Bekanntmachung.
Wir machen darauf aufmerksam, daß an unserer Gerichtstafel, an der zu öffentlichen Bekanntmachungen bestimmten Stelle der Gemeinde Oberissigheim und in dem Anzeiger des Amtsblattes der Königlichen Regierung zu Caffel Behufs Grundbuchregulirung in der Gemarkung Oberissigheim ein Aufgebot von uns erlassen ist.
Hanau, den 21. September 1886.
Königliches Amtsgericht III.
I. V.: Fuchs.
Tagesscha«.
— Berlin, 23. Sept. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen, wie der „R. u. St.-A." aus Baden-Baden meldet, gestern Vormittag den Vortrag des Wirklichen Geheimen Raths v. Wilmowski entgegen, statteten Mittags der Prinzessin Biron von Curland einen Besuch ab und machten später eine einstündige Spazierfahrt. Den Thee nahmen Se. Majestät bei Ihrer Majestät der Kaiserin ein.
— Berlin, 23. Sept. Die Bekanntmachungen betreffend die Verlängerung des kleinen Belagerungszustandes für Berlin uud Umgegend, sowie für Mona und Umgegend werden amtlich veröffentlicht.
— In seinem Toast beim Bankett der Naturforscher erzählte Professor H o f m a n n Folgendes : Ich hatte in der Singakademie einen Vortrag über Spektral-Analyse gehalten; nach Beendigung desselben trat Kaiser Wilhelm an mich heran und sagte: „Ich bin wohl vorbereitet hierher gekommen. Da es selbstverständlich ist, daß man das Sonnen- spektrum am Abend nicht sehen kann, so bin ich heute Morgen nach der Sternwarte gefahren und habe es mir dort angesehen. Nun habe ich aber auch Ihren Vortrag verstanden." Ist das nicht ein charakteristischer Zug des Kaisers, des 90jährigen Monarchen? Er studirt gewissenhaft das schwierige Thema der Spektral-Analyse, um mit Verständniß dem Vortrag folgen zu können! Nicht allzu viele Zuhörer werden das von sich rühmen können. (Dfz.)
— Zufolge Allerhöchster Bestimmung ist der Stab der 8. Infanterie- Brigade, sowie der Regiments-Stab und das 1. Bataillon 4. Pommer- schen Infanterie-Regiments Nr. 21 zum 31. März 1887 von Bromberg nach Thorn zu verlegen.
— Wilhelmshafen, 22. Sept. Durch Cabinetsordre vom 7. ds. ist 1) bestimmt, daß den im Laufe des Jahres 1885 an Bord S. M. Schiff Bismarck kommandirt gewesenen Leuten und Offizieren die bezügliche Dienstzeit, unabhängig von der Dauer dieses Commandos, bei der Penfionirung doppelt in Anrechnung zu bringen ist; 2) daß der Besatzung S. M. Schiff Olga die Dienstzeit vom 1. Januar bis zum 21. Mai 1885, dem Tage der Rückkehr des genannten Schiffes in die Nordsee, bei der Penfionirung ebenfalls doppelt angerechnet wird.
— Wilhelmshafen, 23. Sept. Der Dampfer Roma mit Ablösungsmannschaften vom Bismarck und Nautilus ist aus Ostasien auf der hiesigen Rhede eingetroffen.
— Köln, 23. Sept. Die 1. Post von London vom 22. Morgens ist ausgeblieben. Das Schiff ist in Ostende wegen ungünstiger Witterung im Canal nicht angekommen.
— Danzig, 23. Sept. Das große Uebungsgeschwader, welches während der letzten drei Tage unter Theilnahme des Chefs der Admiralität, General-Lieutenants v. Caprivi, als Schlußmanöver die Blockade der Ostseeküste von Danzig bis Memel ausgeführt hatte und heute Vormittag mit einer Flaggenparade von Zoppot aufgelöst wurde, ist nach Kiel zurückgekehrt. Der Chef der Admiralität verließ in Neufahrwasser das Geschwader und begab sich hierher.
