Einzelbild herunterladen
 

Beilage zu Nr. 232 des Hanauer Anzeiger.

Tagessch au.

Ein psychologisches Räthsel ist die 12jährige Mörderin Schneider in Berlin. Sie hat im Juli das ^jährige Mädchen Diet­richs ihrer goldenen Ohrringe beraubt und es dann aus dem 3. Stock­werk zum Fenster hinaus auf den Hof geworfen, wo es zerschmetterte. Vor dem Schwurgericht erzählte sie alle Einzelheiten vollständig klar, kalt und theilnahmslos, als ginge sie die Sache nichts an.Warum hast Du die Dietrichs ermordet?"Ich wollte ihre Ohrringe!"Wolltest Du sie ermorden?"Ja, weil ich ihre Ohrringe wollte und sie mich hätte verrathen können."Weißt Du, welches Verbrechen Du begangen hast?" Ja, einen Mord."Weißt Du, wie ein Mörder bestraft wird?"Ja, er wird hingerichtet."Was heißt das?"Der Kopf wird ihm abge­hauen und ich werde auch hingerichtet werden."Und doch hast Du ge­mordet?"Ja ich wollte die Ohrringe."Hast Du die Schule besucht?" Ja, aber ich bin in der Klasse sitzen geblieben."Weshalb?"Weil ich faul war."Hast Du Deine Schwester lieb gehabt?"Sehr lieb nicht."Warum nicht?"Weil sie besser war als ich und darum liebte sie die Mutter mehr als mich."Bist Du manchmal von Deiner Mutter gestraft worden?"Ja, sie hat mich durchgeprügelt und mir eine Back­pfeife gegeben."Jst's wahr, daß Du ihr den Stock entrissen und auf sie losgeschlagen hast?"Ja."Hast Du niemals Reue verspürt über den Mord?"Nein!"Auch heute nicht?"Nein!"Es thut Dir also die That gar nicht leid?"Nein!"That Dir die That leid, als Du vor der Leiche bandest?"Nein!"Kennst Du das fünfte Gebot? Wie lautet es?"Du sollst nicht tödten."Kennst Du auch den Vers: wer Menschenblut vergießt, nun wie heißt es weiter?"Deß Blut soll wieder vergossen werden!" So gings weiter; die klarsten, ruhigsten Ant­worten, aber keine Thräne, kein Zug im Gesicht verändert. Es war unheimlich.Lebt Dein Vater noch ?"Nein."Wann ist er gestorben ?" Ich weiß es nicht?"Dein Schwesterchen?"Ich weiß es nicht?"Du hast Verstand", sagte der Richter,aber kein Herz."Ja!" Im Verhör kam zum Vorschein, daß das Mädchen seinen Kaninchen die Augen mit der Gabel ausgestochen und ihnen dann den Bauch aufgeschlitzt hat, zur Unterhaltung! Sie wurde zu 8 Jahren Zuchthaus verurtheilt.

Aus Stadt, Provinz und Amgegend.

Unterstühungsgesnche. Die eingegangenen Unterstützungs­gesuche der Kämpfer aus dem Kriege von 1870/71, welche als Invaliden nicht anerkannt, aber doch infolge der Kriegsanstrengung leidend geworden und geblieben sind, sollten nach einem späteren Gnadenerlasse des Kaisers nur bis Ende 1884, dann jährlich bei dem Ober-Ersatzgeschäft geprüft werden. Die große Zahl der eingegangenen Gesuche haben die angenom­mene Prüfung unthunlich, ja unausführbar erscheinen lassen, so daß die eingegangenen Gesuche auch jetzt noch der Prüfung unterworfen werden können, wenn sie dem Landwehrbezirks - Kommando vorgelegt oder dem Bezirks-Feldwebel vorgetragen werden, der dann darüber eine Verhand­lung aufzunehmen hat.

Frankfurt a. M., 2. Oktober. Ein junger Frankfurter, Herr Georg Eymer, welchem unlängst eine Haselnußschale in die Luftröhre gerieth, mußte sich auf Anrathen mehrerer Marburger und Heidelberger medicinischer Capacitäten einer gefährlichen Operation unterziehen, welche leider erfolglos geblieben ist. Die Nußschale war nicht aus der Luftröhre zu entfernen und schwebt Herr E. in Folge dessen in größter Lebens­gefahr. (G.-A.)

Frankfurt a. M., 3. Oktober. Ein hiesiger Rentner wollte gern seine Villa verkaufen und trug sie jedem an, mit dem er in Be­rührung kam. Vor einiger Zeit traf er in Karlsruhe mit einem Herrn

