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Nr. 243.
Samstag den 16. Oktober
1886.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
In letzterer Zeit sind die militärischen Uebungen auf dem Paradeplatz wiederholt dadurch gestört worden, daß das Publikum auf demselben stehen blieb und sich Ansammlungen von Menschen bildeten. Da die Polizei-Verordnung vom 6. Mai 1825 den Verkehr von Fußgängern über den Platz nur mit der Maßgabe gestattet, daß die Uebungen des Militärs dadurch nicht behindert werden, so bringe ich die Bestimmung dieser Verordnung in Erinnerung und bemerke, daß die Schutzleute angewiesen sind, diejenigen Passanten zur Anzeige zu bringen, welche durch unnöthiges Stehenbleiben oder sonst die militärischen Uebungen stören.
Hanau am 13. Oktober 1886.
Der Königliche Landrath Gf. Bismarck.
Zugelaufen: Am 12. d. Mts. ein großer schwarzer Neufundländer, mit krolligem Haar, weißem Fleckchen auf der Brust, m. Geschl.; Empfangnahme bei dem Korbmacher Jakob Schäfer zu Langenselbold. Ein weißer Spitz mit rothem Halsband.
Hanau am 16. Oktober 1886.
____________________Aus Königl. Landrathsamt.____________________
Tagesscha«.
Berlin, 15. Okt. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen, wie „R. u. St.-A." aus Baden-Baden meldet, im Laufe des gestrigen Vormittags die Vorträge des Wirklichen Geheimen Legations- Raths von Bülow, des Chefs des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths von Wilmowski und des Geheimen Hofraths Bork entgegen. Die Ausfahrt unterblieb des ungünstigen Wetters wegen. Vor dem Diner machten Ihre königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin von Baden Ihren Majestäten einen Besuch.
Ueber den Aufenthalt der deutschen kroupriuzlicheu Familie in Portofino erzählen genuesische Blätter nachstehende Details: Das Leben des Kronprinzen und seiner Familie ist das einfachste der Welt; an jedem Morgen Ausflüge in die Umgegend, die um so ermüdender sind, als es an jeden Transportmitteln fehlt. Dabei unterhalten sich die Herrschaften auf das Freundlichste mit der Fischerbevölkerung, die besonders die Kronprinzessin wegen ihrer zahlreichen Geldspenden ins Herz geschlossen hat. Die hohe Frau scheut es nicht, die Hütten der Armuth zu besuchen und überall die Noth zu lindern, so weit sie es vermag. Der übrige Theil des Tages wird mit Fischen, mit Seepartien, mit ländlichen Festen verbracht, die der Kronprinz der Bevölkerung gibt.
Berlin, 15. Okt. Der Bundesrath hielt gestern unter dem Vorsitz des Staatsministers Staatssekretärs des Innern v. Bötticher eine Plenarsitzung ab. In derselben wurde der Entwurf zu Bestimmungen über die Wiederholung der statistischen Aufnahme des Heilpersonals, des pharmaceutischen Personals und der pharmaceutischen Anstalten dem Ausschuß für Handel und Verkehr, der Antrag Baierns betr. die Abänderung des Etats der Zollverwaltungskosten für das Königreich Baiern den Aus- schüssen für Zoll- und Steuerwesen und für Rechnungswesen überwiesen. Hieraus fand die Wahl des Präsidenten und zweier Mitglieder von Disciplinarkammern für elsaß-lothringsche Beamten und Lehrer statt; endlich wurde über die geschäftliche Behandlung mehrerer Eingaben Beschluß gefaßt
Berlin, 15. Oktbr. Der „Reichsanzeiger" meldet: Dem Grafen Hochberg wurde durch Kabinetsordre vom 10. Okt. die einstweilige Leitung der Intendantur der königlichen Schauspiele mit allen Rechten und Pflichten eines Generalintendanten kommissarisch übertragen.
Berlin, 15. Oktober. Der „Reichsanzeiger" sagt bezüglich der in neuester Zeit auf preußischen Staatsbahnen in rascher Aufeinanderfolge vorgekommenen Eisenbahnunfälle, über jeden derselben sei sofort eingehende Untersuchung eingeleitet worden. Soweit bisher zu ermitteln war, konnte bei keinem Unfälle eine andere Ursache festgestellt werden, als der Verstoß eines Einzelnen gegen klare, einfache, seit langem bestehende bestimmte Vor- ! schriften. Die Staatsbahnverwaltung sei ernsthaft bestrebt, durch allge- • meine Einführung der bewährtesten Sicherheitsvorrichtungen betriebsge- ' jährliche Irrthümer und Mißverständnisse möglichst auszuschließen. Daß
diese Bestrebungen nicht erfolglos geblieben seien, gehe aus der Statistik deutlich hervor, auch ferner solle Alles aufgeboten werden, Unfällen thun- lichst vorzubeugen Selbstverständlich sei es von größter Wichtigfeit, an keinen im äußern Dienst beschäftigten Beamten Anforderungen zu stellen, welche er nicht ordnungsmäßig erfüllen könnte, und daß die Rücksicht auf thunlichste Sparsamkeit hiergegen entschieden zurücktreten müsse. Den Eisenbahnbehörden sei zur Pflicht gemacht worden, darauf zu halten, daß dieser Grundsatz auch im Einzelnen durchgeführt werde, ebenso habe die Centralstelle weitere geeignete Anordnungen getroffen zur möglichst erhöhten Betriebssicherheit auf den preußischen Bahnen.