— Hamburg, 22. Sept. In der heutigen Sitzung der Bürgerschaft ist an Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Dr. Otto Stammann zum rechtsgelehrten Mitgliede des Senats gewählt worden.
— Wien, 23. Sept. Cholerabericht. In Triest 4 Erkrankungen und 1 Todesfall, in Budapest 36 Erkrankungen und 19 Todesfälle (davon 16 von früher Erkrankten), in Fiume 2 Erkrankungen, in Komorn 3 Erkrankungen und 1 Todesfall, in Neusatz 2 Erkrankungen und ein Todesfall. (F. R.)
— Wien, 23. Sept. Die „Wiener Zeitung" veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung, betreffend die Unzulässigkeit der Pfändung von Fahrbetriebsmitteln fremder Eisenbahnen.
— Pest, 23. Sept. Anläßlich der Besprechung der Stellvertretung des Fürsten Bismarck im Bereich des Auswärtigen Amtes sagt das Journal „Nemzet", das deutsch-österreichische Bündniß bliebe aufrecht und unverändert, trotz der Angriffe derjenigen, welche eine solche weltgeschichtliche Gestaltung von einem localen und Parteistandpunkte aus kritisiren.
— Genua, 22. Sept. Der Kronprinz ist heute Nachmittag 41/s Uhr in Santa Margherita angekommen und von der Frau Kronprinzessin und seinen Töchtern empfangen worden. Die hohen Herrschaften begaben sich zu Fuß nach Portofino.
— Haag, 23. September. Die Socialistenführer Domela und Neiuwenhuis wurden zu einjähriger Haft verurtheilt.
— Madrid, 23. Sept. Villecampa und Gonzales, die Häupter des Aufstandes, sind gefangen genommen.
— Madrid, 22. Sept. Der Ministerrath, unter dem Vorsitz der
Königin, entschied, bei der jetzigen Politik zwar zu beharren, gleichzeitig z jedoch Maßregeln gegen die Verbreitung antimonarchistischer Bestrebungen zu treffen. — Ein Tagesbefehl des Generals Pavia verbietet den Zei-^s tungen jede Meldung und jeden Commentar über den Proceß gegen die! Aufständischen, sowie jede Erörterung der Disciplin der Armee und der' öffentlichen Ordnung. (Rh. K.fi-
— General Boulanger ist von Laföre zurückgekehrt, wo er den! Schießversuchen mit neuen Sprenggeschossen beigewohnt hat, die zur Zerstörung von Festungswerken dienen sollen. Laut „Figaro" haben die Versuche eine furchtbare Sprengkraft bewiesen, welche die des Dynamit in erschreckender Weise übertrifft. Die neuen Geschosse verhalten sich zu Dynamit, wie dieses zu dem Schießpulver. Demnächst sollen neue Versuche im Beisein des Budgetausschusses angestellt werden.
— London, 23. Sept. (K. Z.) Dem Reuter'schen Bureau wird! vom 22. ds. aus Ma ndale gemeldet: Als heute früh die Thüren der! öffentlichen Wohlthätigkeitsanstalt geöffnet wurden, um Lebensmittel an V die von der jüngsten Ueberschwemmung Betroffenen zu vertheilen, stürzte sich ein Haufen Nothleidender gewaltsam gegen die Thüren, wobei 12 Personen zertreten und 8 verwundet wurden. Fast 6000 Personen empfingen im Laufe des gestrigen Tages Lebensmittel.
