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Nr. 199.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Die Herren Bürgermeister erinnere ich an Erledigung meiner Kreis- blatts-Verfügung vom 17. Juni cr. V 4588 Nr. 141 des Kreisblatts betreffend Bildung von Vieh-Versichelungsvereinen.
Hanau am 25. August 1886.
Der Königliche Landrath
V. 5807. Gf. Bismarck.
Bekanntmachung.
Wir machen darauf aufmerksam, daß an unserer Gerichtstafel, an der zu öffentlichen Bekanntmachungen bestimmten Stelle der Gemeinde Niederissigheim und in dem Anzeiger des Amtsblatts der Königlichen Regierung zu Caffel Behufs Grundbuchregulirung in der Gemarkung Niederissigheim ein Aufgebot von uns erlassen ist.
Hanau, den 18. August 1886.
Königliches Amtsgericht, Abth. III.
I. V.: Fuchs.
Tagesschau.
— Der „R. u. St.-A." veröffentlicht: Verordnung, betreffend die Zuständigkeit der Verwaltungsgerichte und den Jnstanzenzug für Streitigkeiten, welche nach reichsgesetzlicher Vorschrift im Verwaltungsstreitverfahren zu entscheiden sind, vom 26. Juli 1886.
— Berlin, 25. August. Se. Majestät der Kaiser und König wohnten, wie der „R. u. St.-A." aus Babelsberg meldet, gestern Vormittag den militärischen Uebungen auf dem Bornstedter Felde bei und empfingen Nachmittags den bisherigen französischen Botschafter Baron v. Courcel in Abschiedsaudienz. An dem Diener nahmen Baron v. Courcel mit Gemahlin, der Unter-Staatssekretär Graf Berchem, der Ober-Ceremo- nienmeister Graf Eulenburg und mehrere andere distinguirte Personen Theil.
— Berlin, 24. August. (K. Z.) Der Kaiser hat durch seine körperliche und geistige Frische in den letzten Tagen die Bewunderung seiner Umgebung und der zahlreichen Gäste des kaiserlichen Hoflagers hervorgerufen. ' Mit der lebhaftesten Theilnahme sieht der Kaiser den bevorstehenden Manövern in den Reichslanden entgegen, wo wiederum die umfassendsten Vorbereitungen für den Empfang des Monarchen getroffen werden. Wie übrigens nachträglich bekannt wird, hatte sich der Statthalter in den Reichslanden, Fürst von Hohenlohe, in Gastein seitens des Kaisers, wie des Fürsten Bismarck einer überaus lebhaften Anerkennung seiner Verwaltung zu erfreuen. Es ist nicht unbemerkt geblieben, mit welcher Auszeichnung der bisherige Botschafter Frankreichs am diesseitigen Hofe, Baron v. Courcel, von den Majestäten vor seinem Scheiden von seinem jetzigen Posten bedacht worden ist. Der Kaiser hat dem scheidenden Diplomaten den Schwarzen Adler-Orden verliehen, eine Auszeichnung, welche nur wenigen Vorgängern des Botschafters zu Theil wurde. Die deutsche Regierung wollte damit offenbar zu erkennen geben, wie großes Gewicht sie auf gute Beziehungen mit Frankreich lege, für welche allerdings der bisherige Botschafter mit voller Kraft eingetreten war. Derselbe zieht sich zunächst von dem Schauplatz der öffentlichen Thätigkeit zurück und sein Nachfolger wird Herr Lefebre de Behaine. Herr Wadding- ton bleibt als Vertreter Frankreichs in London.
— Berlin, 24. Aug Ueber die Ereigniffe in Bulgarien ist ein dichter Schleier gedeckt. Die jetzigen Leiter des Aufstandes haben, wie die „K. Z " schreibt, mit aller Strenge eine völlige Absperrung Bulgariens von der Außenwelt durchgeführt, nicht einmal die Vertreter der Mächte in Sofia, natürlich abgesehen von den russischen und seltsamerweise auch von dem französischen Vertreter, sind in der Lage, mit ihren Regierungen Depeschen oder Briese auszutauschen. Diese Thatsache läßt allerdings den Verdacht auftauchen, daß der Aufstand nicht in dem Maße gelungen, wie er anfänglich von den Leitern der Bewegung hingestellt worden ist. In der That liegen bereits einzelne Meldungen vor, wonach das Heer denn doch nicht so treulos und undankbar gewesen ist, wie es anfänglich verbreitet wurde, doch fehlt vorläufig ein Anhalt, zu beurtheilen, ob dieser Widerstand Aussicht auf Erfolg hat. Vom Fürsten Alexander weiß man aus rumänischer Quelle, daß er Rahowa gestern als Gefangener donau-
Donnerstag den 26. August
1886.
