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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 189.
Samstag den 14. August
1886.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.
Am 18. und 19. d. Mts. werden von dem hier garnisonirenden Königl. Infanterie-Regiment Nr. 97 in dem Terrain westlich von Wachenbuchen größere Schießübungen mit scharfen Patronen abgehalten.
An dem genannten Tage darf von 8 Uhr Morgens bis 12 Uhr Mittags das Gelände zwischen den Wegen Wachenbuchen-Kleine-Loh-Große- Loh (die beiden letzteren mit einbegriffen), Große-Loh-Hochstadt-Wachen- buchen nicht betreten werden. Den Weisungen der Seitens des Regiments ausgestellten Absperrungsposten ist unweigerlich Folge zu leisten. Ebenso bei einem am 18. d. Mts. Abends von 7 bis 10 Uhr stattfindenden Nachtschießen.
Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 10 Mark subs. 3 Tagen Haft bestraft.
Hanau am 13, August 1886.
Der Königliche Landrath
M. 3946. Gf. Bismarck.
Tagesscha«.
— Der „R. u. St.-A." Nr. 189 veröffentlicht: Bekanntmachung, betr. den Aufruf und die Einziehung der Einhundert - Mark - Noten der Kommerzbank in Lübeck, vom 8. August 1886.
— Berlin, 13. August. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen im Laufe des heutigen Tages auf Schloß Babelsberg die Besuche Ihrer Hoheiten des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg- Schwerin und des Prinzen Ludwig von Baden, und dinirten um 3 Uhr bei Ihren Kaiserlichen Hoheiten den Kronprinzlichen Herrschaften im Neuen Palais.
— Berlin, 13. August. Die Nord. Allg. Ztg. sagt in einem die Rückkehr des Kaisers feiernden Artikel, die Solennität, womit die Begegnung der beiden Kaiser in Gastein sich diesmal vollzogen, habe auf das deutsche Volk und die Völker der österreichischen Monarchie den freudigsten Eindruck geübt, ohne daß eine Veranlassung vorliege, dieser Solennität irgend eine demonstrative Richtung unterzuschieben; im Gegentheile werde man überall, wo die Erhaltung des Friedens in die obersten Ziele der Politik ausgenommen sei, sich Glück wünschen zu der Art, wie sich die Begegnung der beiden Kaiser vollzogen habe, denn diese Solenni- lät charakterisire nicht bloß den Fortbestand, sondern auch das Wachsthum der freundschaftlichen Beziehungen Deutschlands zu Oesterreich auf Grundlage des vollen wechselseitigen Einverständnisses.
— Berlin, 13. August. Der Doppelmörder Keller, der seit Wochen spurlos verschwunden war, ist gestern in Althofdürr bei Breslau verhaftet worden.
— Am 19. September d. J. findet in Berlin eine Ausschußsitzung des Centralverbandes deutscher Industrieller statt, in welcher unter Anderem nachstehende Gegenstände zur Verhandlung kommen werden: Bericht der vom Ausschuß des Centralverbandes eingesetzten Kommission über den Antrag des Elsässischen Industriellen-Syndikats, betreffend die neue Klassifizirung resp. Tarisirung der Baumwollenwaaren, Antrag des Vereins der südlichen und westlichen Gruppe deutscher Lederfabrikanten auf Unterstützung einer Petition, betreffend die Einführung eines einheitlichen Zollsatzes von 36 Mk. pro 100 kg auf Leder aller Art, Verlängerung des deutsch-schweizerischen Handelsvertrages, Reform des Patentgesetzes und Antrag auf Abänderung der Bestimmungen des Statuts über die Stimmberechligung bei den Delegirtenverhandlungen Auch soll die Frage, wie dem Nothstände der Montanindustrie abzuhelfen sei, erörtert werden.
— S. M. Segel-Fregatte „Niobe", Kommandant Kapitän zur See Aschenborn, ist am 12. August cr. in Zoppot eingetroffen und beabsichtigt am 31. August er wieder in See zu gehen.
— NR. Gegenüber einer Reihe unrichtiger Mittheilungen über ost- afrikanische Besitzverhältnisse sind wir in der Lage, auf Grund athentischer Nachrichten folgendes zu bemerken: Die internationale Kommission, bestehend aus dem deutschen Consul in Kairo Schmidt, dem früheren französischen Residenten in Cochinchina Lemaire und dem englischen Major Kitchener, welche die Aufgabe hatte, die Grenzen der Gebiete fest
zustellen, über welche der Sultan von Zanzibar in Wirklichkeit Souve- rainitätsrechte ausübt, hat ihre Arbeiten in Zanzibar beendet. Die Kommission hatte Reisen an der ostafrikanischen Küste unternommen, um festzustellen, wie weit sich die Herrschaft des Sultans Said ben Bargasch erstreckt und das Resultat ihrer Arbeiten in einem augenblicklich hier vorliegenden Protokoll niedergelegt, in welchem diejenigen Landstriche verzeichnet sind, wo der Sultan wirklich Hoheitsrechte besitzt. Bekanntlich erhebt Letzterer weitergehende Landansprüche und es erscheint darum nicht ausgeschlossen, daß die Regierungen, welche in der oben erwähnten Kommission vertreten waren, sich noch später darüber verständigen werden, in wie fern sie diese Ansprüche berücksichtigen wollen. Die Angelegenheit wird jedoch nicht als dringliche betrachtet und ist noch von keiner Seite eine Konferenz zu diesem Zwecke angeregt worden.
