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Nr. 205.
Donnerstag den 2. September
1886.
So laßt uns festlich wiederum begehen Der deutschen Waffen Ehrentag: Sedan, Laßt aus der Zeiten Schooße neu entstehen Vergangener Tage ruhmgekrönte Bahn. Ist stiller auch die Feier nun geworden Und weniger rauschend nun des Festes Prunk, So lebet doch im Süden wie im Norden Der Sedantag in der Erinnerung.
Auch heute rufen wir's, die Jungen, Alten: Wir wollen dich, Sedan, in Ehren halten!
Wohl sind vergangen sechszehn Jahre schon, Seit jenes Tages blutigem Kampf und Streiten, Doch daß sein Leben ließ so mancher deutsche Sohn, Deß denken heute wir und alle Zeiten. Für's Vaterland, für's theure, setzten ein Ihr Gut und Blut die Bayern und die Sachsen, Das deutsche Volk vom Riemen bis zum Rhein, Es war zu einem Ziele eng verwachsen. Und dieses Ziel, geeint das Reich zu sehen Ließ Alle sie vereint zusammenstehen.
K e dan 1886.
Was durch der Schwaben, der Badenser Tapferkeit, Durch Preußens Kriegskunst schwer genug errungen, Was durch der nordischen Stämme treuer Zähigkeit, Was nach Jahrhunderten nun endlich doch gelungen, Daß jetzt, so weit die deutsche Zunge klingt, Mit stolz sich Alle deutsche Brüder nennen, Daß uns kein Feiud mehr auseinander bringt — Das wollen heute freudig wir bekennen.
„Genug der Feier?" — Manche wollen's wiffen — Wir wollen unser Sedansfest nicht missen!
Wir feiern weiter jedes neue Jahr
Das deutsche Fest und immer wieder bringen
Wir neuen Lorbeer den Gefallenen dar,
Die muthig in den Tod für uns einst gingen.
Nun sitzt ein deutscher Kaiser auf dem Thron,
Ein Schutz und Schirm dem neuen deutschen Reiche,
Des Sieges Lorbeer schlingt sich um die Krön', Beschattet von der heiligen deutschen Eiche. Heil Kaiser Wilhelm, Heil! So grüßen Dich Millionen, Die unter Deines Szepters Milde wohnen.
Vergiß ihn nimmer, jüngeres Geschlecht, Den Sedantag und halte ihn in Ehren; Wer weiß, wie bald es gilt, das deutsche Recht Vor welschem Uebermuth zu schützen und zu wehren! Wir sind es wahrlich nicht, die das Revanchegeschrei Dort drüben fördern, denn wir wollen Frieden, Doch muß es sein — wir Alle sind dabei, Wenn uns des Kaisers Ruf in's Feld beschieden. Daß nimmer deutsche Treue ist zu beugen, Das soll der Welt der Sedanstag bezeugen.
6. Ritter.
Zum Sedantage 1886.
