu setzen. So ruft das Reichsblatt auch jetzt wieder:Letzter Ansturm der Reaction!"

Und weshalb? weil sich unter den nationalsn Parteien die Er­kenntniß zu verbreiten und zu befestigen scheint, daß die Steuerreform einen Schritt weiter thun muß, um das oben bezeichnete Ziel der Er­leichterung der minder wohlhabenden Klassen und der Befriedigung der Bedürfnisse von Reich, Staat und Gemeinden zu erreichen.

Wir haben nicht nöthig zu beweisen, daß das Reactionsgeschrei jetzt mindestens ebenso unsinnig ist, wie vorher. Es kommt uns darauf an, die Grundlagen der freisinnigen Politik aufzudecken. Dieselbe behandelt das Volk als politische Kinder, denen man mit dem schwarzen Mann bange machen will und denen man dabei die schönsten Sachen verspricht, wenn sie artig sind. Dann werden nämlich wie das Reichsblatt sagt diebesseren Zeiten" kommen, und das Blatt thut sogar so, als ob es wüßte, daß dieselben nicht mehr fern sind. Wie man heut­zutage überhaupt noch mit solchen Mitteln operiren kann, wie man glauben kann, ernste Politik zu treiben mit Mitteln, die aus der Kinderstube entlehnt M ist uns unbegreiflich. Das Volk hat durch seine bisherige Haltung bewiesen und wird es hoffentlich in Zukunft noch auf nachdrück­

lichere Weise den Herren vom Freisinn zu Gemüthe führen, daß auch und namentlich in der Politik das Wort gilt:

Bange machen gilt nicht!

t Selbstverschuldung bei Unfällen. ~

Auch der neueste Bericht der mit der staatlichen Beaufsichtigung der Fabriken betrauten Beamten wiederholt die Klage, daß in sehr vielen Fällen die Arbeiter selbst es sind, welche durch eigene Schuld, sei es durch Gleichgiltigkeit oder Leichtsinn, sei es selbst durch absichtliches Zuwiderhandeln gegen die gebotenen Schutzvorrichtungen, Unfälle herbei­führen. Ein sehr erheblicher Procentsatz, oft mehr als die Hälfte der­selben, ist auf diese Ursachen bezw. auf die Schuld von Mitarbeitern zurückzuführen. Es kommt nach den Berichten nicht selten vor, daß die Arbeiter Schutzvorrichtungen, oft in den gefährlichsten Betrieben, wieder entfernen, angeblich, weil sie ihnen unbequem sind und sie in der Arbeit hindern. Ein Beispiel, wie sich die Unfallursachen vertheilen, liefert die nachstehende Zusammenstellung des Berichts für den Aufsichtsbezirk Merse- burg-Erfurt. Danach sind von den dort vorgekommenen Unfällen:

116 oder 35,2 Procent hervorgegangen aus Ungeschicklichkeit, Un­achtsamkeit und Leichtsinn; 93 oder 28,3 Proc. beruhen auf der Gefähr­lichkeit des Betriebes an sich; 43 oder 13,1 Proc. zurückzuführen auf den Mangel gebräuchlicher Schutzvorrichtungen bezw. auf unterlassene oder ungenügende Anweisung; 39 oder 11,9 Proc. desgl. auf Nichtbenutzung gebotener Schutzmittel bezw. Handeln wider erhaltene Anweisung; 14 oder 4,3 Proc. verursacht durch die unabsichtliche Schuld von Mitarbeitern;

10 oder 3,0 Proc. durch zusammenwirkende Ursachen._________________

Tagesscha«.

Berlin, 5. November. Se. Maj. der Kaiser nahmen Vormittags die Vorträge des Grafen Perponcher, sowie des Geh. Hofraths Borck entgegen. Bei der morgigen Hofjagd in Springe läßt sich der Kaiser, der die Reise dahin aufgegeben hat, durch den Prinzen Heinrich ver­treten.

Berlin, 5. November. Der hiesigen Stadtverordneten-Versammlung ist auf die an den Kronprinzen gerichtete Glückwünschadreffe folgendes Schreiben zugegangen: Ich danke den Stadtverordneten von Berlin von Herzen für die freundlichen Glückwünsche, welche sie mir und den Meinigen zum 18. Oktober ausgesprochen haben. Mit immer wachsender Theil­nahme und freudiger Genugthuung sehe ich auf die glänzende Entwicklung der Hauptstadt, auf ihr reich blühendes Gemeinwesen und die wirksame Bethätigung der regsamen Geisteskräfte ihrer Bürger. Möge Gottes Schutz ihr auch ferner erhalten bleiben. Portofino bei Genua, den 28. Oktober 1886. Gez. Friedrich Wilhelm, Kronprinz.

Berlin, 5. November. Wie das Deutsche Tageblatt meldet, hat der Prinz-Regent Luitpold von Bayern die Ansage hierher gelangen lassen, daß er am 13. d. M. in Berlin eintreffen werde, um den Kaiser zu den Hofjagden nach Letzlingen zu begleiten. Der Aufenthalt in Berlin selbst ist auf mehrere Tage in Aussicht genommen.

Berlin, 5. November. Minister von Puttkamer, der vergangene Nacht von seiner Dienstreise aus Westpreußen zurückgekehrt ist, wird heute zur Theilnahme an der Hosjagd nach Springe reisen.

Berlin, 5. Novbr. Der DampferSalier" ist mit der abge­lösten Besatzung S. M. KreuzersAlbatroß" am 5. November er. in Lehe eingetroffen.

Berlin, 5. November. Einem Telegramm aus Sansibar vom 30. Oktober zufolge erwarb Jühlke für die ostafrikanische Gesellschaft das Makdischu-Gebiet südwärts bis Witu hin, speciell den ausgezeichneten Hafen Durnford an der Kubischi-Mündung. In diesen Küstenstrich fällt auch die Jub-Mündung, welche den Zugang zu dem Hochland der Gallas eröffnet. In Durnfordport legte Jühlke eine Station an. Die Erwerbung von Witu wird durch diese Neuerwerbung davor bewahrt, nach Norden hin durch eine fremde Macht abgeschnitten zu werden.

Das Leiden des Prinzen Wilhelm soll, wie diePotsdamer Nachrichten" melden, zu weitergehenden Besorgnissen keine Veranlassung geben, obwohl, wie dem genannten Blatte aus angeblich zuverlässiger Quelle milgetheilt wird, auch das linke Ohr in Mitleidenschaft ge­zogen ist.

In einemVolksvertretung und Regierung" überschriebenen Artikel sagt dieSüddeutsche PreM":Wir wollen keine Parteiregierung,