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Nr. 251.
Dienstag den 26. Oktober
1886.
Tagesscha«.
Berlin, 24. Oktober. Se. Majestät der Kaiser und König, welcher gestern Abend der Opernvorstellung bis zum Schlüsse beiwohnte, nahm heute Vormittag den Vortrag des Wirklichen Geheimen Raths von Wilmowski entgegen und reiste Mittags 1'/* Uhr mit Sonderzug zur Jagd nach Blankenburg. Die Rückkehr von dort ist zu Dienstag Mittag in Aussicht genommen.
Berlin, 25. Oktober. Der Kronprinz kommt in den ersten Tagen des nächsten Monats nach Deutschland zurück. Am 5. November wird der Kronprinz den Vermählungsfeierlichkeiten am weimarschen Hose, am 6. der Einweihung des Domes in Merseburg beiwohnen und gleich darauf nach Berlin zurückkehren. Ueber das Eintreffen der Frau Kronprinzessin mit den Prinzessinnen-Töchtern ist eine nähere Festsetzung noch vorbehalten. Es soll ein kurzer Aufenthalt der Frau Kronprinzessin in der Nähe von Meran geplant sein, jedenfalls wird in der zweiten Hälfte des November mit der Rückkehr der Kaiserin auch die der Frau Kronprinzessin und ihrer Töchter erfolgen.
Berlin, 25. Oktober. Den „Pol. Rachr." zufolge wird seitens der Unternehmer der subventionirten Dampferlinien erwogen, ob nicht nach der ursprünglichen Vorlage Neapel anzulaufen und von dort eine Verbindung nach Genua einzurichten, dagegen die Mittelmeerlinie aufzu- geben und das Unternehmen durch eine weitere Zweiglinie von Aden nach Sansibar oder von Colombo nach einem großen indischen Hafenplatze zu erweitern wäre. Die Angelegenheit befindet sich indeß noch im Stadium der Vorprüfung. Bestimmte Anträge liegen noch nicht vor. (F. N.)
Berlin, 24. Oktober. Bezüglich des Gesetzentwurfs über die Herstellung des Bieres nach dem Muster der bayerischen Gesetzgebung, welcher dem Reichstage in der nächsten Session vorgelegt werden solle, bestimmt der „Frank. Kur." seine neuliche Meldung dahin, es solle, wie für Bayern, so im ganzen Reiche der Grundsatz gesetzlich festgestellt werden, daß zur Bierbereitung nur Hopfen, Malz und Waffer verwandt werden dürfen. Der Ausschluß der Surrogate bei der Bierbereitung ist in der letzten Reichstagssession wiederholt Gegenstand eingehender Erörterung gewesen.
Wilhelmshafen. Die Arbeiten am neuen Hafen und dessen Einfahrt, sowie der Bau der Zugangsstraßen zum Hafenkanal sammt der Kaistraße nehmen, wie man der „B. B. Z." schreibt, einen überraschend schnellen Fortgang, so daß vorauszusehen ist, daß am Einweihungstage, dem 13. November, in der Hauptsache alles fertiggestellt sein werde. Zur Zeit ist im Hafen ein Bagger beschäftigt, um mächtige Gruben auszu- baggern, in welche die ca. 3 Meter im Quadrat haltenden kolossal schweren Mauerblöcke versenkt werden, an denen die Ankerboyen befestigt werden. Es werden 4 Stück solcher Boyen mitten im Hafen in einer Linie ausgelegt. Außerdem wird eifrig an der Fertigstellnng der Südmole, sowie an der Planirung des Terrains gearbeitet.
Wilhelmshafen, 24. Oktober. Das englische Canalgeschwader hat heute Vormittag um 7 Uhr die Rhede verlassen und ist nach Ports- mouth in See gegangen.
Blankenburg a. Harz, 24. Oktbr. Der Kaiser ist heute Nachmittag um 5 Uhr in bestem Wohlsein hier eingetroffen. Es bewillkommneten ihn der Prinzregent Albrecht, das Offizierkorps und die Spitzen der Behörden. Auf die Begrüßungsansprache des Bürgermeisters Rittmeyer erwiderte der Kaiser mit Worten des Dankes für den ihm bereiteten Empfang. Er freue sich, die Stätte wiederzusehen, wo er so viele frohe Stunden verlebt habe. Er danke besonders für die dem Regenten gegenüber bekundeten Gesinnungen; derselbe habe sich auf dem Schlachtfelde wie in der Regierung des Herzogthums bewährt. Nachdem die Vorstellung der Behörden und des Militärs stattgefunden, überreichte Fräul.
v. Rosenberg, die Tochter des Bataillons - Commandeurs, mit poetischer Anrede einen Blumenstrauß. Der Kaiser sprach sichtlich gerührt seinen Dank aus und gab der jungen Dame die Hand. In vierspännigem Galawagen fuhr der Kaiser alsdann unter dem Jubel der Bevölkerung in das Schloß. Die Stadt ist reich geschmückt; heute Abend wird eine glänzende Beleuchtung stattfinden. Prinz Heinrich wird um 7 Uhr hier erwartet. Am Abend wohnten Se. Majestät der Kaiser der Vorstelluug im Theater bei. '
Blankenburg, 25. Oktober. Der Kaiser nahm Mittags an der Jagd Theil, erlegte 19 Stück Hochwild und 9 Säue und kehrte dann hierher zurück.
