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Nr. 220
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Montag den 20. September
1886.
Abonnements-Einlsidung.
Mit dem 1. Oktober 1886 beginnt ein neues Abonnement auf den „Hanauer Anzeiger", zugl eich amtliches Organ für StaM- und Landkreis Hanau.
Derselbe bringt täglich die amtlichen Bekanntmachungen für den Stadt- und Landkreis Hanan, hält seinen Leserkreis stets bezügl. der wichtigsten politischen und Tagesereignisse auf dem Laufenden, bietet Cours- und Marktberichte, kirchliche, lokale und provinzielle Nachrichten, Auszüge aus den Verhandlungen des Reichs- und Landtags, aus denen des Provinziallandtags, die Protokolle der Sitzungen der Handelskammer sowie des Gemeinde- Ausschusses, ferner Geschäfts- und Privat - Anzeigen. Das Unterhaltungsblatt enthält neben spannenden Erzählungen reiches Mannigfaltige.
Zur Veröffentlichung von Inseraten jeder Art eignet sich der „Hananer Anzeiger" seiner starken Verbreitung halber ganz besonders und kostet die ispaltige Zeile nur 10 Pf.
Der Abonnementspreis beträgt M. 2.25 pro Quartal und nehmen sowohl die Expedition (Waisenhaus) als auch sämmtliche Postanstalten Bestellungen entgegen.
Nicht gekündigte Abonnements gelten als stillschweigend erneuert.
Neu zutretende Abonnenten erhalten den Anzeiger vom Tage der Bestellung ab bis Anfang des Quartals unentgeldlich.
Die Expedition des Hanauer Anzeigers.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Verloren: Ein seidener Regenschirm. Ein Spazierstock.
Entlaufen: Ein brauner Hühnerhund mit gelben Abzeichen.
Entflogen: Ein Kanarienvogel.
Gefunden: Ein gelbes Armband (in den Bruchköbeler Steinbrüchen). Ein Portemonnaie mit Geld. Ein Meffer. Ein Spazierstock. Ein weißes Taschentuch. Eine Brille. Ein schwarzes Frauen - Umhänge- tuch (auf dem letzten Wochenmarkt). Ein Kinderschuh. Ein Geschichten- Buch. Zwei Notizbücher. Ein Militärpaß für Johann George K o h I e p p aus Schwarzenfels. Ein kleiner Messingkrahnen.
Hanau am 20. September 1886.
Aus Königl. Landrathsamt.
Tagesscha«.
P. Aus dem Reichstage. Berlin, 18. Sept. Der Reichstag erledigte in seiner heutigen Sitzung zunächst den deutsch-spanischen Handelsvertrag in erster und zweiter Lesung. In der längeren Discussion fand der vorliegende Vertrag auf keiner Seite principiellen Widerspruch, dagegen wurde namentlich von deutschfreisinniger Seite der Versuch gemacht, die gegenwärtige Handelspolitik der Regierung zum Gegenstände einer abfälligen Kritik zu machen. Staatssecretär im Reichsamte des Innern v. Boetticher trat den deutschfreisinnigen Ausführungen mit großer Entschiedenheit entgegen und wies ebenso wie der Reg.-Comm. Geh. Ober-Reg.- Rath Schraut nach, daß an dem unter der Herrschaft der neuen Wirthschaftspolitik stattgehabten Aufschwünge des deutschen Exporthandels jeder Zweisel ausgeschlossen, wie auch von den Vertretern der Industrie und des Handels die Wahrung ihrer Interessen von Seiten der Regierung unzweideutig anerkannt worden sei. Der Vertrag selbst wurde unverändert genehmigt. Den zweiten Gegenstand der Tagesordnung bildete der Rechenschaftsbericht über die von der sächsischen Regierung auf Grund des § 28 des Socialistengesetzes getroffenen Anordnungen. Der Bericht wurde nach längerer Debatte, in deren Verlauf der Sächsische Bundesbevollmächtigte Graf Hohenthal Gelegenheit nahm, die völlige Uebereinstimmung der sächsischen Regierung mit der auswärtigen Politik des Reichskanzlers und ; insbesondere auch in Bezug auf die bulgarische Frage besonders zu be- । tonen, für erledigt erklärt. Montag: Dritte Lesung des deutsch-spanischen Handelsvertrages.
— Berlin, 18. Sept. Se. Majestät der Kaiser haben Allergnä-
digst geruht den Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Grafen von Bismarck-Schönhausen, nach Maßgabe des Gesetzes vom 17. März 1878 (R.-G.-Bl. S. 7) mit der Stellvertretung des Reichskanzlers im Bereich des Auswärtigen Amts zu betrauen.
