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Beilage zu Nr. 193 des Hanauer Anzeiger.

T a g e s s ch a u.

— Berlin, 17. August. Eine Mittheilung in der Polit. Corr., welche in die englischen Zeitungen übergegangen und auch hier bemerkt worden ist, sagt, das englische Auswärtige Amt wende der russischerseits beabsichtigten Besitzergreifung von Port Lazarew auf Korea große Auf­merksamkeit zu; da es der englischen Regierung aber an einer gesetzlichen Handhabe fehle, um gegen eine Besetzung des genannten koreanischen Hafens Einrede zu thun, so sei dieselbe mit Erfolg bemüht, China zum Widerstand gegen diese Handlung zu bestimmen. Einem in Londoner diplomatischen Kreisen verbreiteten Gerüchte zufolge soll auch Deutschland der Regierung von Korea seine guten Dienste angeboten haben, und man gebe sich deshalb in England der Hoffnung hin, Rußland werde angesichts dieser Schwierigkeiten seinen Plan vorläufig aufgeben. — Dem entgegen kann ich Ihnen, was Deutschland angeht, melden, daß die deutsche Re­gierung weder von der Besitzergreifung Port Hamiltons durch England noch von den etwaigen Absichten Rußlands auf Port Lazarew irgendwelche amtliche Kenntniß erhalten und daher auch keinen Anlaß gehabt hat, sich darüber zu äußern.

— Auch dem Magistrat von Berlin war von Pest aus eine Ein­ladung zu den Festlichkeiten zugegangen, welche aus Anlaß der Wieder- eroberung Ofens dort verunstaltet werden. Diese Einladung lief vor drei Wochen hier ein und war an die Stadtverordneten von Berlin ge­richtet. Mit Zustimmung des Vorsitzenden der Versammlung, Dr. Styck, übernahm der Magistrat um so mehr die Beantwortung, als die Zuschrift in die Ferien fiel und baldige Erledigung erheischte; der Magistrat hat, wie die National-Zeitung erfährt, die Theilnahme abgelehnt. Der be­treffende Beschluß wurde, da beide Bürgermeister, von Forckenbeck und Duncker, abwesend waren, unter Vorsitz des Stadtraths Zecke gefaßt.

— Die K. Z. schreibt: Die Thätigkeit der deutschen Kaufleute im Auslande fährt fort, die Aufmerksamkeit der englischen Konsuln in hervor­ragendem Maße in Anspruch zu nehmen. Das soeben mit Spanien ab­geschlossene Handelsabkommen hat den Sekretär bei der englischen Gesand- schaft in Madrid, Gosling, veranlaßt, die Aussichten des englischen Handels gegenüber dem deutschen Wettbewerb in Spanien in Erwägung zu ziehen; er findet — und nicht mit Unrecht —, daß wir den spanischen Markt durch unsere Geschäftsreisenden beherrschen. Alljährlich wanderten junge Deutsche nach Spanien, um in spanischen Häusern der spanischen Sprache und des spanischen Geschäftsbetriebes mächtig zu werden; in Malaga sei eine ganze Kolonie junger Kaufleute, welche nach zweijährigem Aufenthalt nach Deutschland zurückkehrten und dort die Früchte ihrer Erfahrung verwertheten. Die Spanier seien unterdessen neuerdings angeb­lich dieser Sendlinge überdrüssig geworden, seitdem sie gesehen, daß deren Artikel, besonders Arzneistoffe, von untergeordneter Beschaffenheit seien und häufig als englische Waaren verkauft würden. Am meisten aber hätten sie die Handelsausweise überrascht: während die deutsche Einfuhr von 3,052,752 L. im Jahre 1882 auf 3,547,169 L. im Jahre 1884 ge­stiegen sei, hätte die spanische Einfuhr nach Deutschland in derselben Zeit eine Verminderung von 348,717 L. auf 302,634 L. erfahren. Herr Gosling empfiehlt darauf seinen Landslenten die sofortige Einführung der Handelsreisenden nach deutschen Muster; indessen ist dies wohl nur durch die Anwerbung deutscher Kommis-Voyageurs für englische Häuser zu er­möglichen. Die deutschen Verbindungen mit China finden sich in einem Bericht des britischen Konsuls in Koburg erwähnt, welcher auf die Ver­anlassung der sächsischen Handelskammern in Gotha veranstaltete Aus­stellung von Artikeln, die sich der chinesischen Gunst erfreuen, einer Kritik unterzieht. Da ähnliche Ausstellungen in andern Theilen des deutschen Reichs veranstaltet werden sollen, so ist der englische Botschafter in Berlin angewiesen worden, darüber eingehend zu berichten. Eine spanische Firma beabsichtigt, mit Unterstützung der spanischen Regierung eine regel­mäßige Dampfverbindung mit Marokko einzurichten.

