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Beilage zu Nr. 209 des Hanauer Anzeiger.

T a g e s sch au.

DiePharmaceutische Zeitung" schreibt: Die Ausfuhr von Dro- guen und Chemikalien nach Japan aus Deutschland gewinnt von Jahr zu Jahr mehr an Bedeutung. Das Droguengeschäft wird zum größten Theil durch die in Japan befindlichen deutschen Firmen vermittelt. Ehe­mals mußten alle für medizinische Zwecke zur Verwendung kommenden Artikel englischen Ursprungs sein, in den letzten drei Jahren indeß wird der deutsche Ursprung zur Bedingung gemacht, weil unsere Präparate reiner sind und den Anforderungen der Pharmakopöe entsprechender gelie­fert werden, als die englischen. Haupsächlich werden aus Deutschland bezogen: Alcidum Boricum, Carbolicum, Salicylicum, Tannicum und Salicyl- und Chininpräparate, ferner Chloralhydrat, Chloroform, Cocain, Hydochloraticum, Cremor tartari, Glycerin, Jod- und Opium-Präparate, endlich auch Santonin. Von medizinischen Präparaten kommt nur noch Alcidum tartaricum aus England, wovon jährlich etwa 20 000 englische Pfund eingesührt werden. Ebenso werden die für technische Zwecke ge­brauchten Massenartikel, bei denen dort weniger auf vollständige Reinheit gesehen wird, aus England eingeführt. Dahin gehören: Chlorkalk, kausti­sche Soda, Waschsoda, Sodaasche, chlorsaures Kali. Für diese Artikel wird die deutsche Industrie den japanischen Markt noch zu erobern ha­ben.

Die Handelskammer zu Osnabrück sagt in der Einleitung ihres diesjährigen Jahresberichtes Folgendes:Die erfreuliche Wahr­nehmung, daß die Jntereffenkreise unseres Bezirks in den letzten Jahren bereitwilliger als früher unseren Anforderungen, betreffend die Bericht­erstattung über die Lage von Handel und Gewerbe, entsprechen, dürfen wir auch in diesem Jahre bestätigen. Es ist nicht zu verkennen, daß das wohlwollende Interesse, welches Staats- und Reichsregierung unter der Initiative des Herrn Handelsministers und Reichskanzlers der gutacht­lichen Thätigkeit der Handelskammern zuwenden, auf die betheiligten Kreise anregend und ermuthigend wirkt!"

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

Fr ankfurt a. M., 6. September. Der König von Portuga besuchte gestern unter Führung des General-Consul L. von Erlanger den Zoologischen Garten und nahm daselbst den Cafö ein. Hierauf begab sich derselbe nach dem Palmengarten. Er sprach sich über beide Etablisse- ments höchst anerkennend aus. Vorher besichtigte er das Bethmann'sche Museum und die sich daran anschließenden großen Gartenanlagen. Der rege Verkehr, welcher heute Morgen an und in der Lederhalle herrschte, bestätigt unsere am Samstag ausgesprochene Ansicht, daß die Lederhändler und Gerber nur deshalb mit der Einlagerung zurückgehalten haben, weil sie bei der herrschenden Hitze üble Folgen für das Leder beim Lagern über Sonntag in der Lederhalle fürchteten. Die Zufuhr ist heute eine äußerst lebhafte gewesen, namentlich wurde mehr Schafleder als jemals in einer früheren Messe eingelagert. Auch Sohl- und Oberleder sind reichhaltig vertreten, so daß die heurige Messe keineswegs hinter ihren Vorgängerinnen zurückbleiben wird. Ueber das Geschäft im Allge­meinen läßt sich heute noch wenig sagen, jedoch scheint dasselbe sich recht günstig zu gestalten. Vier aus der Wein-Ausstellung kommende be­zechte Menschen fanden vorgestern Abend in der Alten Mainzergaffe eine Droschke, deren Kutscher sich auf einen Augenblick entfernt hatte. Sie setzten sich in den Wagen, hieben dann auf das Pferd und fort ging es nach der neuen Mainzerstraße zu, wo das Fuhrwerk anprallte, umstel und Schaden nahm. Der Kutscher stellte gegen die vier Herren Straf- antrag. (G.-A.)

