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Nr. 190.

Montag den 16. August

1886.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Bekanntmachung.

Am 4, August d. I. wurde im hiesigen Stadtwalde, ca. 200 Schritt von der Station Oberforsthaus und ca. 100 Schritt von der Straße nach Jsenburg, die Leiche eines unbekannten, anscheinend dem Arbeiterstande ungehörigen Mannes aufgefunden.

Die Leiche war bekleidet mit grauwollenen Strümpfen, starken mit Nägel beschlagenen Schuhen, dunkler Jacke und Weste. Der Verlebte trug ein Bruchband und einen ledernen Riemen um den Leib.

Neben der Leiche lag ein dunkler Stoffrock, ein schwarzer, runder, noch ziemlich guter Filzheit mit der FirmaLehmann, Hoflieferant, Dres­den" und ein schwarz-brauner Naturstock.

Die Todesursache, sowie die nähere Beschreibung der Leiche kann in Folge weit vorgeschrittener Verwesung nicht angegeben werden, obgleich, nach ärztlichen Gutachten, der Tod erst vor 23 Wochen eingetreten ist.

Um Anzeige wird ersucht, falls über die Person des Verstorbenen etwas bekannt sein sollte.

Frankfurt a. M., den 9. August 1886.

Der Polizei-Präsident.

I. V.: Steffens.

Wird veröffentlicht.

Hanau am 13. August 1886.

Der Königliche Landrath

P. 3624 Gf. Bismarck.

Gefunden: Ein Schiebekarren (auf dem Wochenmarkt stehen ge­blieben). Ein Zwicker. Ein gelber Damenhandschuh (linker). Ein weißes Taschentuch mit rothen Streifen. Ein Portemonnaie mit Geld. Ein KrankenKassenbuch für Carl Frischkorn.

Verloren: Am 4. d. Mts. auf dem Wege von Bruchköbol bis Marköbel 6 Bierfässer nebst einem s. g. Wagensteller. Dem Wiederbrin- ger eine Belohnung. Eine gehäckelte Geldbörse mit Stahlbügel mit 2 Mk. Inhalt. Eine große silberne Damenuhr mit Nickelkette.

Vom Wasenmeister ein gefangen: Ein hellgelber Schäferhund, ein grau-brauner Pinscher; beide m. Geschl.

Hanau am 16. August 1886.

Aus Königl. Landrathsamt._____________________

Tagesschau.

Babelsberg, 14. Aug. S. M. der Kaiser nahmen heute mehrere Vorträge und militärische Meldungen entgegen. Zur Tafel sind mehrere Regiments-Commandeure der Potsdamer Garnison ein­geladen.

Berlin, 14. August. Der Unterrichtsminister hat auf eine an ihn gerichtete Anfrage unter dem 9. ds. Mts. entschieden, daß auf preußischen Universitäten Frauen weder als Studirende ausgenommen noch als Hospitanten zugelassen werden dürfen.

Berlin, 14. Aug. Nach einer aus Amerika der Polizeibe­hörde in London vor kurzem zugegangenen Nachricht haben sich drei Jndustrieritter von dort nach Europa begeben, um hier großartige Fälschungen auszuführen. Einer derselben nennt sich William Bartlett, Wm. H. van Höven, auch Bill Bartlett, ist etwa 47 Jahre alt, 5 Fuß 10 Zoll groß und stark gebaut. Dieser Mann sendet gewöhnlich andere, um die gefälschten Schriftstücke zu veräußern, doch geht er selbst, wenn er sich sicher glaubt. Der zweite heißt John Riley, nennt sich auch Ryan Edwards und Miller, ist etwa 43 Jahre alt, 5 Fuß 8 Zoll groß und hat dunkelbraune, grauwerdende Haare und eine röthliche Narbe über dem rechten Auge. Der dritte nennt sich Walter Sheridan, Costmann, H. Stafford, auch I. P. Scott, ist 52 Jahre alt und 5 Fuß 7 Zoll groß.

. Berlin, 14. Aug. (K. Z.) Der Raubmörder Keller ist heute Abend hier eingebracht und dem Untersuchungsgefängniß in Moabit über­liefert worden Auf dem Bahnhose, wo eine große Volksmenge der An­kunft des Mörders harrte, war eine starke Polizeimacht ausgestellt, um jede Unordnung fernzuhalten.

Briessendungen für S. M. Panzerschiff Friedrich Karl sind zu rechten: bis 21. August nach Oueenstown (Irland), bis 1. Sept. nach

Plymouth, bis 4. Sept. nach Weymouth, bis 9. Sept. nach Portsmouth und von da bis auf weiteres nach Wilhelmshaven.

Stettin, 14. Aug. Auf der Werft der GesellschaftVulkan" lief heute der dritte der 3 kleineren Subventionsdampfer glücklich vom Stapel; er erhielt den NamenDanzig."