von vornehmem Aeußeren zusammen, der sich für einen Fabrikbesitzer aus Berlin ausgab. Diesem offerirt er ebenfalls seine Villa. Der Berliner war über den Antrag sehr erfreut, da er sich in Frankfurt niederlassen wollte und doch eine Villa hätte suchen müssen. Er versprach, nach Frankfurt zu kommen, die Villa anzusehen und sie, falls sie ihm gefallen sollte, zu kaufen. Vorige Woche meldete er sich in der Villa des Rentners und wurde sehr freundlich ausgenommen. Nachdem er das Besitzthum eingehend besichtigt hatte, willigte er sofort in den Handel ein. Man machte eine Anzahlung von 18,000 Mark aus, die der Berliner sofort zahlen und sich sofort kommen lassen wollte. Unterdessen stellte ihm der Villenbesitzer gastfreundlichst sein Fremdenzimmer zur Verfügung. Der Brief nach Berlin, worin der Käufer der Villa um sofortige Zusendung der 18,000 Mark bat, wurde scheinbar abgesandt, die Antwort ließ jedoch lange auf sich warten. Inzwischen lebte der Berliner in frohester Laune auf Kosten seines Gastfreunds. Da mit einem Male es war vor­gestern Morgen war der Freund verschwunden und mit ihm verschiedene Werthgegenstände, darunter einige Antiquitäten. Der Villenbesitzer war das Opfer eines Schwindlers geworden. Eine Frau erschien vor Gericht, stellte sich hin und hörte der Verhandlung zu. Als es ihr zu lange dauerte, trat sie vor und fragte:Wann komm ich denn emol dran?" Wer sind Sie?"Ich bin die Barbara K."Sie sind ja gar nicht verklagt; mit Ihrem Mann haben wir es zu thun."Was, mit meinem Mann, der hat zu arbeiten, den kann ich nett aus dem Tagelohn erausnemme, dazu sein ich da; ich will dem emol," auf den Kläger zugehenddie Zähne weise; Sie mit ihrem Wanzenest wolle aach noch Miethe habe; sein Se froh, daß man Ihr Haus gesäuwert hat und jetzt emol anstännig wohne kann. Mich Hots netto 3li Jahr gekost, daß ich hab säubere müsse und nett hab schlofe könne. Nachdem ich all die Käwern verbrannt, wolle Se aach noch Zins hawe. Ich thät mich aber doch schäme. Ich bezahl nix." Damit verließ die Frau, welche glaubte, dem Hausherrn die Zähne gezeigt zu haben, den Saal.

Das Urtheil lautete dem Antrag gemäß auf Zahlung und Exmission.

(F. N.)

Biebrich, 1. Oktober. Der Tunnel auf dem Mosbacher Bahnhöfe ist heute dem Verkehre übergeben worden und muß von den­jenigen Reisenden, welche von Wiesbaden und Castel kommen, oder rhein- abwärts reisen wollen, benutzt werden. Am Bahnhöfe sind Plakate fol­genden Inhalts angeschlagen: Alle Reisende, welche in der Richtung nach Coblenz fahren, steigen am Zwischen-Perron in den Zug und müssen, um dorthin zu gelangen, die Personenunterführung passiren. Es dürfte sich im Interesse des Publikums und des Bahnpersonals empfehlen, das Plakat Zwischen-Perron" am diesseitigen Tunneleingang noch mit der Bezeich­nungIn der Richtung nach Rüdesheim und Coblenz" versehen zu lassen. (B.-M. T.-P.)

Litterarisches.

Die Jllustrikte Jagdzeitung (Leipzig) hat wohlgerüstet ihren 14. Jahrgang angetreten. Nr. 1 enthält: An die Leser. Das Vor­kommen gehörnter Rehgeisen. Von Wilhelm Straßner, Domänendirektor a. D. Vom Hundehandel. Von E. Schlotfeld. Herr Schulze auf der Hühnerjagd. Im Freischütz. Von K. A. von Schulenburg. Mancherlei. Räthsel. Anekdoten. Original-Illustrationen: Aus- zug zur Falkenjagd im 15. Jahrhundert. Clemens Freiherr v. Fürsten­berg und seine Otterhundmeute. Herr Schulze auf der Hühnerjagd. Hochwildgrupe. Die Jllustrirte Jagdzeitung erscheint monatlich 2 Mal und kostet durch Post (Katalog 2464), Buchhandel oder direkt Leip­zig, Fürstenstraße 11) bezogen, vierteljährlich 1 Mk. 50 Pf. Probenum­mern gratis und franko.

♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦

Frankfurter

Uferde-Lotterie. t

Ziehung am 6. Oktober. >

:la>ose ä 3 M. & empfiehlt und versendet F. a. 306/9 <

D. Kaufmann, Lotterie-Kank, t

: _ Frankfurt a. M.

DW- Bei der vorletzten Ziehung fiel? bei 1. Preis in meine Kottefti»

In bester Geschäftslage ein Laden mit zwei daranstoßenden Zimmern zu vermiethen. Offerten rrnter L M 9 an die Exped. d. Bl erb. 8504

Z u f e r u t e.

Ein brauner Wallach, 12jähr., geritten 1- und 2spännig gefahren, vollkommen gesund, ehr billig zu verkaufen. Näh. Exp. 8868

Für das Comptoir eines hiesigen größeren Fabrikgeschäftes wird ein

Lehrling gesucht, dem daselbst Gelegenheit zur gründlichen Ausbildung geboten ist.

Offerten sub M N 20 an die Expedition d.

Blattes. 9035

Zu vermiethen: eine Wohnung von 4 Zimmern mit abgeschlosse­nem Vorplatz und Zubehör.

Näheres Schirnstraße 6. 8682 '

Zu vermiethen:

Paradeplatz 12, im neuerbauten Hause, der obere Stock, bestehend aus 6 Zimmern nebst

Zubehör. Näh. bei Andr. Borger. 8032

Zu vermiethen:

eine neu hergerichtete Wohnung von 4 Zimmern

und Zubehör im 1. Stock. 8955

Auheimerweg 4 ist die obere Wohnung von 7

Zimmern zum 1. Januar event, auch früher zu

vermiethen. 9056

Kirchg. 12 eine Mansarden-Wohnung. 9064

Schnurg. 7, 1 Tr., 2 m. Zim. m. 2 Betten

an 1 od. 2 Herren auch Damen zu verm. 9074