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Beilage zu Ntr. 248 des Hanauer Anzeiger.

Kampf gegen die Anarchie.

Die „Staatsbürger - Zeitung" schreibt über den Kampf gegen die Anarchie:

Nachdem wir in der „Weltlage" der gestrigen Nummer einen Ar­tikel des „Daily Telegraph" in Betreff eines internationalen Vorgehens gegen die Anarchisten mitgetheilt haben, glauben wir heute auf einen Ar­tikel des „Standard" hinweisen zu müssen, der zu ähnlichen Schlüssen kommt wie das andere englische Blatt. „Die Energie und Hartnäckigkeit der Dynamitarden", so heißt es unter Anderem, „scheint etwas mehr zu ver­langen, als die vereinzelte und unzusammenhängende Vertheidigungsme­thode, die von jedem bedrohten Lande gegen sie zur Anwendung gebracht wird. Die Zeit muß kommen und zwar bald, wo Gemeindewesen sich an ihre Nachbarn wenden müssen, um sich mit ihnen zum Schutz von Leben und Eigenthum gegen die bösartigen Versuche einer Körperschaft zu ver­binden, die keine Bande der Verwandtschaft, keine Ansprüche des Vater­lands und nicht einmal die Bande von Klassen anerkennt. Die Dyna- mitarden haben kein Vorurtheil zu Gunsten dieser oder jener Nationalität, dieses oder jenes Volkes. Sie sind in ihrem Hasse und in ihrer Wuth so unparteiisch, wie Gewitterstürme oder Erdbeben. Heute suchen sie ein Land zu schädigen, und morgen ein anderes; und je verschiedener und entfernter die Schauplätze ihrer Operationen von einander sind, je mehr hoffen sie, Kontinente mit Schrecken und Unruhen heimzusuchen. Die ein­zig wirkungsvolle Taktik der Regierungen und der Gesellschaft gegen die kosmopolitischen Gegner besteht darin, daß sie sich ein Blatt aus deren Kodex borgen. Fas est et ab beste doceri; und die civilisirten Staaten dürsten von den Aposteln des Dynamits die ungeheueren Vortheile lernen, die aus einer Vereinigung erwachsen, welche stets Stärke bedeutet. Ge­radeso wie die Dynamitpartei gern jedes Land abwechselnd angreifen und einschüchtern möchte, so sollten alle auf diese Weise bedrohten Länder unter sich eine defensive und selbst eine offensive Liga bilden. ... Die Dynamit-Banditen sollten bis in ihre Höhlen verfolgt und daraus her­vorgehetzt werden; man sollte sie fühlen lassen, daß die ganze Welt gegen sie in Waffen steht. Auch wird es sicherlich eine dringende Frage werden, wie viel Duldung diesen gedungenen Libertins gestattet werden soll, deren Schriften und Reden deutlich und zuweilen prahlerisch, den Zweck ver­folgen, die Dynamit-Desperados zur Ausführung ihrer Zerstörungspläne äüfzureizen Das unlängst über die Anarchisten in Chicago gefällte Todesurtheil ist eine gute Vorbedeutung für die Sache der gesellschaftlichen Sicherheit; denn der Richter Gary nahm keinen Anstand, nach dem guten alten Prinzip zu handeln, daß diejenigen, welche zum Morde aufreizen, als Mörder zu betrachten sind. Dieses ausgezeichnete Beispiel auf der an­deren Seite des Atlantischen Oceans sollte in Europa bei der ersten sich darbietenden Gelegenheit nachgeahmt werden. Möglicherweise dürfte die­selbe durch die Anstifter der mißlungenen Dynamit-Verschwörung, die Wien in Asche legen sollte, geboten werden. Anarchie ist ein Feind, mit dem nicht unterhandelt werden kann und der keinen Pardon verdient. Die Ge­sellschaft erwacht allmählich zu dieser Gefahr. Sie wird strengere Maß­regel als die bisherigen anzuwenden haben, wenn der Feind des Univer­sums entwaffnet werden soll."

So schreiben heute englische Blätter, die vor einem Jahrzehnt ihrer vollen Entrüstung darüber Ausdruck gaben, daß man dem freien England zumuthen könne, das durch Sitte und Gesetzgebung geheiligte englische Asylrecht politischen Verbrechern gegenüber, wie Königsmördern rc. auf- zugeben. Nun, wir wollen deßhalb nicht weiter mit ihnen rechten; sie fühlen, was die schlimme Lage der Gegenwart verlangt, und das genügt.

Wir gehen indessen noch einen Schritt weiter, indem wir nicht allein die Vereinbarung aller Kulturstaaten, sondern auch die Vereinigung aller Parteien, welche ein Interesse an der Erhaltung der staatlichen Gesellschaft und der Wahrung des inneren Frieedens haben, fordern. Wir können die herrlichsten Beispiele anführen, daß alle Parteien sich eins gefühlt haben im Dienste des Vaterlandes, sobald es galt, dasselbe gegen den herannahenden Feind zu schützen und können darum auch nicht zugeben, daß die Parteien darüber anders denken, wenn es gilt, den Krieg abzu- wehren, der gegen die gesammte bürgerliche Gesellschaft gerichtet ist. Was

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helfen da alle Phrasen von der größtmöglichen Freiheit des Einzelnen, wenn man einer Gesellschaft gegenübersteht, die diese Freiheit mit Füßen tritt. Das vielgepriesene Eldorado der Freiheit, die Vereinigten Staaten von Nordamerika, sind heut nicht besser dran als das despotische Rußland, aber darin ist die Gesetzgebung beider in politischer Beziehung so verschie­denartig gestalteten Staaten einig, daß man die Verbrecher gegen die Ge­sellschaft mit dem Tode bestrasen muß.