Frankfurt a. M., 7. September. Am Sonntag wurden am Schaumainquai zwischen den dort aufgestellten Pflastersteinen Uniform­stücke und ein Säbel eines Soldaten aufgefunden. Wahrscheinlich rühren sie von einem Deserteur her, der damit die Annahme hat erwecken wollen, als habe er im Maine den Tod gesucht. Die Fundstücke wurden der Polizei überliefert. Auf dem gestrigen Aepfelmarkt wurden Geschäfte zu 88V2 Mark auf Termine abgeschlossen. Aufgelesene Aepfel, aus welchen jetztSüßer" gemacht wird, erzielten 4 Mark pro Malter. Wie es heißt, ist in manchen benachbarten Gemeinden die Aepfelernte eine ausgezeichnete. Die Taunusorte halten mit ihrem Angebot noch zurück. Einem hiesigen Spezereihändler wurde dieser Tage die Summe von 130 Mark entwendet. Er hatte sie nach Schluß des Geschäftes in eine Kassette gethan, diese in seinem Parterre gelegenen Schlafzimmer unter das Bett gestellt und war dann mit seiner Ehefrau in eine benachbarte Wirthschaft gegangen, um dort noch ein Glas Bier zu trinken. Als sie nach etwa drei Viertelstunden zurückkehrten, fanden sie das nach der Straße gelegene Fenster des Schlafzimmers geöffnet und die Kassette nicht mehr vor. Eine Spur des Diebes war nicht zu entdecken. An dem Nadelwehr bei Griesheim stürzte gestern Vormittag ein Rachen, in welchem sich ein Lehrer mit drei, Zöglingen befand, um. Der Lehrer sowohl wie

seine Pflegebefohlenen, die sich die neuen Canalisationsarbeiten ansehen wollten, wurden durch Schiffer gerettet. Die jungen Leute baten ihre Retter, mit nach dem elterlichen Heim zu kommen. Dort erzählten sie den Vorfall, worauf die Mutter den muthigen Rettern einige Hundert Mark spendete. (F- N.)

Aus dem Rheingau, 3. September. Die überraschende Wendung des Spätsommerwetters, welches besonders der Traubenreife zu Gute kommt und die Winzer mit der Hoffnung erfüllt, bei geringer Quantität wenigstens einen qualitativ guten Herbst zu erzielen, erinnert nach demRh. K." an einen anderen Jahrgang, von dem man allerdings rühmen konnte: Ende gut, Alles gut. Der Winter 1830/31 war streng und wenig schneereich, so daß die Reben allenthalben erfroren, selbst stellenweise die ganzen Stöcke zu Grunde gingen. Die Hoffnung auf Weinertrag war gleich Null und so wurde in Gütern von 20 Morgen nur selten bis 1/2 Stück Wein geerntet. Die Witterung des ganzen Sommers war anhaltend derart ungünstig, daß der September dem October noch vollständig harte Trauben lieferte; am 2. October aber gab es ein Gewitter, dem eine vollständige Aenderung der Witterung folgte, kurz, der October wurde zum herrlichsten Sommermonat und zeitigte die vereinzelten Knottrauben zu solch' edler Reife, daß für ein Stück (1200 Liter) 1831er Jahrgangs, auf Schloß Johannisberg erzielt, der namentlich für jene Zeit besonders hohe Preis von 13,000 Gulden (von Herrn Baron von Rothschild in Frankfurt a. M.) gezahlt wurde. Wir theilen dies nach den Ueberlieferungen des verlebten damaligen fürstlichen Keller­meisters Heckler von Eltville mit, eines Mannes, der sich überhaupt um den Weinbau sehr verdient gemacht und speciell den Johannisberg zu dem vorzüglichsten Rufe brächte, dessen er sich nun im In- und Aus­lande erfreut.

