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Nr. 196.

Montag den 23. August

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Gefunden: Ein Geldstück (Silber). Zwei Regenschirme. Eine Karte von Mitteleuropa. Ein ächtes Korallenkettchen. Ein Unterrock. Eine schwarze Schürze. Ein Maurerhammer. Ein goldener Trauring mit dem NamenH. Bahn rc.". Ein Meffer. Eine Mundharmonika. Ein schwarzer Sonnenschirm. Ein leerer Blechkasten (auf der Post stehen geblieben). Zwei weiße Herrenkragen.

Verloren: Ein silberner Haarpfeil. Ein seidener Herren-Son­nenschirm. Ein braunes Taschentuch.

Zugelaufen: Ein junger schwarzer Pudel.

Entlaufen: Ein grauer Mops mit schwarzem Kopf m. Geschl.

Hanau am 23. August 1886.

Aus Königl. Landrathsamt.

Tagesschau.

DerR. u. St.-A." Nr. 196 veröffentlicht: Allerhöchster Erlaß, betreffend die Abänderung des Zinsfußes für die auf Grund des Aller­höchsten Erlasses vom 30. März 1885 aufzunehmende Reichs-Anleihe, vom 4. Juni 1886.

Berlin, 21. August. Se. Majestät der Kaiser und König begaben Sich, wie derR. u. St.-A." aus Babelsberg meldet, bereits heute früh um TVs Uhr in die Gegend von Sperlingslust und wohnten daselbst den Uebungen des 1. Garde-Regiments z. F. bei. Nach der Rück­kehr nach Schloß Babelsberg nahmen Se. Majestät die Vorträge des Ober- HUmarschalls Grafen Perponcher sowie des Chefs des Militärkabinets, General-Lieutenants v. Albedyll, entgegen.

Berlin, 21. Aug. Fürst Bismarck gedenkt, wie dieK.Z." schreibt, am Donnerstag Gastein zu verlassen, und sich zunächst nach Berlin zu begeben. Welchen Weg er wählen wird, ist bis jetzt noch nicht entschieden, indessen wird die Meldung, daß er über Wien reisen und dort einen kürzeren Aufenthalt nehmen werde, mit Recht bezweifelt. Bester be­glaubigt ist die Nachricht, daß er in einem böhmischen Badeort Rast machen werde.

Berlin, 21. Aug. Der König von Portugal wird voraus­sichtlich am 26. ds. zu etwa drei- bis viertägigem Besuche am hiesigen Hofe eintreffen und während dieser Zeit im königlichen Schlöffe Wohnung nehmen. König Dom Luiz erscheint der Kreuzzeitung zufolge nicht zum ersten Male am preußischen Hofe. Vor 25 Jahren kam er als Abge­sandter seines Bruders, des Königs Dom Pedro V., als Herzog von Oporto, Jnfant von Portugal, zu den Krönungsfeierlichkeiten nach Königsberg in Preußen und dann nach Berlin; in seiner Begleitung be­fand sich damals sein jüngerer Bruder, der Herzog von Beja. Als Dom Luiz von Berlin in seine Heimath zurückkehrte, kam ihm auf hoher See die Kunde entgegen, daß er durch den am 11. November erfolgten Tod seines ältern Bruders König geworden sei: als Herzog von Oporto war er nach Preußen gegangen, als König Luiz I. kehrte er nach Portugal heim

Berlin, 21. Aug (K. Z) Der Gouverneur von Mainz, General Wopna, ist auf sein Gesuch zur Disposition gestellt; General- Lieutenant Graf Schlippenbach ist zum Gouverneur von Mainz, General- Lieutenant Mischke zum Inspekteur der Kriegsschulen ernannt worden.

Wie man in unsern Tagen politischeFragen" schafft, hat uns dieGermania" gezeigt. Sie schrieb ein Kalbes Dutzend Spalten für die Zurückberufung der Jesuiten; einige Zeitungen setzten sich mit ihr über diesen Gegenstand auseinander und die Frage ist da, wie dieGer­mania" heute mit Stolz behauptet. Wir sind dagegen anderer Meinung und glauben, daß die Frage weder da ist, noch überhaupt kommen wird.

(K. Z)

Ein Extrablatt derMn. Ztg." bringt heute Morgen folgende Sensationsnachricht:

Uebereinstimmende Depeschen aus Bukarest und Konstantinopel melden, daß Fürst Alexander von Bulgarien bei einer Inspektion in Widdin gefangen genommen und als Gefangener nach Lompalanka geführt worden ist; einer späteren Nachricht zufolge befindet er sich bereits außer­halb Bulgariens. In Sofia ist seine Absetzung ausgerufen und eine

1886.

provisorische Regierung von Zankow und Karawelow, den Führern der beiden, bisher feindlichen Parteien, gebildet worden.

