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der Provinz übermittelt. Von diesen wurden die Packete jedoch nicht direkt an diejenigen Personen gesendet, welche die Drucksachen in Ver­breitung bringen, sondern an Leute, welche den Polizeibehörden politisch unverdächtig erschienen. Von ihnen ließen dann diejenigen, welche die Sendungen erhalten sollten, sich dieselben aushändigcn.

D resden, 30. Aug. Der König von Portugal ist heute Abend 6 Uhr hier eingetroffen und am Bahnhöfe vom König, den Prinzen Georg, Johann Georg und Max von Sachsen sowie dem Prinzen Leopold von Bayern empfangen worden und begab sich mit ihnen zu Wagen nach Pillnitz, wo er bis Donnerstag zu verbleiben gedenkt.

Emmendingen, 27. August. Mit welcher Frechheit das Stromerthum allenthalben auftritt, dürfte aus folgendem Vorfall, welcher sich am 20. d. M. in unserem Thale auf dem Schillingerberg (Gemeinde Freiamt) ereignete, hervorgehen. Lag da ein Hirte friedlich im Grase und hütete die ihm anvertraute Heerde, als zwei Stromer des Wegs einherkamen, den Hirten überfielen, ihn seiner Baarschaft mit 2 M. 50 Pf. beraubten und damit nicht genug ihn an einen Baum festbanden mit der Drohung, daß, wenn er einen Laut von sich gebe, er ein Kind des Todes sei, worauf sich die Stromer schleunigst entfernten. In dieser fatalen Lage mußte der arme Hirte von Mittags bis gegen Abend ver­bleiben, wo ihn seine Leute suchend fanden und ihn dann befreiten.

Wien, 30. Aug. Bei Mödling fand ein Eisenbahnzusammen­stoß statt, wobei, soweit bisher festgestellt ist, 7 Personen getödtet und 22 schwer verwundet wurden. (Rh. K.)

Wien, 30. August. DiePol Corr." meldet aus Rustschuk: Die provisorische Regierung unter Stambulow legte die Regierungsgewalt in die Hände des Fürsten zurück. Karawelow, welcher der Regierung in Sofia angehörte, trat gleichfalls zurück.

Wien, 30. August. DiePolitische Korrespondenz" meldet aus Rustschuk: Fürst Alexander richtete an die Bulgaren eine Prokla­mation, worin er alle durch die Regentschaft Stambulow ergriffenen Maßregeln billigt, das von derselben gebildete Kabinet und Mutkuroff im Commando der bulgarischen Armee bestätigt, dem Volke und der Armee für die in schweren Tagen dem Throne bewiesene Treue, wie für ihr Eintreten zu Gunsten der Unabhängigkeit Bulgariens und der Ehre des bulgarischen Namens dankt und Gottessegen auf Bulgarien herab- fleht, für dessen Wohlfahrt alle einmüthig ihre Kräfte vereinigen mögen.

Die Ungarn nehmen's hoch auf, daß Kaiser Wilhelm zu der 200jährigen Feier der Eroberung Ofen's eine Deputation von Generälen und Obersten entsandt hat. Die Obersten sind Kommandeure der beiden noch bestehenden Regimenter, welche 1686 mit den Ungarn gegen die Türken gekämpft haben; die Generäle und Hauptleute (Schlichting, Kalck- stein und Graf Dohna) tragen Namen, die sich vor Ofen damals be­sonders ausgezeignet haben. (Dfz.)

Giur gewo, 29. Aug. Der Fürst von Bulgarien wurde, nach demRH. K.", bei seiner Ankunft von einer rumänischen und einer bul­garischen Deputation empfangen. Am Halteplatze stand eine Ehren- kompagnie, welche dem Fürsten die militärischen Ehren erwies. Der Fürst schritt auf die von Stambuloff geführte bulgarische Deputation zu, begrüßte dieselbe und umarmte Stambuloff, während die aus der Um­gegend, namentlich aus Rustschuk, in großen Massen nach Giurgewo ge­kommene Volksmenge unausgesetzt Hurrah- und Hochrufe auf den Fürsten ausbrachte.