— Berlin, 18. Septbr. Se. Majestät der Kaiser und König begaben Sich, wie der „R. u. St.-A." aus Straßburg meldet, heute Vormittag 10 Uhr zu den Manövern bei Mommenheim. Heute Nachmittag empfangen Se. Majestät die Deputation des Metzer Gemeinderaths, welche auch zur Kaiserlichen Tafel geladen ist. Für heute Abend 8l/s Uhr ist ein Festzug der Straßburger Vereine in Aussicht genommen.
— Berlin, 18. Septbr. Nach den mit dem Staatssekretär von Bötticher gepflogenen Verhandlungen werden die Arbeiten für den Nordostsee Canal im Wege der Verdingung ausgegeben und in Theile von 3 bis 5 Millionen Mark zerfallen. — Die in Holstein errichtete „Königliche Fachschule für Maschinisten auf Seedampfern" wird in nächster Zeit eröffnet, sie ist dem Handelsminister untergeordnet und wird von dem frühern Marine-Ingenieur Ballandt geleitet. Die Schule hat drei Klaffen, die Unterrichtszeit währt 25 Wochen, vom Oktober bis April jeden Jahres. Die Privatanstalten konnten den vom Staat gemachten Anforderungen nicht genügen und so ist diese Staatsanstalt mit allen Hülfsmitteln ausgerüstet, welche eine gediegene Ausbildung der Maschinisten hoffen lassen.
— Berlin, 18. Sept. Die Naturforscherversammlung wurde heute Vormittag um IP/a Uhr vor einem äußerst zahlreichen Publikum durch Professor Virchow mit einer Rede eröffnet, welche mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser schloß. Virchow theilt sodann mit, daß der Kaiser es sehr bedauere, durch seinen Besuch in den Reichslanden an der Beiwohnung des Congreffes verhindert zu sein und verliest ein Schreiben der Kaiserin gleichen Inhalts, sowie eine ähnliche Mittheilung des Kronprinzenpaares. Unterstaatssecretär Lucanus begrüßt die Versammlung Namens des Cultusministers und verliest ein überaus sympathisches Schreiben desselben; Oberbürgermeister v. Forckenbeck heißt die Versammlung Namens der Stadt, Rector Kleinert Namens der Universität willkommen. Die Versammlung beauftragte den Vorstand, den Majestäten den ehrerbietigen Dank zu übermitteln und wählte Wiesbaden zum nächstjährigen Versammlungsort. Geheimer Hofrath Frese und Sanitätsrath Pagenstecher wurden zu Geschäftsführern für die nächste Versammlung gewählt; Werner Siemens eröffnete alsdann die Reihe der Vorträge mit einer Rede über das naturwissenschaftliche Zeitalter.
(F. N.)
— Der Konsens zur Verheirathung eines Offiziers des See Bataillons vom Hauptmann 2. Klasse abwärts darf vom 1. April 1887 ab nur dann bei Sr. Majestät nachgesucht werden, wenn der betreffende Offizier aus seinem oder seiner Braut eigenem Vermögen ein sicheres Privat-Einkommen nachzuweisen im Stande ist, welches mindestens betragen muß: bei einem Hauptmann 2. Klasse 1500 Mk. und bei einem Subaltern-Offizier 2500 Mk. jährlich.
— Straßburg, 18. Sept. Der Kaiser wohnte den Feldmanövern des fünfzehnten Armeecorps, welche heute endeten, auf der Höhe östlich von Nimwersheim bei. Gleich nach 1 Uhr sammelten sich die Commandeure um den Kaiser, welcher dem Corps seine Anerkennung aussprach, sich verabschiedete und nach Straßburg zurückkehrte, wo er um 2V- Uhr eintraf und von enthusiastischen Zurufen der zusammengeströmten Menge begrüßt wurde.
— Straßburg, 18. Septbr. Der Kaiser hat aus Anlaß seiner Anwesenheit im Reichslande eine große Reihe Auszeichnungen verliehen.
— P e st, 18. Sept. Die Session des Parlaments wurde wieder eröffnet. Im Abgeordnetenhause interpellirte der frühere Minister Hovath, ob das Auswärtige Ministerium vorher und unter gewissen Bedingungen sich mit der Entfernung des Fürsten Alexander einverstanden erklärt habe, ob sich Rußland der Allianz zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn angeschlossen habe, endlich welche Stellung Deutschland eiunehme, falls Oesterreich-Ungarn gegen die Ausbreitung des russischen Einflusses in den Balkanländern Stellung nehmen müßte.
— Madrid, 18. Sept. Die „Correspondencia", ein ministerielles Blatt, meldet von carlistischen Wühlereien an der östlichen Pyrenäen-