— Paris, 17. August. Die Lebensbeschreibung Boulangers wird auch heute nach wie vor verkauft, und es heißt nun, die Polizei könne gesetzlich nicht gegen deren Vertrieb einschreiten. Die Angriffe auf Bou- langer dauern daher im Journal des Ddbats, in der Mpublique Fran- ?aise und andern Blättern fort, wogegen verbreitet wird, Boulanger habe sich aus dem Kabinet zurückziehen wollen, sei aber von Clemenceau wieder davon abgebracht worden. Dabei setzt Boulanger seine Besuche in den Pariser Kasernen und sonstigen Militäranstalten in Paris fort und war diesen Morgen im Spital Samt-Martin. Frepcinet ist wieder nach Mont- sous-Vaudrp zurückgekehrt.

Aus Stadt, Provinz und Amgegend.

— (Stempelkosten.) Der Minister des Innern hat sich durch Reskript vom 18. Mai d. I. mit der Ansicht einverstanden erklärt, daß

die von einem Provinzialverbande gezahlten Stempelkosten für Lehr- und Pflegeverträge behufs Erziehung der in Familien unterzubringenden ver­wahrlosten Kinder zu denjenigen Kosten der Zwangserziehung zu rechnen seien, welche nach §. 12 des Gesetzes vom 13. März 1878 (G.-S. S. 132) zur Hälfte der Staatskasse zur Last falleu.

— (Gegen Diphtherie.) Ein wirksames Mittel gegen die Diphtherie hat, nach der „Od. Ztg.", ein einfacher Arbeitsmann in Süd- . Australien, Namens Greathead, entdeckt. Für Erwachsene verschrieb er vier Tropfen starker Schwefelsäure, die in einem zu drei Viertheilen ge­füllten Glas Wasser aufgelöst werden. Für Kinder genügt eine kleinere Dosis. Die Wirkung dieser Behandlung soll eine augenblickliche sein, in­dem die Säure sofort die Parasiten zerstört und der Patient die Ver­stopfung aushustet. Kinder, auf deren Aufkommen man keine Hoffnung mehr hatte, sollen 10 Minuten nach dem Genuß des Mittels Appetit und Neigung zum Spielen bekundet haben.

— (H o m e r i a n a - T h e e.) Das Berliner Polizei-Präsidium macht zur Warnung für das Publikum Folgendes bekannt: „In der Tages­presse wird gegenwärtig unter dem Namen „Homeriana-Thee", ein angeb­lich gegen Lungen-, Halsleiden und Asthma wirksames Geheimmittel an­gepriesen, welches von dem Agenten A. Wolffsky, Alte Jakobstraße Nr. 93 hierselbst wohnhaft, in Päckchen mit 65 Gramm Inhalt bei einem Werthe von 5—6 Pf. für den Preis von 1.20 Mk. verlauft wird und nach dem Ergebniß der amtlich veranlaßten, sachverständigen Untersuchung lediglich aus Vogelknöterich besteht, wie er auf allen Wegen, und namentlich auch oft in wenig verkehrsreichen städtischen Straßen zwischen den Pflastersteinen wächst. Eine spezifische Heilwirkung hat das oben ge­nannte Kraut nicht.

