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Nr. 240.
Mittwoch den 13. Oktober
1886.
Bekanntmachungen Königl. LandrathsamtS.
Zugelaufen: Ein gestreifter junger Hund; Empfangnahme bei W. Jacob zu Kesselstadt.
Gefunden: Ein Steuerzettel für Schlossergeselle Wilhelm Wör-
n er. Ein rother Kinderstrumpf.
Verloren: Ein Portemonnaie mit 3 Mk.
Entlaufen: Ein großer Neufundländer.
Hanau am 13. Oktober 1886.
____________________Aus Königl. Landrathsamt._____________________
Tagesschau.
- Kaiser Wilhelm, über dessen Ergehen aus Baden-Baden nur Erfreuliches verlautbart, widmet sich Tag für Tag in gewohnter Weise der Erledigung von Regierungsangelegenheiten. Das minder angenehme Wetter der letzten Zeit hatte mehrfach den Ausfall projektirter Spazierfahrten zur Folge. Ueber die Rückkehr der Majestäten nach Berlin ist auch heute noch nichts Näheres bekannt. Der Kaiser dürfte jedoch erst nach dem 20. Oktober aus Baden-Baden wieder nach Berlin kommen, um seinen Winteraufenthalt im hiesigen königlichen Palais zu nehmen.
— Berlin, 11. Oktober. Nachdem Herr v. Braunschweig, der bisherige deutsche Gesandte in Persien, seinen Abschied genommen hat, geht in kürzester Zeit Baron von Schenk-Schweinsberg als deutscher Gesandter nach Teheran. Man hofft, daß wichtige Handelsverbindungen zwischen den betreffenden beiden Ländern angeknüpft werden und unsere deutsche Industrie einen willigen und empfänglichen Markt dort für ihre Produkte finden wird. Der bisherige persische General-Konsul Burchardt hat aus Gesundheitsrücksichten seine Entlassung genommen; wie die „Kr.- Ztg." hört, besteht nunmehr die Absicht, eine kaufmännische Kraft ersten Ranges für diese wichtige Stellung zu gewinnen.
— Berlin, 11. Okt. Die „Köln. Z." schreibt: Nach einer uns von zuverlässigster Seite zugehenden Mittheilung hat vor Kurzem der Staatsminister a. D. Dr. Windthorst als Vertreter des Herzogs von Cumberland an das braunschweigische Staatsministerium ein Schreiben gerichtet, in welchem er um die Herausgabe der bisher noch nicht verabfolgten, zu dem Privatvermögen des verstorbeuen Herzogs Wilhelm gehörigen Vermögensstücke ersucht und zugleich den Wunsch äußert, daß seitens des braunschweigischen Ministeriums Kommissare ernannt werden möchten, um mit den Kommissaren, welche seitens des Antragstellers bestellt sind, nämlich Schatzrath a. D. König aus Hannover und Justizrath Breithaupt aus Braunschweig, zu verhandeln. Der Herzog von Cumberland nimmt u. a. in Anspruch das Mobiliar der Schlösser zu Braunschweig und Blankenberg, das Silberzeug, dieVorräthe der herzoglichen Linnen- und Bettkammer, den Weinkeller. Er verlangt ferner die Herausgabe des Inventars des Hoftheaters, des Oberstallmeister-Amtes (lebendes und todtes), der Hofjagdverwaltung, Herausgabe der Kunstgegenstände und Schätze des Museums, soweit solche seit 1832 nicht aus Landesmitteln angeschafft worden sind; nicht minder verlangt der Herzog eine Regelung des Eigenthums-Verhältnisses der Druckwerke und Handschriften der Bibliothek zu Wolfenbüttel. In Braunschweig hat man, wie uns versichert wird, die Forderungen mit großer Ruhe ausgenommen, weil man dieselben, abgesehen von einigen bedeutungslosen Dingen, als durchaus unberechtigt erachtet.
— Berlin, 12. Okt. Die Strafkammer des Landgerichts hat in Verhandlung zweiter Instanz die wegen verleumderischer Beleidigung des Criminalschutzmanns Jhring Angeklagten Tischler Berndt und Privat- lehrer Christensen kostenlos freigesprochen. Das Schöffengericht hatte bekanntlich auf zweimonatliche Gefängnißstrafe erkannt.
— In der Verwaltung der Stadt Berlin stehen zwei wichtige Veränderungen bevor: einestheils soll für alles zum Betriebe von Gaskraftmaschinen verwandte Gas ein Nachlaß von 20 pCt. des jetzigen Preises gewährt werden, anderntheils soll das Machtgebiet des königl. Polizei^ Präsidiums auch auf die Vororte ausgedehnt werden.
— Der Reichstag soll, wie nach der „Köln. Z." verlautet, zum 18. November einberufen werden. Der Tag ist ein Donnerstag.
„ — Der Reichsdampfer Oder hat am 29. August Shanghai ver- lassen, um die Rückreise nach Bremerhafen anzutreten. Der für Shanghai vorbehaltene Laderaum (250 Tonnen) ist belegt worden, bar unter 100 Tonnen in Durchfracht nach Newyork über. Bremerhafen zu einem Fracht
sätze von 40 Sh. für die Tonne, also billiger als die zur Zeit üblichen Frachtsätze nach Newyork.