Ueber die Lage der Geschäfte im Reg.-Bez. Wiesbaden ist zu melden, daß eine Wendung zum besseren im Allgemeinen nicht eingetreten ist. Was die landwirthschaftlichen Gewerbe betrifft, so hat sich das Ge­treidegeschäft in ruhigen Grenzen bewegt. Die Preise für Fettvieh sind den reichlich vorhandenen Futtermitteln entsprechend etwas zurückgegangen und in Folge dessen auch diejenigen des Fleisches, der Butter und der Eier. Jung- und Zuchtvieh sowie Melkkühe dagegen sind gefragt und behaupten somit auch die gewohnten hohen Preise. Ein außergewöhn­lich günstiges Resultat haben die in diesem Frühjahre stattgehabten Wein­versteigerungen geliefert. Die Königliche Domäne sowohl als auch Pri­vate haben selten hohe Preise, namentlich für die 1884er und die noch vorhandenen älteren Gewächse erzielt. Der Betrieb der Schaumwein­fabriken gewinnt fortdauernd an Ausdehnung Der Handel in Nutz­holz war lebhaft, besonders in leichterem Rundholz, auch in Borden und Dielen war starke Nachfrage. Brennholz ging nur wenig ab; doch be­ginnen einzelne Private schon jetzt ihren Bedarf für den nächsten Winter zu decken. Wegen der kalten Witterung war das Kohlengeschäft in Haus­brandkohlen ziemlich lebhaft. Die Lage des Eisenerzbergbaues erfuhr in den letzten drei Monaten einen weiteren Rückgang, weil die Nachfrage nach hiesigen Erzen in Folge des starken Wettbewerbs spanischer und luxemburgischer Erze sich fortwährend verminderte und die Erzpreise sehr gedrückt waren. Für Manganerze blieb der Begehr ziemlich lebhaft, der Preis derselben ging aber ebenfalls zurück.

Oberingelheim, 4. Sept. Unsere Stadt befindet sich in ungeheurer Aufregung; vom 3. zum 4. September kam nämlich nach­einander an vier Stellen und zwar meist in stroh- oder getreidegefüllten Scheunen Feuer aus, dessen Bewältigung nur der aufopferndsten An­strengung der hiesigen tüchtigen Feuerwehr und der thatkräftigen Beihilfe der Feuerwehren aller Nachbarorte gelang. Es scheint bereits erwiesen, daß Brandstiftung vorliegt und die Gendarmerie hat auch schon drei ver­dächtige Personen verhaftet. Ein dem Bürgermeister zugegangener Brief droht weiteres Unheil durch Brandlegung, so daß allenthalben Feuerwachen aufgestellt werden mußten. (Rh. K.)

Darmstadt, 5. Sept. Seit heute tagt in unserer Stadt die Versammlung deutscher Forstmänner. Von allen Gauen des Deutschen Reiches ziehen sie heran die Männer des Waldes und des edlen Waid­werks. Im Bahnhof wurden sie vom geschäftsführenden Ausschuß be­grüßt und in ihre Quartiere geleitet. Die Stadt hat zu Ehren der Gäste Festschmuck angelegt und wenn der Himmel noch Einsehen hat, so hofft man auf ein schönes Fest, da die Stadt alles aufbietet den Fest­gästen den Aufenthalt so angenehm wie nur möglich zu machen. Morgen V28 Uhr Beginn der Versammlungen. (0. Z)

Darmstadt, 6. Sept. Der Großherzog wohnte heute Vor­mittag der hier im Saalbau tagenden Versammlung deutscher Forst­männer bei und empfing Mittags die Theilnehmer im Jagdschlösse Kranichstein, woselbst die dort aufgestellten Sammlungen in Augenschein genommen und Erfrischungen herumgereicht wurden. Die Stadt hat zur Feier des Tages geflaggt und veranstaltet auf ihre Kosten ein Concert.