Die Schiffe, Boote und Barken auf der Donau waren festlich be­flaggt. Die Geschütze von Rustschuk feuerten Freudenschüsse ab. Nach kurzem Aufenthalte bestieg der Fürst seine Pacht, welche ihn am 23. August nach Reni gebracht hatte, und fuhr nach Rustschuck hinüber. Bei der Ankunft in Rustschuk wurde der Fürst auf der Landebrücke von einer bulgarischen Deputation, an deren Spitze Stambuloff stand, nochmals bewillkommnet und unter unausgesetzten Freudekundgebungen der Be­völkerung nach dem fürstlichen Konak geleitet.

Ueber die Schicksale des Fürsten Alexander erzählt derDziennik Polski" noch folgende Details: Als man von dem Fürsten die Unterzeichnung der Abdankung forderte, fragte derselbe, wer dies verlange, worauf ein Offtcier erwiderte:Das Volk" Auf die Be­merkung des Fürsten, daß die Nation ihre Forderung nicht in so brutaler Form verlangen würde, faßte ihn der Officier an der Brust und richtete die Revolverläufe gegen ihn. Der Fürst unterzeichnete hieraus das Schrift­stück. Der Fürst wurde fast ohne Kleider bis an die Grenze gebracht. Erst unterwegs erhielt der Fürst Kleider und Stiefel. In Kischenew ver­langte der Fürst einen Extrazug nach Podwoloczyka. Er disponirte aber nur über 600 Rubel, die zur Bezahlung der Kosten nicht ausreichten. Die russische Bahnverwaltung wollte ihm nicht creditiren und so mußte er den gewöhnlichen Zug benützen. Einige Stationen später erklärte ein Bahnbeamter, die Verwaltnng habe ihre Forderung reducirt, und fragte derselbe, ob er den Extrazug noch wünsche. Der Fürst bejahte diese Frage. Der Extrazug wurde jedoch trotzdem nicht beigestellt und der Fürst war gezwungeu, auf dem gewöhnlichen Zuge zu verbleiben. Das Reisegeld erhielt der Fürst von dem Könige von Rumänien. Die Russen wollten den Fürsten durchaus nach Deutschland schicken. Trotz der Ueber- wachung durch Asjyniew gelang es dem Fürsten, ein Telegramm nach

Lemberg an Baron Riedesel aufzugeben. Die Betriebsdirection der Karl- Ludwigs-Bahn befahl den Beamten, dem Fürsten alle Ehren zu erweisen, welche einem Souverän gebühren.

Athen, 30. Aug. Durch ein am Freitag stattgehabtes Erd­beben sind, nach demRh. K.", die messenischen Städte Filiatra und Gargoliano, sowie die arkadischen Dörfer Kyfarissa und Choremi voll­ständig zerstört worden; viele andere Städte und Dörfer litten mehr oder weniger schwer. Gegen 80 Personen sind bei dem Erdbeben umgekommen, davon in Filiatra 20, in Gargoliano 16. In Logudista wurde eine große Anzahl von Personen verletzt. Ein Kriegsschiff mit Aerzten, Arzneien, Zelten und Lebensmitteln, sowie eine Sappeur-Abtheilung sind nach Kalamata abgegangen.

Paris, 29. Aug. Das amtliche Blatt veröffentlicht einen bedeutenden Schub in dem der Staatsanwaltschaft und dem Richterstande angehörenden höheren Gerichtspersonal.

London, 29. August. Die anläßlich der Verurtheilung des Sozialisten Williams angekündigte Monstreversammlung hat heute Nach­mittag 5 Uhr in Trafalgar Square stattgefunden. Zu derselben trafen aus verschiedenen Stadttheilen Aufzüge ein, wobei die Musik dieMar- sellaise" spielte. Mehrere Reden wurden gehalten und Resolutionen an­genommen, in welchen die Freilassung Williams gefordert und die Noth­wendigkeit der Emanzipation der Arbeit sowie das Recht der Arbeiter, die Mittel zur Produktion selbst zu besitzen betont wird. Die Polizei zu Fuß und zu Pferde war in großer Zahl in der Umgebung des Trafalgar Square aufgeboten, es kam jedoch keine Unordnung vor.