— Breslan, 12. Okt. (K. Z.) Graf Bolko Hochberg, Bruder des Fürsten Pleß, ist zum General-Intendanten der königlichen Schauspiele ernannt.
— Aachen, 12 Oktober. Die Setzer in sämmtlichen größeren Druckereien haben heute die Arbeit niedergelegt, weil die Prinzipale die Annahme des Leipziger Tarifs verweigerten.
— In Münster soll ein katholisches Convict für Kandidaten des Priesterthums, welche sich den außereuropäischen, besonders den afrikanischen Missionen widmen wollen, errichtet werden. Die Zöglinge des „Afrikanum" besuchen dann die theologischen Vorlesungen an der dortigen Akademie. (Dztg)
— Kiel, 11. Okt. Briefsendungen sind zu richten für S. M. Kreuzerkorvette Alexandrine nach Kiel, für S. M. Kreuzerfregatte Moltke, Kreuzerkorvette Sophie und Torpedoboot 8 9 nach Wilhelmshafen, für S. M. Kreuzer Möve bis auf weiteres nach Zanzibar.
— Den Feinden unserer nationalen Wirthschastspolitik diene zur Beleuchtung des riesigen Wachsthums der deutschen Kapitalskraft gerade in den letzten Jahren, wo das System des Schutzes der nationalen Arbeit sich voll entfalten konnte, folgende Mittheilung eines Fachblattes: „In den letzten Jahren hat in Deutschland der Besitz fremder Werthpapiere in höherem Grade zugenommen als derjenige inländischer Anleihen ic. Die Summe der vom Auslande an Deutschland zu zahlenden Zinsen und Dividenden ist deshalb bedeutend gestiegen und dadurch hat sich auch die Zahlungsbilanz mehr zu Gunsten Deutschlands gestaltet als vorher. Gegenüber den für das Jahr 1884 vorliegenden Ermittelungen überstieg im deutschen Zollgebiet der Ausfuhrwerth den Einfuhrwerth um 11 085 000 Mark. Wie groß muß der Kapitalsbesitz Deutschlands sein, wenn es über 700 Millionen Mark fremder Werthpapiere aufnehmen, den Gegenwerth decken konnte, und das Guthaben Deutschlands im Auslande noch groß genug war, um einen verhältnißmäßig starken Goldzufluß zu veranlassen. Aus Großbrittanien wurden 3 150 932 $fb. Sterl. Gold eingeführt und nur 217 696 Pfd. Sterl. aus Deutschland importirt. Deutschland hat also allein aus Großbritannien 2 933 236 Pfd. Sterl. (rund 59 Mill. Mark) Gold mehr empfangen als dahin abgegeben. Die gesammte Goldeinfuhr wird auf erheblich mehr als 100 Mill. Mark geschätzt.
— Den französischen Deutschensressern, in deren Sinne zwei in Nancy erscheinende Hetzblätter eine recht gemeine Kritik an den Mitgliedern des Metzer Gemeinderaths geübt hatten, welche an der zur Begrüßung des Kaisers nach Straßburg abgesandten Abordnung theil- nahmen, ist durch eines dieser Mitglieder, noch dazu einen geborenen Altmetzer, den Stadtrath Frentz, eine derbe Züchtigung ertheilt worden. Herr Frentz hat jenen Hetzblättern nämlich eine Erklärung übersandt, worin er ihnen die Niederträchtigkeit ihres Treibens unverblümt vorhielt und zum Schluß erklärte, die Metzer Bevölkerung sei der nihilistischen Revanchepolitik überdrüssig uns wolle nicht länger in den Bahnen der Französlinge wandeln. Eine ebenso deutliche als für die Zukunft des Deutschthums in den Reichslanden ermuthigende Abfertigung!
— Die Erkenntniß, daß der Strite eine zweischneidige Waffe, hat in den Arbeiterkreisen seit geraumer Zeit stetig an Terrain gewonnen und neuere Erfahrungen treten hinzu, den gewonnenen Eindruck noch zu verstärken. So namentlich der gänzliche Mißerfolg des mit solcher Siegesgewißheit von den sozialdemokratischen Machern in Szene gesetzten Strikes der Alwnaer Bäckergesellen. Nicht allein unter den Theilnehmern an dem Strike herrschte über den gänzlichen Mißerfolg eine höchst gereizte Stimmung, auch das Publikum, welches anfänglich den Forderungen der Gesellen nicht unsympathisch gegenüberstand, hat sich durch die Ausschreitungen, welche sich dieselben haben zu Schulden kommen lassen, veranlaßt gesehen, sich abzuwenden. Es war, wie der „Hamb. Korr." schreibt, den wenigen Gesellen, welche der Lohnbewegung bis zum letzten Augenblick treu geblieben waren, anzu- sehen, daß ihnen ein Alp von der Brust fiel, als der Beschluß gefaßt wurde, den Strike aufzuheben. Die Theilnehmer sind auf die Führer höchst erbittert. Viele Gesellen beabsichtigen, aus dem Verband auszu- scheiden.
— Wien, 12. Oktober. Das Abgeondnetenhaus genehmigte ohne