— Frankfurt, 18. August. Um dem vielfach das Publikum belästigenden Blumenhandel in den Promenaden und den hiermit ver­bundenen Mißständen vorzubeugen, hat der Verschönerungs-Verein sich an den Magistrat mit dem Anträge gewendet, ihm einige Plätze Zwecks Er­richtung von Blumenverkaufshäuschen in den Promenaden anzuweisen, und zunächst die Plätze am Goldsischweiher in der Taunusanlage, vor dem Bockenheimer Thor und vor dem Eschenheimer Thor vorgeschlagen. Diese Häuschen sollen an Blumenverkäuferinnen — bedürftige Wittwen rc. — vergeben und der Blumenhandel in den Promenaden außer diesen Häuschen überhaupt verboten werden. — Heute verstarb Herr Geh. Commerzienrath und Mitglied des Slaatsraths Herr Gustav v. Neufville. Derselbe war

25 Jahre lang Präsident der Frankfurter Handelskammer. (G. A.)

— Frankfurt, 19. August. Seit letztem Sonntag wird der Sohn eines Kaufmanns vermißt. Er hatte wenige Tage vor seinem Verschwinden einigen Freunden erzählt, daß er in den nächsten Tagen nach den neuen deutschen Kolonien auswandern werde. Mit ihm ist eine kleine Kasette verschwunden, in welcher mehrere Tausende in Baar und Werthpapieren aufbewahrt wurden. Am Sonntag Abend wurde der junge Mann zuletzt im Palmengarten gesehen, wo er mehrere Bekannte mit Wein regalirte. — In einer höchst originellen Weise wußte vorgestern beim Bankett im Zoologischen Garten ein Architekt für eine sehr gute Bedienung zu sorgen. Er fragte den Kellner ob er den betreffenden Tisch bediene. Auf die bejahende Antwort zog er aus seiner Tasche einen Schein, hielt ihn dem Kellner vor und fragte: „Was ist das?" „Ein Fünfmarkschein!" „So, Sie kennen also das Papier?" „Ja!" „Ngn sehen Sie" — dabei zerreißt er den Schein in zwei Hälften — hier haben Sie die eine und ich behalte die andere Hälfte. Bedienen Sie mich aufmerksam und gut, so bekommen Sie die andere Hälfte, im anderen Falle haben weder Sie noch ich etwas." Der Kellner ließ sich dies gesagt sein und servirte mit der größten Aufmerksamkeit. Am ganzen Tisch gebrach es an nichts und alle lobten den Kellner. Als das Mahl beendigt war, drückte der Architekt seine hohe Zufriedenheit aus und über­reichte dem Gartzon die andere Hälfte des Scheines, in welche er noch ein Markstück eingewickelt hatte. — Ein Engländer wünschte von dem Bankett des Prinzen von Wales im Zoologischen Garten ein Andenken zu haben und bat den ihn bedienenden Kellner, ihm doch etwas, was der Prinz in der Hand gehabt, zukommen zu lassen. Namentlich war er sehr auf ein Stückchen Bisquit verlegen, was der Prinz angebissen, von welchem er aber den Rest liegen gelassen hatte. Nachdem abfervirt war, wurde der Wunsch des Angelsachsen erfüllt. Derselbe war darüber hoch entzückt, wickelte die Bisquit fein ein, schrieb einige englische Worte darauf und legte das Päckchen in ein mit Watte ausgefüttertes Kästchen, worauf er dem Kellner fünf Mark schenkte. (F. N.)

— Frankfurt 18. August. Heute Vormittag um 10'/? Uhr wurde in der Landwirthschaftlichen Halle dahier die vom Verband deutscher Gastwirthe in's Leben gerufene erste deutsche Weinansstellung eröffnet.

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