London, 30. Aug. Die meisten Morgenblätter sprechen ihre Befriedigung über die Rückkehr des Fürsten Alexander nach Bulgaren aus, verhehlen jedoch nicht die Besorgniß, daß diese Rückkehr Ver­wickelungen herbeiführen könnte. DieMorningpost" glaubt, die Ver­wickelungen würden sich wesentlich vermindern, wenn Rußland bei seinem weiteren Vorgehen in der orientalischen Frage im gemeinsamen Einvernehmen mit den übrigen Mächten handeln werde; dies ließe sich ohne die Nothwendigkeit des Appells an die Waffen herbeiführen. Mittel­europa sei einer Situation müde, welche den Handel lähme, große Rüstungen nothwendig mache und die ganze Welt in Ungewißheit und Besorgniß wegen der Zukunft erhalte. DieTimes" vermuthet, Fürst Alexander sei auf den ihm durch den Gesandten White übermittelten Rath der englischen Regierung nach Bulgarien zurückgekehrt; sie meint, alles deute darauf hin, daß der Kaiser von Rußland und seine Rathgeber geneigt seien, vorläufig wenigstens die vollendeten Thatsachen anzuerkennen.

(Rh. K.)

London, 30. August. Nach einem Telegramm des Reuter'schen Bureaus" aus Granada sind bei der gestrigen totalen Sonnensinsterniß durch Professor Thorpe gute photometrische Beobachtungen gemacht wor­den. Während der totalen Verfinsterung der Sonne war der Lichtschein ein erheblich geringerer, als beim Scheine des Vollmondes. Kapitän Dar­win und Dr. Schuster haben gute Aufnahmen der Corona gemacht.

Chicago, 30. Aug. Gestern Abend schlug der Blitz in ein in der Vorstadt gelegenes Dynamit- und Pulvermagazin der Firma Laflie und Rand ein und sprengte dasselbe in die Luft. Die durch das Dynamit verursachte Explosion (das Pulver hatte sich nicht entzündet) zertrümmerte fast alle Fenster in der Stadt; acht andere benachbarte Magazine wurden zerstört, zwei Menschen getödtet und mehrere verletzt.

Trieft, 30. August. Der LloyddampferEttore" ist mit der ostindischen Post heute früh aus Alexandrien hier eingetroffen.

New-Pork, 29. August. Der DampferCanada" von der National-Dampfschiffs-Compagnie (C. Meffing'sche Linie) ist hier ange­kommen.

AM- Fortsetzung der Tagesschau in der Beilage. -16a

Reichsgerichts-Eutfch eidungeu.

Sucht Jemand einen Beamten durch Geschenke zu einer Handlung zu bestimmen, welche nicht unbedingt, sondern nur möglicher Weise die Verletzung einer Amts- oder Dienstpflicht enthält, und legt der Thäter sein Einverständniß mit der eventuellen Verletzung der Amtspflicht an den Tag, so macht er sich, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, IV. Straf­senats, vom 14. Mai d. I., dadurch der Bestechung aus §. 333 des Strafgesetzbuchs schuldig.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

Die SSiähriqe Gedenkfeier unserer freiwilligen Feuerwehr am 28. und 29. August 1886.

Getreu dem Programm und vom schönsten Wetter begünstigt verlief auch der zweite, der eigentliche Festtag. Punkt sechs rückte die Re- veille vom Rathhause ab und durchzog hauptsächlich solche Straßen, welche am Abend vorher der Fackelzug nicht berührte. Das von 111 Uhr stattgehabten Frühconcert war sehr gut besucht und hatte man bei dem herrlichen Wetter es vorgezogen die Kapelle im Schloßhofe spie­len zu lassen.

Als Glanzpunkt des Tages betrachten wir den Festakt auf dem