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Nr. 193.

Donnerstag den 19. August

1886.

, Amtliches.

Bekanntmachungen auf Grund des ReichsgesetzeS vom 21. Oktober 1878.

Die Königliche Kreishauptmannschaft als Landes-Polizeibehörde hat die nicht periodische Druckschrift:

Sozialdemokratische Bibliothek. VIII. Der todte Schulze gegen den lebenden Lassalle. Aus dem Berliner Sozialdemokrat" 1868. Hottingen-Zürich. Verlag der Volksbuch­handlung 1886"

auf Grund der §§. 11 und 12 des Reichsgesetzes gegen die gemeinge­fährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1878 v er­boten.

Leipzig den 11. August 1886.

Königliche Kreishauptmannschaft.

Gumprecht.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Es ist seit Inkrafttreten der Bauordnung I. für die Stadt Hanau vom 1. Juli 1885 vorgekommen, daß Bauten in Benutzung genommen worden sind, bevor die zweite Abnahme (Schlußabnahme) stattgefunden hat. Ich mache deshalb auf den § 90 der Bauordnung aufmerksam, nach welchem vor Benutzung der Bauten die zweite Abnahme unter Beifügung des Rohbau-Abnahme-Attestes zu beantragen ist, aufmerksam.

Formulare zu diesen Anträgen sind in der hiesigen Waisenhaus- Druckerei zu haben.

Hanau am 10. August 1886.

; Der Königliche Landrath

P. 3576 Gf. Bismarck.

Verloren: Ein silberner Ring mit rothem Stein.

Hanau am 19. August 1886.

Aus Königl. Landrathsamt.

Tagesscha«.

Berlin, 18. August. DerR. u. St.-A." Nr. 193 veröffent­licht: 1) Freundschafts-, Handels- und Schiffahrtsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem Sultan von Zanzibar, vom 20. Dezember 1885. 2) Bekanntmachung, betreffend die Ermäßigung des in dem Handelsvertrags mit Zanzibar erwähnten, in Zanzibar vom Taback zu erhebenden Zolles, vom 11. August 1886.

Berlin, 18. Aug. Kaiser Wilhelm, der gestern die Kirchen- parade mit lauter, überall auf dem ganzen Platze vernehmlicher Stimme kommandirt hatte, versammelte nach dem Vorbeimarsch der Truppen die höheren Offiziere um sich, sprach ihnen seine Freude darüber aus, daß er diese Feier zu Ehren seines großen Ahnen dort, in Potsdam, habe be­gehen können, wo alles an die beiden Könige erinnere, welche die Grund­lage zu Preußens Größe gewesen, und die einer den andern so vortrefflich ergänzt hätten.

Berlin, 17. Aug. Ueber all dem Treffenden und Schönen, das heute zur Gedenkfeier für den großen König Friedrich gesagt wird, mögen die Worte nicht vergeffen werden, die vor einigen Wochen Kaiser Wilhelm, neben dem alten Fritz der siegreichste Preußenkönig, bei anderm Anlaß ' über seinen großen Ahnherrn gesprochen, nämlich bei Gelegenheit der Er­öffnung der Jubiläums-Kunstausstellung. Diese Worte lauten:Auf einem anderen Boden, als wir es gewohnt sind, begehen wir heute die Erinnerung an den großen König, unter dessen Schutz vor hundert Jahren die erste der akademischen Kunstausstellungen eröffnet worden ist. Auch hier tritt uns das hellleuchtende Bild des großen Königs entgegen, der mit offenem Auge und hellem Blick stets erkannt hat, was zum Wohls des Vaterlands frommte. Alles, was wir Großes und Gutes heute in unserem Vaterlande bewundern, ist auf dem Fundament aufgebaut, das er gelegt hat; überall, wo er seine Hand anlegte, entstand ein Werk, das den Dank der Nachwelt verdient. Ich bin hoch erfreut, daß diese Jubiläums-Ausstellung dazu Gelegenheit bietet, den großen König auch

auf diesem Gebiete zu erkennen und den Dank und die Schätzung auszu- sprechen, die er verdient vor aller Welt." (K. Z.)

Berlin, 17. August. Wie wir aus der Germania ersehen, sollen der Wiedereröffnung des bischöflichen Konviktes in Trier jetzt keine Hindernisse mehr entgegenstehen. Die Germania hat, wie erinnerlich, in sehr leidenschaftlichen und umständlichen Ausführungen wiederholt der Kölnischen Zeitung gegenüber darauf bestanden, daß die bischöflichen Kon- vikte nach dem Muster der Trierischen sogenannte Tridentinische gewesen seien, deren Eröffnung nach wie vor in Preußen verboten ist. Die Nach­richt der Germania ist sonach entweder unrichtig oder insofern unvoll­ständig, als sie verschweigt, daß die Satzungen des Konvikts geändert worden sind.