München, 24. Oktober. In Nürnberg hat das bayerische Oberpostamt gegen die Einrichtung einer Privatstadtpost Einspruch erhoben, da der Postbetrieb ausschließlich Recht des Staates sei. Uebrigens beträgt die Staatsposttaxe für Stadtbriefe in Bayern nur 3 Pfennige.
Stuttgart, 25. Oktober. Fürst Nikolaus von Hohenlohe-Walden- burg ein Neffe des Statthalters von Elsaß-Lothringen, ist auf Schloß Waldenburg an einem Schlaganfall g e st o r b e n.
Wien, 25. Oktober. Nach einer Meldung der Polit Corr. aus Odessa verlangte das russische Consulat in Varna ein Kriegsschiff zu seinem und der russischen Unterthanen Schutz; infolge dessen sollen zwei kleinere Kriegsschiffe von Odessa nach Varna abgesandt werden.
Wien, 25. Oktober. Cholerabericht. In Triest 10 Erkrankungen und 1 Todesfall, in Pest 14 Erkrankungen und 14 Todesfälle.
Pest, 25. Okiober. Der wirkliche Fehlbetrag in dem ungarischen Staatshaushalt für das nächste Jahr soll 57 nach anderer Berechnung 70 Millionen betragen.
Paris, 24. Oktober. Verschiedene Blätter toben heute gegen die Engländer und behaupten, die englische Presse hetze Deutschland auf, um sich die Festsetzung in Aegypten zu sichern. So „Paris"; ähnlich die France, die plötzlich sehr liebenswürdig und verbindlich gegen Deutschland auftritt und hofft, Herbette werde es gelingen, mindestens Deutschlands Neutralität zu erzielen. Taktlos und thöricht wie immer droht die France unter der Ueberschrift „Perfidie anglaise“ mit der Albernheit: „Das französisch-russische Bündniß ist für die bulgarischen Angelegenheiten schwer herzustellen. Will man es jedoch nothwendig machen, so braucht Deutschland nur Englands Ansprüche zu begünstigen; in diesem Falle würden wir Oesterreich-Ungarn von Deutschland ablösen können und die Türkei für uns haben." Bilden diese wunderlichen Pariser Käuze sich wirklich ein, der deutsche Reichskanzler sei überhaupt zu verhetzen und lasse sich durch einen falschen Wechsel Döroulodes auf den Zaren Alexander schrecken? Daß Fürst Bismurck weiß, was er will, sollte denn doch endlich auch an den Redaktionstischen der chauvinistischen Blätter bekannt sein. (K.Z.)
Der Graf von Paris hat am 21. ds. Vevey am Genfer See verlassen und sich über Brüssel, wo er dem ihm verwandten König Leopold einen Besuch macht, nach England in die Grafschaft Surrey begeben. Von dort geht er nach San Remo.
Nisch, 25. Okt. Der zum Vertreter Bulgariens bei der diesseitigen Regierung designirte Dr. Stransky ist aus Sofia hier eingetroffen.
Bremen, 24. Oktober. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Saale" ist in New-Pork eingetroffen.
Hambnrg, 25. Oktober. Der Postdampfer „Suevia" der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrts - Aktiengesellschaft ist in New-Iork eingetroffen.
VW- Fortsetzung der Tagesschau in der Beilage. ^^
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Oeffentliche Sitzung des Gemeinde-Ansfchuffes vom 25. Oktober 1886.
II Anwesend die Herren: Weishaupt, Ausschuß-Vorsteher; Beyer, Bode, Friedgö, Gerhardt, Gruber, Herold, Hopff, Koch, Körner, Sanitätsrath Dr. Roll, Ott, Schleißner, Treusch Una und Weber.
1) Für die Thurmuhr der Johanniskirche soll ein neues Zifferblatt beschafft werden. Dasselbe wird aus Kupferblech hergestellt, schwarz lackirt, Zeiger und Ziffer ächt vergoldet. Die Anfertigung wird Herrn Spengler Ohl hier übertragen. Die Kosten belaufen sich einschl. Befestigen auf 335 Mk. Eine Straßburger Firma hat ein etwas niedrigeres Gebot abgegeben, die Differenz dürfte sich jedoch durch die Frachtkosten ausgleichen. Der Gem.-Ausschuß ertheilt mit Rücksicht darauf, daß das alte Zifferblatt ganz durchgerostet und nicht mehr zu repariren ist, Genehmigung.
2) Herr Kaufmann Schlingloff beantragt die Herstellung eines Hoch- trottoir vor seinem Hause in der Metzger- und Bangertsgasse. Die Herstellungskosten würden sich auf 370 Mk. belaufen, zu denen Herr Schling-