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Nr. 252.
Mittwoch den 27. Oktober
1886.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Auszug aus dem Protocoll über die am heutigen Tage stattgehabte Sitzung des Kreistages des Landkreises Hanau.
1. Dem Anträge der Gemeinde Oberissigheim auf Ausscheidung des Weges von Oberissigheim nach Niederissigheim aus dem Landwege- verbande wird zugestimmt.
2. Die Reisekosten und Diäten der Mitglieder der Kreis-Commissionen werden festgesetzt.
3. Zum stellvertretenden Mitgliede der Einschätzungs-Commission für die classificirte Einkommensteuer wird der Müller Thielmann aus Kilianstädten gewählt.
4. Zum Kreisdeputirten wählt der Kreistag den Kammerherrn von Rappard zu Philippsruhe.
5. Der Kreis -Eommunal- Kosten -Rechnung pro 1885/86 wird Decharge ertheilt.
6. Zu dem Eingang der Verpflegungsstation in Bergen gibt der Kreistag seine Zustimmung.
7. Der Antrag des Kreisausschusses, von dem, dem Landkreise Hanau aus den landwirthschaftlichen Zöllen überwiesenen Betrage von 6467 Mark die Summe von 5400 Mark an die Gemeinden gemäß § 4,3 des Gesetzes vom 14. Mai 1885 zu vertheilen und den verbleibenden Rest in den diesjährigen Etat einzustellen, wird genehmigt. Ein hierüber vom Landrathe vorgelegter Nachtragsetat gelangt zur Annahme.
8. Der Kranken-Versicherungszwang wird in Gemäßheit des § 2,6 des Kranken-Versicherungsgesetzes vom 15. Juni 1883 in Verbindung mit § 113 des Reichs-Gesetzes vom 5. Mai 1886 auf die land- und forstwirthschaftlichen Ärbeiter ausgedehnt.
9. Die Hälfte der Kosten für Beschaffung der erforderlichen Aichungsgerälhschaften zum gemeinsamen Gebrauch für den Land- und Stadtkreis Hanau wird auf die Kreis-Communalkaffe übernommen.
Hanau, den 23. Oktober 1886.
Der Königliche Landrath. Gf. Bismarck.
Der Waldschütz Jakob Keller aus Langendiebach hat seinen Jagdschein, lautend auf seinen Namen und ausgestellt unter Nr. 235, verloren, und zwar jedenfalls im Langendiebacher Walde. Es wird ersucht, den Schein im Falle seiner Auffindung beim Bürgermeister in Langendiebach abzugeben.
Hanau am 21. Oktober 1886.
Der Königliche Landrath
A. 1370._______________Gf. Bismarck.__
T a g e s s ch a ».
Berlin, 26. Oktbr. Heute Vormittag erfolgte, wie der „R. u. St.-A." aus Blankenburg meldet, die Abreise Sr. Majestät des Kaisers in Begleitung Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich. Auf dem Bahnhof sprachen Se. Majestät dem Kreis-Direktor und dem Bürgermeister nochmals Allerhöchstihren Dank für den bereiteten, überaus warmen Empfang aus. Heute Mittag 1*5 Uhr sind Se. Majestät im allerbesten Wohlsein hier wieder eingetroffen.
Berlin, 24. Oktober. Während im staatlichen Fernsprechwesen bisher nur die einfachen Telephone als Hörapparate dienten, werden dieselben seit kurzem durch Mikrophone ersetzt, eine Neuerung, die sich umso- mehr empfiehlt, als das Mikrophon nicht nur handlicher als das Telephon, sondern auch viel tonempfindlicher ist. Schon vor einigen Jahren stellte man zu diesem Zweck Versuche mit dem Mikrophon an der Börse an, allein die Versuche mißlangen, da die damaligen Apparate dieser Art außer dem gesprochenen Wort auch noch jedes andere Geräusch, das zur gleichen Zeit sich geltend machte, Wiedergaben. Die jetzt in Gebrauch befindlichen Mikrophone lasten diesen Uebelstand nicht zu. Die Telephone der Privaten, die an die staatlichen Fernsprech-Anstalten angeschloffen sind, werden allmählich durch Mikrophone ersetzt. (K. Z)
Berlin, 26. Oktober. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bezeichnet die Auffassung der „Kölnischen Zeitung" über das gegnerische
Verhältniß Englands zu Deutschland in der ostafrikanischen Angelegenheit als eine irrige. Deutschland habe gegenwärtig keinen Grund über Englands überseeische Politik zu klagen, über einige schwebende Punkte stehe eine baldige befriedigende Lösung in Aussicht. Auch England erkenne, daß Deutschland keine erobernde Colonialpolitik treibe, sondern das von dem Reichskanzler aufgestellte Ziel festhalte: einfach dem deutschen Kaufmanns zu folgen.