Berlin, 18. August. (Rh. K.) In dem Wettbewerbe, be­treffend die Uebernahme der Lieferung der 1500 Tons Stahlschienen für die chinesische Regierung, hat Kommerzienrath Krupp in Essen end- giltig gesiegt.

Der DampferRoma" mit der abgelösten Besatzung S. M. Kreuzer-FregatteBismarck" und S. M. KreuzerNautilus" ist am 18. August er. in Singapore eingetroffen und beabsichtigt am 20. August er. die Heimreise fortzusetzen.

Metz, 18. Aug. Der hiesige Bischof Dupont des Loges ist, nach dem Rh. K., heute früh um zwei Uhr gestorben.

Karlsruhe, 18. August. Der Bauunternehmer Kirchenbauer ist gestern Nacht verhaftet worden. Bis jetzt zählt man 12 Todte, 8 schwer und mehrere leicht Verwundete. Die Fachtechniker tadeln an dem ein­gestürzten Haus das schlechte Speisematerial, das Fehlen der Binder, die verkehrte Ausriegelung, die oberflächliche Bauart. Das vierstöckige Haus wurde in fünf Wochen errichtet, sodaß es nicht gehörig austrocknen konnte. Die Entrüstung des Publikums ist groß. (Fr. Z.)

Niefern, 17. August. Am Samstag ereignete sich hier ein beklagenswerther Unglücksfall. Ein 9jähriger Knabe hatte sich eines Re­volvers als Spielzeug bemächtigt; die Waffe war jedoch geladen, sie ent­lud sich, der Schuß ging einem 5jährigen Knäbchen in den Unterleib und führte den Tod des Kleinen in der darauffolgenden Nacht herbei. Welch' schwere Vorwürfe wird sich derjenige zu machen haben, welcher die Waste nicht besser verwahrt hatte.

Wien, 18. August. Von gestern bis heute Mittag sind in Triest an der Cholera 23 Personen erkrankt und 6 gestorben.

Ueber die Ausbildung der Geistlichkeit hat der Papst am 30. Juli ein Breve ersassen, dessen Wortlaut sich in derDeutschen Reichsztg." abgedruckt findet. Das Breve bezieht sich auf das seminarium pium in Rom. Interessant ist aber in demselben die Bemerkung des Papstes, daßdie klassische Literatur zu Unserm größten Leidwesen im Laufe der Zeiten ihr früheres Ansehen eingebüßt hat." Deshalb sollen in den römischen Seminarien neue Lehrstühle für die italienische, griechische und lateinische Sprache und Literatur eingerichtet werden.

Wir sind Uns nämlich vollständig klar, daß die literarische Aus­bildung, das Vertrautsein mit der Literatur und die Befähigung für dieselbe denjenigen, welche die Aufgabe haben, das katholische Leben auf intellektuellem und moralischem Gebiete zu vertheidigen und auszubreiten, außerordentlich nothwendig ist. Dazu kommt, daß, sobald zu gründlichem Wissen sich genaue Kenntniß der Literatur gesellt, ersteres eine ganz be­sondere Zierde und einen festen Schutz gewinnt."

Paris, 17. Aug. Der Senator Graf Faucher de Careil, der wegen der Ausweisung der Prinzen seinen Botschafterposten in Wien niedergelegt hat, ist zum Präsidenten des Generalraths der Seine-et-Marne wiedergewählt worden. Vorigen Samstag hatten in Vierzon die Ar­beiter derSoci6t6 fran^aise du materiel agricole die Arbeit eingestellt und einige ihrer Kameraden, die ihrem Beispiel nicht folgen wollten, arg mißhandelt. Die Behörden schritten sofort ein und 520 Mann Infanterie und eine große Anzahl von Gendarmen wurden alsbald nach Vierzon ab­gesandt. Gestern wurden die ausstehenden Arbeiter zweimal von den Gendarmen auseinandergejagt und sieben Verhaftungen vorgenommen. Fast scheint es, als ob die Anarchisten in Vierzon eine neue Auflage der Vorgänge in Decazeville ins Werk setzen wollten; bereits ist der Anarchist und Pariser Gemeinderath Vaillant dort eingetroffen und mit Jubelrufen