— General v. Kaulbars, der in besonderer Mission nach Bulgarien abgeschickte russische Militär, stammt, nach der „Dfz.", aus einer altadeligen Famile Esthlands. Das Familiengut der Kaulbars heißt Mödders. Der General bekennt sich zur lutherischen Konfession. Kaulbars gehört den Offizieren des Generalstabes an, steht in den vierziger Jahren und gilt als ein sehr fähiger Offizier. Im Jahr 1878 begleitete er die österreichische Armee bei ihrem Feldzug nach der Herzegowina und Bosnien und entledigte sich später einer militärischen Mission in Montenegro zur Zufriedenheit der rufsischen Regierung. Später hatte er zu verschiedenen Malen Aufträge in Bulgarien. Während des Feldzuges des Fürsten Alexander gegen die Serben hatte er in Pirot eine längere, seiner Zeit von der Presse erwähnte Unterredung mit dem Fürsten wegen Abschlusses eines Waffenstillstandes. Kaulbars präsidirte alsdann der internationalen Militär-Kommission, welche die Demarkationslinie zwischen den kriegführenden Serben und Bulgaren nach Abschluß des Waffenstillstandes zu bestimmen hatte. In neuester Zeit war Kaulbars, wie die Russen es nennen, Militäragent in Wien. Der Bruder von Kaulbars war Kriegsminister in Bulgarien und gerieth mit dem Fürsten Alexander in Streit, in Folge dessen er schließlich seinen Posten aufgeben mußte.
— Konstantinopel, 23. Sept (K. Z.) Der Herzog von Edinburg, der mit dem Sohne des Prinzen von Wales seit dem 20. hier - weilt und als Gast des Sultans in Aildiz Kiosk selbst Wohnung genommen hat, war bis gestern Abend vom Sultan nicht empfangen ' worden; der Besuch hat wegen angeblicher Krankheit nicht stattfinden , können.
— Am Kamerun wird noch im Laufe dieses Jahres die Basier Missionsgesellschaft ihre Arbeit beginnen. Die englischen Baptisten, welche in Victoria eine Niederlassung besaßen, haben Land und Gebäude an die Missionsgesellschaft zu Basel verkauft. Diese ist durch Schenkungen in den Stand gesetzt worden, die ziemlich hohe Ankaufssumme daran zu wagen. Hiermit tritt, dem mit England abgeschloffenen Vertrag entsprechend, ganz Kamerunland unter deutschen Schutz.
— New-Do rk, 21. Sept. Die Sozialisten Liebknecht und Dr. und Frau Aveling hielten gestern Abend vor einer 5000 Personen zählenden Versammlung Reden. Im Laufe seiner Ansprache erklärte Liebknecht, daß die kürzlich in Chicago verurtheilten Sozialisten unschuldig seien, und er werde dafür wirken [?], daß ihnen ein neuer Prozeß bewilligt würde. Dann sagte er: „Wir kämpfen gegen das Blut- und Eisensystem Bismarcks und seine rohe Gewalt." Frau Aveling erklärte, daß der Socialismus Tod und Schrecken verbreiten muffe und nicht länger friedlich und ruhig bleiben dürfe. Es wurde beschlossen, den deutschen und englischen Sozialisten telegraphisch Grüße zu senden. (K. Z.)
— Hamburg, 22. September. Der Postdampfer „Slavonia" Der Hamburg - Amerikanischen Packetfahrts - Aktiengesellschaft ist in Nerv-Ion eingetroffen. ■
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
(Freiwillige Feuerwehr.) Dem Vorstand der freiwilligen ; Feuerwehr ist von dem Herrn Landrath Grafen v. Bismarck folgendes Schreiben zugegangen:
Hanau, den 23. September 1886.
Die Gefahr, welche in der vorgestrigen Nacht einem Theile der Stadt drohte, ist glücklich besiegt worden durch das Verdienst der Freiwilligen Feuerwehr, welche in kürzester Frist auf der Brandstelle erschien und mit Unerschrockenheit und Umsicht die Löscharbeiten verrichtete.
Ich habe mich gefreut, daß die Thätigkeit der Mannschaft im Ernstfälle mit der gleichen Ruhe und Sicherheit entwickelt wird, wie wir im Spiel erst kürzlich bei der Jubelfeier zu sehen Gelegenheit hatten, und es ist mir Bedürfniß, der gesammten Feuerwehr meinen Dank und meine Anerkennung für die Leistungen jener Nacht aus zusprechen.
Der Königliche Landrath Graf Bismarck.