abwärts passirt hat. Die Nachricht, daß er rumänischen Boden betreten habe und frei sei, erweist sich als unrichtig. Unklar ist auch die Rolle geworden, die Karawelow seinem Fürsten gegenüber gespielt hat. Man weiß, daß zwei dem Fürsten ergebene Bataillone des Sofia-Regiments nach Sliwnitza und zwei Bataillone des Küstendil-Regiments nach Pernik gesandt worden sind, angeblich um dort Schanzarbeiten zu verrichten; der eigentliche Zweck liegt klar auf der Hand. Auch weiß man jetzt, daß das bulgarische Ministerium selbst seit mehreren Wochen den Fürsten bestürmt hat, den Serben auf Grund angeblicher neuer Rüstungen den Krieg zu erklären, und daß es deshalb dem Fürsten einen förmlichen Mobilmachungsbefehl vorgelegt hatte. Der Fürst hat aber die Vollziehung standhaft verweigert und durch seinen Widerstand das jetzige Verhängniß beschleunigt. Das Ministerium hat offenbar versucht, den Fürsten als den unleidlichen Friedensstörer hinzustellen und ihn so in der öffentlichen Meinung bloszustellen. Dann würde es Grund gehabt haben, Rußlands Einschreiten anzurufen und den Fürsten abzusetzen. Dieser aber war klug genug, die ihm gestellte Falle zu erkennen und zu vermeiden, und nun erfolgte seine Absetzung auch ohne äußere Berechtigung.
— Berlin, 24. Aug. (RH. K.) Marquis Tseng erhielt hierher von der französischen Regierung in freundschaftlicher Form die Einladung, nach Paris zu kommen. Marquis Tseng lehnte die Einladung mit der Motivirung ab, daß er dazu von seiner Regierung nicht autorisirt sei.
— Berlin, 25. Aug. Die „Nordd. Allg. Ztg" sagt: Die Einladung zur Theilnahme an dem Feste der Wiedereroberung Ofens sei von Berlin in gesucht artiger Form, aber dennoch mit nicht stichhaltiger Motivirung, von München in schroffer Weise abgelehnt worden. Die höfliche sowohl, wie die unhöfliche Art der Ablehnung zeuge von dem gleichen Mangel an politischem Takte. Wir verstehen es gern, daß das Gefühl der Deutschen durch die Behandlung ihrer Brüder in Siebenbürgen seitens der Ungarn verletzt sei, aber unsere Beziehungen zu Ungarn sind derart, daß wir besser thun, uns der Punkte zu erinnern, die uns mit Ungarn vereinen, als derer, die uns von ihm trennen.
— Potsdam, 25. August. Prinz Wilhelm von Preußen ist gestern Abend 9 Uhr hier wieder eingetroffen.
— S. M. Kreuzer - Fregatte „Gneisenau", Kommandant Kapitän zur See Valois, ist am 24. August cr. in Suez eingetroffen und hat an demselben Tage die Heimreise fortgesetzt. — S. M. Panzerschiff „Friedrich Carl", Kommandant Kapitän zur See Stempel, ist am 24. August cr. in Plymouth, das Kreuzer - Geschwader, bestehend aus S. M. Kreuzer- Fregatte „Bismarck" und S. M. Kreuzer-Korvette „Carola" Geschwader- Chef Contre-Admiral Knorr, am 24. August cr. in Foochow, und S. M. Kanonenboot „Wolf", Kommandant Kapitän -Lieutenant Jaeschke, am 25. August cr. in Amor, eingetroffen.
— Kiel, 25. August. Das ganze Manövergeschwader ist ausgegangen, um auf See den König von Portugal zu begrüßen.
— Halle a. S, 24. Aug. Zwischen Gröbers und Schkeuditz ist heute Nachmittag 5 Uhr ein Wolkenbruch niedergegangen; die ganze Gegend gleicht einem großen See, die Ernte ist vernichtet. Der Blitz hat in der Gegend nach Lützen hin mehrere große Brände verursacht. Auch bei Döbeln in Sachsen ist ein Wolkenbruch niedergegangen, der schreckliche Verwüstungen anrichtete. Der Bahnverkehr ist unterbrochen.
— Essen, a. d. Ruhr, 25. Aug Marquis Tseng traf heute früh mit seinen Begleitern zum Besuch des Krupp'schen Etablissements hier ein und gedenkt, bis zum künftigen Freitag in Essen zu verweilen.
— Metz, 25. August. Die Beisetzung der Leiche des Bischofs fand heute unter großer Theilnahme der Bevölkerung in der Kathedrale statt Dem Trauergottesdiensie wohnten der Großherzog von Baden, der Statthalter Fürst Hohenlohe, der Staatsminister Hofmann und zehn auswärtige Erzbischöfe und Bischöfe bei.
— Bromberg, 25. August. Nach dem jetzt vorliegenden endgültigen Ergebnisse der Reichstagsersatzwahl erhielt Hahn 4822, Komie- rowski 3912, Schröder 2895 Stimmen. Die Stichwahl ist auf den 10. September festgestetzt.
— Stuttgart, 24. August. Die Tuchmesse hat mit mehr Leben begonnen, als manche ihrer Vorgängerinnen. Wenn der Verkauf schon lebhaft wird kaum eine Stunde nach Eröffnung der Halle, so ist anzu-