In Erfurt beschäftigt augenblicklich ein großartiges Projekt, welches auf 1,332,000 Mk. veranschlagt ist, die Behörden der Stadt. Dieses Projekt betrifft dieEntfluthungsfrage", ist vom Assistenten Henschke entworfen und bezweckt den Wasserspiegel der Gera zu vertiefen und den ehemaligen Festungsgraben als Fluthgraben zu benutzen. Jedwede Gefahr, welche bei eintretendem Hochwasser der Stadt droht, soll dadurch be­seitigt sein.

Eine Reihe von Zahlmeistern, gegen welche die Untersuchung schwebte, ist durch eine Zustellung von den Behörden in Kenntniß gesetzt, daß gegen sie das Verfahoen wieder eingestellt worden sei. Zu diesen gehört insbesondere der eine Zahlmeister, in dessen Sachen es bisher allein zu einer mündlichen Verhandlung vor dem Kriegsgerichte gekommen ist. Das Urtheil lautete zwar freisprechend, war jedoch durch die Entscheidung des obersten Kriegsherrn wieder aufgehoben worden. Nun­mehr ist auch gegen diesen Zahlmeister das Verfahren eingestellt. Die Voruntersuchung gegen die Armeelieferanten Wollank und Hagemann ruht während der Ferien, ohne indeß zum Abschluß gelangt zu sein. Der Untersuchungsrichter, welcher in die Sache eingearbeitet ist, hat gegenwärtig Urlaub.

Aus Weimar wird uns berichtet: Die hiesige Wohnung Liszts ist versiegelt und wird auf Wunsch des Großherzogs bis zu dessen Rück­kehr von seiner Sommerreise versiegelt bleiben. Der Großherzog will, daß die Hofgärtnerei, wo Liszt gewohnt, wie das Schillerhaus ein Liszt- Haus, ein Museum von Andenken an ihn auf immer bleibe, und zwar so, wie er es verlassen hat. Deshalb soll auch das Bild seines ältesten Freundes, des Hofraths Dr. Gille, der dasselbe zurückerbeten hatte, in dem Zimmer Liszts bleiben. Diese Bestimmungen des Großherzogs werden sicherlich zur Befriedigung aller Freunde des verstorbenen Kunstheroen gereichen.

Nach einer Meldung der Deutschen Zeitung fand sich ein Testament Liszts vom Jahre 1861 im Amtsgerichte Weimar. Vollstreckerin sei die Fürstin Sapn-Wittgenstein.

Das in Ilmenau errichtete Scheffel-Denkmal ist am 13. d. Mts. in feierlicher Weise enthüllt worden. Von dem Oberamtsrichter Schwanitz, dem intimen Freunde Scheffel's, erschien zum Enthüllungstage eine Festschrift.

Bei der Monarchen-Begegnung in Gast ein ist auch Italien im Geist zugegen gewesen, so heißt es in einem offiziösen Brief der Politischen Korrespondenz aus Rom. Die italienische Regierung sei über Alles, was in Gastein vorfiel und verhandelt wurde, auf das Vollständigste unter­richtet. In Gastein sei nichts beschlossen worden, was nicht auch dem Interesse Italiens vollständig entspreche. Der Erhaltung des europäischen Friedens hat die Zweikaiserzusammenkunft gegolten und darum sind jetzt noch die Blätter des Lobes darüber voll. Die Abreise Kaiser Wilhelm's von Gastein begleitet das Wiener Fremdenblatt mit folgenden herzlichen Worten:

Die besten Wünsche der Völker unseres Reiches begleiteten den Kaiser auf seiner Heimkehr. Sie vermengen sich alle in der Hoffnung, daß der greise, aber nimmer ermüdende Herrscher auch nächstes Jahr im vollen Genuß seiner geistigen und körperlichen Frische nach unserem lieben Gastein kommen und sich daselbst neuerdings an der erquickenden Lust und an den heilbringenden Thermen laben wird. Diesem Wunsch werden sich sicherlich auch alle andere Nationen anschließen, welche bereits zur Erkenntniß gelangt sind, welch eine mächtige Säule des Friedens Europa in dem Kaiser Wilhelm besitzt.

Wien. Das Handschreiben des Kaisers an Tisza findet jetzt in allen hiesigen Blättern ausführliche Würdigung, vom feudal-klerikalen Vaterland" an, welches sich nur mit Mißbehagen in die geschehene Thatsache fügt, bis zur Neuen Freien Presse, welche Herrn v. Tisza als Schutzengel nicht blos Ungarns, sondern der ganzen Monarchie bejubelt. DasVaterland" meint:So wie der monarchische Charakter in dem Handschreiben offen hervortritt, so ist anderseits auch die Bedeutung der