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Nr. 191.
Dienstag den 17. August
1886.
Zum {?. August.
Gin Erinnerungsblatt an den ^OOjährigen Todestag Friedrichs des Großen von
Ferdinand Runkel.
Ein trüber, nebliger Morgen, war der 17. August 1786 über den Zinnen von Sansfouci, dem Lieblingsschlosse des Königs heraufgezogen, das ihn nicht mehr in seinen Gemächern und Laubgängen erblicken sollte, denn um 2 Uhr und zwanzig Minuten war der Größte einer großen Nation heimgegangen, sein Land verwaist zurücklassend. Der Schmerz Preußens war allgemein über den Verlust seines Königs, den es schwärmerisch geliebt, in dem es das Ideal eines Monarchen verkörpert sah, der sowohl, ein gewaltiger Kriegsherr, das Land schützte vor den übermüthigen Eingriffen fremder Mächte und dem preußischen Adler den erhabensten Ruhm erwarb, als auch, ein treuer Vater, die Wunden des Krieges heilte und das Land im Innern zur höchsten Blüthe brächte.--
Ist es nicht unsere heiligste Pflicht heute mit innigstem Danke feiner zu gedenken, der uns groß gemacht, der durch fein rastloses Streben durch die Darangabe seines Lebens, den Grund zu der Einigung Deutschlands 1871 legte?! Daher sei es mir vergönnt einen kurzen Blick auf sein Leben zu werfen, ein Leben, das uns allen ein ver- ehrungswürdiges Muster fei, dem wir nachstreben fallen, um an Pflichttreue, Vaterlandsliebe und echter Menschenwürde des großen Todten von Sanssouci würdig zu werden.--
Schon früh wirkte die strenge Härte feines Vaters auf Friedrichs Gemüth verdüsternd und lehrte ihn die hohe Kunst, alle Neigungen des eigenen Ichs einer höheren Pflicht unterordnen nnd gerade deshalb konnte er das werden, was er war. Denn er hatte von Natur ein weiches sentimentales Gemüth, das ihn mehr zu Kunst und Wissenschaft hinzog, als zur Regierung nnd ihn in entschiedenen Gegensatz zu dem Vater, brächte, der ihn zu einem guten Christen, einem sparsamen Hauswirth und einem tüchtigen Soldaten erziehen wollte.
Daß Friedrich sich so selbst überwinden und alles seiner Pflicht opfern konnte, kennzeichnete schon früh feinen großartig angelegten Charakter; nnd als er nun die Regierung antrat hatte er sich schon soweit in die Ideen seines Vaters gefunden, daß er fügen konnte: von den: Bau meines Vaters wird kein Stein abgerissen, nur die Dekoration wird eine andere. Seine Freunde glaubten, es werde nun an seinem Hofe ein heiteres den Wissenschaften gewidmetes Leben anbrechen, aber Friedrich hatte ganz andere Ziele, er wollte Preußen durch einen siegreichen Krieg an die richtige Stelle in Europa setzen.
Und wie hat er sein Herzblut daran gesetzt um dieses Ziel zu erreichen, wie viele düstere Stunden hat der edle König durchleben müssen, bis er den preußischen Adler in der Höhe der strahlenden Sonne schweben sah?! Wir erinnern hier nur an den Ausgang der Schlacht von Kunersdorf, wo der König als der Letzte auf dem Schlachtfelde blieb und den Tod suchte.
Aber das Ende war doch der glänzende Friedensschluß von Hubertsburg, wo Friedrich Schlesien für immer erhielt und Preußens Stellung als europäische Großmacht unantastbar geworden war. — — Noch über zwanzig Jahre herrschte Friedrich in Frieden und war aufs eifrigste bemüht, die Wunden, die der siebenjährige Krieg seinem Lande geschlagen hatte, zu heilen.
Vor allem verwendete er große Mühe auf das Heer, dem. er die reckende Artillerie geschaffen und das er in seinen Kriegen gestählt hatte. Ferner trocknete er die Sümpfe an der Weichsel und Oder aus und gewann dadurch große Strecken Länder, baute Städte auf und zog Colomsten ins Land; mit einem Wort er förderte die Industrie aufs bestmöglichste.
m Trotz dieser angestrengten Th ätigkeit, die einen Mann vollauf zu beschäftigen im Stande war, fand er doch noch Zeit genug, stch seinen Lieblingsstudien hinzugeben, der Philosophie, Musik und Dichtkunst. Manche haben ihm zwar zum Vorwurfe gemacht, daß
er nur französisch geschrieben und gedichtet habe, aber man betrachte nur die Zeit und man findet eine vollkommene Entschuldigung. Eine deutsche Literatur gab es damals noch nicht, herrschend war die Hoff- mannswaldau-Lohensteinische Richtung, die an einer süßlichen Empfin- delei und einem lächerlichen Bombast der Sprache krankte; kein Wunder, daß sich der feinfühlige, junge König von ihr ab- und den Franzosen zuwandte, wo ein reges geistiges Leben blühte. Daß Friedrich trotzdem gut deutsch war, kennzeichnen nicht nur seine Thaten, sondern auch jeder Buchstabe seiner Schriften. Vor allem sind zu nennen, seine militairwissenschaftlichen und geschichtlichen Werke, z. B. „Generalprincipien des Krieges" und die „Geschichte meiner Zeit".
Wer die Commentarien Cäsars gelesen hat, wird immer eine starke Subjectivität vorherrschend finden, was ja auch bei einer Schilderung der eigenen Thaten leicht verzeihlich ist, Friedrich aber ist ganz unparteiisch, mit rücksichtsloser Strenge zieht er seine Fehler ans Licht, dagegen lobt er sehr oft die treffliche Haltung seiner Gegner. Von feinen Liedern will ich nichts sagen, sie reden für sich selber, und es sei mir gestattet hier sein Lied an die Preußen anzuführen; darnach soll noch jemand behaupten, Friedrich habe französisch gefühlt:
Aux Prussiens.*)
Peuples que la valeur conduisit ä la gloire, Heros ceint des lauriers que donne la victoire, Enfant cheris de Mars, combles de ses faveurs, Craignez que la paresse, L’orgueil et la mollesse Ne corrompent vos moeurs.
Par Finstinct passager d’une vertu commune, Un Etat sous ses lots asservit la fortune, II brave ses voisins, il brave le trepas;
Mais sa vertu s’efface,
Et son empire passe,
S’il ne le soutient pas.
Tels furent les vainqueurs de la fiere Ausonie.
Ennemis les Romains, rivaux de leur genie, Ils imposaient leur joug ä ces peuples guerriers;
Mais Carthage l’avoue,
Le sejour de Capoue
Fletrit tous ses lauriers.
Jadis tout l’Orient tremblait devant l’Attique, Ses valeureux guerriers, sa sage politique, De ses puissants voisins arretaient les progres,
Quand la Grece opprimee
Defit rimmense armee
De Torgueilleux Xerxes.
A l’ombre des grandeurs eile enfanta les vices, L’interet y trama ses noires injustices, La l’äcliete parut ou regnait la valeur,
Et sa force epuisee
La rendit la risee
De son nouveau vainqueur.
Ainsi, lorsque la nuit repand ses voiles sombres, L’eclair brille un moment au milieu de ces ombres, Dans sa rapide cours un eclat eblouit;
Mais des qu’on la vu naitre, Trop prompt ä disparaitre, Son feu s’aneantit.
*) Uebersetzung folgt baldigst.