Bereits im vergangenen Jahre gab es Leute, die da meinten, das Sedansest sei nun genugsam gefeiert und man könnte fortan von einer Feier in Schule und Haus und in Vereinen absehen. Bereits im vergangenen Jahre hat sich diese Meinung als eine fälschliche erwiesen und die Thatsachen bewiesen, daß dem deutschen Volke die Feier des Sedan- festes nach wie vor Herzensbedürfniß. Und wer einigermaßen mit offenen Augen das Volksleben verfolgt, der wird sehr bald zu der Ueberzeugung gelangen, daß ein Aufhören der Sedanfeier sich weder dekretiren läßt, noch daß ein solches Dekret sonderliche Wirkung auf die Feier ausüben könnte. Daß dem aber so ist, das hat verschiedene Gründe. Zunächst läßt es sich gar nicht bestreiten, daß die Feier des Sedantages eine schon so festgewurzelte und durch die Gewohnheit lieb gewordene im deutschen Volke ist, daß man sie mit Recht eine ächte und allgemeine Volksfeier nennen kann; und solche Volksfeiern pflegen sich von Geschlecht zu Geschlecht fortzuerben. Sodann fühlt wohl ein Jeder, — da an der gewaltigen geschichtlichen Bedeutung des Sedantages, die ja fünfzehn Jahre lang in Schule, Haus und Kirche und im öffentlichen Leben gründlich und erschöpfend dem Volke dargelegt worden, niemand zu rütteln wagen wird, — daß es doch immerhin direkt oder indirekt der Bedeutung des Tages Abbruch zu thun heißt, wenn man die öffentliche Feier beschränken oder gar auf innere, engere Kreise allein reduziren wollte. Ferner wird Niemand leugnen wollen, daß in der Feier des Sedantages ein Stück guter, alter deutscher Pietät enthalten, insofern als in Ehren der deutschen Söhne gedacht wird, die ihr Blut für des Vaterlandes Ehre und Freiheit auf dem Schlachtfelde dahin- gaben. Es ist etwas Besonderes, Rührendes, das doch von jeder Sentimentalität sich freihält, in der Pietät, mit der ein deutsches Herz der Getreuen gedenkt, die längst zu Staub zerfallen; es ist etwas so Herzliches, Herzbewegendes in der biederen deutschen Art, in der sich der alte,
nunmehr oft schon graubärtige Krieger der Waffengefährten erinnert, mit denen er auf Sedans weitem Schlachtenplan gestanden. Und diese Pietät, diese biedere deutsche Art, wir wollen sie erhalten, hegen, pflegen.
Man hat, in gewiß wohlmeinender Absicht darauf hingewiesen, daß man „genug des Feierns" sein lassen solle, um das krankhafte Ehrgefühl des besiegten Nachbars zu schonen. Es liegt ein wenig Berechtigung in dieser Ansicht — man soll nicht in frevlem Uebermuth den Verwundeten, Besiegten zu neuem Zorn herausfordern. Wo aber liegt denn der frevle Uebermuth? Doch nicht etwa bei uns, die wir in unserer leider oft allzu- großen Gutmüthigkeit und dem Ruhebedürfniß, das böswilliger Weise oft auch deutsches Phlegma genannt wird, uns viel, sehr viel gefallen lassen, ehe wir einmal dreinschlagen! Ist denn auch nur die geringste Aussicht vorhanden, daß der Chauvinismus, das prahlerische Revanchegeschrei, das oft genug ohne jeden Grund zu uns herübergellt, auch nur um ein Jota geringer würde, wenn wir, dem geschlagenen Feinde zu Liebe, unseren Ehrentag nicht feierten? Nein, dazu ist keine Aussicht vorhanden! Aber eine andere Aussicht blüht uns, die doch über kurz oder lang zur Wirklichkeit werden muß, wenn anders unser Nachbar nicht über Nacht in eine andere Haut schlüpft, die Aussicht, aufs neue zu den Waffen gezwungen zu werden, um zu vertheidigen, was schwer genug errungen worden! Darüber wollen wir uns doch keiner Täuschung hingeben, daß Frankreich im günstigen Augenblick und wenn weniger kluge Köpfe seine Geschicke leiten, nicht mehr „Revanche" rufen, sondern Revanche zu nehmen suchen wird. Und wenn dieser Fall eintritt, giebt es da wohl einen deutschen Mann, der da nicht wünschen möchte, daß auch das nachgeborene Geschlecht, das den Tag von Sedan nur aus der Ueberlieferung kennt, mit derselben Begeisterung für Kaiser und Reich ins Feld zöge, wie die Vorfahren im Jahre 1870, als das Vaterland rief, und Alle, Alle kamen. Mit Begeisterung und frischem Muth, nicht siegestrunken vor der That, aber hoffnungsfroh, den Sieg zu erringen, sollen sie dann hinausziehen