Der Antrittsempfang neu beglaubigter diplomatischer Vertreter am hiesigen Hofe pflegt, wie die „Köln. Ztg." schreibt, sonst als eine Förmlichkeit ziemlich unbeachtet vorüber zu gehen. In bemerkens- werther Weise macht der erste Empfang des neuen französischen Botschafters Herbette bei dem Kaiser davon eine Ausnahme; in diplomatischen Kreisen unterhält man sich darüber sehr lebhaft und man will wissen, daß die Ansprache desselben und die Betheurung der friedlichen Bestrebungen dabei auf den Kaiser einen ganz besonders günstigen Eindruck gemacht hätten, wie derselbe denn auch die Ansprache des Botschafters in besonders warmer und herzlicher Weise erwidert hätte. Die Persönlichkeit des Gesandten, der nicht bezüglich der aristokratischen Haltung mit seinen Vorgängern zu vergleichen wäre, hätte durch schlichtes, offenes und anscheinend unbefangenes Auftreten einen sehr sympathischen Eindruck gemacht. Man muß abwarten, wie weit sich die Hoffnungen, welche man an die verheißene Fürsorge des Botschafters für gute Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich knüpft, erfüllen werden. — Im Laufe dieser Woche wird die regelmäßige Plenarsitzung des Bundesraths stattfinden, obschon Arbeitsstoff von irgendwelcher Erheblichkeit für dieselbe noch nicht vorliegt.
Berliner Zeitungen meldeten vor einiger Zeit, daß Dr. Karl Peters in Begleitung des Herrn Karl von der Heydt nach London gereist sei. Wie wir vernehmen, steht diese Reise in Verbindnng mit den in London schwebenden Verhandlungen über die Abgrenzung der deutschen Besitzungen in Ostasrika, worauf sich auch schon die Vorbesprechungen bezogen hatten, welche Dr. Peters wiederholt mit Herren Mackinnon, dem Vertreter der englischen Privatinteressen in Ostafrika, hatte. Die Vermuthungen, welche in diesen Verhandlungen einen Versuch der Deutsch- Ostafrikanischen Gesellschaft, in England Geld aufzubringen, erkennen wollten, werden uns als unbegründet bezeichnet.
Breslau, 25. Oktober. Der kommandirende General v. Wich- mann ist, nach der „Köln. Z.", an diffusem Bronchial-Katarrh lebensgefährlich erkrankt. Bei einem Festesten in Kamenz am Geburtstag des Kronprinzen hat sich der General eine Erkältung zugezogen.
Löwenberg, 26. Oktober. Bei der heutigen Ersatzwahl im Kreise Bunzlau-Löwenberg zum Abgeordnetenhause wurde Graf Nostiz zu Zobten (konservativ) mit 309 Stimmen gewählt. Müller-Bunzlau (freisinnig) erhielt 31 Stimmen.
Gumbinnen, 26. Oktober. Die Rinderpest in den russischen Gouvernements Kowno und Wilna ist erloschen und daher das dieserhalb erlassene Vieheinfuhr-Verbot wieder aufgehoben; das Schweineeinfuhr- Verbot bleibt dagegen weiter bestehen.
Dortmund, 25. Oktbr. Die Niederrheinisch - Westfälische Fern- sprechanlage, diese von den Industriellen des Eisen- und Kohlengebietes sowie auch vom Großhandel so sehnlichst herbeigewünschte Verkehrserleichterung, soll am 15. k. Mts. dem öffentlichen Verkehr übergeben werden. Bis jetzt haben sich im Bezirk der Oberpostdirektion Arnsberg etwa 150 Theilnehmer angeschlosten, größten Theils in Dortmund, Bochum und Hörde. Die Anlage erstreckt sich aber weit über diesen Bezirk hinaus und umfaßt die Städte Duisburg, Oberhausen, Essen, Ruhrort, Steele, Gelsen- kirchen und mehrere andere kleine Orte.
Metz, 24. Oktober. Die hiesige Strafkammer verurtheilte dieser Tage den als Deutschenfresser bekannten katholischen Pfarrer Sabouret aus Vionville wegen Anstiftung anderer Personen zum Ausstößen aufrührerischer Rufe rc. zu zwei Monaten Gefängniß und 50 M. Geldstrafe. Derselbe hatte in der Kirche französische Lieder singen lassen, in denen der Segen des Himmels für die französischen Waffen im nächsten Kriege erfleht wird. In Verbindung mit dem aus Frankreich kommenden Revanchegeschrei und der beständigen Berührung mit der Bevölkerung der nahegelegenen französischen Dorfschaften hat das Gebahren des wegen