Fürst Alexander, dessen persönliche Eigenschaften ein besseres Schick­sal verdient hätten, stand seit einiger Zeit in der Luft zwischen Rußland, welches ihn in die Stellung gebracht und England, welches ihn erst ge­wonnen und dann im Stich gelassen hatte. Seit es feststand, daß Eng­land weder für eine Balkanfrage noch selbst für Konstantinopel, sondern nur für Indien Krieg führen werde, war Fürst Alexanders Stellung eine hoffnungslose. Die Türkei hat die russische Uebermacht genugsam gefühlt, um keinen isolirten Kampf gegen Rußland, namentlich nicht Bulgariens halber, zu wagen ; es ist sogar als sicher anzunehmen, daß man in Konstantinopel Kenntniß von der geplanten Absetzung des Fürsten Alexander hatte.

Was Oesterreich betrifft, so bürgen die Rücksprachen in Kissingen und Gastein dafür, daß es die ihm von England zugedachte Rolle, die bulgarischen Kastanien aus dem Feuer zu holen, nicht übernehmen wird. Wir können vielmehr erwarten, daß nach der Entfernung des Fürsten Alexander, den England als Keil zwischen Oesterreich und Rußland ein- zuschieben versucht hatte, eine kürzere oder längere Pause in der ewig wirbelnden Balkanbewegung eintreten wird.

Die Leichtigkeit, mit der sich die Absetzung des Fürsten Alexander vollzogen hat, gestattet den Schluß, daß die Situation in Bulgarien nicht aus der Hand" gehen, sondern daß die demnächstige Lösung, wenn auch vielleicht eine provisorische, jedenfalls keine kriegerische sein wird; für unseren Standpunkt ist es angezeigt, heute wieder eines Wortes eingedenk zu sein, welches Fürst Bismarck in einem kritischen Momente des Berliner Congresses aussprach:Meine Herren, wir sind hier nicht versammelt, um über das Glück der Bulgaren zu berathen, sondern um den Frieden Europas zu sichern."

Daß Liebkosungen mit Hunden leicht zu gefährlichen Krank­heiten führen können, davon nahmen wir schon kürzlich Gelegenheit, einen Fall zu berichten. Jetzt hat auch das kleine Kind eines Maurers in Erfurt in Folge aufgenommener Hundewürmer in die Klinik nach Jena gebracht werden müssen.

Wien, 21. Aug. Von gestern Mittag bis heute Mittag sind in Trieft 10 Personen an der Cholera erkrankt und 2 gestorben, und in Jstrien 11 Personen erkrankt. In Fiume ist eine bereits früher an der Cholera erkrankte Person gestorben.

Bern, 21. August. Der heute Nachmittag von hier nach Genf abgegangene Schnellzug ist in der Nähe von Duedingen mit sämmt­lichen Wagen entgleist. Soweit bis jetzt bekannt, sind vier Personen schwer verwundet.

Rom, 20. August. Im Arsenal von Castellamore bei Neapel brach heute in dem Baugerüst des SchiffsUmberto" eine Feuersbrunst aus, welche den Hintertheil des Schiffes zerstörte. Der dadurch ange­richtete Schaden wird auf 800,000 Frcs. geschätzt.

Paris, 21. Aug. In Bourg Samt - Augustin bei Tülle wurden durch eine Feuersbrunst 40 Häuser zerstört; im Brande kamen mehrere Personen um.

DerVoltaire" bringt heute wieder einen Entrüstungsruf gegen den sonderbaren Geschmack für deutsches Bier, der sich der Pariser bemächtigt hat." Der Wein,dieses eminent französische Getränk, der wie Sonnenschein die Gurgel hinabfließt", sei in Paris gänzlich in Miß­achtung gekommen; der Bock aber verklebe dem Trinker den Mund und lahme seinen Verstand. Fordere man in einem Kaffeehanse der Boulevards ein Glas Wein, so erhalte man die dürre Antwort vom Kellner:Der­gleichen wird hier nicht eingeschenkt." Nur Bauern und Arbeiter bleiben noch bei dem verachteten Getränke. Der Voltaire ermähnt, wenn der Franzose Bier trinken wolle, solle er wenigstensdas leichte klare Bier des Elsaß trinken oder das französische Bier, das sich täglich bessert und uns genügen sollte." Nachdem der Voltaire schließlich auch noch das deutsche Bier als vergiftet hingestellt hat, schließt er mit dem patriotischen Zurufe:Bringen wir daher den Wein und Aepfelwein als National- erzeugnisse wieder zu Ehren oder begnügen wir uns im Nothfalle mit unserm Bier oder der klaren Blonden von Straßburg. Das sind fran­zösische Getränke. Trinker, meine Brüder, bleiben wir Gallier!"