Wir sind weit davon entfernt, die sozialdemokratische Partei für die Verbrechen der Anarchisten verantwortlich zu machen, wohl aber verlangen wir, daß sie auf dem eingeschlagenen Weg Halt machen, an deren Endziel sie heute die Anarchisten erblickt, welche die staatszersetzenden Theorien ins Praktische übersetzen. Wir verlangen von den Arbeitern, daß sie sich weit abwenden von jenen, die alle Bestrebungen, welche auf die Besserung ihres Looses gerichtet sind, mit Dynamit-Bomben beantworten; welche nur an das Werk der Zerstörung denken, ohne im Stande oder auch nur gewillt zu sein, das Zerstörte wieder aufzubauen. Einigkeit aller Kulturstaaten, Einigkeit aller Parteien gegen Brandstifter und Mörder, mögen sie sich auch noch so sehr mit dem fadenscheinigen Mantel des sozialen Märtyrer- thums umhüllen.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

Frankfurt a. M., 21. Oktober. Im Monat Mai d. Js. trat bereits eine Ermäßigung der Steinkohlen um 15 bis 18 Pf. der Centner ein, jetzt wird abermals der Preis der Steinkohlen billiger werden und zwar um etwa 8 bis 12 Pf. per Centner. Diese Preisreduktion tritt erst dann ein, wenn die ersten bedeutenden Kohlenflotten, die früher nur bis Castel fahren konnten, im hiesigen Hafen vor Anker gegangen und gelöscht haben werden. Man hofft sogar, daß späterhin, wenn der Schiffs­verkehr regulirt und die ersten Kosten überwunden sein werden, abermals eine Reduktion der Kohlenpreise um etwa 2, 3 auch 5 Pf. per Centner eintreten kann. — In den nächsten Tagen werden im hiesigen Hafen mächtige Kohlenschiffe erwartet. (G.-A.)

Frankfurt a. M., 22. Oktober. In der K-gasse stürzte vor­gestern Abend ein 7 Jahre alter Bube, welcher auf dem Stiegengeländer herbbruschte, auf den Vorplatz des unteren Stockwerks und erlitt dadurch eine schwere Schädelverletzung. — Der Zustand des Dienstmanns Gilbert, welchem kürzlich von seiner Frau mit einem Messer der Leib aufgeschlitzt wurde, ist gegenwärtig ein derartiger, daß Hoffnung vorhanden ist, ihn vollständig wie- derherzustellen. Ueber die Zeit seiner Entlassung aus dem Hospital läßt sich indeß jetzt noch nichts sagen, da die Heilung der Wunde nur langsam von stat- ten geht. — Ein junger Kommis aus Stuttgart verschaffte sich bei ver­schiedenen Personen, besonders bei Geschäftsinhabern, einen ziemlichen Kredit. Er entnahm Waaren aller Art, Schmucksachen und dgl. auf Kredit und trug, sobald er etwas gekauft, den betreffenden Gegenstand nach einem Rückkaufgeschäft und lebte von dem Erlös. Wurde er von irgend einem Gläubiger auf Zahlung angegangen, so kaufte er irgend einen werthvollen Gegenstand, versetzte ihn und befriedigte mit dem erhaltenen Gelde den Gläubiger. So trieb er es bis vor wenigen Tagen, wo er sich mit einem seiner besten Freunde überwarf und als Schwindler entlarvt wurde. Es blieb ihm gerade noch soviel Zeit, durch eine seiner erwähnten Manipu­lationen sich einige Mittel zu verschaffen und damit durchzugehen. Bei einem Rückkaufgeschäft hat er allein für 1250 Mark Waaren rc. versetzt. — Eine Frau kaufte ihrem Kinde ein Paar Ohrringe und wollte das Geld für das Durchstechen der Ohrläppchen ersparen; sie durchstach sie selbst mit einer Stopfnadel. Es entstand auf dem einen Ohre eine be­deutende Entzündung, die jetzt mit dem Verlust des Gehörs auf dem be­treffenden Ohre gehoben ist; ob nicht auch auf dem anderen Ohr das Ge­hör defekt wird, ist noch nicht gewiß. (F. N.)

Mainz, 20. Oktober. Einem hiesigen Goldarbeiter wurden eine werthvolle Brillantbroche und Brillantnadel zur Abschätzung vorgelegt, welche die Eigenthümerin von einem Unbekannten gekauft haben wollte. Es stellte sich nun aber heraus, daß beide Stücke gestohlen waren und zwar aus einem Koffer, welcher jüngst auf der Eisenbahn in der Nähe von Karlsruhe erbrochen und seines Inhalts beraubt wurde.

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