— Aus Apolda meldet die „Gothaische Zeitung":
Die hiesige Strumpffabrikation ist gegenwärtig in sehr flottem Gange, das Angebot von Arbeit und die Gesuche nach Arbeitern und Arbeiterinnen waren lange Zeit nicht so vielfältig wie gegenwärtig, am meisten fehlen die Vorarbeiter: Spuljungen und Spulmädchen, Hasp- lerinnen u. dgl. Der Lohn für diese Arbeiten ist bedeutend gestiegen, man zahlt für einen guten Spuler 6—8 Mk. wöchentlich und für eine Hasplerin 10—12 Mk. und dabei klagen die Meister noch sehr über schlechte Bedienung von dieser Seite. Die Aufträge auf Damentücher, Herren- und Damenwesten rc. sind kaum zu beschaffen; es wäre nur zu wünschen, daß dies recht lange anhalten möchte.
— Sonneberg. Thatsächlich im Straßenkoth erstickt ist neulich Nachts im nahen Köppelsdorf ein sinnlos Betrunkener, der mit dem Gesicht in den fußhohen Schmutz gefallen war und nicht vermocht hatte, sich aus dieser Situation wieder zu erheben. Morgens fand man ihn als Leiche und Mund, Nase und Ohren vollständig mit Straßenkoth angefüllt. Der Arzt konstatirte den Tod durch Erstickung.
— Der Trostpreis beim Skatturnier in Altenburg, bestehend aus einem Service, welches Derjenige bekommen sollte, welcher die wenigsten Points erzielte und sein Pech mit Humor, Geduld und Würde ertrug, ging an Beutler-Hamburg, der 176 Points minus gemacht hatte.
— Bern, 12. Aug. Die Schweitz hat es von Frankreich erreicht, daß sie durch einen Zusatz zum Handelsverträge den bisherigen Alkoholzoll auf das Doppelte erhöhen darf, doch ist natürlich die Bestätigung vorenthalten.
— Wien, 12. Aug. Vom 5. ds. bis heute sind in dem Stadtgebiete von Trieft 43 Personen an der Cholera erkrankt und 33 gestorben; der Choleraziffer der Vorwoche gegenüber sind also in dieser Woche 2 Personen mehr erkrankt und 7 Personen mehr gestorben. Seit dem Auftreten der Cholera sind 118 Personen gestorben, 47 genesen und 21 befinden sich noch in ärztlicher Behandlung. In Jsola (Jstrien) sind seit gestern 14 Personen erkrankt und 6 Personen gestorben.
— Brüssel, 13. Aug. Der Bürgermeister berief die gesammte gegen 6000 Mann zählende Bürgergarde eine, um am Sonntag zur Aufrechthaltung der Ruhe mitzuwirken; außerdem verfügt der Bürgermeister über 600 Polizeibeamte und Gensdarmen. Die hiesige Garnison, 6000 Mann, bleibt am Sonntag konsignirt und hat den ersten Aufforderungen des Bürgermeisters zur Hilfeleistung sofort zu entsprechen. Die Garnisonen der Nachbarstädten werden zum sofortigen Abmarsch hierher bereit- gehalten.^ Der König wird am Sonntag mehreren Feierlichkeiten anläßlich des Nationalfestes beiwohnen.
,— In einem Artikel der „France" über die Kaiserbegegnung in Gastein heißt es:
„Es ist offenbar, daß an dem Tage, da Rußland auf Berlin marschirt, die Chafsepots von selbst losgehen werden. Allein Rußland, das Deutschland im Jahre 1871 gerettet hat, muß zuerst marschiren. Bei sich zu Hause ist es unverletzlich. Eine Niederlage in den Ebenen Polens wäre noch immer gut zu machen. Die deutschen Generale schmeicheln sich damit, bis nach Moskau gehen zu können. Aber sie würden von dort so zurückkommen müssen, wie wir 1812. Frankreich hat leider ein zugängliches Landesgebiet. Die Russen brauchen uns nicht von einer Allianz zu sprechen, die zu Stande kommen wird, so sie nur