Das Schulgeschwader, bestehend aus S. M. Schiffen „Stein", (Flaggschiff) „Moltke", „Prinz Adalbert" und „Sophie", Geschwader- Chef: Kapitän zur See und Kommodore von Kall, ist am 14. Okt. cr. Wilhelmshafen in See gegangen. — ®. M. Kanonenboot „Wolf", Kommandant Kapitän-Lieutenant Jaeschke, ist am 14. Oktober cr. in Amoy eingetroffen.
Ein aus Sausibar eingegangenes Telegramm meldet, daß die Uebergabe des vom Deutschen Kolonialverein resp, dessen Präsidenten erworbenen Deutsch-Witu-Landes nunmehr in bester Form durch Gustav Denhardt erfolgt sei. Die Emissäre des Deutschen-Kolonialvereins waren Kapitän Rabenhorst und Lieutenant Schmidt. Wie verlautet, soll nach Eintreffen der Dokumente eine „Witu-Handels- und Plantagen-Gesellschaft" in's Leben gerufen werden, deren schnelles Zusammenkommen neben den außerordentlich günstigen Kolonisationsbedingungen, wie sie das Deutsch- Witu-Land bei seinen geregelten Besitzverhältnissen, seinen guten Rheden, seinem allgemein anerkannten Reichthum an Bodenprodukten bietet, auch noch dadurch gesichert scheint, daß der für Uebernahme des Landes und der jetzt geschehenen einleitenden Schritte benöthigte Fonds — für dessen Aufbringung man nur die allernächsten Kreise interessirt hatte — überzeichnet wurde und nur mit 50% zur Einzahlung eingefordert werden konnte.
Der „Nordd. Allg. Ztg." wird aus Colombo auf Ceylon unter dem 4. v. M. geschrieben: Es sind bis jetzt von den Dampfern des Norddeutschen Lloyd zwei, „Oder" und „Neckar", auf ihrer Fahrt nach Ost- asien hier durchgekommen. Alles verlief in zufriedenstellender Weise, die Behörden waren sehr zuvorkommend und manche Anfragen bei der Agentur beweisen, daß das englische Publikum den ^Lloyddampfern sympathisch gegenübersteht. Der Güterverkehr nach Europa zeigt hier eine erstaunliche Entwicklungsfähigkeit; aller Raum, welcher im günstigsten Falle für Co- lumbo in den drei ersten Heimreisen September, Oktober, November zur Verfügung bleiben kann, ist schon für Ladung nach Antwerpen, Bremen und Hamburg vergriffen.
Kiel, 14. Okt. Die Ausbaggerung des kleinen Laboer Hafens ist nahezu vollendet, fodaß nunmehr bequem die Torpedoboote sowie die Barkassen der kaiserlichen Marine werden in denselben einlaufen können. Das hinter einem hohen Steinwall sehr geschützte Becken eignet sich vorzüglich als Beobachtungsstation für die Boote, welche auszugehen haben, um einen seewärts anrückenden Feind zu beobachten. Im innern Hafen, vor der kaiserlichen Werft, ist man beschäftigt, einen für die Torpedoboote bestimmten kleinen Hafen — Mole mit Schutzwänden — herzurichten. Die erforderliche Sandfchüttung ist für die Summe von 40,000 Mk. an einen Unternehmer vergeben. (K. Z.)
München, 15. Oktober: Gegenüber anderweitigen Meldungen der Blätter erklärt die „Allg. Ztg.": Es ist noch keine Disposition über den Zeitpunkt der Reise des Prinzregenten nach Berlin getroffen.
Madrid, 14. Okt. Das Ministerium beschloß den Belagerungszustand von morgen ab auszuheben.
Paris, 15. Okt. Präsident Grevy empfing gestern den neuen Botschafter am Berliner Hofe, Herbette, der morgen früh nach Berlin abreift.
Paris, 15. Oktober. Der Finanzminister Carnot kam um seine Entlassung ein; er wies die Versuche Freycinets, seinen Rücktritt zu vertagen, ab.
Warschau, 15. Okt. (K. Z.) Die Gazeta Handlowa meldet einen Fall sibirischer Pest im dortigen jüdischen Hospital, Umfangreiche Vorsichtsmaßregeln sind getroffen.